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"Warum nicht wir?"

Von Stefan Petri
Samstag, 03.05.2014 | 15:59 Uhr
DeJuan Blair (r.) schreit seine Freude heraus, im Hintergrund senkt Tim Duncan frustriert den Kopf
© getty
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Mit 113:111 (BOXSCORE) gewinnen die Dallas Mavericks Spiel 6 gegen die San Antonio Spurs und gleichen in der Serie zum 3-3 aus. Das Entscheidungsspiel findet am Sonntag (ab 21.30 Uhr im LIVE-STREAM bei SPOX!) in San Antonio statt. Dirk Nowitzki und Co. haben bereits sämtliche Experten Lügen gestraft, jetzt wollen sie mehr. Zwei Helden aus Spiel 6 machen Hoffnung, die Sensation ist zum Greifen nahe.

"Warum nicht wir", brüllte Vince Carter nach dem Spiel in der Kabine der Mavericks trotzig. "Warum nicht wir?" Warum sollten es nicht die Dallas Mavericks sein, die in der verrücktesten ersten Playoff-Runde aller Zeiten - und erst recht im Westen! - am Ende noch stehen, wenn der Staub sich gelegt hat?

Die Antworten darauf waren vor nicht einmal zwei Wochen eigentlich noch offensichtlich. Mit Ach und Krach und der schlechtesten Bilanz aller West-Playoff-Teams waren die Mavs in die Postseason eingezogen. Gegen die Spurs hatte man seit Jahren regelmäßig Prügel bezogen. Zu gut, zu abgeklärt, raffiniert gecoacht, ausgeruht, der Kader gespickt mit Hall-of-Famern. Der bevorstehende (Gentleman's) Sweep war nur von den kühnsten Optimisten bestritten worden. Was sollte sich für Dallas im Vergleich zu den Jahren zuvor nun also gegen das beste Team der NBA ändern?

Nach sechs Spielen voller Dramatik, Leidenschaft, Buzzer-Beater und einfach nur richtig gutem Basketball muss man sagen: Irgendwie alles - und dann doch wieder nicht.

Kaninchen ärgert Schlange

Tim Duncan immer noch fundamental gut, Tony Parker immer noch ein nicht zu verteidigender Wirbelsturm aus Layups und Midrange-Jumpern, Manu Ginobili immer noch so clever und schlüpfrig wie eh und je. Dazu Tiago Splitter, Kawhi Leonard und jede Menge Shooter. Gregg Popovich nicht zu vergessen.

Aber auf der anderen Seite des Courts warten nicht mehr die alten Mavs. Das Kaninchen hat seine Schockstarre abgelegt und gibt der Schlange Saures. Der Stolz dieses Teams voller Veteranen und Champions ist förmlich greifbar. Nicht einfach nur schön mitspielen, eine Teilnahmeurkunde und einen Kniff in die Wange kassieren und dann ab in den Urlaub.

"Unser Ziel war es von Anfang an, die Serie zu gewinnen", betonte Coach Rick Carlisle nach Spiel 6. "Wir werden unsere Ansprüche nicht senken. Das passt nicht zu mir, und auch zum gesamten Team nicht." Wer dieses Spiel 6 gesehen hat, der muss Carlisle zustimmen.

Spiel gedreht

Dallas hatte, vom rauschenden Publikum angetrieben, gut begonnen, nur um dann wieder einmal zuzusehen, wie die Spurs dank unnötiger Turnover und gefühlten 28374 Layups in Serie dann doch im letzten Viertel plötzlich mit 87:82 in Front lagen. 84 Punkte verzeichnete Pops Starting Five, Parker (22) war einfach wieder unstoppable.

Also doch Feierabend? Trotz eines starken Nowitzki (22 Punkte, 11/20 FG) und zweistelligen Ausbeuten von Vince Carter (13), Jose Calderon (12) und Devin Harris (10)? Das lässt sich der ultimative Closer der NBA (55-1 bisher nach Führung vor dem letzten Viertel) doch nicht mehr nehmen. Würde doch zum Skript passen: Nach einem Buzzer-Beater von VC in Spiel 3 reißen die Spurs die Serie langsam aber sicher an sich, finden zu ihrem Spiel, gewinnen zwei Partien und machen in Dallas den Sack zu, so wie es sich für den großen Favoriten eben gehört.

Zwei Helden

Diesmal nicht. Denn in einem "Team voller Go-to-Guys" (Carlisle) ragten zwei Akteure heraus. Nowitzkis neuer Sidekick Monta Ellis zeigte nach einem mittelmäßigen Start wieder einmal seine beste Seite als Game-Changer in den letzten Minuten und packte sein ganzes Arsenal aus Dreiern, Jumpern, Floatern und pfeilschnellen Drives aus. Resultat: 12 seiner 29 Punkte im vierten Viertel, ein 14:2-Run für die Mavericks. "Meine Mitspieler haben mir gesagt, ich soll aggressiv bleiben", erklärte Ellis. "Ich hatte ein paar Ballverluste zur Pause, aber es gibt zwei Hälften. Die erste habe ich in der Kabine gelassen."

Held des Abends war jedoch ohne Zweifel DeJuan Blair. Der Basketball schreibt Geschichten, die gibt es eigentlich gar nicht. Nachdem er bei den Spurs quasi aussortiert worden war, unterschrieb der 25-Jährige vor der Saison für das Minimum bei den Mavs - und hat sich als Energiebündel, das fehlende Größe unter dem Korb durch umso mehr Einsatzwillen und ein sanftes Händchen wettmacht, längst in die Herzen der Mavs gespielt. In Game 4 verpasste er dem Team einen Boost (12 Punkte, 11 Rebounds in 16 Minuten!), flog dann aber nach einem (wohl unabsichtlichen) Tritt gegen Splitter kurz vor Schluss raus und wurde für Spiel 5 gesperrt.

Blair Revenge Project

"Die Suspension für Spiel 5 hat ihm schon sehr wehgetan", verriet Nowitzki exklusiv gegenüber SPOX. "Es gibt nichts Schlimmeres als ein Playoff-Spiel zu verpassen. Er hat heute gezeigt, wie wichtig er für uns ist." Blair musste sich Spiel 5 in einem Hotelzimmer in San Antonio ansehen - und legte am Freitag dann los, als gäbe es kein Morgen! Schon wieder ein Double-Double (10 Punkte, 14 Rebounds), dazu geniale Defense (4 Steals). Er war es, der Tony Parker in der letzten Minute den Ball unter dem eigenen Korb stibitzte. Der vielleicht entscheidende Moment.

"Die Fans waren der Wahnsinn heute", so Blair zu SPOX. "Es ist mein Job, die Rebounds zu holen und das probiere ich jede Nacht. Das Team vertraut mir und das gibt mir sehr viel Kraft." Jetzt geht es zurück an alte Wirkungsstätte: "Es wird viele Buhrufe gegen mich geben, aber ich freue mich drauf." In San Antonio zu gewinnen, wäre "die bestmögliche Rache" für seinen unrühmlichen Abgang.

Spurs in Überzahl?

Die Partie hatte so viel zu bieten, dass eine äußerst kuriose Szene kurz vor Schluss völlig im Getümmel unterging: Als Ellis den Ball beim Stand von 113:111 1,3 Sekunden vor dem Ende ins Aus schmiss und damit den Spurs zurückgab, schickten die für den folgenden Einwurf gleich sechs Spieler aufs Parkett - von den Referees unbemerkt, allerdings auch nicht per Videobeweis nachprüfbar. Der lange Pass kam nicht an und nach Patty Mills' Verzweiflungsdreier war das Spiel vorbei, insofern "ging alles gut". Nicht auszudenken jedoch, was passiert wäre, hätten die Spurs doch noch gepunktet.

So bleibt der NBA ein kleiner Eklat erspart und Millionen Fans konzentrieren sich auf ein historisches Wochenende mit fünf Entscheidungsspielen. Die Spurs machen am Sonntag um 21.30 Uhr deutscher Zeit den Abschluss. Wird es ein krönender Abschluss für das Team von Dirk Nowitzki? Bisher ist er in solchen Spielen noch unbesiegt (4-0), dementsprechend groß ist seine Vorfreude im Gespräch mit SPOX: "Man bekommt dieses Kribbeln im Bauch. Das sind die Spiele, für die bist du Basketballer geworden. Alle 6 Spiele davor sind vergessen, es zählt nur noch das eine Spiel."

"Verdammt lautes" Endspiel

Die Partie im AT&T Center ist die ultimative Nagelprobe für den Champion von 2011. "Es wird verdammt laut werden", weiß Nowitzki. "Wir waren auswärts relativ stark dieses Jahr und müssen ans vierte Viertel von heute anknüpfen." Favorit sind immer noch die Spurs, auch wenn Popovich den Heimvorteil nicht überbewerten will: "Das garantiert überhaupt nichts. Wir haben ein Spiel 7 schon gewonnen, aber auch schon verloren."

Wer am späten Sonntagabend also in die nächste Runde einziehen wird, ist völlig offen. Aber allein die Tatsache, dass es zum Entscheidungsspiel kommt, beweist, wie verrückt diese Postseason abläuft. "Man kann den sogenannten Experten auch keinen Vorwurf machen", weiß Nowitzki. "Wer hätte damit gerechnet?" Zumindest eines sollte die Basketball-Welt gelernt haben: Am Sonntag ist alles möglich.

Die Playoffs im Überblick

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