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Ademola Okulaja im Interview

"Bei Dennis hat es klick gemacht"

Dienstag, 19.05.2015 | 14:30 Uhr
Ademola Okulaja (r.) ist der Agent von Dennis Schröder
© imago
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In wenigen Jahren stieg Ex-Nationalspieler Ademola Okulaja zu einem der wichtigsten Basketball-Agenten Deutschlands auf. Neben Dennis Schröder vertritt er unter anderem die beiden Bamberger Nationalspieler Daniel Theis sowie Elias Harris und Frankfurts 17-jähriges Toptalent Niklas Kiel. Vor dem Auftakt der Conference Finals zwischen den Atlanta Hawks und Cleveland (Spiel 3 am Montag ab 2.30 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE) spricht der frühere Weltklasse-Forward über Schröders Matchup gegen Kyrie Irving, die Tücken des NBA-Geschäfts und Svetislav Pesics Generalkritik.

SPOX: Herr Okulaja, Sie besuchten am Wochenende das Final Four der Euroleague in Madrid und das Top 4 der NBBL in Hagen, um Ihren Schützling Niklas Kiel zu beobachten, der im Finale der deutschen U-19-Meisterschaft mit Frankfurt gegen den FC Bayern unterlag. Parallel steht Dennis Schröder mit den Atlanta Hawks in den Conference Finals der NBA und Daniel Theis sowie Elias Harris im BBL-Halbfinale. Das sind nur vier Ihrer bekanntesten Klienten. Wie sieht Ihr Zeitmanagement aus?

Ademola Okulaja: Dank der Internet-Angebote schaue ich bis tief in die Nacht die NBA, dann schlafe ich kurz, nehme am Tag Termine wahr oder reise. Am Dienstag geht es direkt rüber in die Staaten, um den Auftakt der Hawks gegen Cavs zu sehen. Aber das alles ist kein Grund zur Klage, im Gegenteil. Im Büro zu sitzen und durch die Verträge zu gehen, gehört zum Geschäft. Das Beste am Job des Agenten ist es, vor Ort zu sein, hochklassigen Basketball zu sehen und dabei die Kontakte zu pflegen und den Markt zu sondieren. Von daher ist es die stressigste und zugleich schönste Zeit einer Saison.

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SPOX: Für Schröder geht es am Mittwoch gegen die Cavs weiter. Nach Brooklyns Deron Williams und Washingtons John Wall wartet mit Kyrie Irving, sollte er einsatzbereit sein, der nächste hochkarätige Gegenspieler. Wie sehen Sie das Duell?

Okulaja: Vor Spiel 1 ein Matchup detailliert vorauszusagen, ist immer schwierig. Andererseits hat sich Dennis schon einen Namen gemacht als verdammt guter Verteidiger. Dass er in Spiel 6 gegen Washington 3 Steals verbucht hat, bedeutet etwas. Ohne große Töne spucken zu wollen: Perspektivisch könnte es für Dennis interessant sein, mit einem Auge auf den "Defensive Player of the Year"-Award zu schielen. In der Regel werden nur Flügelspieler oder Big Men berücksichtigt, doch warum sollte nicht mal ein Point Guard paar Stimmen bekommen? Dennis ist wie eine Batterie, die nie leer wird. Ich bin gespannt, wie er sich gegen Kyrie schlägt.

Alle Playoff-Matchups im Überblick!

SPOX: Haben Sie Schröders Leistungssprung erwartet?

Okulaja: Seit ich ihn kenne, habe ich ihm gesagt: "Du gehörst nicht nach Deutschland, du gehörst nicht nach Europa, mit deiner Spielweise gehörst du in die NBA." Von daher ging ich davon aus, dass er in der NBA gut aufgehoben ist. Wobei man natürlich nicht wissen konnte, wie ideal Atlanta für seine Entwicklung ist. Mit Coach Mike Budenholzer versteht er sich fast blind und die Chemie innerhalb des Teams ist genial. Aber bei aller Harmonie: In der NBA schenkt dir keiner etwas. Dennis erarbeitet sich das Vertrauen und reißt sich täglich den Arsch auf. Es sieht kaum jemand, mit welcher hohen Intensität er immer noch trainiert und auch während der Saison Extraschichten einlegt.

SPOX: Haben Sie allerdings kurz geschluckt, als im umkämpften Spiel 5 der Conference Semifinals gegen Washington Schröder im letzten Angriff zum Korb zog, um den Gamewinner zu erzielen, und dabei von Wall geblockt wurde?

Okulaja: Zunächst einmal ist es eine Auszeichnung, dass ihm Jeff Teague als Anführer so viel Vertrauen gab, dass dieser selbst auf eine Einwechslung verzichtete, damit Dennis auf dem Court bleiben konnte. Und Dennis hat das Vertrauen zurückgezahlt und delivert. Sein Drive war die richtige Entscheidung und Wall hat in der Szene extrem gut geblockt. Jedoch zog Dennis mit dem Drive gleich drei Gegenspieler auf sich, weswegen Al Horford den Offensiv-Rebound bekommen und den Gamewinner treffen konnte.

SPOX: Wie sehen Sie Schröders Wandel von der Vorsaison zu diesem Jahr? Vor allem das Selbstvertrauen scheint deutlich gestiegen zu sein. Mit Wall und Paul Pierce gab es sogar Trash Talk.

Okulaja: Jeder macht Trash Talk, manche werden publik, manche nicht. Es ist eine gewisse Art von Spaß, eine gewisse Art von Challenge. Deswegen finde ich es gut. Bei Dennis hat es einfach klick gemacht: Das harte Training zahlt sich aus und das Selbstvertrauen ist gestiegen. Man muss sich nur überlegen: Er ist der erste deutsche Point Guard, der jemals rübergegangen ist. Wie viele haben es überhaupt in den letzten Jahren aus Europa geschafft? Tony Parker, Ricky Rubio, Jose Calderon, Goran Dragic, und dann wird's schon eng. Deswegen hat er das erste Jahr benötigt, um sich einzugewöhnen und jetzt ist er ein fester Teil der NBA. Dann gehört Trash Talk eben dazu.

Playoff-Check: Die Eastern Conference Finals

SPOX: Was auffällt: Schröder hat sich als Stratege gesteigert und löst etwa Pick'N'Roll- oder Pick'N'Pop-Situationen mit den Big Men, vor allem Al Horford, viel besser auf, so dass Atlanta häufig zu einfachen Würfen kommt.

Okulaja: Es sieht für den Außenstehenden sehr einfach aus, aber so ist es nicht. Solche Spielzüge klappen nur, weil Dennis unglaublich schnell ist und diese Geschwindigkeit nicht verloren hat, obwohl er seit dem Wechsel in die NBA körperlich deutlich robuster geworden ist. In der NBA gibt es viele schnelle Spieler - und Dennis lässt diese im direkten Duell nicht so schnell aussehen. Das ist der Schlüssel.

SPOX: Bei aller Harmonie in Atlanta: Schröder wird sich mittelfristig nicht mit einer Backup-Rolle zufriedengeben. Allerdings ist Teague bis 2017 vertraglich gebunden. Muss Teague getradet werden, damit Schröder zum Starter befördert wird?

Okulaja: Die Chemie in der gesamten Franchise ist so gut, dass ich mir gut vorstellen kann, dass es nicht heißt "Teague ODER Schröder", sondern "Teague UND Schröder". Je nach Form und Gegner beginnt der eine oder der andere, oder beide starten gemeinsam, weil sie neben Point-Guard-Skills auch Shooting-Guard-Skills besitzen.

SPOX: Eine Sorge für die deutsche Nationalmannschaft angesichts Schröders starken Leistungen und Atlantas möglichen Vordringens in die NBA-Finals: Könnten die Hawks nach diesem Saisonverlauf eher erpicht darauf sein, dass sich Schröder im Sommer schont statt an der EM teilzunehmen?

Okulaja: Ich weiß von Dennis, dass er an der EM teilnehmen möchte. Und von Atlanta gab es bis jetzt grünes Licht und alles lief entspannt. Es ist dennoch ganz klar: Die Hawks sind der Arbeitgeber und gerade denkt niemand in der Franchise an etwas anderes als an die Playoffs. Danach gibt es noch genug Zeit, um über die EM zu sprechen, sie beginnt ja erst Ende August.

SPOX: Bei der EM würde Schröder wieder mit seinem engen Freund Daniel Theis vereint sein, den Sie ebenfalls seit vielen Jahren betreuten. Wie sehen Sie Theis' NBA-Perspektiven?

Okulaja: Das Interesse aus der NBA ist weiterhin vorhanden und er wird wie von vielen Euroleague-Teams genau beobachtet. Von seiner Athletik und Spielweise passt er in die NBA, jetzt hat er seinen Dreier verbessert. Und in der Summer League 2014 bei den Washington Wizards bewies er, dass er mithalten kann. Ich bin regelmäßig in Kontakt mit Wizards-Center Marcin Gortat, der immer wieder sagt, dass er Daniel sofort in seinem Team haben will. Aber die NBA ist kompliziert und es hängt extrem viel davon ab, welcher Trainer welches System spielen lässt. Beim Euroleague-Final-Four hat man wieder gesehen, was Fenerbahces Jan Vesely drauf hat. Bei ihm schreit alles nach NBA, seine Athletik, sein Talent, seine Moves, alles. Allerdings war er damals in Washington beim falschen Team. Vieles hängt vom richtigen Timing ab.

Seite 1: Okulaja über Hawks vs. Cavs und Schröders Leistungssprung

Seite 2: Okulaja über Theis, Harris, Kiel und Pesic

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