Boston Celtics - Brooklyn Nets 79:85

Nets gewinnen emotionales Duell

Von Jan-Hendrik Böhmer
Montag, 27.01.2014 | 03:11 Uhr
Paul Pierce und Kevin Garnett wurden von den Fans in Boston gefeiert
© Getty
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Die Brooklyn Nets (20-22) haben die Patrie gegen die Boston Celtics (15-31) gewonnen. Bei der emotionalen Rückkehr von Paul Pierce und Kevin Garnett in den TD Garden gewannen die Nets am Ende mit 85:79 (BOXSCORE).

Während es vor der Partie und in den Unterbrechungen emotional zuging, erlebten Paul Pierce (6 Punkte, 4 Rebounds, 2 Assists) und Kevin Garnett (6 Punkte, 3 Rebounds, 3 Assists, 3 Steals) sportlich gesehen einen eher unrunden Abend. Beide hatten sichtlich mit den Emotionen zu kämpfen und kamen über weite Strecken nicht zu gelungenen Aktionen.

Ganz im Gegenteil zu Andray Blatche. Der Center kam am Ende auf 17 Punkte, 4 Rebounds, 2 Steals und 2 Blocks. Damit hatte er entscheidenden Anteil am Erfolg der Nets. Ebenfalls stark: Andrei Kirilenko und Alan Anderson mit jeweils 11 Punkten.

Bei den Celtics war Brandon Bass (17 Punkte, 8 Rebounds) einer der besten Spieler. Rajon Rondo machte das vermutlich beste Spiel seit seinem Comeback und kam auf 13 Zähler, 8 Rebounds und 8 Assists.

Die Reaktionen:

Paul Pierce (Nets): "Das ist schon ein sehr komisches Gefühl, wenn man plötzlich durch den Gästeeingang kommen muss und dann in der Gästekabine sitzt. Da geht einem schon viel durch den Kopf, besonders wenn man die Fans sieht. Die sind immer noch die besten der Welt. Hier dann ein Spiel zu spielen, ist ganz, ganz schwierig. Ich musste mich oft sehr stark konzentrieren. Aber dennoch darf ich mich davon nicht ablenken lassen. Was jetzt zählt, sind Siege mit den Nets."


Kevin Garnett (Nets): "In meinen ganzen Jahren als Profi war das der härteste Prüfung für meine Konzentration. Bei weitem. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Am Ende war es aber ein gutes Gefühl, nach Hause zu kommen."

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Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tip-Off: Emotionale Szenen im TD Garden. Als Garnett und Pierce als letzte Spieler der Nets angekündigt werden, kennt der Jubel kaum Grenzen. Beide Spieler ringen mit den Tränen. Dazu in der Starting Five: Anderson, Livingston und Johnson. Die Celtis starten mit Wallace, Green, Bass, Sullinger und Rondo. Humphries bleibt draußen.

3.: Gute Defense auf beiden Seiten, lange Zeit will nichts fallen. Dann bricht Wallace mit einem Dreier von der Grundlinie den Bann und Rondo legt mit einem Runner nach. 6:0 für die Celtics, da Bass und Rondo am Brett alles abgreifen.

7.: Nach einem langsamen Start haben sich die Nets mittlerweile gefangen. In der Defensive stehen sie solider, in der Offensive läuft der Ball flüssiger. Besonders Livingston sorgt mit seinem Einsatz für viel Bewegung. Auch Blatche von der Bank mit schnellen Punkten, Williams jetzt ebenfalls im Spiel. Nur noch 11:9 für Boston.

15.: Jetzt wieder ein Zwischenspurt der Cetics: Johnson und Humphries mit guten Punkten von der Bank. Bei den Nets hält vor allem Blatche dagegen, der bereits 8 Punkte hat (während Pierce und Garnett auf der Bank sitzen). Allerdings verpasst er auch immer wieder einfache Körbe wie eben beim Layup. Boston deshalb weiter mit fünf Punkten vorne.

19.: Das Spiel hat sich gedreht. Befeuert durch Blatche, der auf beiden Seiten des Courts Alarm macht, legen die Nets einen starken Run hin und übernehmen binnen kurzer die Führung. Dazu Williams mit einem ganz weichen Floater und Teletovic mit einem Dreier. 27:23 für Brooklyn.

26.: Nachdem die Celtics vor der Pause und direkt nach Wiederbeginn gut losgelegt und sogar die Führung übernommen hatten, ist jetzt Brooklyn wieder am Zug. Pierce hat seinen Rhythmus auch gefunden und trifft zweimal direkt hintereinander. Dazu Alan Anderson mit zwei Dreiern aus der exakt selben Position. 10:0-Run der Nets.

33.: Alan Anderson! Bereits der dritte Dreier, den der Nets-Forward hier versenkt. Damit kontert er einen 7:2-Run der Celtics. Garnett und Rondo scherzen unterdessen auf dem Parkett herum. Garnett tanzt vor Rondo umher und legt am Ende seine Stirn auf Rondos Brust. Der Celtics-Guard kontert mit einem angetäuschten Uppercut. Spielstand: 56:47 für Brooklyn.

39.: Das Spiel läuft flüssig bei den Netz, der Vorsprung hat sich bei gut 10 Punkten eingependelt. Williams und Kirilenko mit starkem Crossover und den einfachen Punkten. Bei den Celtics sind es derzeit eher Einzelaktionen. Pressey sprintet zum Beispiel quer über den Court und legt den Ball in den Korb. 67:56 für die Nets.

43.: Hoppla, da ist der Nets-Vorsprung plötzlich weg. Humphries provoziert den Turnover von Blatche, die Celtics-Defense macht dicht. Erst kann Terry den Run mit einem Dreier scheinbar noch unterbrechen, doch dann ist Rondo zur Stelle mit dem Layup. Plötzlich sind es nur noch vier Punkte und der Garden wacht auf. 71:67 Nets.

48.: Nicht zu fassen. Eigentlich waren die Nets durch Pierce und Williams bereits wieder mit 8 Punkten weggezogen, da ist Rondo von Downtown zur Stelle. Als dann Johnson auf der Gegenseite den völlig unbedrängten Dreier vergibt, ist alles wieder offen. Ausgerechnet Garnett gelingt dann aber 30 Sekunden vor dem Ende der Steal gegen Rondo und der Layup für die Galerie. Die Vorentscheidung - und ein passender Schlusspunkt für ein emotionales Spiel.

Boston Celtics vs. Brooklyn Nets: Hier geht's zum BOXSCORE

Der Star des Spiels: Andray Blatche. Der Nets-Center befeuerte mit seiner starken Leistung von der Bank einige Runs der Nets. Gerade als Boston davonzuziehen drohte, drehte er auf beiden Seiten des Courts auf und brachte sein Team mit viel Energie in Führung. Es war bereits das vierte starke Spiel von Blatche in den letzten fünf Partien (lediglich gegen Dallas gab es einen kleinen Durchhänger). Er ist und bleibt ein wichtiger Teil des Aufschwungs in Brooklyn.

Bei den Celtics machte Brandon Bass eine ganz starke Partie. Er war perfekt aus dem Feld (6-6) und damit eine erfreuliche Ausnahme vom oft miesen Shooting der Celtics. Dazu war er an den Brettern stark. Auch die Leistung von Rajon Rondo verdient Anerkennung. Er kommt nach der langen Verletzungspause immer besser ins Spiel.

Der Flop des Spiels: Die Bank der Celtics. Abgesehen von Johnson (12 Punkte, 4 Rebounds) kam hier nicht viel. Besonders im Vergleich mit der guten Nets-Bank wurde die magere Leistung von Kris Humphries (2/5, 6 Punkte), Kelly Olynyk (1/6, 3 Punkte) und Phil Pressey (0/5 von Downtown, 3 Turnover) zum Problem.

Das fiel auf:

  • Die Fans der Celtics bereiteten Pierce und Garnett einen fürstlichen Empfang. Sprechchöre, Plakate, nicht enden wollender Applaus: Die vor der Partie versprochenen Emotionen waren das gesamte Spiel über zu spüren. Immer wieder kämpften beide Spieler mit den Tränen, als ihre Karriere-Highlights über die Anzeigetafel flackerten. Im Spiel hatten sie es lange Zeit schwer, das Geschehen um sie herum zu vergessen. Besonders Pierce (2/10 aus dem Feld) kam nie wirklich ins Spiel. Am Ende machten beide allerdings wichtige Punkte und halfen damit, den Sieg der Nets festzuhalten.
  • Rajon Rondo kommt langsam aber sicher wieder besser ins Spiel. Zwar werden seine Minuten nach der Verletzung noch immer ein wenig limitiert (spielte 30 Minuten), doch was er auf dem Parkett ablieferte, sah deutlich besser aus als zuletzt. Er gewinnt an Schnelligkeit und Beweglichkeit zurück und reißt das Spiel wieder mehr an sich. Immer wieder konnte er Räume kreieren, scheute vor Kontakt nicht zurück, spielte gute Pässe und zog ohne zu zögern zum Korb. Zudem griff er sich immer wieder einige seiner jüngeren Mitspieler (z.B. Faverani) und redete ihnen nach Fehlern zu. Das wollen die Celtics sehen.
  • Das Spiel lebte über weite Strecken von seiner Emotionalität - und nur bedingt von technischer Qualität. Immer wieder unterliefen beiden Teams leichtsinnige Fehler (Turnover 18 Turnover bei den Celtics), verpassten sie Gelegenheiten, leisteten sich Ungenauigkeiten und kleinere Fouls. Viele Punkte kamen so besonders in der ersten Halbzeit nicht zustande.
  • Das Shooting war für beide Teams ein Problem. In der ersten Hälfte kamen bweder Nets noch Celtics über rund 32 Prozent hinaus, die Nets hatten besonders von Downtown (1/12 in der ersten Halbzeit, am Ende 24 Prozent) erhebliche Probleme. Im Gegenzug dominierte Brooklyn die Paint (40/26 Punkte).
  • Von der Nets-Bank kamen erneut viele Impulse. Neben Blatche steuerten auch Teletovic und Williams immer wieder gute Aktionen bei. Insgesamt scheint das Team-Gefüge zu stimmen. Williams, der nach seiner Knöchelverletzung langsam wieder ins Spiel kommt, hat Trainer Jason Kidd sogar angeboten, vorerst weiter von der Bank zu kommen, um die aktuell gut funktionierende Konstellation nicht zu stören. Das spricht Bände.

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