LIVE-STREAM: Thunder vs. Clippers, So. um 19 Uhr

Nur Third Banana im Supertrio

Von Jan Dafeld
Freitag, 21.02.2014 | 14:07 Uhr
Drei Jahre lang waren Serge Ibaka und James Harden gemeinsam für die Thunder aktiv
© getty
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In Abwesenheit des verletzten Russell Westbrook mauserte sich Serge Ibaka zur zweiten Option in der Offensive der Thunder. Seine Rolle im Team scheint perfekt auf ihn zugeschnitten zu sein. Selbst dem abgewanderten James Harden trauert man in Oklahoma nicht hinterher. Doch wie verläuft die Entwicklung nach Westbrooks Rückkehr? Die Partie gegen die Los Angeles Clippers (So., 19 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE) könnte ein Hinweis sein.

Es wirkte nahezu genugtuend für Serge Ibaka als er sich vor rund einem Monat im Toyota Center seinen 15. Rebound der Partie schnappte. Beim Stand von 99:91 für die Thunder, zwei Minuten und 40 Sekunden vor dem Ende, stellt der 24-Jährige mal wieder seine Shotblocking-Fähigkeiten unter Beweis und stoppt den Dunk-Versuch von James Harden am Ring.

Es ist allerdings nicht ein nur verhinderter Korb, es ist praktisch auch die Vorentscheidung in einem der verrücktesten Spiele der Saison. Oklahoma City schlägt Houston und Superstar James Harden.

Harden wird zum Superstar

Den James Harden, der selbst drei Jahre lang an der Seite von Kevin Durant, Russell Westbrook und Co. für die Thunder auf Korbjagd ging. Den James Harden, der vor dem Auslaufen seines Vertrags nach Houston verschifft wurde, da man sich in Oklahoma gegen eine Verlängerung des Kontrakts und für einen anderen Spieler entschieden hatte. Für Serge Ibaka.

In seinen eineinhalb Jahren als Rocket wurde James Harden zweimal zum All-Star und einmal in ein All-NBA Team gewählt. Er darf in der Off-Season seine Gesangskünste in Werbespots unter Beweis stellen und während der Halbzeitpausen der NBA-Spiele über "the Zone" philosophieren. Dinge, die Ibaka bislang größtenteils verwehrt blieben. Harden ist mittlerweile ein NBA-Superstar. Ibaka in seinem Team hingegen nur das dritte Rad am Wagen.

Perfekte Rolle bei OKC

Im Gegensatz zu so manchem NBA-Experten scheinen Sam Presti und das Management der Thunder allerdings keinesfalls unzufrieden mit ihrer Entscheidung für Air Congo und gegen the Beard zu sein. Dies mag zum einen an der hohen Wertschätzung für Swingman Jeremy Lamb, der im Gegenzug für Harden von den Rockets nach Oklahoma verschifft wurde, liegen, allerdings füllt Ibaka die für ihn angestrebte Rolle bislang auch nahezu perfekt aus.

Einen dritten Star neben dem wahrscheinlichen MVP der ersten Halbserie Kevin Durant, sowie dem dreimaligen All-NBA Teamer Russell Westbrook, streben die Thunder nicht an. Die ungeliebte, aber auch unverzichtbare, Rolle der sogenannten "third banana" scheint wie gemacht für Ibaka. Defensiv, aber mittlerweile auch im Angriff.

Offensive als neue Dimension

Mit einer Wurfquote von 48 Prozent aus der Mitteldistanz (Ligadurchschnitt 39 Prozent) gehört der gebürtige Kongolese zu den tödlichsten Schützen innerhalb der Dreierlinie in der NBA. In Kombination mit dem wohl besten Scorer der Welt bildet Ibaka so eines der gefährlichsten Pick-and-Roll-Duos der Liga.

Indem Durant in diesen Situationen seinen eigenen Mann mit- aber auch das Interesse des Help-Defenders auf sich zieht, kann Ibaka sich oft relativ leicht von seinem Gegenspieler lösen. Durch seine verbesserten Passfähigkeiten ist Durant zudem immer häufiger in der Lage, seinen Mitspieler einzusetzen, sodass Ibaka praktisch konstant freie Würfe aus der Mitteldistanz erhält. In der Abstinenz von Westbrook ging so 45 Prozent der assistierten Field Goals Ibakas eine Vorlage Durants voraus.

Ohne den verletzten Point Guard stieg Ibaka zur zweiten Option in der Thunder-Offensive auf. Medial wurden vor allem Durants Explosionen in der Offensive Beachtung geschenkt, allerdings steigerte auch er in dieser Zeit seinen Punkteschnitt aus der Vorsaison von 13,2 auf 16 Zähler pro Partie. In zehn der 27 Spiele gelangen ihm 20 oder mehr Punkte. In seinen vorherigen vier Saisons zusammen schaffte Ibaka dies nur siebenmal.

Großer Einfluss in der Defensive

Auch wenn Ibakas Entwicklung zu einem Two-Way-Player nicht von der Hand zu weisen ist, so bleibt vor allem sein Einfluss am defensiven Ende des Feldes unverzichtbar für die Thunder. Seine hohen Platzierungen bei den Wahlen zum Defensive Player of the Year in den vergangenen beiden Jahren mögen kritisiert worden sein und ein alleiniger Anker der Thunder-Defensive ist der 24-Jährige wohl immer noch nicht, sein Anteil an der ligaweit auf Platz vier rangierenden Verteidigung ist allerdings unbestreitbar.

Als bester Shotblocker über die vergangenen drei Jahre ist Ibaka primär als Help-Defender von der Weakside unverzichtbar für OKC. Doch auch im Eins-gegen-eins stellte er seine Fähigkeiten in der aktuellen Saison mehrfach unter Beweis. Und das auf einer Position, die im Westen kaum wichtiger sein könnte: der des Power Forwards.

X-Faktor in den Playoffs?

Gegen die möglichen Playoffgegner aus Minnesota, Memphis, Dallas und Portland hielt Ibaka die Elite-Forwards weit unter ihrem Saisondurchschnitt. Kevin Love, Zach Randolph, Dirk Nowitzki und LaMarcus Aldridge zwang er zu schweren Würfen und somit einer Quote von unter 43 Prozent, während er auf dem Feld stand. Einzig Blake Griffin traf in den letzten Aufeinandertreffen seines Teams mit den Thunder besser aus dem Feld, während Ibaka auf dem Parkett stand.

In einer Conference, in der nur zwei der Playoff-Anwärter keinen Power Forward unter ihren zwei besten Scorern haben, könnte Ibaka somit zum X-Faktor werden. Teams wie Dallas, Memphis oder auch Portland, die allesamt mögliche Erstrundengegner für die Thunder darstellen, könnte der Spanier mit seinem Paket aus Athletik, Beweglichkeit und Kraft vor enorme Probleme stellen.

Das beste Trio der Liga?

Schon Kolumnist Bill Simmons stellte vor einigen Wochen die Frage, ob Ibaka die beste third banana der NBA sei. Die Konkurrenz um Chris Bosh, Kawhi Leonard oder auch Andre Iguodala schläft nicht, verstecken muss sich der Power Forward vor diesen Namen allerdings auch nicht mehr.

Eine Entwicklung, die bereits eine weitere These aufwerfen könnte: Wenn Durant und Westbrook im Verbund das wohl beste Duo der NBA bilden, macht sie Ibaka nicht zum besten Trio der Liga? In der laufenden Saison kommt bisher zumindest kein Triell auf einen höheren Punkteschnitt als die drei Vertreter der Loud City.

Was passiert nach Westbrooks Comeback?

Inwieweit Ibakas Einfluss in der Offensive nach Westbrooks Rückkehr allerdings derselbe bleiben wird, bleibt abzuwarten. Immerhin kam Westbrooks Vertreter Reggie Jackson in dieser Saison auf rund sieben Abschlüsse weniger pro Partie als der Mann mit der Rückennummer null der Thunder - und das mit nur fünf Minuten weniger Spielzeit pro Partie.

Als klassische Stretch Four dürfte Ibaka in jedem Fall weiter seine Würfe in der Thunder-Offensive kriegen. Bei Westbrooks Comeback gegen Miami zeigten sich allerdings schon Veränderungen im Playbook von Head Coach Scott Brooks. Auf das Pick-and-Roll zwischen Durant und Ibaka, aus dem der zweimalige Defensive First Teamer so effizient agiert hatte, griff Oklahoma City gegen den Titelverteidiger kaum zurück. In der Offensive geht die Rolle von Westbrook vor. Er ist der Superstar. Ibaka nur die third banana.

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