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Houdini of the Hardwood

Von Sebastian Hahn
Dienstag, 09.08.2016 | 11:20 Uhr
Bob Cousy war einer der besten Point Guards aller Zeiten
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Bob Cousy brachte einen neuen Spielstil in die NBA und veränderte die Liga grundlegend. Dabei wollte ihn Red Auerbach zu Beginn seiner Karriere nicht im Team haben, sein Spielstil wurde als untauglich für die Liga abgetan. Dennoch landete er am Ende bei den Boston Celtics - auch wegen seiner Fahrschule.

Dieser Artikel erschien ursprünglich im September 2014.

Es gab nicht viele Momente in der Karriere von Red Auerbach, in denen er wirklich sprachlos war. Doch Bob Cousy hatte es geschafft, die Coaching-Legende zum Schweigen zu bringen.

Game 2 in den Playoffs 1953 zwischen den Celtics und den Syracuse Nationals. Boston kann im heimischen Garden den ersten Playoff-Sieg in den 50ern klar machen. Die Hoffnungen ruhen auf Cousy, der seit 1950 bei der Franchise spielt. Der Point Guard verletzt sich aber am Bein, dennoch beißt er auf die Zähne, die Partie geht in die Overtime.

Dort schlägt dann die große Stunde von "Cooz". 25 Zähler sammelt er in insgesamt vier Verlängerungen, darunter sämtliche Punkte in der zweiten Overtime und ein Buzzer-Beater vom Parkplatz in der dritten. Am Ende stehen 50 Zähler in 66 Minuten zu Buche, Cousy trifft zudem 30 von 32 Freiwürfen - bis heute NBA-Rekord. Die Celtics-Fans sehen die Geburtsstunde einer Legende.

"Ich brauche keine Deppen"

Dass Cousy 1953 so ein Feuerwerk im Boston Garden abbrennt, war eigentlich nicht geplant - schon gar nicht, wenn es nach Auerbach gegangen wäre. "Ich bin hier angestellt, um zu gewinnen, nicht um für die Fans irgendwelche lokalen Deppen zu verpflichten", wetterte der Celtics-Coach vor dem Draft 1950.

Der 22-jährige Cousy gilt im Frühjahr als einer der aufregendsten Spieler in den USA, sein Spiel ist vollkommen anders als alles, was der geneigte Basketball-Fan bisher kannte. Da sind die Behind-the-Back-Dribblings, die unfassbaren No-Look-Pässe und natürlich seine Beidhändigkeit. Eine Fähigkeit, die nicht viele Spieler zu diesem Zeitpunkt besitzen.

Die Geschichte dahinter ist kurios wie schmerzhaft. Als Jugendlicher fällt Cousy von einem Baum und bricht sich den rechten Arm, fortan muss er erst mal mit links dribbeln. "Im Nachhinein war das eine ziemlich glückliche Fügung des Schicksals", erklärt der Hall-of-Famer Jahre später.

Prägende Kindheit

In seiner Kindheit hat Cousy aber wenig zu lachen. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen in Yorkville, nahe der East Side von Manhattan, auf. Sein Vater, ein französischer Immigrant und Kriegsveteran, arbeitet als Taxifahrer und nebenbei noch schwarz, um die Familie über Wasser zu halten. Cousy selbst spricht die ersten fünf Jahre seines Lebens ebenfalls nur Französisch, erst in der Grundschule lernt er Englisch.

In den Hinterhöfen von Yorkville spielt er zunächst Stickball, später Basketball. Seine Mitspieler sind dabei meist ebenfalls Immigranten. Schon zu diesem Zeitpunkt bildet sich Cousys anti-rassistische Einstellung heraus, die er auch später in der Liga vertreten wird.

Local Sensation

Sein Talent im Umgang mit dem orangen Leder bleibt nicht lange unerkannt, schon bald spielt er im Junior Varsity Team der Andrew Jackson Highschool in Queens. Er beeindruckt sogar so sehr, dass ihm das Boston College ein Stipendium anbietet. Am Ende entscheidet er sich aber für die University of Holy Cross in Worcester, knapp 60 Kilometer westlich von Boston.

Angeführt von Cousy und seinem spektakulären Spielstil machen die Crusaders gleich im ersten Jahr die NCAA Championship klar, auch wenn "Cooz" im Finale nur zwei seiner 13 Würfe trifft. Coach Doggie Julian ist aber nicht zufrieden mit seinem Schützling, sodass er dessen Spielzeit in der Folge limitiert.

Der junge Point Guard ist verärgert, liebäugelt sogar mit einem Wechsel an die St. John's University. Deren Coach Joe Lapchick überzeugt Cousy jedoch, bei den Crusaders zu bleiben und auf seine Chance zu warten. Die kommt gegen die Loyola Ramblers. Die Fans fordern laut "We want Cousy", Julian gibt nach und bringt den Spielmacher fünf Minuten vor Schluss. Cousy dankt es ihm mit elf Punkten und einem Buzzer-Beater - natürlich nach einem Behind-the-Back-Move.

Kein Bock auf Provinz

Nach 26 Siegen in Folge mit den Crusaders ist Cousy 1950 bereit für die NBA. Die Celtics-Fans wollen Cousy, Auerbach hat bekanntlich etwas dagegen. Boston draftet Center Charlie Share, die Tri-Cities Blackhawks schlagen an dritter Stelle zu und schnappen sich den Wunder-Guard.

Der hat allerdings keine Lust, bei der Provinz-Franchise zu spielen. Die Blackhawks repräsentieren die drei Städte Moline, Rock Island und Davenport - alles keine Großstädte. Cousy erscheint also nicht zum Trainingsauftakt, eröffnet stattdessen lieber eine Fahrschule in Worcester.

Er fordert ein Gehalt von 10.000 Dollar im Monat von Blackhawks-Owner Bob Kerner, um seine Fahrschule aufgeben zu können. Kerner bietet nur 6.000, Cousy sagt ab. Danach wird es kurios: Die Chicago Stags verpflichten Cousy, müssen aber kurz darauf Konkurs anmelden. Commissioner Maurice Podoloff lädt daraufhin die Besitzer der Celtics, Knicks und Philadelphia Warriors ein, um die Rechte an den Spielern Max Zaslofsky, Andy Phillip und eben Cousy auszulosen.

Boston-Owner Walter Brown macht bereits vorher deutlich: Ich komme mit jedem klar, nur nicht mit Cousy. Wie es das Schicksal will, ziehen die Celtics aber den jungen Point Guard der Crusaders. "Ich wäre fast ohnmächtig geworden", erklärt Brown im Anschluss. Den Fans ist es egal - sie haben ihren Local Hero.

Reds Rückwärtsrolle

Nicht nur Brown verzieht das Gesicht, auch Coach Auerbach hat wenig Interesse, mit Cousy zu arbeiten. "Wenn er diese Trickserei das erste Mal in der Liga probiert, werden seine Gegenspieler ihm damit das Maul stopfen", erklärt er vor Saisonbeginn.

Cousy ist das herzlich egal. Zunächst heiratet er seine Highschool-Liebe Marie Ritterbusch, mit der er bis zu ihrem Tod 2013 63 Jahre lang verheiratet ist. Sein Plan für den Hochzeitsabend? Er steht im Boston Garden auf dem Parkett - und verblüfft alle.

15,6 Punkte, 6,9 Rebounds uns 4,9 Assists stehen am Ende im Schnitt auf dem Statistik-Bogen, die erste All-Star-Nominierung ist die Folge, von 1950 bis 1963 wird er jedes Mal zum Spiel der Besten eingeladen. Zwar erreichen die Celtics wieder die Playoffs, in den kommenden beiden Jahren ist aber jedes Mal gegen die Knicks Feierabend. Auerbach findet trotzdem Gefallen an seinem neuen Aufbauspieler.

Houdini of the Hardwood

1953 explodiert Cousy dann. 7,7 Assists verteilt der 25-Jährige im Schnitt. Sein Spiel steht im vollkommenen Kontrast zu dem bis dahin statischen Spiel der Liga, wo der Ball meist zu den großen Jungs unter dem Korb gespielt wurde.

Er führt die Liga zudem erstmals bei den Assists an - einen Titel, den er in den nächsten acht Jahren nicht mehr abgeben wird. In den Playoffs ist gegen die Knicks in der zweiten Runde aber wieder Endstation.

Cousy selbst wird aber immer besser, Auerbach nutzt die Stärken seines Point Guards konsequent aus und lässt den Fastbreak laufen. In den Playoffs ist trotzdem drei Mal in Folge gegen die Nationals Schluss. "Uns fehlt am Ende der Saison immer die Kraft, das muss dringend anders werden", erklärt Cousy.

Auch Auerbach sieht, dass noch ein paar entscheidende Puzzlestücke für ein Championship-Team fehlen. Cousy, den die Fans mittlerweile auch den "Houdini of the Hardwood" nennen, braucht Unterstützung. Die soll er bekommen - in Form von Bill Russell.

Seite 1: Die Fahrschule und Reds Rückwärtsrolle

Seite 2: Dynasty und die Boston Tear Party

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