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Legenden-Serie: Kareem Abdul-Jabbar

A Beautiful Mind

Von David Digili
Sonntag, 16.04.2017 | 15:34 Uhr
Lakers-Center Kareem Abdul-Jabbar (r.) war in 19. seiner 20 Saison NBA-All-Star
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6x MVP, 6x Champion, bester Scorer der NBA-Geschichte: Kareem Abdul-Jabbar steht für mehr als die beeindruckenden Zahlen, die in seiner Karriere-Zusammenfassung stehen. Der legendäre Center war auf und neben dem Parkett eine der vielseitigsten Persönlichkeiten der Liga - und machte erst spät seinen Frieden mit der Öffentlichkeit.

Der Platz rund um das Staples Center in Los Angeles scheint auf den ersten Blick so schmucklos und beliebig wie die Betonwüsten um zahllose andere dieser hochmodernen und doch irgendwie immer gleichen brandneuen Multifunktionsarenen weltweit. Viel Sonne, viel Grau, durchbrochen von minimal etwas Grün hier und da.

Dabei verstecken sich Glanz und Glamour in den Statuen, die auf dem Platz davor verstreut sind. Legenden des Sports der Stadt stehen hier, Wayne Gretzky, die Eishockey-Ikone der L.A. Kings, Jerry West und Magic Johnson natürlich, und der langjährige Play-by-Play-Kommentator Chick Hearn. Auch Boxer Oscar De La Hoya wurde hier verewigt.

Kreis schließt sich

Als im November 2012 eine weitere Bronzefigur enthüllt wird, hat auch endlich die erfolgreichste Persönlichkeit ihr Denkmal erhalten. Waren Gretzky und Magic absolute Publikumsfavoriten, die mit ihrem Charisma die Massen begeisterten, war Hearn die Stimme der Lakers, so war Kareem Abdul-Jabbar das Rückgrat der "Showtime"-Ära der 80er, die Konstante - und: der vielleicht eigenwilligste Star, den die NBA jemals hatte, der erste Intellektuelle der Liga.

Geschätzt, respektiert - aber nie geliebt. So schloss die Zeremonie einen Kreis, der die Sportstadt Los Angeles und ihre unkonventionelle Größe wieder zusammenführte. "Wir konnten uns wieder zusammenraufen", erklärt ein sichtlich bewegter Abdul-Jabbar bei der Einweihung. "Ich habe meine Gefühle nie wirklich gezeigt, aber ich bin jetzt ja Rentner. Ich kann ein launischer oder ein glücklicher alter Mann sein, und gerade jetzt bin ich ein glücklicher."

Dominanz an High School und College

Kein Versuch, die Karriere des Kareem Abdul-Jabbar zu beschreiben, kommt ohne ein paar der beeindruckenden Zahlen der Basketball-Historie aus. 1560 NBA-Spiele, bei Karriereende die meisten, erst Jahre später von Robert Parish übertroffen. 6 MVP-Auszeichnungen, 38.387 Punkte, 19 Nominierungen zum All-Star-Game - mehr als jeder andere Spieler der Geschichte. Trotzdem: Bloße Zahlen werden der Karriere und dem Wirken des Big Man nicht gerecht.

Oscar Robertson: Der Superstar, den niemand wollte

Der gebürtige New Yorker dominiert schon in jungen Jahren an der legendären Power Memorial High School das Geschehen, führt sein Team zu einer Bestmarke von 79:2 Siegen und einer Serie von 71 Siegen in Folge. Als er die High School verlässt, reißen sich die größten Universitäten des Landes um das Talent. Er entscheidet sich für die traditionsreichen UCLA Bruins im fernen Kalifornien. Die sind mit ihrem Neuling kaum zu stoppen, gleich drei Mal in Folge geht die College-Meisterschaft an den Campus der traditionsreichen Uni unter Trainerlegende John Wooden.

Der junge Big Man spielt so dominant, dass sich die NCAA, der College-Dachverband, genötigt fühlt, den Dunk zu verbieten - die Geburtsstunde des Skyhook, jener nicht zu verteidigenden Wurfvariante, die zu seinem Markenzeichen werden sollte. "Eigentlich ging es beim Dunk-Verbot gar nicht um mich persönlich", erinnert sich Abdul-Jabbar später, "wir hatten in unserem Team eine Vielzahl an großen Spielern und dadurch einen erheblichen Vorteil. Das war der Hauptgrund für die Entscheidung der NCAA."

Star der großen Center-Ära

1969 dann sichern sich die Milwaukee Bucks das Riesentalent. Die Bucks gehen gerade in ihre zweite Saison, wie jedes Expansion Team haben die Baller aus dem Norden eine erste Spielzeit zum Vergessen hinter sich. Hoffnung ruht auf dem anstehenden Draft - und die Lostrommel bringt Glück, der Neuling darf gleich an erster Stelle wählen - und nutzt seinen 1.Pick für den schlaksigen, 2,18 Meter großen Center von der renommierten UCLA-Fakultät.

Ferdinand Lewis Alcindor heißt der 22-Jährige damals noch - und er soll der besten Basketball-Liga der Welt seinen Stempel aufdrücken wie nur ganz wenige vor oder nach ihm. 28,8 Punkte scort Alcindor in seinem Rookie-Jahr. Bereits in Saison zwei scheint der neue Star am Ziel: Zusammen mit Neuzugang Oscar Robertson führt er die Bucks zur Meisterschaft - die bis heute einzige der Klubgeschichte. 31,7 Punkte, 16 Rebounds und 3,3 Assists erzielt der immer stärkere Fünfer pro Partie, holt sich damit seinen ersten MVP-Titel dazu. Er spielt elegant, mit Finesse und für Big Men fast ungekannter Agilität.

Anders aber als in den Jahrzehnten zuvor, als hochkarätige Center rar gesät waren und erst George Mikan, dann Bill Russell und Wilt Chamberlain keine gleichwertigen Gegner hatten, gibt es nun Konkurrenz, echte Big Men: Spiel für Spiel warten Gegner wie Wes Unseld, Bill Walton, Willis Reed, Bob Lanier, Artis Gilmore oder Elvin Hayes.

Vorbild Malcolm X

Mit dem Meisterschaftsgewinn kommt auch der Namenswechsel: Alcindor, der schon vor Jahren zum Islam konvertiert war, nennt sich fortan "Kareem Abdul-Jabbar". "Es ist eine Ehrerweisung an meine Vorfahren, die als Sklaven in die USA gekommen sind", erklärte der vielseitig interessierte, belesene Star, der seinen College-Abschluss in Geschichte gemacht hat.

Bill Russell: Das Herz der Celtics

Er orientiert sich früh an Bürgerrechtler Malcom X und Baseball-Legende Jackie Robinson, Afro-Amerikaner, die sich engagieren. Noch zu College-Zeiten 1968 boykottiert er die Olympischen Spiele in Mexiko City, lehnt eine Nominierung für das Team USA ab, will damit ein Zeichen setzen gegen die Benachteiligung von Schwarzen in der US-Gesellschaft.

1973 begibt er sich auf Reisen nach Libyen und Saudi Arabien, um sich eingehender mit seiner neuen Religion zu beschäftigen. Der landesweit bekannte NBA-Star bezieht auch heute noch öffentlich Stellung zu politischen Themen und Entwicklungen, setzt sich ein gegen Rassismus und für die Rechte Benachteiligter.

Distanz zu Fans und Medien

Schon hier aber beginnt die Entfremdung der vielschichtigen Persönlichkeit Kareem Abdul-Jabbar von der Öffentlichkeit. Fans werden trotz der Erfolge nie richtig warm mit dem intellektuellen Kulturinteressierten, dem das Bad in der Menge genauso fremd ist wie Anbiederungen ans Publikum.

Auf dem Court spielt er weiter überragend, in keinem seiner sechs Jahre in Milwaukee scort er schlechter als 27 Punkte, holt weniger als 14 Rebounds und verteilt weniger als 3,3 Assists pro Spiel. Logische Konsequenz: Auch 1972 und 1974 kommt der MVP der Regular Season aus Wisconsin. Vier Jahre in Folge holen die Bucks dazu den Titel der Midwest-Division, in die das Team nach der Gründung eingeteilt wurde.

Schon bald aber übersteigen die Anforderungen des Centers die Möglichkeiten des beschaulichen Milwaukee. "Meine Bedürfnisse und mein Wissensdurst werden hier nicht gestillt. Es passt einfach nicht" soll Abdul-Jabbar in einem Meeting mit dem Bucks-Frontoffice erklärt haben.

Seite 1: Start der großen Ära & Malcolm X

Seite 2: Abdul-Jabbars Zeit bei den Showtime-Lakers

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