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NBA Legenden-Serie: Detlef Schrempf - Ein Mann wie sein Haarschnitt

Viel mehr als ein Rollenspieler: Detlef Schrempf

Detlef Schrempf und die Seattle SuperSonics der 90er Jahre sind bis heute Kult. Der Stern des ersten deutschen Stars in der NBA ging aber schon früher auf: Sixth Man, Allrounder, Wegbereiter von Dirk Nowitzki und einer ganzen Generation. Wie "Det the Threat" sich in der besten Liga der Welt behauptete und in den USA eine neue Heimat fand. Heute wird Detlef Schrempf 56 Jahre alt.

Vor Dirk Nowitzki war Detlef Schrempf.

Dirk Werner Nowitzki, für viele ist er der deutsche Basketballer, der es geschafft hat in der NBA. Höhen, Tiefen, Superstar, MVP, Champion. Doch als Nowitzki sich 1999 aus Würzburg anschickte, die NBA-Welt zu erobern, war sein Weg bereits geebnet worden. Von einem ähnlich schlacksigen Jugendlichen von Bayer Leverkusen, der später als "Det the Threat", Det die Bedrohung, in die Basketball-Annalen einging.

16 Jahre spielte Detlef Schrempf in der besten Liga der Welt, mauserte sich vom Spezialisten von der Ersatzbank zu einem vielseitigen Starter, der es in den NBA-Finals sogar mit den übermächtigen Chicago Bulls von Michael Jordan aufnahm. Zwei Sixth-Man-Ehrungen, dreimal All-Star, in Indiana beliebt, in Seattle verehrt. Er war der erste Europäer, der sich in der NBA wirklich einen Namen machte, den Vlade Divacs und Drazen Petrovics und Tony Parkers zeigte, dass es auch auf der anderen Seite des großen Teichs klappen kann. Ohne Detlef Schrempf hätte es "Dörk" vielleicht nie gegeben.

Wer sich als deutscher NBA-Fan an Detlef Schrempf zurückerinnert, der gedenkt wahrscheinlich den kultigen "Inside NBA"-Übertragungen mit Manni Winter und Frank Buschmann, die Sendung im DSF, die die Liga Mitte der 90er in die deutschen Wohnzimmer brachte. Schrempf im grünen Trikot mit der Nummer 11, an der Seite von Gary Payton und "Reign Man" Shawn Kemp. Third Banana? Mitnichten! Heute würde man wohl "Big Three" dazu sagen.

Doch bevor Schrempf, stets versehen mit seinem Markenzeichen, dem makellosen, an den Schläfen kurzgeschorenen Bürstenschnitt, brilliert, ist er ein unbekannter Jugendlicher mit John-Stockton-Frisur, der in seinem Geburtsort Leverkusen das Basketballspielen erlernte. Damals noch ohne Dreierlinie, wohlgemerkt. Er ist von Basketball besessen, trainiert viele Stunden täglich: Seine Mitspieler halten ihn für ein bisschen verrückt, aber bei Bayer legt er die Grundlagen für den späteren NBA-Erfolg.

Zuerst College, dann NBA

1980 zieht er mit seiner Familie an die Westküste der USA, wo der 17-Jährige der Centralia High School als Forward prompt zur State Championship verhilft. Drei Jahre studiert er an der Uni in Seattle (Internationale Wirtschaft), führt die Huskies dreimal in die Postseason und wird in die Hall of Fame aufgenommen. "An der Uni war ich ein Star", erinnert er sich im Interview mit der Basket. Es war klar: Der Weg würde in die NBA führen.

1985 draften ihn die Dallas Mavericks an achter Stelle. Ironie des Schicksals: Dallas' berühmtester deutscher Sohn wurde eben nicht von den Mavs gedraftet, Schrempf dagegen schon - doch den verbindet man mit den Pacers und Sonics.

Das liegt auch daran, dass Schrempf in Texas zu Beginn Probleme hat. Obwohl der Kulturschock nach fünf Jahren in den USA ja eigentlich ausbleibt. Aber die Mavs erreichen in seinen ersten drei Jahren jeweils die Postseason, es ist die erste Blütezeit der noch jungen Franchise. Viel Zeit für den jungen Deutschen bleibt da zunächst nicht, manchmal kommt er im ersten Jahr nicht einmal von der Bank herunter. "Das war nicht gut fürs Selbstvertrauen", gibt er zu. Er habe auch daran gedacht, nach Europa zurückzukehren.

Aber er glaubt weiter an sich. Er bleibt fleißig, stur, diszipliniert, no nonsense. Wie sein Haarschnitt eben. Im zweiten und dritten Jahr steigert er sich auf rund 20 Minuten pro Spiel, wird mit fast zehn Punkten im Schnitt zum wichtigen Mann von der Bank (von draußen trifft er in der Saison 86/87 fast 48 Prozent). Dann traden ihn die Mavs zu den Indiana Pacers. Dort geht sein Stern so richtig auf.

Prototyp des modernen Spielers

Wer sich bei YouTube um Highlights von Schrempf bemüht, der sieht einen hageren, drahtigen Spieler, der irgendwie kleiner wirkt als seine 2,08 Meter Körpergröße - übrigens nur fünf Zentimeter weniger als bei Nowitzki. Heute wären das schon fast Center-Dimensionen, aber der Deutsche ist kein steifer Big Man. Er spielt beide Forward-Positionen, und seine Vorteile dabei voll aus: Gegen kleinere Verteidiger geht es in den Post, wo er mit Spin Moves und Turnarounds zuverlässig punktet. Größere Verteidiger werden nach außen gelockt, dann folgen Head Fakes und Drives zum Korb, gekoppelt mit dem gelegentlichen Dreier.

Sein Jumper ist vorbildlich, vor allem aus der Mitteldistanz. "Viele Spieler legen einfach keinen großen Wert mehr auf einen sauberen Wurf", moniert er später, und macht die Highlights im Fernsehen verantwortlich: "Die jungen Spieler lernen das Werfen auch gar nicht mehr. Die wollen lieber dunken." Wobei - stopfen kann er auch. Dazu ist er ein exzellenter Rebounder, der in Indianapolis mehrfach an einer zweistelligen Board-Ausbeute kratzt. Ein gutes Auge obendrein, dazu die hervorragende Einstellung. Schrempf ist kein Megatalent, hat aber das komplette Paket.

Kein Rollenspieler!

Wer beim Deutschen nicht an die Sonics denkt, der denkt wahrscheinlich an die zwei Sixth-Man-Awards. Die gewinnt Schrempf 1991 und 1992. Und wer an den Sixth Man denkt, der denkt an Rollenspieler, wie Lou Williams oder Jamal Crawford. Fähige Spieler, aber doch eher einseitig.

Schrempf passt wie gesagt nicht in diese Kategorie. Das beweist er 1992, als er zum Starter befördert wird und sich mit 19,1 Punkten, 9,5 Punkten und 6,0 Assists pro Partie ins All-Star-Game spielt. Die Diskussion um den Rollenspieler ist damit passe - worauf er auch großen Wert legt: "Ich war bestimmt kein Rollenspieler! Niemand hatte damals solche Stats!" Aber dem Front Office um Larry Bird ist das nicht genug. Sie wollen mehr Defense im Team. Deshalb wird Schrempf in der Offseason 1993 zu den Seattle SuperSonics getradet.

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