Legenden-Serie: Alex English

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Von Jan Zesewitz
Donnerstag, 05.01.2017 | 10:52 Uhr
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Wer an die 80er-Jahre in der NBA denkt, denkt an Magic Johnson, Larry Bird und die Anfänge von Michael Jordan. Die meisten Punkte in diesem Jahrzehnt erzielte allerdings ein anderer: Alex English. Seine Karriere fand fernab des Rampenlichts, versteckt in den Rocky Mountains bei den Denver Nuggets statt. Dennoch verdient der zurückhaltende Scorer weit mehr Beachtung als ihm selbst lieb ist - zumindest an seinem 63. Geburtstag.

In den 80er Jahren entwickelte sich die NBA sich zu der Liga, die wir heute kennen. Die Liga wurde immer populärer, ein gewisser David Stern wurde Commissioner und krempelte die Liga zu einer Unterhaltungsmaschinerie um, Entertainment wurde großgeschrieben.

Dabei half es natürlich, dass so viele Stars in der Liga spielten wie nie zuvor. Die Rivalität zwischen Magic Johnson und Larry Bird bestimmte die Zeit, hunderte Geschichten wurden in den Finals zwischen den Celtics und den Lakers nur über dieses Duell geschrieben. Die Zuschauer konnten Dominique Wilkins und Julius Erving bestaunen, wie sie die Gesetze der Schwerkraft scheinbar außer Kraft setzten. Und 1984 kam ein Junge von der University of North Carolina in die Liga, wurde von den Chicago Bulls gedraftet und veränderte die Liga für immer: Michael Jordan.

Als ebendieser Jordan in die Liga kam, war Alex English schon lange da. Fernab vom Rampenlicht, indem sich die eben genannten Stars befanden, machte English Korb um Korb. Als der gefeierte Draft-Jahrgang 1984 die Bühne betrat, war der Denver Nugget der beste Punktesammler der Liga. Sein Punkteschnitt zwischen 1981 und 1989 betrug knapp 28 Punkte. Dennoch erinnern sich heute wenige außerhalb Colorados an ihn. Aber warum nicht?

Von South Carolina in die NBA

English ist tief verbunden mit South Carolina. Er wurde in Columbia geboren, besuchte das College an der USC und zog nach dem Ende seiner aktiven Karriere dorthin zurück. Für USC legte er in vier Jahren beeindruckende Zahlen auf, in seiner Senior-Saison gelangen ihm 22 Punkte und 10 Rebounds im Schnitt. Genug, um All-American zu werden und noch immer einige Bestenlisten der Uni zu schmücken.

Die Milwaukee Bucks wurden auf ihn aufmerksam und zogen ihn an 23. Stelle im Draft 1976. "Es bedeutet eine Menge, bemerkt zu werden", sagt English zum Draft. "Es gab vorher keine Garantie, dass ich es in die NBA schaffen würde. Ich war 2,05 Meter groß und wog gerade mal 85 Kilo. Darum habe ich umso härter gearbeitet. Ich wusste, dass ich nicht scheitern würde."

Der Beginn seiner Karriere bei den Bucks verlief wenig erfolgreich. Milwaukee gewann nur 30 Spiele und Headcoach Don Nelson, der in der Mitte der Saison für Larry Costello übernahm, war damals schon nicht bekannt dafür, seinen Rookies viel Spielzeit zu geben. Es wurde erst nach zwei Jahren und einem Tapetenwechsel besser für English. Vor der Saison 1978/79 sicherten sich die Indiana Pacers seine Dienste. English gab den Scorer von der Bank und erzielte 16 Punkte im Schnitt - die Pacers allerdings verpassten die Playoffs.

Ein Zuhause in Denver

Mitte der nächsten Saison fand er endlich seine basketballerische Heimat. Durch einen Trade landete er bei den Denver Nuggets und wurde sofort der wichtigste Scorer im Team. An der Seite von Big Man Dan Issel und Shooting Guard David Thompson bildete er den Kern der Nuggets der frühen 80er Jahre. Die entscheidende Veränderung kam jedoch erst in der nächsten Saison.

Nach 31 Spielen standen die Nuggets nur bei einer Bilanz von 11-20 - Coach Donnie Walsh musste gehen. Ersetzt wurde er durch Doug Moe. Der schaute sich seinen Kader an und entschied sich zu einem radikalen Schritt: Die Nuggets sollen auf Teufel komm raus versuchen, mehr Punkte als der Gegner zu machen, unerheblich dabei, wie viele sie kassieren.

Die Folge - eine Bilanz von 37-45 am Ende, die Playoffs knapp verpasst. Die "Passing Game Offense" allerdings funktionierte. 121.8 Punkte erzielte Denver im Schnitt, Platz eins in der Liga. Die Kehrseite waren die 122.3 Punkte, die sie dabei kassierten. Die Nuggets rannten um ihr Leben und Alex English machte in der ersten Saison 24 Punkte im Schnitt und holte sich acht Rebounds - 3.4 davon am offensiven Brett. Ein Vorgeschmack.

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In den neun Jahren danach erzielte English immer mindestens 25 Punkte pro Spiel, wurde 1983 mit 28.4 Punkten Topscorer der Liga. Coach Moe blieb Denver über diesen Zeitraum erhalten und das Team führte die NBA alljährlich in allen offensiven Statistiken an.

Reif für den Titel?

1985 erreichten die Nuggets ihren spielerischen Höhepunkt. Dan Issel bestritt seine letzten Saison als Profi, der vielversprechende Flügel Kiki Vanderweghe wurde getradet, dafür kam mit Fat Lever ein neuer Point Guard in die Mile High City. Mit Calvin Natt wurde Englsih zudem ein starker Scorer an die Seite gestellt. 52 Spiele gewannen die Nuggets in dieser Saison, in den Playoffs wurden die Spurs und Jazz geschlagen.

In den Western Conference Finals warteten die Lakers. Byron Scott, James Worthy, Kareem Abdul-Jabbar und Magic Johnson - die Showtime-Lakers eben. Sie waren zu stark für die Nuggets. Im letzten Spiel kassierte Denver 153 Punkte, es war eine Demontage. English musste diese tatenlos von der Bank aus anschauen. In Spiel vier brach er sich im Kampf um den Rebound mit Abdul-Jabbar den Daumen.

Seite 1: Mit den Nuggets zum besten Offensiv-Team der Liga

Seite 2: Unrühmlicher Abgang und stilles Karriereende

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