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Andre Iguodalas Einfluss auf die Warriors

Wenn sich zwei gefunden haben

Von Max Marbeiter
Dienstag, 21.01.2014 | 20:43 Uhr
Andre Iguodala (l.) wechselte im Sommer aus Denver zu den Golden State Warriors
© getty
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Seit seinem Wechsel zu den Golden State Warriors blüht Andre Iguodala auf. Nie spielte Iggy effektiver, nie war er wertvoller. Das belegt nicht zuletzt Golden States Negativserie während der Verletzungspause des Forwards. Steht Iguodala auf dem Feld, hebt er die Warriors auf ein anderes Level - doch auch er selbst profitiert.

Pero Antic' Einsicht kam ein wenig spät. Nach der Pleite gegen die Warriors gab sich der sonst so gar nicht zurückhaltend daherkommende Mazedonier ungewohnt kleinlaut. Die Niederlage gehe auf seine Kappe, gestand er. Ehrliche Worte - schon eher Antic' Art -, die noch dazu durchaus ihre Berechtigung hatten. Schließlich hatte sich der Big Man Sekunden vor Schluss dazu entschlossen, Steph Curry zu doppeln.

Auf den ersten Blick sicherlich nicht die dümmste Idee, gilt Golden States Playmaker doch als einer der besten Schützen, die die NBA derzeit zu bieten hat. Doch Curry hin, gefährlicher Dreier her, Antic hatte vergessen, dass sein direkter Gegenspieler mittlerweile ebenfalls verstanden hat, wie der Spalding aus 7,24 Metern Entfernung im Ring unterzubringen ist.

Da stand Andre Iguodala also. Mutterseelenallein. So allein, dass Curry das Double-Team nutzte, um den Pass zu spielen. Iggy stieg hoch, die Uhr tickte runter. Buzzer. Splash! Der Dreier saß und die Warriors gewannen.

Bester Dreierquote der Karriere

Hätte Pero Antic in der Hitze der finalen Sekunden Iguodalas Statsheet im Kopf gehabt, ihm wäre bewusst gewesen, dass der Forward in dieser Saison so gut von jenseits des Perimeter trifft wie nie zuvor in seiner Karriere (43,6 Prozent 3FG). Auch Iguodalas Buzzerbeater gegen die Thunder hätte Antic einfallen können.

Starkes Shooting plus zwei Gamewinner. Im Ergebnis drei unmittelbare Beispiele für Iggys positiven Einfluss auf das Spiel der Warriors. Noch dazu ein Beleg, dass sich der Forward binnen weniger Monate zu einem unverzichtbaren Eckpfeiler für Mark Jacksons Team entwickelt. "Wir hatten ja auch unsere Gründe, ihn zu holen", erklärt der Coach gegenüber SPOX.

Sollten dennoch Zweifel am Wert des Neuzugangs aus dem Sommer bestehen, lohnt ein Blick auf den finalen Monat des vergangenen Jahres. Jenen Monat, den Golden State ohne Iguodala angehen musste. Am 22. November, beim Spiel gegen die Lakers, machte Iggys linker hinterer Oberschenkel zu. Vier Wochen konnte der Forward in der Folge keinen NBA-Court betreten, vier Wochen traten die Warriors eher wie ein Durchschnittsteam als wie ein Anwärter auf die Conference Finals auf.

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Iggy bringt den Erfolg zurück

Um 8 Pleiten hatten sie ihre Bilanz in 13 Partien gedrückt, ehe Iguodala am 17. Dezember zurückkehrte - und mit ihm der Erfolg. Hätten die Brooklyn Nets nicht plötzlich verstanden, wie sie als Team aufzutreten haben, die Warriors hätten als erstes Team der Geschichte einen Sieben-Spiele-Roadtrip ohne Niederlage abgeschlossen. Dennoch lässt sich die Bilanz (14-5) trotz der Niederlagen zuletzt gegen Denver, OKC und die Pacers sehen.

Nun lesen sich 9,8 Punkte, 4,1 Rebounds und 4,8 Assists im Schnitt nicht gerade angsteinflößend. Allerdings gehört es im Falle des Andre Tyler Iguodala längst zum guten Ton, seinen Einfluss weit abseits der schnöden "xy-pro-Spiel"-Statistiken zu suchen.

"Ähnlich wie Andrew (Bogut, Anm. d. Red.) braucht Andre nicht viele Würfe, um das Spiel zu beeinflussen", verdeutlicht David Lee gegenüber SPOX - und liefert den naheliegendsten Beleg für Iggys unmittelbar positiven Impact gleich hinterher: "Der größte Vorteil ist vielleicht, dass er uns tiefer macht", so der Vierer. "Wir können Harrison Barnes und Draymond Green von der Bank bringen."

Zauberwort "Tiefe"

Egal, wen man fragt, ob nun Lee, Coach Jackson oder Steph Curry - alle kommen zum selben Schluss. "Tiefe" lautet das Zauberwort. Tiefe, die den Warriors während Iguodalas Abstinenz merklich abging. Barnes rutschte in die erste Fünf und hinterließ eine Bank, deren offensiver Output (17,4 Punkte pro Spiel) zum schwächsten der gesamten Liga verkam.

Doch nicht nur die Reservisten, auch die Starter litten. Ohne Iggy vermissten sie schließlich ihren nach Curry zweiten Ballhandler. Übernahm diese Rolle vergangene Saison noch meist Jarrett Jack, so ist Iguodala mittlerweile häufig für den Ballvortrag zuständig, sobald Golden States Playmaker entweder eine Pause oder aber Entlastung benötigt.

Und obwohl Jack als gelernter Aufbau in Oakland minimal mehr Assists verteilte (5,6 gegenüber 4,8), erledigt Iguodala seine Rolle mehr als ordentlich - gerade da er dank seiner Ruhe als entspannter Gegenpol zum mitunter etwas hibbeligen Curry auftritt und Golden States Spiel so ein wenig ausbalanciert.

Jackson: "Ein unglaublich guter Ballhandler"

Zudem erlaubt er Curry, hin und wieder abseits des Balls zu spielen, um diverse Blöcke für einen offenen, meist "tödlichen" Dreier zu nutzen. "Er ist unglaublich wichtig für uns", weiß deshalb auch Coach Jackson. "Er ist ein unglaublich guter Ballhandler, Facilitator und Playmaker. Als er verletzt war, hat er uns definitiv gefehlt."

So wichtig Iguodala auch für den offensiven Output der Warriors sein mag, das wohl größte Vakuum hinterließ er während seiner Pause am defensiven Ende des Courts. Dort, wo Iggy seit jeher zur absoluten NBA-Elite zählt. Erstes Indiz: Im Vergleich zur vergangenen Saison verbesserten sich die Warriors in Sachen Defensive Efficiency von Rang 13 auf Rang 5.

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"Wir leben von der Defense", erklärt Mark Jackson die Identität seines Teams. "Leute, die nur die Highlights sehen, denken vielleicht, dass wir ein reines Shooting-Team sind, aber wir besitzen eine der besten Defenses der Liga. So gewinnen wir Spiele. Das ist unsere Grundlage."

Defense, Defense, Defense

Und für ebendiese Grundlage ist Andre Iguodala essentiell. Als bester Individualverteidiger der Warriors wird dem 29-Jährigen regelmäßig die ehrenvolle Aufgabe zuteil, den besten Scorer des Gegners an die Kette zu legen. Dass er an dieser Aufgabe beeindruckend selten scheitert, hat Iguodala einerseits seiner herausragend Athletik, andererseits zu ebenso großen Teilen seinem überdurchschnittlich hohen Basketball-IQ zu verdanken.

So sinkt er meist gerade weit genug ab, um den Drive zu verhindern, ist aber gleichzeitig nah genug dran, um den Wurf des Gegners (entscheidend) zu stören. Auch Blöcke erkennt Iguodala häufig im Voraus, positioniert sich entsprechend und weiß sie zu umlaufen. Das erlaubt es ihm, auch einen Kevin Durant über das Feld zu jagen, um am Ende zur Stelle zu sein, sobald KD seinen Wurf loslässt.

Damit hat sich der Einfluss des Dreiers allerdings noch nicht erschöpft. Denn neben seinen individuellen Lockdown-Defender-Fähigkeiten ist Iguodala auch essentiell wichtig für Golden States defensives Gesamtkonstrukt. Beim Sieg in Miami blieb er beim Fast Break beispielsweise häufig zurück, um das so gefürchtete Transition-Spiel der Heat im Turnover-Fall wenigstens halbwegs unterbinden zu können.

Curry und Thompson profitieren

Ohnehin kommt Iguodala zu Beginn gegnerischer Possessions, sprich, in jenen Situationen, in den die eigenen Defense noch ungeordnet und somit am verwundbarsten ist, eine entscheidende Rolle zu. Er versteht es schließlich hervorragend, Lücken im eigenen Defensivgebilde zu erkennen und sie im Zweifelsfall zu schließen.

Im Wissen, dass Iguodala notfalls zum Aushelfen bereitsteht, können Steph Curry und Klay Thompson ihre eigene On-Ball Defense deshalb aggressiver gestalten, da sie nicht fürchten müssen, dass das Gesamtkonstrukt gleich in sich zusammenfällt, sollten sie beim Drive geschlagen werden.

Nun ist Geben zwar grundsätzlich schöner als Nehmen, doch einseitig ist die Beziehung Iguodala/Thompson/Curry keinesfalls. Zwar sind die gesteigerten Quoten (50,2 Prozent FG, 42,9 Prozent 3FG gegenüber 46,1 Prozent FG, 33,4 Prozent 3FG Karriereschnitt) nicht allein mit der Splash-brüderlichen Präsenz der beiden Shooter zu erklären. Die Aufmerksamkeit, die Curry und Thompson zuteil wird, lässt Iggy allerdings deutlich öfter unbehelligt abdrücken als noch in Philadelphia oder Denver. Nicht selten wartet Iguodala auf der Weakside, um von dort aus den offenen Wurf loszuwerden.

All das klingt ziemlich perfekt. Beinahe zu perfekt. Denn Perfektion wird in der NBA nur in einigen wenigen Fällen erreicht. Dennoch hat Andre Iguodala in der Bay Area ein Team gefunden, in dem er seine Stärken nahe des Optimums zur Geltung bringen kann. Die Warriors bekamen im Sommer umgekehrt einen Spieler, der einige ihrer Schwachstellen zu stopfen vermag. So entstand ein für beide Seiten gewinnbringendes Bündnis, das hin und wieder in spektakulären Game-Winnern seinen Höhepunkt findet. Das hat auch Pero Antic mittlerweile erkannt.

Andre Iguodala im Steckbrief

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