Rookie Watch

Trey Burke: Stocktons Erbe?

Von Henning Kuhl
Donnerstag, 09.01.2014 | 16:22 Uhr
Auf Trey Burke ruht die Hoffnung der Jazz-Fans
© getty
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Bei den Utah Jazz läuft in dieser Saison nur wenig zusammen, doch Rookie Trey Burke gibt Anlass zur Hoffnung. Der ehemalige College-Star soll das Team in eine erfolgreichere Zukunft führen und das neue Gesicht des Clubs werden.

John Stockton gehört zu den Legenden des Basketballs. Der geniale Playmaker wurde bei den Utah Jazz zum Hall of Famer. Bei seinem Rücktritt 2003 hinterließ der All-Time-Assists-Leader der NBA (15.806) unfassbar große Fußstapfen, die selbst All-Star Deron Williams (2005-11) nicht ausfüllen konnte.

Zehn Jahre später versucht sich ein neuer Mann an diesem Unterfangen: Trey Burke. Nachdem ihn ein Fingerbruch die ersten zwölf Spiele ausgebremst hatte, spielt der 21-jährige Rookie seit seinem Debüt am 20. November groß auf: 12,8 Punkte, 4,6 Assists, 3,7 Rebounds und 0,9 Steals verbucht er im Schnitt - in nur 26,2 Minuten pro Partie!

Die Quoten des "NCAA Player of the Year 2013" aus dem Feld (38,3 Prozent Field Goals; 40,6 Prozent Dreier) sind zwar ausbaufähig, dafür glänzt der 1,85-Meter-Mann aber mit Übersicht und Ballsicherheit (nur 1,1 TO). Gegen Sacramento flirtet der Junge aus Columbus mit einem Triple-Double (19 Zähler, 10 Rebounds, 7 Assists). Da werden direkt Erinnerungen an Stockton wach. Zumal seine Stärken nicht von ungefähr kommen.

Ein besonderes Kind

Alfonso Clark "Trey" Burke III hat Basketball quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Sein Vater und sein Opa warfen in ihrer Jugend ebenfalls das rote Leder durch die Reuse. Ihre Leidenschaft schwappt auf Trey über, der mit dem Basketball in der Hand laufen lernt.

Sein enormes Talent zeigt sich dann auch früh: Mit fünf ist er seinen Altersgenossen so überlegen, dass in seiner Liga eine neue Regel eingeführt wird: Burke darf erst ab der Mittellinie verteidigen. Trey hat einfach zu viele Steals. Seine Defense ist so gut, dass seine Gegner oft nicht über die Mittellinie kommen.

Die starke "D" ist aber nicht nur ein Beweis für sein großes Talent, sondern in erster Linie auch für seinen unbändigen Willen. Denn je älter der Bruder zweier Schwestern wird, desto mehr will er erreichen und immer besser werden. Unterstützt wird er speziell von Vater Alfonso "Benji" Burke II, der sich außergewöhnliche Trainingsmethoden einfallen lässt und beispielsweise Tage festlegt, an denen sein Filius alles nur mit links machen darf. Nicht nur dribbeln, werfen und passen, sondern auch alle Dinge im Alltag!

Trey putzt sich mit der linken Hand die Zähne, wechselt Messer und Gabel, löffelt die Suppe mit links und trainiert so seine Beidhändigkeit, die ihn nicht zuletzt auf dem Court besser macht. Mit Erfolg. "Mein Dad hatte den wichtigsten Einfluss auf meine Karriere", ist sich Burke sicher.

Ein Leader

An der Northland High School entwickelt sich Burke dann auch immer mehr zum Leader. Mitverantwortlich dafür ist in erster Linie - wieder mal - sein Wille: So beschließt Trey, nicht nur Extra-Einheiten zu schieben, sondern wendet sich auch an Anthony Rhodman, der anderen Spielern Trainingsstunden gibt.

Die Sonderschichten bringen ihn kontinuierlich weiter, Burke wird zum Star. Northland erreicht unter seiner Regie eine Bilanz von 97-5 Siegen! Kein Wunder, dass der 1,85-Meter-Mann mehrere Auszeichnungen einheimst - unter anderem wird er 2011 "Mr. Basketball" in Ohio - und ein Stipendium an der traditionsreichen University of Michigan bekommt.

Auch dort schlägt Trey ein wie eine Rakete und mausert sich direkt zum alles entscheidenden Akteur: Bereits in seiner ersten Saison 2011/12 legt er 14,8 Punkte, 4,6 Assists und 3,5 Rebounds auf.

Ein College-Star

Der 19-Jährige führt das Team in vier Kategorien an, ist der unumstrittene Star, wird abermals mit Auszeichnungen überhäuft. Ganz nebenbei stellt er auch diverse Rekorde auf, etwa den für die meisten Assists als Freshman bei Michigan.

Aber obwohl ihm gute Karten für den NBA Draft 2012 attestiert werden, entscheidet sich Burke für ein weiteres College-Jahr. Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Tim Hardaway Jr. führt er das Team mit 18,6 Zählern, 6,7 Assists und 3,2 Boards ins NCAA-Finale. Obwohl nicht wenige Experten die Wolverines in der Favoritenrolle sehen, verlieren sie dieses aber knapp gegen Louisville (76:82).

"Wenn das Spiel auf der Kippe stand, lief alles über Trey", erinnert sich Michigans Coach John Beilein. Trey wird für seine abermals bärenstarke Saison (260 Assists bedeuten einen neuen Michigan-Rekord) unter anderem zum besten Collegespieler des Jahres gekürt und erhält den Bob Cousy Award, der alljährlich dem besten NCAA-Point-Guard verliehen wird.

Ein Hoffnungsträger

Im Sommer wird der 20-Jährige dann als erster Michigan-Absolvent seit 2000 - der letzte Wolverine war Jamal Crawford - in den Top Ten gedraftet. Minnesota zieht Trey an neunter Stelle, schickt ihn aber in einem im Vorfeld abgesprochenen Deal für zwei andere Rookies - Shabazz Muhammad sowie Gorgui Dieng - direkt nach Utah.

In Salt Lake City gibt sich der Youngster gewohnt selbstkritisch. "Ich muss das Spiel lenken, meine Kollegen besser machen und dem Team zu Siegen verhelfen - daran muss ich arbeiten", sagt Burke, der trotz seiner Scoring-Qualitäten ein Pass-First-Guard ist.

Denn auch mit Trey gewinnen die schwachen Jazz nur vier von zwölf Partien und haben nach dem ersten Saisonviertel mit 5-19 Siegen die mieseste Bilanz der NBA.

Ein Kämpfer

Utah ist also eine echte Herausforderung für den Rookie. Er soll die Franchise zurück in die Erfolgsspur führen und endlich das große Loch auf der Aufbauposition stopfen. "Ihm fehlt es allerdings an Unterstützung. Er hat keinen Mentor", sagt Andy Bailey vom "Bleacher Report".

Wieder mal kommt es auf Burkes Willen an, der ihn vorantreiben muss. "Ich bin bereit", gibt sich der Rookie kämpferisch, und Utah-Coach Tyrone Corbin sagt: "Er wird täglich besser und entwickelt sich prächtig."

Auch dank Individualtraining mit John Stockton. Solange er seine Einstellung beibehält und Stocktons Ratschläge befolgt, besteht Hoffnung für Utah. Auf mehr Erfolg. Und einen Mann, der endlich Stocktons Fußstapfen ausfüllen kann.

Scouting-Report

Stärken: Starkes Auge, exzellenter Passgeber und solider Rebounder sowie sehr sicherer Freiwurfschütze (91,7 Prozent). Sowohl aus dem Eins-gegen-Eins als auch aus dem Pick-and-Roll gefährlich. Dazu ungemein ballsicher und pfeilschnell.

Schwächen: Beim Abschluss in der Zone aufgrund seiner Größe und mittelmäßigen Athletik etwas limitiert. Auch sein Wurf muss konstanter werden. Kann defensiv noch zulegen (0,9 Steals). Muss mehr Fouls ziehen (nur 1,8 Freiwürfe pro Spiel).

Fazit: Trey Burke hat alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere. Besitzt All-Star-Potenzial und könnte zum neuen Chris Paul werden.

Der Artikel erscheint in BASKET 02/2014

Trey Burke im Steckbrief

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