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LeBrons Liebling

Von Moritz Heyn
Mittwoch, 23.07.2014 | 13:15 Uhr
Shabazz Napier (M.) wurde beim Draft an 24. Stelle von den Miami Heat ausgewählt
© getty
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Shabazz Napiers Weg war kein leichter. Ohne Vater aufgewachsen, hatte er auch am College Hindernisse zu überwinden. Am Ende standen jedoch zwei Meisterschaften mit den UConn Huskies. Nun warten die Miami Heat, allerdings ohne Napiers größten Bewunderer.

15.Juni 2014. An diesem Tag gewann Shabazz Napier nicht die NCAA-Meisterschaft. Es ist nicht der Tag des Drafts, an dem über die Zukunft des Jungen aus Connecticut entschieden wird. Es ist der Vatertag in den USA. Es ist der Tag, an dem man seinen Vater beschenkt. Doch bei Napier ist es anders. Er beschenkt seine Mutter. "Ich hatte nie einen Vater in meinem Leben, aber ich habe eine Mutter", sagt er. Eine Mutter, die allein drei Kinder aufziehen muss.

Shabazz ist der zweite Sohn der Familie, der von Anfang an ein Vater fehlt. Er verlässt die Familie kurz nach der Geburt von UConns Nummer 13, ohne danach Kontakt zu seinen Kindern zu pflegen. Die Mutter versucht dennoch, dem Leben auf der Straße auszuweichen und arbeitet von früh bis spät. Es gelingt ihr und Shabazz macht seine ersten Erfahrungen nicht mit Drogen oder Alkohol, sondern mit dem orangenen Leder.

Erster Titel als Backup

Shabazz ist glücklich, sehr glücklich. Nach überzeugenden Auftritten in der High-School spielt er inzwischen für UConn in der NCAA. Und seine erste Saison bei den Huskies hätte nicht viel besser verlaufen können. 23,8 Minuten darf er im Schnitt aufs Parkett, kann dies mit 7,8 Punkten zurückzahlen und spielt hinter Kemba Walker, der später als 9.Pick in die NBA wechseln sollte, eine perfekte Back-up-Rolle.

Doch damit nicht genug: Napier ist NCAA-Champion 2011. Das Ende am College? Nein! Napier will mehr. Er will die Huskies anführen, er selbst will sie zum Titel führen. Natürlich werden derlei Gedanken aber erstmal von den positiven Eindrücken der Titelfeier, der Ankunft in Connecticut und dem Gefühl, einen Ring über die Finger streifen zu dürfen, verdrängt.

Neue Chance dank Rückschlägen

Für eine ganze Weile sogar. Denn die kommenden beiden Jahre verlaufen weit weniger erfolgreich als Napiers Premieren-Saison. Der sportliche Erfolg bleibt aus, dafür bestimmen Skandale die Schlagzeilen rund um die Huskies. 2011 wird Coach Jim Calhoun aufgrund von Verstößen gegen die Anwerbestatuten der NCAA für die ersten drei Saisonspiele suspendiert. Im Jahr darauf tritt er zurück. Zu allem Überfluss werden die Huskies auch noch von der Postseason 2012/13 ausgeschlossen. Die akademischen Leistungen an der University of Connecticut entwickeln sich nicht in die gewünschte Richtung.

Rückschläge für Napier und UConn. Gleichzeitig beginnt mit Calhouns abdanken nach 26 Jahren als Husky jedoch eine neue Zeitrechnung im drittkleinsten Bundesstaat der USA. Kevin Ollie übernimmt und hat fortan großen Einfluss auf die Entwicklung des Shabazz Napier. Der neue Coach schenkt seinem jungen Point Guard sofort mehr Vertrauen und zwingt ihn, auch in den entscheidenden Situationen den Ball in die Hand zu nehmen. Er soll die Huskies ab jetzt führen. Endlich.

Und Napier beweist, dass er damit seine Bestimmung gefunden hat. In seiner Senior-Season schnellen seine Statistiken nach oben. Im Vergleich zum Premierenjahr wächst seine Punkteschnitt um 10,2 Zähler. Dazu liefert er das komplette Paket aus 4,9 Assists sowie 5,9 Rebounds ab. Napier sorgt mit seinem blitzschnellen ersten Schritt für große Probleme der gegnerischen Verteidigung. Sobald er in der Zone ist, einen zweiten Verteidiger gezogen hat, warten am Perimeter nur die Schützen darauf gefüttert zu werden. "Er ist einer der besten Guards, wenn es darum geht, offene Schützen zu finden", schreiben viele Experten.

Aber nicht nur als Passgeber tritt Shabazz Napier in Erscheinung. Er schließt trotz seiner geringen Körpergröße von 1,83 Metern problemlos am Brett ab und kann sich seinen Wurf selbst erarbeiten. Gerade den Step-Back Jumper trifft er mit erstaunlicher Sicherheit. Den benutzte er auch regelmäßig, um in der Crunchtime das Spiel an sich zu reißen und die Huskies zum Sieg zu führen. Napier lebt für den großen Moment. Er genießt es förmlich, in engen Spielen den Ball in Händen zu halten.

UConn überrascht, Napier überragt

Entsprechend intensiv dürfte Napiers Endorphin-Ausstoß zwischen dem 18. und 20. März gewesen sein. Erneut steht er im Final Four der NCAA. Vier Teams sind angetreten, sich zur besten Mannschaft im College-Basketball zu krönen. Kentucky mit Top Prospect Julius Randle, Florida mit seiner erstickenden Defense, Wisconsin und eben UConn mit Napier.

Im ersten Halbfinale treffen die Huskies direkt auf die Florida Gators. Das Team aus dem Süden ist bei den Buchmachern haushoher Favorit, doch UConn stellt sich perfekt auf das Spiel der Gators ein und zieht tatsächlich ins Finale ein. Dort wartet Kentucky. Erneut ist das Team von Kevin Ollie Außenseiter, erneut bedarf es einer besonderen Leistung. Und die weiß Shabazz Napier auch abzurufen. Ausgerechnet im Finale, ausgerechnet auf der größtmöglichen Bühne liefert er das Spiel seines Lebens.

Play für Play gelangt er ins Herz der Wildcats-Defense und legt am Ende 22 Punkte, 6 Rebounds, 3 Assists und 3 Steals auf. Wie Kemba Walker drei Jahre zuvor hat er seine Huskies zum Titel geführt. Napier hat es allen gezeigt. Er hat durch sein Spiel von sich reden gemacht und sich über Nacht in den Mock Drafts nach oben katapultiert. Napier wird zum Most Outstanding Player gewählt und hinterlässt auch beim Besten der Branche mächtig Eindruck: ,,Du kannst in der Lottery keinen Point Guard vor Napier auswählen", twittert kein geringerer als LeBron James. Ein Kommentar, der sicherlich überzogen ist, aber Aufschluss über den Stellenwert Napiers in der Liga gibt.

Nicht genug für LeBron

Jedenfalls halbwegs. Denn: ,,With the twenty-fourth pick in the 2014 NBA Draft, the Miami Heat select... Shabazz Napier from the University of Connecticut." Trotz LeBrons überschwänglichem Lob muss sich Napier am Draft-Abend ein wenig gedulden, ehe Commissioner Adam Silver seinen Namen aufruft. Dafür landet er dank eines Trades mit den Charlotte Hornets ausgerechnet in Florida.

Bei den Heat. Beim geschlagenen Back-to-Back Champion, der gerade in der Finalserie große Probleme auf der Point Guard Position offenbarte. Soll jetzt ein Rookie die Probleme lösen? Vielleicht. Ganz sicher schürte die Verpflichtung Napiers jedoch Hoffnung. Hoffnung, LeBron, der den Playmaker kurz zuvor als seinen absoluten Lieblingsspieler des Drafts bezeichnet hatte, könnte angesichts des Picks seiner Heat doch in Miami bleiben.

Doch die Hoffnung zerplatzt. James geht zurück nach Cleveland, Miami muss sich neu orientieren - und Napier erst einmal lernen. Während der Summer League ließ er sein Potential immer wieder aufblitzen, leistete sich jedoch auch Spiele mit sehr schwachen Quoten und hoher Turnover-Anfälligkeit. Vielleicht ist es nicht einmal schlecht, dass Napier nicht direkt um den Titel mitspielen muss - oder darf. Vielleicht vereinfacht es den Start in die NBA. Damals in Connecticut fing Napier schließlich auch klein an.

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