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Kobe Bryants Weg zurück

"Ein Schlag mit der Axt reicht nicht"

Von Stefan Petri
Montag, 09.12.2013 | 15:31 Uhr
Der Videowürfel im Staples Center: Kobe Bryant ist überall
© getty
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Gegen die Toronto Raptors feierte Kobe Bryant sein langersehntes Comeback auf dem Court. Ein Sieg sprang für die Los Angeles Lakers nicht heraus, die Stats des 35-Jährigen sind nicht gerade berauschend. Trotzdem bleibt Bryant optimistisch, denn die Sehne hält. Nach der Partie freut er sich auf die Video-Analyse - und will es seinen Kritikern zeigen.

Am Ende sah er gar nicht so unzufrieden aus, in seinem schwarzen T-Shirt mit dem stilisierten Mamba-Aufdruck auf dem Podium der Pressekonferenz. "Ich glaube, das letzte Mal, als ich acht Monate frei hatte, war im Bauch meiner Mutter", scherzte Kobe Bryant, und die Reporter lachten.

Das Spiel mit den Medienvertretern beherrscht der 35-Jährige mittlerweile meisterhaft - das Spiel mit seinen Teamkollegen nach einer so langen Pause verständlicherweise noch nicht. 9 Punkte, nur 2 von 9 Versuchen aus dem Feld verwandelt, dazu 8 Turnover in 29 Minuten. Wie "Pferdescheiße" habe er gespielt, befand Bryant, und gab sich selbst die Note 6: ungenügend. Der Abend sei ein "kompletter Fehlschlag" gewesen.

Aber immerhin ist er wieder zurück, knapp acht Monate nach seinem Achillessehnenriss am 12. April gegen die Golden State Warriors: Die NBA hat ihren - sorry, LeBron - größten und polarisierendsten Star, wenn auch schon lange nicht mehr besten Spieler, endlich wieder.

In Vino veritas

Groß hatten die Lakers, und Kobe selbstverständlich selbst, das Comeback inszeniert, mit ständigen Gerüchten und der letztendlichen Ankündigung auf Facebook. Bevor er das Parkett im Staples Center betrat, erklang das "Darth-Vader-Theme", Announcer Lawrence Tanter begnügte sich mit der Ankündigung: "Und der zweite Guard trägt die Nummer 24." Es war das Happening schlechthin, per "Twitter" schickten Dutzende NBA-Stars ihre Aufregung vor dem Tip-Off über den Äther. Keiner wollte Kobe verpassen.

Und sehen, wie weit es mit seinen Fähigkeiten noch her ist. Die Lakers sind kein Contender in diesem Jahr, soviel steht fest, und dank der kostspieligen Extension, die Bryant vor zwei Wochen unterzeichnete, werden sie so schnell wohl auch keiner werden. Da verwundert es nicht, dass die 94:106-Pleite gegen Toronto nur Randnotiz blieb. Denn es geht nur um Kobe Bean Bryant: Ist "Vino" weiterhin ein edler Tropfen - oder hat ihn die lange Pause verkork(s)t?

Die Achillessehne hält

Die gute Nachricht für alle Kobe- und Laker-Fans: Er sah nicht aus wie jemand, dessen Achillessehnenriss erst acht Monate zurückliegt. "Die Sehne fühlt sich super an", betonte Bryant nach der Partie. "Ich konnte in die Zone ziehen, das war gut. Ich konnte mich bewegen und kam gut um die Picks herum, insofern bin ich zufrieden."

Die schlechte Nachricht: Er sah aus wie ein 35-Jähriger, der acht Monate keinen Court gesehen hat und sein Spiel erst finden muss. Sein erster Wurf verfehlte den Ring komplett, viele Turnover resultierten aus der fehlenden Abstimmung mit den restlichen Lakers. "Er hatte etwas Rost angesetzt. Das war daran zu erkennen, dass viele Würfe zu kurz waren", erklärte Raptors-Guard DeMar DeRozan (26 Punkte). "Wir werden ihn ein bisschen durchschleppen müssen, weil er natürlich noch nicht bei 100 Prozent, noch nicht in Form ist", kündigte Xavier Henry (17 Punkte in 14 Minuten von der Bank) an.

"Mir ist selbst noch nicht ganz klar, was ich schon alles machen kann", lautete Bryants Bilanz. Das war ihm auf dem Parkett anzusehen: Er wirkte phasenweise nervös und traf impulsive Entscheidungen, die weniger seinem Selbstbewusstsein als vielmehr seiner Unsicherheit geschuldet waren. Das war wohl auch der Grund, weshalb er übermäßig als Vorlagengeber glänzen wollte und in einigen Situationen nicht wie üblich den Abschluss suchte. Als sich die Raptors darauf eingestellt hatten, schwoll die Zahl der Ballverluste drastisch an.

D'Antoni: "Kobe ist auch nur ein Mensch"

"Mein Rhythmus ist komplett weg", musste der fünfmalige Champion zugeben und bemängelte seine falschen Reads in der Zone. Von blindem Verständnis mit seinen Kollegen ist er noch meilenweit entfernt, wobei es gut möglich erscheint, dass Gasol und Co. an diesem Abend mit einem "Ich-nehme-meine-20-Würfe"-Kobe besser zurecht gekommen wären als mit einem Spielmacher, dem das Spielverständnis noch abgeht. "Er ist auch nur ein Mensch", diagnostizierte Coach Mike D'Antoni. "Es wird am Anfang auch mal schmerzhaft sein."

Man müsse jetzt herausfinden, wie man ihn und das Team am besten zusammenbringen könne, kündigte der 62-Jährige an. In der bärenstarken Western Conference sollte das dem Team besser heute als morgen gelingen: Trotz des überraschend guten Starts in die Saison ist das Team (10-10) nur Zehnter im Westen.

Bryant selbst weiß, was er zu tun hat: "Jetzt gehe heim und schaue mir das Spiel noch einmal an. Das ist der aufregende Teil: Mich angesichts der Herausforderungen zu verbessern." Die ganze Nacht werde er vor dem Bildschirm verbringen und jede noch so winzige Kleinigkeit kritisieren, versprach er. Mittelfristig wolle er zudem noch ein paar Kilos verlieren. Derzeit seien es 102, bei 8 Prozent Körperfett.

Mit der Axt gegen die Zweifler

Wenn die Pfunde erst einmal gepurzelt, die Starting Five eingespielt und die Schmetterlinge im Bauch verschwunden sind, dann will er wieder ganz der Alte sein. Ganz der Alte - oder einfach nur ganz schön alt? Als Derrick Rose von seinem Kreuzbandriss zurückkam, machten Meldungen die Runde, er habe seine Sprungkraft in der Reha um über zehn Zentimeter gesteigert. Aber der MVP von 2011 ist eben auch zehn Jahre jünger als Bryant, MVP von 2008.

Dementsprechend sind Zweifel an einer Rückkehr Bryants zu alter Stärke angebracht, völlig unabhängig von der Performance am Sonntag. Der Shooting Guard ist selbst sein schärfster Kritiker, aber trotzdem unbeirrt optimistisch: Die Sehne hält, jetzt fehlt nur noch die Form: "Dieses Spiel war ein Anfang."

Den einen oder anderen Zweifler will er also noch überzeugen in den nächsten Monaten. "Das ist wie beim Bäume fällen", schildert er, "ein Schlag mit der Axt reicht da nicht." Die nächsten Schwünge will er in der kommenden Woche anbringen: Am Dienstag kommen die Phoenix Suns, danach wartet ein Road Trip, bei dem man auch in Oklahoma City Station macht. Wenn alles gut läuft, ist die Axt da schon um einiges schärfer.

Ergebnisse und Spielplan im Überblick

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