Basketball-WM: Team USA

Vier Big Men für ein Halleluja

Donnerstag, 28.08.2014 | 17:15 Uhr
DaMarcus Cousins und Anthony Davis werden die meiste Frontcourt-Spielzeit in Spanien bekommen
© getty
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"Jeder spricht nur über Matchups, aber die anderen Teams müssen ihre Aufstellungen auch an die unsere anpassen", so Mike Krzyzewski, Coach des Team USA: "Offensichtlich werden wir nicht mit zwölf Guards auflaufen." Damit konnte Coach K niemanden überraschen, aber die Nominierung von vier Big Men sorgte für geteilte Meinungen in der heimischen Presse.

Die Kaderzusammenstellung für die WM ist im Vergleich zu den Run-and-Gun-Truppen der letzten internationalen Events zwar ungewöhnlich, bringt aber das Unternehmen Titelverteidigung nicht in Gefahr.

Nach den Absagen von Blake Griffin, Kevin Love und LaMarcus Aldridge schien es, als beantworte sich die Frage nach dem Spielsystem des Team USA von selbst. Wie in den vergangenen Jahren erwarteten Fans und Beobachter eine Roster-Zusammenstellung, die auf Tempo-Basketball und Athletik ausgelegt ist.

Die Qualität auf den Guard-Positionen war schon vor dem Cut unbestritten. Krzyzewski hatte die Qual der Wahl, entschied sich schließlich, Damian Lillard zu Hause zu lassen. Die eigentliche Überraschung wartete unter den Körben: Mit Andre Drummond, DeMarcus Cousins, Mason Plumlee und Anthony Davis werden vier klassische Big Men bei der WM in Spanien auf dem Parkett stehen.

"Das gibt uns die Möglichkeit, ein paar Dinge zu machen, die wir in der Vergangenheit nicht konnten", sagte Jerry Colangelo, Chairman des Team USA: "Es stimmt, dass sich Small Ball in den letzten Jahren als präferierter Spielstil etabliert hat. Aber man muss sich fragen, ob das einfach nur so entschieden wurde oder ob es wirklich notwendig war."

Aufstellung von Spanien beeinflusst

Die Entscheidung von Coach K, sich dem Trend zum Small Ball entgegenzustellen, ist keine wirkliche Systemfrage. Sie hat nur einen einzigen Grund: Das Matchup gegen Spanien. Im Bewusstsein, dass die Aufstellung gegen alle anderen Gegner wenig relevant sein wird, ist der Schachzug, sich schon bei der Kaderzusammenstellung auf ein mögliches Finale gegen Spanien auszurichten, durchaus clever. Denn: Die Iberer sind das einzige Team, vor dem der große Favorit Respekt hat - und auch haben sollte.

Mit Marc Gasol, Bruder Pau und Serge Ibaka kann Spanien eine exzellente Frontcourt-Rotation aufbieten, die sich vor dem Team USA nicht verstecken muss. In Bezug auf Erfahrung und Raffinesse sind sie deutlich überlegen, in Sachen Athletik haben die US-Boys die Nase hingegen meilenweit vorn.

Wer sagt also, dass nicht auch mit vier Bigs ein Fastbreak-orientiertes, schnelles Spiel möglich ist? Die Verantwortlichen haben nicht umsonst die jungen Wilden mit nach Europa genommen. Im direkten Vergleich mit den starken Nationen könnte das zusammen mit der Banktiefe zum entscheidenden Vorteil für die USA werden.

Alt gegen Jung

Der spanische Frontcourt ist nicht gerade der spritzigste: Pau Gasol und Felipe Reyes sind mittlerweile 34 Jahre alt, Marc Gasol zwar erst 29, aber auch nicht gerade für seine Sprungkraft berühmt. Lediglich Ibaka kann mit seinen 24 Jahren körperlich mit Davis & Co. mithalten.

Ähnliches gilt für Argentinien, das mit Luis Scola und Andres Nocioni auf zwei ebenfalls 34-jährige unter den Körben setzt. Selbst Nene, Tiago Splitter und Anderson Varejao, die drei NBA-erfahrenen Big Men der Brasilianer sind bereits älter als 29 Jahre und allesamt keine Sprungwunder.

Zum Vergleich: Drummond und Davis sind 21, Plumlee und Cousins 24 Jahre alt. Vor allem den ersten Dreien sollte man sich beim Fastbreak besser nicht in den Weg stellen. Cousins dagegen ist eher die spielerische Lösung und besitzt das beste Skillset der US-Big-Men. Seine Stärken kommen am besten im Halfcourt-Play zur Geltung.

Mit Hilfe dieser vier Spieler werden die USA einige Teams - vor allem in der Gruppenphase - einfach überpowern. Die Möglichkeit, situationsbedingt nur einen Big Man auf das Parkett zu stellen, bietet sich Krzyzweski selbstverständlich auch mit diesem Kader. Aufgrund dieser Variante durfte unter anderem auch Rudy Gay in den Flieger nach Spanien steigen.

Kräfteverhältnisse verschoben

Eigentlich war die Führungsrolle im Team für die Flügelspieler Kevin Durant und Paul George vorgesehen. Doch nach dem Ausfalls des Pacers-Stars und dem Rückzug des MVP aufgrund von mentaler Erschöpfung haben sich die Kräfteverhältnisse innerhalb der Mannschaft verschoben.

"Man kann einen Kevin Durant nicht ersetzen. Das Team verändert sich dadurch unweigerlich", so Mike Krzyzewski, der von der Absage des OKC-Forwards völlig überrascht wurde. Das Spiel ist nun dementsprechend stärker auf die Guards und das Spiel unter den Körben ausgelegt. Anthony Davis kristallisierte sich in der Vorbereitung trotz seiner geringen Erfahrung als Fixpunkt der Offense heraus.

Und wo ist die Stretch Four?

Die Abkehr vom Small Ball der vergangenen Turniere ist aber nicht den einzige Trend, mit dem Coach K bricht. Beim Blick auf das Roster vermisst man die in letzter Zeit so häufig gelobte Strech Four. Weder die Center noch Kenneth Faried, der wohl als Power Forward starten wird, müssen an der Dreierlinie verteidigt werden.

Zusammen kommt die USA-Frontline in der abgelaufenen NBA-Saison auf lediglich 24 Versuche von Downtown. Ihr Ziel gefunden haben davon nur zwei Würfe, beide verwandelt von Anthony Davis. Der Hoffnungsträger der Pelicans besitzt noch am ehesten die Range, um von der bei der WM nur 6,75 Meter entfernten Dreierlinie erfolgreich zu sein. Ohne einen Durant oder Love wird sich das Team auf andere Scoring-Optionen verlassen müssen.

Findungsphase zum Auftakt

Mike Krzyzewski sagte vor dem Abflug nach Spanien: "Die Gruppenphase ist sehr wichtig für uns. Wir müssen noch besser in Form kommen". Und nichts anderes wird das Ziel der ersten Spiele sein. Die sind quasi eine etwas intensivere Fortsetzung der Vorbereitung. Neuseeland, die Ukraine, Finnland, die Türkei und die Dominikanische Republik sind keine echten Prüfsteine für die US-Boys, jedoch bieten die Matches dem Team die Möglichkeit, sich unter Wettbewerbsbedingungen einzuspielen.

Vor allem für die jungen, international unerfahrenen Spieler gilt es, zunächst die Nervosität abzulegen, die mit einem echten Leader wie LeBron James oder Kevin Durant vermutlich deutlich geringer gewesen wäre. Nun müssen sie selbst direkt Verantwortung übernehmen. Sieben der zwölf Spieler vertreten die Vereinigten Staaten zum ersten Mal bei einem großen Event. Für Kyrie Irving, Klay Thompson, DeMar DeRozan, Kenneth Faried, DeMarcus Cousins, Andre Drummond und Mason Plumlee wird die Auftaktpartie gegen Finnland der erste Pflichtspiel-Einsatz im US-Jersey sein.

Nur der Titel zählt

In der Defense sollte das kein Problem darstellen: Coach K wird nicht müde zu betonen, wie gut die individuelle Verteidigung jedes einzelnen Spielers ist - und wie wichtig die Defense für den erneuten Triumph sein wird. In der Offense wird sich zeigen, ob das junge Team im Frontcourt in einem engen Spiel gegen einen starken Gegner die Nerven behalten und ihre Leistung abrufen kann.

Wie bei jedem internationalen Turnier wäre alles andere als der Titel in Madrid eine Blamage für die USA. Um der Favoritenrolle in Spanien gerecht zu werden, werden aber nicht nur die Bigs, sondern auch die Guards gefragt sein. Gegen die zusätzliche Größe der US-Boys werden einige Mannschaften häufiger auf die Zonenverteidigung zurückgreifen, um den Athleten unter den Körben mit vereinten Kräften zu Leibe zu rücken.

Für Stephen Curry & Co. heißt es daher: Dreier treffen, die Paint attackieren, für die Mitspieler kreieren und unter dem Korb ihre Power-Big-Men finden - damit die großen Jungs das orangene Leder dann mit einem Halleluja durch den gegnerischen Ring stopfen können.

Der Kader im Überblick

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