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Erinnerungen an Vancouver

Von Philipp Dornhegge
Sonntag, 15.12.2013 | 11:22 Uhr
Auf der Point-Guard-Position treffen Ricky Rubio und Mike Conley Jr. aufeinander
© getty
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Nach einem starken Saisonstart haben die Minnesota Timberwolves den Faden verloren und stehen aktuell mit einer negativen Bilanz da (11-12). Im Spiel bei den Memphis Grizzlies (10-12) soll ein wichtiger Auswärtssieg her. Die Hausherren, immerhin letztjähriger Western-Conference-Finalist, haben derweil ihre ganz eigenen Probleme.

Ausgangslage:

Die Leistungsstärke der Grizzlies ist derzeit schwer zu beurteilen. Nach dem Wechsel auf der Trainerbank vom alten Hasen Lionel Hollins zum moderneren - weil analytisch denkenden - Dave Joerger war eine Übergangszeit zu erwarten. Diese zieht sich aber unplanmäßig lange hin, und Schuld sind vor allem die Verletzungen, die das Team nicht in ihren Rhythmus finden lässt.

Marc Gasols Innenbanddehnung im Knie ist der bisher schlimmste Schlag, aber auch Neuzugang Mike Miller ist nicht hunderprozentig fit - wird es vielleicht nie wieder. Tony Allen hat Hüftprobleme, Ed Davis eine Knöchelverletzung. Und Quincy Pondexter droht nach einem Ermüdungsbruch eine lange Pause. Damit fielen vier wesentliche Rotationsspieler aus.

Am Freitag kehrten immerhin Edelverteidiger Allen und Power Forward Davis ins Lineup zurück, Miller schleppt sich regelmäßig durch meist ineffektive 20-25 Minuten. Coach Joerger musste und muss also immer wieder improvisieren, greift dabei immer häufiger auf einen Mann zurück: Jon Leuer.

Der Big Man wurde an der University of Wisconsin zum Star, schaffte aber nicht gleich den Sprung in die NBA. Stattdessen stieß er sich in Frankfurt bei den Skyliners die Hörner ab, schnupperte NBA-Luft bei den Bucks und Cavaliers und landete schließlich über die D-League in Memphis.

Hier scheint er ein Zuhause gefunden zu haben: Leuer bekommt im Dezember 29 Minuten pro Spiel und sammelt dabei 16,0 Punkte und 8,0 Rebounds. Dazu trifft er 54,2 Prozent seiner Field Goals, 45,5 seiner Dreier und 86,7 Prozent seiner Freiwürfe. Sowas nennt man Durchbruch.

Kevin Martins Wiederauferstehung - dank Rick Adelman

Auch die Timberwolves können von Verletzungen ein Lied singen. In den letzten Jahren stets hoffnungsfroh gestartet, fielen nacheinander Ricky Rubio, Kevin Love und viele andere aus - und machten allen Playoff-Träumen früh ein Ende. In diesem Jahr sollte alles besser werden, doch mit Chase Budinger (Knie, inzwischen wieder im Training) checkte noch vor Saisonstart der Starting Small Forward ins Lazarett ein. Ronny Turiaf brach sich den Ellenbogen.

Immerhin die Stars blieben bislang verschont, und produzieren mit schöner Regelmäßigkeit. Love und Neuzugang Kevin Martin bilden einen grandiosen One-Two-Punch, angesichts eines ziemlich fordernden Spielplans gegen überwiegend hochklassige Gegner sieht die Bilanz aber schlechter aus, als die Leistungen vermuten lassen würden.

Mit einem machbaren Restprogramm könnten sich die Timberwolves bis Jahresende wieder in die Playoff-Ränge im Westen schieben.

Star des Teams:

Bei den Grizzlies tut man sich schwer, einen echten Star ausfindig zu machen. Marc Gasol kommt dieser Beschreibung als amtierender Defensive Player of the Year wohl am nächsten, aber wie erwähnt fehlt er. Memphis kommt über das Kollektiv und hat keinen Scorer, der mehr als 17,7 Punkte pro Spiel auflegt (Mike Conley).

Kein Spieler verkörpert die Philosophie der Grizzlies aber wohl so treffend wie Zach Randolph. Der Lefty ist ein Wühler, ein Arbeiter, der nicht über die Athletik oder spektakuläre Aktionen kommt, sondern in jedem Angriff (eigenen und gegnerischen) fighten muss.

Z-Bo gehört zu den wenigen Konstanten im Team, der dieses Jahr auf 15,8 Punkte und 9,8 Rebounds kommt und damit zwar zwei Offensivrebounds weniger abgreift als im Vorjahr, ansonsten aber in jeder Hinsicht seine Leistung konservieren konnte. In Abwesenheit von Gasol würde man sich fraglos mehr von ihm erhoffen.

Mike Miller: Memphis' malader Hoffnungsträger

Ob Kevin Love seinem Team noch mehr geben kann als in dieser Spielzeit, ist fraglich. Mit 24,7 Punkten ist der Power Forward viertbester Scorer der Liga, mit 13,8 Rebounds in dieser Hinsicht gar die Nummer eins.

Seine 4,1 Assists pro Spiel sind ein deutlicher Karrierebestwert, besonders seine langen Pässe auf Corey Brewer nach Defensivrebounds gehören zu den Must-Sees dieser Saison. Portlands LaMarcus Aldridge gilt vielen derzeit als bester Power Forward der Liga. Das mag sein, aber Love ist mit Sicherheit nicht weit von ihm entfernt.

Fragezeichen allerdings tauchen bei der Defense des 25-Jährigen auf. Und das nicht einmal bei seinen grundsätzlichen Fähigkeiten (obwohl die auch nicht brilliant sein), sondern schon bei seiner Bereitschaft zu verteidigen.

Insbesondere im Umschaltspiel hat Love große Defizite, verweilt nach Ballverlusten oder vermeintlichen Fouls des Gegners gern einen Moment zu lang in der offensiven Hälfte - und ermöglicht so der anderen Mannschaft immer wieder Überzahlsituationen. Gegen das tendenziell langsame Spiel der Grizzlies dürfte das aber nicht allzu oft ins Gewicht fallen.

Schlüsselduell:

Mike Conley vs. Ricky Rubio. Beide werden nie in einem Atemzug mit Chris Paul, Russell Westbrook, Tony Parker und Co. genannt, wenn es darum geht, wer die besten Point Guards der Liga sind. Das hat sicher auch seine Berechtigung.

Dennoch darf es kein Vertun geben: Beide sind sehr viel mehr als nur solide Spielmacher. In den letztjährigen Playoffs war es zum Beispiel über weite Strecken Conley - und nur in Ausnahmesituationen Tony Allen -, der Paul in Schach hielt und den statistischen Abstand zwischen beiden relativ gering hielt.

Conley sammelte 17,3 Punkte und 8,3 Assists, Paul kam auf 22,8 Punkte und verhältnismäßig magere 6,3 Assists. In diesem Jahr legt der Linkshänder 17,7 Zähler pro Partie auf, sein bisheriges Career-High lag bei 14,6 Zählern.

Rubio wiederum gehört angesichts seiner grandiosen Spielübersicht und tollen Pässe zu einer der Attraktionen der Liga, der allerdings den Hype, der ihn vor seinem Wechsel in die NBA umgab, bisher noch nicht komplett rechtfertigen konnte. 9,5 Punkte pro Spiel sind einfach zu wenig für einen Elite-Point-Guard, eine Field-Goal-Quote von 37,4 Prozent indiskutabel.

Rubios Wurf ist nach wie vor zu wacklig und technisch fragwürdig, als dass ihn die gegnerische Defense richtig eng verteidigen müsste. Das erschwert es natürlich auch, häufiger den Weg in die Zone zu suchen.

In dem vielseitigen und komplexen System Rick Adelmans allerdings ist der Spanier der strategische Fixpunkt, der Kevin Love überall auf dem Court in Szene setzen kann, Martin an der Dreierlinie findet oder Nikola Pekovic in Korbnähe bedient.

So ist Minnesota sowohl im Halbfeld als auch bei Fastbreaks eine gut geölte und effektive Offensivmaschine. Dazu gehört Rubio zu den wenigen richtig guten Individualverteidigern der Mannschaft, auch wenn er gegen große Topathleten (a la Westbrook) aufgrund seiner schmächtigen Statur häufig auf verlorenem Posten steht.

Mit 17 Punkten und 8 Assists in den letzten drei Spielen befindet sich Rubio aktuell stark im Aufwind, hat dabei sogar insgesamt drei Dreier getroffen und 9 Steals gesammelt. Und Conleys Zahlen der letzten drei Spiele? Genau: 17 Punkte und 8 Assists. Der 26-Jährige hat sogar sechs Dreier verwandelt, dafür aber nicht einen Steal geholt - sonst eine seiner Stärken.

Geschichte:

Wir schreiben den 5. November 1995: Vancouver knistert. Denn zum ersten Mal steht in der vom Hockey dominierten Stadt an der Westküste Kanadas NBA-Basketball auf dem Programm. Zwei Tage zuvor hatte das Expansion Team Vancouver Grizzlies in Portland ein grandioses Debüt gefeiert und gleich einen 92:80-Sieg eingestrichen.

Nun also folgt die Heimpremiere, der Hype um das Team könnte kaum größer sein. Der General Motors Place (heute Rogers Arena), wo auch die Canucks ihre Heimspiele austragen, ist mit 19.193 Zuschauern restlos ausverkauft. Zu Gast sind die Minnesota Timberwolves mit ihren Stars Isaiah Rider, Christian Laettner und Tom Gugliotta. Kevin Garnett ist in seiner Rookie-Saison.

Es ist kein Topduell, sondern das Spiel zweier Mannschaften im Auf- bzw. Umbau. Aber das ist an diesem Abend egal. Die kanadischen Fans sind heiß auf Basketball - und bekommen gleich im ersten Heimspiel einen Thriller zu sehen: Die Gäste erwischen den besseren Start und führen zur Halbzeit, doch Vancouver gelingt im letzten Viertel das Comeback, die Grizzlies retten sich in die Overtime - und dort gelingt Chris King mit einem Tip-In zur Schlusssirene der Siegtreffer!

100:98, dabei sammeln Gugliotta, Laettner und Spielmacher Terry Porter Double-Doubles. Auf Seiten der Gastgeber ist Byron Scott Topscorer (18), Greg Anthony verpasst nur knapp ein Triple-Double (17 Punkte, 9 Rebounds, 8 Assists).

Die Grizzlies stehen bei 2-0, wer hätte das gedacht? Allerdings: Danach gehen die nächsten 19 Spiele verloren, Vancouver sollte erst bei einem 4-1-Start in die Saison 2000/2001 mal wieder eine positive Bilanz haben. Am Ende dieses Jahres jedoch folgt der Umzug nach Memphis.

Rookies:

Jamaal Franklin kam mit dem Ruf, ein Kawhi Leonard für Arme zu sein, in die NBA. Er ging sogar auf das gleiche College (San Diego State University) und spielte ein Jahr mit dem San Antonio Spur zusammen (2010/2011). Doch während sich Leonard praktisch sofort ins Herz seines Coaches Gregg Popovich spielte, sucht man Franklin bei Grizzlies-Spielen in den täglichen Boxscores meist vergeblich.

Bisher hat der 22-Jährige nur neun Spiele absolviert, und da meist nur in der Garbage Time. Franklin ist offensiv ganz offenbar noch zu roh, als dass im Coach Joerger regelmäßig das Vertrauen schenken würde. Defensiv könnte er dagegen bestimmt sofort Einfluss nehmen.

Immerhin scheint es bei Franklin nur eine Frage der Zeit zu sein, ehe er eine größere Rolle im Team einnehmen kann. Bei Shabazz Muhammad ist sogar das fraglich. Der Lefty von UCLA kam mit viel Potenzial und jede Menge Fragezeichen in den Draft, wurden dann von den Jazz an Position 14 gewählt und gleich im Tausch für Trey Burke nach Minnesota getradet. Was für ein Deal für Utah!!!

Spielmacher Burke wird in den nächsten Jahren einer der Eckpfeiler der Franchise sein, Muhammad könnte dann schon in der D-League, in Europa oder in China spielen - wenn er nicht schnellstens einen Reifeprozess durchläuft und hart an sich arbeitet. Bisher hat der 21-Jährige nur in 8 Spielen gespielt und dabei im Schnitt 4,1 Minuten gesehen.

Gorgui Dieng, der ebenfalls Teil des Burke-Deals war, macht da schon einen minimal besseren Eindruck, profitierte aber vor allem von der Verletzung Turiafs. Zuletzt spielte Adelman komplett ohne Backup-Center.

Angesichts dieser beiden Enttäuschungen ist der Werdegang Robbie Hummels umso erfreulicher. Der Flügelspieler wurde bereits 2012 von den Wolves gedraftet (58. Pick), war aber nach zwei Kreuzbandrissen am College nicht mehr in allerbester Form.

Hummel spielte daher für ein Jahr in Spanien (wo er zwischenzeitlich Rückenprobleme hatte) und konnte sich dann in der Summer League empfehlen. Minnesota nahm den 24-Jährigen unter Vertrag, aktuell ist er mit 11,4 Minuten pro Spiel ein fester Bestandteil der Rotation.

Die Stimmen:

Zach Randolph (Grizzlies)

... nach der Niederlage gegen New Orleans: "Wir haben einfach nicht genug Punkte aufs Scoreboard gebracht, und die Pelicans haben irgendwann angefangen, ihre Würfe zu treffen."

... über Tradegerüchte: "Das beschäftigt mich und tut weh, ich kann es nicht leugnen. Aber das zeigt eben auch, dass es in diesem Geschäft keine Loyalität gibt. Allenfalls bei großen Organisationen wie den Lakers, Spurs und Heat. Dabei ist Memphis ein Ort, den ich lieben gelernt habe. Ich würde gern bleiben und hier sogar meine Karriere beenden."

Rick Adelman (Trainer Timberwolves) nach der Niederlage gegen San Antonio: "Wir lassen viel zu viel Penetration zu, der Gegner kommt einfach zu leicht in die Zone. Die Punkte unterm Korb bringen uns um."

Prognose:

Beide Teams sind in der Tabelle nicht weit voneinander entfernt, und doch trennen die Timberwolves und Grizzlies Welten. Die Spielweise der Teams könnte unterschiedlicher kaum sein: Memphis spielt über seine Big Men und pflegt ein langsames Tempo, Minnesota gibt Gas, baut viel auf Distanzwürfe. Memphis liebt sein Underdog-Image, Minnesota hat mit Love, Rubio und Co. jede Menge Star-Appeal und würde gerne mehr im Rampenlicht stehen.

Wer das bessere Team ist, das ist wiederum gar nicht so leicht zu entscheiden. Auf dem Papier würde man sich wohl für die Wolves entscheiden.

Allerdings haben die Grizzlies die vielen Verletzungen bisher ordentlich aufgefangen und können sich, auch wenn sie nicht auf dem Niveau der Vorjahre ist, immer noch auf eine starke Defense verlassen.

Klar, es läuft nicht so richtig toll (genauso wenig bei Minnesota), aber beide Mannschaften hatten jeweils nur eine Niederlage dabei, für die man sich schämen muss: Memphis verlor Mitte November daheim gegen Toronto, Minnesota in Cleveland. Im direkten Duell aber könnte Gasols Ausfall entscheidend sein: Die Wolves können so Pekovic auf Randolph ansetzen und Love auf den softeren Koufos.

Umgekehrt stellt sich die Frage: Welcher der beiden Big Man folgt Love an die Dreierlinie? Wohl fühlen sich dort beide nicht. Die Chance für Ed Davis und Jon Leuer, noch mehr Minuten zu sehen?

Der NBA-Spielplan im Überblick

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