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Raus aus dem Schatten

Freitag, 10.10.2014 | 12:31 Uhr
Chris Bosh und Dwyane Wade stehen vor einer wegweisenden Saison bei den Heat
© getty
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Am Samstag treffen die Miami Heat im Rahmen der Global Games in Rio de Janeiro erstmals seit der Trennung wieder auf LeBron James und dessen Cleveland Cavaliers (Sa., 23 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE). Es ist nur ein Preseason-Spiel, und alle Beteiligten bemühen sich nach Kräften, die Bedeutung herunterzuspielen. Doch zwischen den Zeilen lässt sich erkennen, wie sehr die Partie herbeigesehnt wird - vor allem von den verbliebenen Stars der Heat.

Haben Sie mit LeBron gesprochen, seitdem er verkündet hat, zurück nach Cleveland zu wechseln? "Nein." Freuen Sie sich denn darauf, ihn in Rio de Janeiro wiederzusehen? "Ja... ich weiß nicht."

Es war ihm unangenehm, als Chris Bosh am Dienstag auf das Wiedersehen mit seinem bisherigen Teamkollegen angesprochen wurde. Bosh antwortete ehrlich und versuchte, die Aufmerksamkeit weg von LeBron, und mehr auf die "neuen" Heat zu lenken.

"Für mich geht es jetzt darum, mein Team anzuführen und den neuen Jungs hier zu helfen. Wenn jemand nicht hier bei uns im Locker Room ist, habe ich nicht viel Zeit für ihn - wenn überhaupt", führte Bosh aus.

Doch Bosh ist Profi genug, um zu wissen, dass sich seine Aussagen auch ganz anders interpretieren lassen. Wie die eines Spielers, der noch nicht darüber hinweg ist, dass der beste Spieler der Welt sich einfach so entschieden hat, seine Zelte anderswo aufzuschlagen.

"Letztes Jahr hat keinen Spaß gemacht"

Miami gilt in den Augen Vieler als großer Verlierer der Offseason, die Indiana Pacers mal ausgeklammert. Betrachtet man LeBrons Abgang in einem Vakuum, war dies auch sicher der größte Verlust, den ein Team in diesem Sommer verkraften musste. Die Heat haben auf diesen aber gut reagiert. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Kader deutlich tiefer - und die beiden verbliebenen Stars brennen nach schwachen Playoffs auf Wiedergutmachung.

Triangle Offense: "Brooklyn ist sogar ein Contender"

"Letztes Jahr hat keinen Spaß gemacht. Die ganze Saison über nicht", gestand Dwyane Wade vor ein paar Tagen gegenüber "Bleacher Report", "für mich war es unglaublich, dass wir es überhaupt bis in die Finals geschafft haben. Ganz ehrlich."

Die Chance auf den Threepeat, die dauerhafte mediale Belastung, der riesige Schatten von LeBron - alles hatte zuletzt an Wade und auch Bosh genagt. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie selbst in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr zu überbezahlten Rollenspielern wurden.

No-Win-Situation für die Co-Stars

Es war eine Situation, in der beide letztendlich nicht mehr gewinnen konnten. Bei Heat-Siegen richtete sich der Fokus fast immer auf die Brillanz LeBrons, bei Niederlagen war dagegen immer wieder die mangelnde Hilfe für den Vierfach-MVP das Thema.

All dies kulminierte in den Finals, als Miami von den San Antonio Spurs auf größtmöglicher Bühne filetiert wurde. Der inoffizielle Titel für die einseitige Serie war "Mann verliert gegen Mannschaft", mit LeBron in der Rolle des allein gelassenen Opfers.

Die Kritik an Wade, Bosh und dem Rest der Heat war im Kern nicht falsch, da niemand von ihnen in den Finals auch nur annähernd Normalform erreichte. Natürlich war sie aber auch viel zu einfach - und nicht weniger als ein Schlag ins Gesicht für jemanden wie Dwyane Wade.

Wade stolz wie MJ und Kobe

Unter den Superstars der NBA gibt es eine ganz kleine Gruppe, die noch ein bisschen stolzer ist als der Rest. Michael Jordan ist das beste Beispiel, das es je gab - MJ liebte es nicht nur, zu gewinnen, er legte großen Wert darauf, bei jeder Gelegenheit seine Dominanz unter Beweis zu stellen, am liebsten auf Kosten seiner Gegenspieler. Einfach mal bei Clyde Drexler nachfragen.

Von den heutigen Vertretern gehört zweifelsohne Kobe Bryant in diese Gruppe. Wade auch. Man vergisst es heute leicht, aber "Flash" hat im Gegensatz zu LeBron auch schon vier Jahre v.D. (vor der "Decision") einen Titel (samt Finals-MVP) gesammelt.

Noch in den 2011er Finals galt er als Leader der Heat. Und noch vor der letzten Saison reagierte er äußerst angesäuert, als Kevin Durant verkündete, der beste Shooting Guard der Liga sei nicht er, sondern James Harden.

Dass er in den letzten Jahren mehr und mehr zu LeBrons Sidekick mutierte, war zweifellos positiv für den Zustand seines alternden Körpers, da er nicht mehr so viel Last zu tragen hatte wie in den Jahren zuvor. Seinem Ansehen hat dieser Wandel, insbesondere in der letzten Saison, allerdings geschadet.

Wade: Folter durch Diät

Die - wie gesagt: im Kern richtige - Kritik hat Wades Stolz verletzt. Er will unbedingt beweisen, dass er noch immer zur Elite der Liga zählt. Dafür hat er im Sommer hart gearbeitet und unter anderem eine 30-tägige Diät durchgezogen, die er selbst als "Folter" bezeichnete. "Ich will meinem Team so oft wie möglich zur Verfügung stehen", erklärte Wade mit Blick auf die 28 Spiele, die er in der Vorsaison verpasste.

"Ich werde den Ball [ohne LeBron] natürlich häufiger in den Händen halten. Ich war hier immer ein Playmaker, und will das auch weiterhin sein. Ich habe immer viel gepunktet, und auch das will ich weiter tun", kündigte Wade an. Ihm ist klar, dass er sich die vielen Pausen nicht mehr leisten kann, wenn Miami Erfolg haben will.

Keiner weiß so recht, ob der 32-Jährige mit seinen Knie- und Rückenproblemen nochmal annähernd an seine Hochzeiten anknüpfen kann oder ob der Körper wieder streikt. Er hat an Athletik eingebüßt und sich nie wirklich ein "Old-Man Game" à la Kobe oder MJ zugelegt, die in ihren späteren Jahren mehr von Basketball-IQ, Post-Moves und Sprungwurf leben beziehungsweise lebten als von der Fähigkeit, aus der Halle zu springen.

Gewiss ist allerdings, dass Wade alles versuchen wird. Er ist bis in die Haarspitzen motiviert, es seinen Kritikern zu zeigen und den Status als Superstar zu untermauern. Auch gegen LeBron. "Klar sind wir noch Freunde", so Wade, "aber sobald wir gegeneinander spielen, will ich ihn genauso fertig machen wie er mich."

Bosh heiß auf neue Rolle

Beim anderen verbliebenen Star verhält sich die Lage ähnlich: Auch Bosh hat jede Menge zu beweisen. In Toronto hatte der Lefty zwar jahrelang Zahlen eines Franchise-Players aufgelegt, die Raptors allerdings nicht zu Erfolgen geführt. Sein Resümee war nicht mit denen der beiden anderen zu vergleichen - dass er exakt genau so viel verdiente wie Wade und LeBron, machte ihn dann zum gefundenen Fressen für die unzähligen "Two and a half men"-Witze der letzten vier Jahre.

Dass Miamis revolutionärer Small-Ball mit wohl keinem anderen Big Man als Bosh so funktioniert hätte? Geschenkt. Dass er bewusst Würfe opferte und sein Spiel beispielsweise durch die Aneignung des Dreiers den anderen anpasste? Ach was, der ist nur Mitläufer! Dass er seinen Körper immer wieder gegen viel schwerere Gegner in die Schlacht werfen musste, weil Erik Spoelstra ohne echten Center spielen wollte? Dafür darf er mit LeBron und Wade spielen!

Bosh wirkte für viele Außenstehende von Anfang an wie eine schwer überbezahlte dritte Geige, die nur einen minimalen Beitrag zum Erfolg der Heat leistete. In NBA-Kreisen sieht das freilich anders aus: Nachdem LeBron seinen Abschied bekanntgab, stand schließlich auch Bosh beinahe vor einem Wechsel - Houston sah ihn als fehlendes Puzzleteil für den Titel und bot ihm einen Maximalvertrag.

Bosh entschied sich bekanntlich anders und unterschrieb seinen Maximalvertrag lieber in Miami. Weil er nicht wieder die Nummer drei sein wollte? Vielleicht. Wahrscheinlicher scheint jedoch, dass der 30-Jährige die Situation bei den Heat nicht als Bürde, sondern als Chance begreift.

Bosh: "Eine große Möglichkeit"

"Ich hatte die letzten vier Jahre eine gewisse Rolle zu spielen, aber in der Zukunft kann ich der Stadt Miami und der Organisation zeigen, welchen Wert ich bringen kann, mit welcher hohen Intensität ich spielen kann, wieviel mehr Verantwortung ich schultern kann, um mehr Siege einzufahren", kündigte Bosh vor kurzem selbstbewusst an.

Er gab zu, dass ihn James' Abschied zunächst enttäuscht habe, doch dann sei ihm eins klar geworden: "Es ist eine große Möglichkeit. Nicht nur für das Team als Ganzes, sondern für jeden einzelnen Spieler." Ihn selbst sieht er dabei vielleicht sogar an erster Stelle.

Das Spiel am Samstag sieht Bosh als gute Gelegenheit, um die alte Ära abzuschließen und eine neue einzuleiten. "Uns ist der Hype egal, wir sehen es als Gelegenheit, uns zu verbessern. Das hier ist unser Team, auf dem wir aufbauen wollen, die Vergangenheit ist Vergangenheit, wir machen weiter, und dies ist ein guter Moment, das Ganze aus dem Weg zu bekommen."

James: "Keine große Sache"

Miami wird von ziemlich vielen Fragezeichen begleitet, was in dieser Saison erreichbar ist. Vor allem Wades Knie und der neue Supporting Cast lassen die Einschätzungen zwischen "gerade so Playoffs", "Heimvorteil" und sogar "Contender" hin- und herpendeln, Konsens gibt es kaum. Wo auch immer die Reise tatsächlich hinführt, an Ehrgeiz und Motivation der beiden "Hinterbliebenen" wird es nicht scheitern.

Und was ist mit demjenigen, der sie zurückgelassen hat? "Es wird etwas Besonderes, die Jungs am Samstag zu sehen", blickte LeBron voraus. "Aber wir sind hier, um zu arbeiten. Ich werde sie schon begrüßen, ich verstehe mich weiter gut mit ihnen. Es ist keine so große Sache, ich habe eben eine Entscheidung getroffen."

Unterm Strich hat James Recht. Er hat einfach eine Entscheidung getroffen, und Samstag in Rio findet einfach nur ein Spiel in der Saisonvorbereitung statt. Nur eben nicht wirklich.

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