Mittwoch, 24.12.2014

Triangle Offense: Der Basketball-Talk

"Rondo macht Mavs nicht besser"

Mit Rajon Rondo haben die Dallas Mavericks endlich wieder einen Floor General. Aber war der Trade wirklich die richtige Entscheidung? Oder schadet Rondo Dallas mehr, als dass er nutzt? Sollte LeBron James das Playmaking bei den Cleveland Cavaliers übernehmen? Muss Dennis Schröder eigentlich neben Jeff Teague spielen? Sehen wir bald gleich drei neue Deutsche in der NBA? Die SPOX-Redakteure Florian Regelmann, Max Marbeiter und Stefan Petri diksutieren mit dem ehemaligen Bayern-Kapitän Steffen Hamann.

Steffen Hamann (r.) diskutiert mit den NBA-Redakteuren über Schröder, Rondo und Co.
© getty
Steffen Hamann (r.) diskutiert mit den NBA-Redakteuren über Schröder, Rondo und Co.

These: Der Rondo-Trade wird Dallas mehr schaden als nutzen

Stefan Petri: Klares nein. Der Grund dafür ist ganz einfach: Mit einer Point-Guard-Rotation Nelson/Felton/Harris/Barea hätte Dallas den Titel nicht geholt. Beste Offense hin oder her - das hätte niemals gereicht. Was auch absehbar war, schließlich hatte man die ersten fünf Duelle mit Playoff-Kandidaten aus dem Westen verloren. Klar, vielleicht funktioniert es nicht. Vielleicht blockieren sich Rondo und Monta Ellis langfristig, vielleicht kann das fehlende Zielwasser des 28-Jährigen nicht kompensiert werden. Vielleicht ist auch seine Defense nicht so gut wie erhofft. Aber was hat man zu verlieren? Klar, der Verlust von Brandan Wright tut weh. Aber die Picks sind zu verschmerzen, wenn das Team unter den besten zehn der Liga bleibt, und das wird es. Es ist ein Risiko - doch wenn die Parole "Titel oder Bust" heißt, dann ergibt der Trade absolut Sinn. Goran Dragic oder Ty Lawson hätte man ohnehin nicht bekommen. Also: In Carlisle we trust!

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Florian Regelmann: Klar, kann man auf Carlisle vertrauen, für mich ist dennoch klar: Rondo macht die Mavs nicht besser. Auf keinen Fall. Dieser Hype, der nach dem Trade irgendwie entstanden ist von wegen die Mavs sind jetzt ein Titelkandidat, beste Starting-Five der NBA... Hallo, sag mal geht's noch? Die Mavs waren vor dem Trade ein solides Playoff-Team ohne Meisterschaftschancen, genau das sind sie jetzt immer noch. Die Offense war schon vor dem Trade überragend, sie braucht keinen Rondo. Nein, was ist das große Problem der Mavs? Richtig, Defense. Jetzt erklär mir mal bitte jemand, wie Rondo, Version 2014, da helfen soll? Ein Rondo in seiner Blütezeit, das wäre etwas anderes. Aber mittlerweile verteidigt Rondo schon seit Jahren nicht mehr so gut, wie sein Ruf es vermuten lässt. Rondo ist auf dem absteigenden Ast, leistet sich viel zu viele Turnover und als Schütze ist er komplett unbrauchbar, seine Freiwurf-Quote ist ja ein schlechter Witz. Außerdem hat Dallas mit Brandan Wright einen extrem wertvollen Spieler abgeben müssen, der ihnen mit seinen Finisher-Qualitäten richtig fehlen wird. Das darf man nicht unterschätzen. Der Trade sieht ganz nett aus für Dallas, aber nutzen wird er ihnen nicht.

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Steffen Hamann: Das sehe ich ganz anders, Flo. Das war ein richtig guter Move der Mavs. Ich persönlich mag Rondo und seine Spielweise. Jetzt bekommt er in Dallas eine neue Herausforderung, hat wieder sehr gute Spieler um sicher herum, dazu einen Leader wie Dirk und Chandler, mit dem er sehr gut harmonieren wird. Am Ende wird es den Mavs auch helfen, einen richtig guten, reinen Point Guard zu haben. Scorer haben sie ja genug, deshalb passt Rondo sehr gut nach Dallas. In den letzten Jahren haben ihn seine Verletzungen ein wenig gebremst, am Ende ist das Team in Dallas aber besser als das in Boston, davon wird Rondo wiederum profitieren. Es ist eine Win-Win-Situation. Der große Favorit auf den Titel sind die Mavs für mich deshalb zwar noch nicht, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung, um den einen oder anderen in den Playoffs richtig ärgern zu können. Die Problematik mit Monta Ellis sehe ich übrigens nicht. Ellis ist ein Scorer, Rondo nicht. Deshalb sollten sich bei arrangieren und Ellis am Ende auch von Rondos Passfähigkeiten profitieren.

Max Marbeiter: Nachdem ich mich am Freitag ja schon ausführlich zu der ganzen Geschichte ausgelassen habe, dürfte meine Sichtweise halbwegs bekannt sein. Ein gewisses Risiko besteht durchaus - da gebe ich Flo Recht. Brandan Wright wird fehlen. Zudem muss Rondo erst integriert werden. Da muss man erst mal abwarten, ob das so leicht anzustellen ist. Zumal er bereits länger nicht mehr so stark verteidigt, wie es sein Ruf eigentlich vermuten lässt - auch da bin ich noch bei Flo. Aber, und das ist der Punkt, für Rondo gab es in Boston seit zwei Jahren nichts mehr zu gewinnen. Erst der Kreuzbandriss, der ihn auch nach seinem Comeback behinderte, dann das Auseinanderbrechen des Teams. Rebuild ist nichts für Rondo. Überhaupt nichts. Rondo ist eine Rampensau. Die Chance auf einen tiefen Playoff-Run wird ihn deshalb deutlich motivieren. Und die meisten wissen, wozu ein motivierter Rondo imstande ist. Ich sag' nur: bester Spieler der Conference Finals 2012 - bis Spiel sechs jedenfalls. Was ich zudem interessant finde, ist die neue Option, die Rondo den Mavs offensiv bietet. Dallas mag zwar die effektivste Offense der Liga haben, gerade gegen Topteams stockt sie bisweilen jedoch. Das System funktioniert dann nicht mehr in Perfektion. Und genau in solchen Situationen ist Rajon Rondo Gold wert. Schließlich gibt es wohl kaum einen, der derart effektiv für seine Mitspieler kreieren kann. Rondo verleiht der Mavs-Offense gewissermaßen ein zusätzliches Element, das sie am Ende noch schwerer ausrechenbar macht. Kombiniert Rick Carlisle Freigeist und funktionierendes Team effektiv, entsteht womöglich ein durchaus beeindruckendes Gesamtkonstrukt. Verteidigt Rondo dann auch noch entsprechend seines Rufs, ist Dallas sicherlich mehr geholfen als geschadet.

These 1: Der Rondo-Trade wird den Mavs mehr schaden als nutzen

These 2: Schröder muss neben Teague spielen

These 3: In 3-5 Jahren spielen Pleiß, Kleber und Zipser in der NBA

These 4: LeBron muss das Playmaking übernehmen

These 5: Mark Jackson hat großen Anteil am Erfolg der Warriors

SPOX

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Florian Regelmann(Chefredakteur )

Florian Regelmann, Jahrgang 1980, ist als Content Director des Mutterkonzerns PERFORM Deutschland verantwortlich für die redaktionellen Inhalte bei SPOX.com. Schwerpunkte: Tennis, Golf, US-Sport, Basketball, Handball, Eishockey, Volleyball. Geboren und aufgewachsen am Bodensee. Schon seit 2007 im SPOX-Team dabei.

Max Marbeiter(Redaktion)

Max Marbeiter, Jahrgang 1984, ist seit 2012 bei SPOX.com. Während seines Anglistik- und Politikstudiums in Erlangen knapp 3 Jahre lang freier Mitarbeiter bei kicker.de und im Anschluss an ein Praktikum auch einige Monate in der Lokalsportredaktion der Süddeutschen Zeitung. Bei SPOX.com festes Mitglied im Basketball-Ressort. Neben Texten zur NBA zählt der europäische Basketball zum Hauptaufgabenbereich.

Stefan Petri(Redaktion)

Stefan Petri, Jahrgang 1983, ist seit 2012 für SPOX.com tätig. Aufgewachsen in Hemsbach an der schönen Bergstraße, verschlug es ihn nach seinem Anglistik- und Geschichtsstudium in Heidelberg nach München. Festes Mitglied im NFL- und im NBA-Ressort, kümmert sich als Sports-Allrounder u.a. auch um Tennis, Baseball, Snooker, Wintersport, etc.

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