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Wie lautet der nächste Zug?

Freitag, 08.05.2015 | 16:33 Uhr
David Blatt (l.) und LeBron James sind seit dem vergangenen Sommer in Cleveland
© getty
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Mit einem klaren Sieg in Spiel 2 haben die Cleveland Cavaliers die Serie mit den Chicago Bulls ausgeglichen. Spiel 3 und 4 (Sonntag, 21.30 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE) finden in der Windy City statt - und Cavs-Coach David Blatt muss sein Team erneut umstellen. Ob er die richtige Taktik findet, könnte vor allem von der Fitness eines Spielers abhängen.

"Talent ist nicht genug", hieß es in großen Lettern auf dem schwarzen T-Shirt von Cavs-Coach David Blatt, als er sein Team am Donnerstag zum Training begrüßte. Eine Botschaft an sein Team, hart zu spielen, wie in Game 2, als man eine ganz neue Energie auf dem Court zeigte und, angetrieben von LeBron James, gegen die Bulls einen Blitzstart hinlegte?

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Eine Botschaft an die Medien, die ihm Zeit der Saison das Label "Rookie-Coach" aufgedrückt hatten, obwohl er in Europa viele Jahre gecoacht, viele Titel gewonnen und in Game 2 durch die Hereinnahme von Tristan Thompson in die Starting Five einen perfekten Zug im Schachspiel mit Bulls-Übungsleiter Tom Thibodeau hingelegt hatte?

Oder vielleicht bezog sich die Message auf das Fehlen von Kevin Love? Selbst mit einem gesunden Power Forward hätte man nicht zum Titel spazieren können, dafür ist die Konkurrenz zu gut, die Liga zu tief. Gleichzeitig ist jedoch auch mit etwas weniger Talent nicht alles verloren - wenn eben die anderen Tugenden zum Einsatz kommen.

Love sauer, Heimvorteil weg

Blatt jedenfalls ließ sein Shirt für sich sprechen. Und er ließ sich auch von Loves erstem Auftritt in der Öffentlichkeit nach dessen Operation an der Schulter nicht beeinflussen. Der zukünftige Free Agent war in Game 2 erstmal wieder in der Halle gewesen, den lädierten Arm in einer Schlinge. Gleichzeitig waren Berichte aufgetaucht, wonach er Celtic Kelly Olynyk, der ihm im letzten Spiel der ersten Runde die Verletzung zugefügt hatte, eine persönliche Entschuldigung verweigere.

Wenn man dann noch bedenkt, dass das Team eine Promotionidee - 20.000 Schlingen für die Fans in der Halle - glücklicherweise rechtzeitig wieder einstampfte, lässt sich konstatieren: Es könnte etwas ruhiger sein im Umfeld der Cavaliers. Vor dem ersten Auswärtsspiel in der Serie.

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Und da kommt jede Menge Arbeit auf das Coaching-Team zu. Den obwohl man gegen lustlose Bulls in Spiel 2 einen dominanten Sieg einfahren konnte, ist der Heimvorteil weg. Zwei Partien im Tollhaus United Center stehen an. Gegen ein hochmotiviertes Team, welches LeBron James noch nie besiegen konnte. Gegen einen fitten Derrick Rose, gegen einen frischgekürten Most Improved Player Jimmy Butler. Gegen einen Frontcourt, der sich für den schlappen Auftritt am Mittwoch revanchieren möchte.

Und die Fragen für Blatt sind nicht weniger geworden.

Smith kehrt zurück

Im Backcourt gibt es immerhin eine positive Nachricht: Shooting Guard J.R. Smith meldet sich nach seiner abgesessenen Sperre zurück und wird wohl wieder in die Starting Five rücken. Könnte das die in Spiel 2 gefundene Chemie durcheinanderwirbeln? Immerhin hatte die Kombination Irving/Shumpert durchweg überzeugt. "Da gibt es keinen negativen Aspekt", wehrt Blatt ab. "Wir bekommen einen unserer wichtigsten Spieler zurück."

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Trotzdem wird es die Rotation durcheinanderwirbeln - und dem Duo Rose und Butler angesichts eher suboptimaler Defense wohl mehr Möglichkeiten eröffnen. Schließlich ist Smith kein sonderlich guter Verteidiger und hat eine lange Pause hinter sich.

Was ist mit Shumpert?

Manchmal kann es eben auch ein Vorteil sein, wenn sich das Team von selbst aufstellt. Im Basketball, aber auch in anderen Sportarten. Und ohne Smith stellte sich der Backcourt von selbst auf. Die Angst im Team ist jedoch, dass sich dieser trotz der Rückkehr von Smith erneut selbst aufstellt - denn Iman Shumpert könnte mit Leistenproblemen ausfallen. "Das kann passieren", so Blatt. "Wir hoffen, dass er spielen kann, aber das können wir jetzt noch nicht sagen."

Mit 15 Punkten, 7 Rebounds und 3 Steals hatte Shumpert, der Mann mit dem prägnanten Haarschnitt, in Spiel 2 brilliert. "Er fühlt sich ein bisschen besser als wir erwartet haben, das ist eine gute Nachricht", verriet Blatt. "Aber wir beobachten es weiter und hoffen, dass er Fortschritte macht." Durchschnittlich 35 Minuten hatte Shumpert in den ersten zwei Partien abgerissen. Das wäre diesmal nicht nötig und könnte so zu einem Einsatz beitragen.

Als Kettenhund für Rose oder Butler ist er jedoch insgesamt unverzichtbar - und würde außerdem verhindern, dass Backup Matthew Delladedova wie in Spiel 2 erneut 36 Minuten spielen muss. Das ging einmal gut (9 Punkte, 9 Assists), ein Erfolgsrezept ist es jedoch ganz sicher nicht.

Dünne Bank

Shumperts Einsatz würde zudem die Personalsituation im Frontcourt entspannen, welcher durch Loves Verletzung arg ausgedünnt wurde. Blatt fand am Mittwoch die richtige Reaktion auf die Pleite in Spiel 1 und beförderte Tristan Thompson an Stelle von Mike Miller in die Starting Five, James rückte wieder auf seine angestammte Small-Forward-Position.

Der Schachzug funktionierte: Thompson kaufte Gasol und Noah als wirbelnder Derwisch unter den Brettern den Schneid ab und klaubte sich insgesamt 6 Offensiv-Rebounds. "Mein Job ist ziemlich einfach: Reinkommen, hart spielen und dem Team Energie geben", hatte er vor der Partie gesagt - und dann glänzend umgesetzt.

Im Gegenzug jedoch wurde die Bank noch weiter geschwächt: Kendrick Perkins und James Jones bildeten die Backup-Big-Men - kein Wunder, dass Taj Gibson keinen einzigen Fehlwurf verzeichnete. Für diesen einen Abend funktionierte es, auch weil Jones gleich fünf Dreier einstreute, aber kann man sich darauf verlassen? Thibs wird diesen Punkt unweigerlich als große Schwachstelle im Cavs-Team ausgemacht haben und sie mit voller Härte attackieren.

Thompson auf die Bank?

Dies wiederum könnte Blatt durch ein Small-Ball-Lineup kontern, in dem sowohl Smith als auch Shumpert in die Startformation rücken. Das hätte den einen Nachteil, James wieder im Kampf mit den Big Men der Bulls aufzureiben. Aber es hätte eben auch eine Menge Vorteile: Weder Noah noch Gasol können James verteidigen, man hätte noch mehr Shooting auf den Flügeln und Thompson würde die Second Unit bedeutend stärken.

Blatt und sein Team haben also einige Entscheidungen zu treffen: Wie lange spielt J.R.? Wie wirkt sich das auf die defensiven Rotationen und Schemes aus? Kann Shumpert spielen? Sollte er überhaupt spielen? Bleibt er in der Starting Five? Wie löst man das Backup-Problem im Backcourt? Spielt James (zumindest zeitweise) wieder auf der Vier?

Wie reagiert Thibodeau?

Gut für Blatt: In der Rotation des Gegners wird es wohl keine Überraschungen geben, so lassen sich die Matchups leichter vorhersagen. Gleichzeitig ist Thibodeau jedoch ein abgezockter Fuchs mit einer Menge Playoff-Erfahrung, der die bekannten Schwächen in der Cavaliers-Rüstung attackieren wird, womöglich mit ganz neuen Strategien.

Blatt wird darauf reagieren müssen. Das größte Fragezeichen bei unerfahrenen NBA-Coaches sind nicht umsonst die "Adjustments" in einer Playoff-Serie mit bis zu sieben Spielen. Der erste gute Schachzug ist ihm in Spiel 2 gelungen, doch das Spiel ist noch lange nicht gewonnen.

Gelingt es Blatt, wird wohl auch das ihm so verhasste Rookie-Coach-Label endgültig ad acta gelegt.

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