Elfrid Payton im Porträt

Mehr als nur markante Haarpracht

Von Max Marbeiter
Samstag, 08.11.2014 | 17:06 Uhr
Elfrid Payton (M.) wurde noch am Draftabend von den Sixers nach Orlando getradet
© getty
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Lange blieb Elfrid Payton nahezu unbeachtet. Das kleine College wog schwerer als seine markante Haarpracht. Dank herausragender Anlagen und starker Defense wurde Payton dennoch zum Lottery-Pick und Starting Point Guard der Orlando Magic. Nun trifft er mit seinem neuen Team auf die Brooklyn Nets (So., 21.30 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE).

Ein wenig verhalten war der Beifall schon. Offenbar wusste Michael Carter-Williams nicht so recht, was er von der Entscheidung seines Front Office' halten sollte. Das hatte seinen Point Guard und Rookie of the Year nicht nur mit zum Draft nach Brooklyn genommen, es präsentierte ihm mit dem zehnten Pick auch noch einen vermeintlich direkten Konkurrenten.

Nun stand Carter-Williams also da, jener Carter-Williams, um den es in den Tagen zuvor immer wieder Trade-Gerüchte gegeben hatte, und musste beim Interview erklären, weshalb er sich denn nun genau auf Elfrid Payton freute. "Ich weiß noch nicht, ob ich nun getradet werde oder nicht", erklärte der Playmaker dann auch ein wenig unsicher. "Ich weiß nur, dass Sam (Hinkie, General Manager der Sixers, Anm. d. Red.) und Coach Brown einen Plan haben."

Am Ende freue er sich jedoch über den Pick, Payton sei schließlich ein großartiger Spieler. Carter-Williams nun der glatten Lüge zu bezichtigen, wäre sicherlich der falsche Ansatz. Zumal es genügend Beispiele gibt, die belegen, dass zwei Combo-Guards durchaus gemeinsam auf dem Court koexistieren können.

Ob das auch in Philly funktioniert hätte, werden wir jedoch nie erfahren. Denn die Sixers entschieden sich tatsächlich für einen Trade. Jedoch nicht von Carter-Williams. Payton wurde für den von den Magic an Nummer zwölf gepickten Dario Saric nach Orlando geschickt. Im Grunde eine absolut logische Entscheidung. Denn wo Saric mindestens einmal die aktuelle Saison bei Anadolu Efes in der Türkei verbringen wird, hätte Payton den Sixers durchaus direkt weiterhelfen können. Und prompte Hilfe kollidiert nun mal fatal mit den kurz- und langfristigen Planungen der Sixers.

Lange unter dem Radar

Noch einige Wochen zuvor hätte sich Philly unter Umständen allerdings anders entschieden. Damals sahen nämlich nur die wenigsten in Elfrid Payton Jr. einen ernsthaften Lottery-Kandidaten. Kleines College. Wenig Aufmerksamkeit. Ungleich Lottery. Diese Gleichung wird nur zu gern angewendet, wenn es um die Auswahl der besten Talente der Basketball-Welt geht.

Dass dabei Herren wie Steph Curry oder Damian Lillard, deren Colleges Davidson und Weber State ebenso wenig Beachtung finden wie - aller sensationellen Namensgebung zum Trotz - Paytons Louisiana-Lafayette Raging Cajuns und teilweise unterschätzt wurden, ändert wenig.

"Wow, das ist ein NBA-Spieler"

Spieler kleiner Colleges sähen sich in ihrer Division schwächerer Konkurrenz ausgesetzt, so die einhellige Meinung. Ein valides Argument, durchaus, doch Talent bleibt eben Talent. Auch an kleinen Colleges. "Als ich mich hinsetzte und ihm zusah, dachte ich: 'Wow, das ist ein NBA-Spieler'", gerät Lillard gegenüber "NBA.com" beispielsweise geradezu ins Schwärmen, wenn er über Payton spricht. "Oft sieht man das bei College-Spielern nicht. Um einige entsteht ein Hype, aber du siehst nicht das Profi-Potential. Bei Elfrid wusste ich aber, dass er ein guter NBA-Spieler sein würde."

Mit Hype musste Payton in der Tat nicht umgehen. Der war für seine Draft-Kollegen Andrew Wiggins, Jabari Parker oder Joel Embiid reserviert. Dass Payton Louisiana-Lafayette vergangene Saison erstmals seit 2005 ins NCAA-Tournament geführt und dabei 19,2 Punkte, 5,9 Assists, 6 Rebounds und 2,3 Steals aufgelegt hatte, war da nicht mehr als nette Randnotiz.

Doch weshalb? Greg McDermott liefert einen Erklärungsansatz. "Ihn lediglich auf Video zu sehen, wird ihm nicht gerecht", erklärt der Coach der Cleighton Bluejays und Vater von Bulls-Rookie Doug McDermott. "Du musst gegen ihn spielen. Er hat einen unglaublichen ersten Schritt, spielt mit unglaublichem Tempo."

Combine lässt Wert ansteigen

Nun treten General Manager und Coaches beim Draft Combine relativ selten im direkten Duell gegen all die hochtalentierten Prospects an, in Paytons Fall genügte jedoch bereits der direkte Eindruck. In den Wochen vor dem Draft stieg der Wert des Point Guards beinahe von Tag zu Tag.

Immer mehr General Manager, Coaches und Experten teilten plötzlich Damian Lillards Meinung: Elfrid Payton besitzt NBA-Potential. Allerdings nicht erst in ein, zwei, drei Jahren. Jetzt. Vor allem aber besitzt Paytons Spiel in einem Aspekt NBA-Reife, der vielleicht nur selten in Highlight-Clips zu sehen ist, dafür jedoch einem jeden Team gut zu Gesicht steht.

Elfrid Payton ist ein herausragender Verteidiger. Zum offiziellen Beleg wurde er während seiner letzten College-Saison zum Sun-Belt's Conference Defensive Player of the Year gewählt. Dabei hätte durchaus ein Blick auf Statur und Spiel des Playmakers genügt, um zu erahnen, dass in Payton ein durchaus vorzeigbarer Defensdr schlummert. Auch auf NBA-Niveau.

Beste Defense-Voraussetzungen

1,93 Meter misst der Point Guard und kombiniert dies mit einer Spannweite von 2,03 Metern. Sehr vorzeigbare Werte für einen Playmaker - gerade defensiv. Zur Not kann Payton so auch gegen größere Gegenspieler aushelfen. Seine laterale Schnelligkeit erlaubt es ihm zudem, seinen Gegner meist vor sich zu halten. Seine schnellen Hände bringt der Einser immer wieder effektiv in Passwege.

All diese Attribute machen aus Payton einen unangenehmen Verteidiger. Einen, der seinen Gegenspieler permanent unter Druck setzen, ihm den letzten Nerv rauben kann. Dass Payton dank seiner Länge für einen Point Guard auch noch überdurchschnittlich gut reboundet, einen tödlichen Crossover sein Eigen nennt und den Abschluss am Ring bestens beherrscht, rundet das stimmige Gesamtbild ab.

Dass er auf dem Feld noch dazu reifer daherkommt, als es seine 20 Jahre vermuten lassen mögen, ist eine gern genommene Dreingabe. "Er ist seinem Alter voraus", bestätigt Teamkollege Luke Ridnour gegenüber dem "Orlando Sentinel" diesen Eindruck. "Man sieht, dass er heiß ist. Er trifft die richtigen Entscheidungen."

Reife dank drei Jahren am College

Der Interpretationspielraum hält sich in Grenzen, möchte man dafür Paytons drei Jahre am College mitverantwortlich machen. Drei Jahre hatte er Zeit, sein Spiel zu entwickeln, sich eine gewisse Selbstverständlichkeit anzueignen. Ein immenser Vorteil - gerade auf der Eins.

Auch deshalb spricht Coach Jacque Vaughn von anderen Vorzeichen, wenn er Paytons Aussichten in seiner Rookie-Saison mit denen des Victor Oladipo vergleicht. Letztere pendelte während seiner ersten Spielzeit in der NBA meist zwischen Starting Five und Bankrolle hin und her. Payton könnte dagegen eine andere Rolle zuteilwerden.

"Wir werden ihn einfach immer wieder mit verschiedenen Chancen herausfordern", verriet Vaughn dem "Orlando Sentinel", "und sehen, wie er damit umgeht. Wir werden ihn extrem fordern und sehen, wie er reagiert."

Vom College direkt zum NBA-Starter

Während der ersten sechs Spiele bestand angesprochene Herausforderung darin, ohne jegliche NBA-Erfahrung direkt den Starting Point Guard geben zu müssen. Nicht anderes ist Payton derzeit nämlich bei den Magic.

Und Payton scheint die vom Coach gewünschte Reaktion zu zeigen. Er bringt tatsächlich jenes Gesamtpaket, das Scouts und Verantwortliche ihm vor dem Draft angedichtet hatten. Nur acht Point Guards greifen sich derzeit mehr Rebounds als Payton (4,7), elf verteilen mehr Assists (6,5), seine Assistratio liegt immerhin noch in den Top 20 (31,3, Rang 18).

1,5 Steals genügen für Rang zehn unter den Playmakern. 2,7 Turnover sind zwar nicht herausragend, für einen Rookie, der 30,5 Minuten auf dem Parkett steht, aber akzeptabel und noch dazu weniger als beispielsweise Derrick Rose (3), Ty Lawson (3,3), Steph Curry, Tony Parker (je 3,7) oder Jeff Teague (4,3)

"Du darfst keine Angst haben"

Und nun wurde die NBA-Welt auch noch Zeuge von Paytons Leaderqualitäten. Beim Sieg gegen die Minnesota Timberwolves, Orlandos zweitem in Serie, erzielte der Point Guard vier seiner 15 Punkte in der Verlängerung. Etwas Besonderes? Natürlich nicht. "Du darfst einfach keine Angst haben", erklärt Payton gegenüber "NBA.com". "Als Point Guard muss ich der Leader sein. Die Jungs müssen wissen, dass du vor nichts Angst hast und bereit bist, sie zu führen. Das ist einfach Teil meines Jobs."

Dass bei einem Rookie dabei nicht alles perfekt laufen kann, erklärt sich von selbst. Dass Payton bei weitem kein perfekter Spieler ist, ebenfalls. So plagen ihn derzeit die prognostizierten Probleme mit seinem Wurf. Aus dem Feld trifft Payton lediglich 35,6 Prozent seiner Versuche, von der Freiwurflinie nur die Hälfte. Am Dreier hat er sich in sechs Spielen noch nicht einmal versucht.

Einige Arbeitsstunden sollte Payton in seinen Wurf also durchaus noch investieren. Dennoch macht es den Anschein, als gelänge ihm der Übergang vom College in die NBA erstaunlich gut. In Sachen Hairstyling zählt Payton ohnehin bereits jetzt zur Elite.

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