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Neue – oder letzte Chance?

Von Stefan Petri
Dienstag, 03.12.2013 | 15:44 Uhr
Derrick Williams verwandelt den Alley-Oop, Blake Griffin hat das Nachsehen
© getty
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Am 27. November tradeten die Minnesota Timberwolves Derrick Williams im Tausch für Luc Richard Mbah a Moute zu den Sacramento Kings. Während die Wolves Ballast abwerfen und ein kleines, aber feines Puzzleteil für ihr Team dazubekommen, ist es für den Nummer-2-Pick von 2011 womöglich die letzte Chance, sich in der NBA einen Namen zu machen.

Eins vorweg: Der Draft 2011 war nicht gespickt mit offensichtlichen Franchise-Kalibern, wie es der Draft 2014 zu versprechen scheint. Als Derrick Williams nach zwei Jahren bei den Arizona Wildcats und gerade einmal 20 Jahre alt geworden, als Nummer zwei von Bord ging, versprach der 2,03 Meter große Combo-Forward, mit Athletik und einem guten Dreipunktwurf ausgestattet, eine Menge Potenzial, aber auch die eine oder andere Schwäche (Defense, Rebounding).

Wenn man sich die Namen hinter ihm anschaut (Nummer 3 bis 8: Kanter, Thompson, Valanciunas, Vesely, Biyombo, Knight), fügt er sich schon fast überdurchschnittlich ein. Also kein Vorwurf an den vielgescholtenen damaligen GM David Kahn? Nun ja, natürlich verspricht man sich trotzdem einiges vom höchsten Pick in der Geschichte der Franchise.

Suboptimale Bedingungen

Und dieses Versprechen hat Williams bisher nicht gehalten - deshalb hat Minnesota nun die Reißleine gekappt. Stellt man sich die Frage, wer an dieser Misserfolgsstory die Schuld trägt, also das Front Office, der Spieler selbst oder einfach nur unglückliche Umstände, ist die Antwort: dreimal ja.

Ganz sicher keine Schuld trägt der in Kalifornien geborene Willams daran, dass er, wie Dirk Nowitzki damals übrigens, direkt vor einem monatelang andauernden Lockout gedraftet wurde. Keine anständige Vorbereitung, ein gehetztes Training Camp, ein für College-Spieler geradezu brutal kompensierter Schedule. Gute Voraussetzungen sind das nicht.

Wenn man sich dann den Kader der Wolves in dieser Saison anschaut, muss man konstatieren, dass es auf den Forward-Spots dicht gedrängt zuging: Hinter Kevin Love kämpften Michael Beasley, Wesley Johnson, Anthony Tolliver, Athony Randolph und Willams um Minuten.

Erste Chance nicht genutzt

Seine Chancen bekam Williams dann doch - und vielleicht sogar zu früh, bedingt durch viele Verletzungen im Team, darunter Kevin Love. Als einziger Spieler im Kader machte er alle 66 Spiele, tat sich aber schwer: 8,8 Punkte aus dem Feld bei einer Quote von 41 Prozent, von draußen sogar nur knapp 27 Prozent. Auch im zweiten Jahr wurde es nicht wesentlich besser: 43 Prozent, 33 Prozent Dreier in 24 Minuten pro Spiel.

Spätestens hier muss man einfach sagen, dass Williams seine Stärken aus dem College nicht in die NBA transportieren konnte. Die Treffsicherheit von draußen (57 Prozent im letzten College-Jahr) war weg, seine Athletik gegen NBA-Spieler kein überragender Trumpf mehr. Wirkliche Stärken - etwa im Post, der Mitteldistanz, beim Rebounding, der Defense, oder einfach nur der pure Einsatz: Fehlanzeige. Zudem gab es Gerüchte, er sei mit dem System von Coach Rick Adelman überfordert.

Damit fehlte seine Nische, und hinter dem alles überragenden Kevin Love das Vertrauen des Trainers, um sie zu finden. In der laufenden Saison sank seine Einsatzzeit proportional zu den gestiegenen Erwartungen der Wolves, der Trade war die logische Folge.

"Es hat nicht gepasst"

"Es gab Zeiten, da sagte ich mir: "Heute spielst du definitiv nicht", gab Williams kurz nach dem Trade in einem Interview mit der "Associated Press" zu: "Und K-Love macht dann 25 und 15." Was Hoffnung macht: Er sieht die Sache realistisch. "Manchmal muss man sich einfach eingestehen, dass der andere besser ist als du und du von ihm nur lernen kannst." Es seien keine verlorenen Jahre gewesen: "Ich habe sehr viel gelernt, einfach nur durchs Zuschauen."

Viel richtig machen konnte er allerdings in den Augen der Coaches nicht, merkt er an. "Mein Spielstil und das System haben nicht zusammengepasst. Und wenn ich mal versucht habe zu zeigen, was ich kann, dann wirkte das so, als würde ich den Ball zu lange halten." Als "fünfte Option" in der Offensive sei es schwierig für ihn gewesen, er habe dann oft zu viel gewollt.

Das Fazit fällt bei Spieler und Front Office gleichermaßen aus: Es hat "einfach nicht gepasst". "Ich habe nicht gesehen, dass Derrick wirklich viel spielen wird", erklärte President Flip Saunders den Trade. "Derrick ist noch jung und hat immer noch das Potenzial. Leider braucht man, um dieses Potenzial zu entfalten, meistens viel Spielzeit."

Minnesota: Besser den Spatz in der Hand...

Mit Mbah a Moute kommt zwar weniger Potenzial in den eisigen Norden, aber dafür eine bekannte Größe - und die heißt Defense. Bis auf Corey Brewer lässt die Verteidigung der Wolves oft zu wünschen übrig. Mit dem 27-jährigen Kameruner gewinnt man einen langen, beweglichen 2-Meter-Mann, der zwar nicht wesentlich besser wirft als Williams, sich mit eisenharter Verteidigung gegen die Durants und Dirks der Liga aber einen Namen gemacht hat.

Da Chase Budinger weiterhin mit einer Knieverletzung ausfällt, war das Front Office zum Handeln gezwungen. "Wir mussten etwas tun, um das Vertrauen des Coaches in die Bankspieler zu erhöhen", erklärt Saunders. "Es werden immer die spielen, denen der Coach am meisten vertraut." Deutlicher kann man den Unterschied der beiden Spieler nicht ausdrücken.

Neuer Versuch als Small Forward

Die Kings auf der anderen Seite haben mit den Playoffs nichts zu tun (4-11) - und tauschen die bekannte Größe liebend gern gegen "Potenzial plus Tapetenwechsel". "Wir freuen uns darüber, einen Spieler mit solchen Fähigkeiten verpflichten zu können", so GM Dave d'Alessandro in einer Pressemitteilung. "Er macht uns größer, länger und unseren Frontcourt gefährlicher."

Auf den Forward-Positionen suchen die Kings verzweifelt nach einer idealen Ergänzung für DeMarcus Cousins und haben es in dieser Saison nach der Verletzung von Carl Landry bereits mit John Salmons, Patrick Patterson, Travis Outlav und Jason Thompson versucht.

Williams wird seine Chancen also bekommen, zuerst auf der 3, in Zukunft wohl auch auf der 4. "Es geht mir nicht darum, 30 bis 35 Minuten zu spielen, sondern ich weiß, dass ich nach Fehlern nicht sofort rausgenommen werde, durch sie durchspiele und sie wieder gutmache", erläutert er. "Ich glaube, das hilft jungen Spielern einfach in ihrem Selbstvertrauen."

Ob er seine Chancen auch nutzen wird, steht auf einem anderen Blatt. Er wird sich steigern müssen, sowohl in der Offense und in der Defense, aber auch in Sachen Einsatz und Konstanz. Seine ersten beiden Auftritte im Kings-Jersey unterstreichen diesen Punkt: Gegen die Clippers (98:104 OT) verbuchte er als Small Forward 12 Punkte, 6 Rebounds und 4 Assists und glänzte mit spektakulären Aktionen.

Er bewegte sich gut, harmonierte mit seinen Teamkollegen und zeigte, dass die Entscheidung von Coach Michael Malone, ihn nach nur zwei Trainingseinheiten in die Starting Five zu stecken, berechtigt war. Zwei Tage später standen gegen die Golden State Warriors (113:115) am Ende eines unsichtbaren Auftritts lediglich 4 Punkte auf der Habenseite. Ohne Andre Iguodala wohlgemerkt.

"Ich glaube, dass er noch viel mehr drauf hat, als wir bisher von ihm gesehen haben", hatte d' Alessandro den Deal begründet. Kein Rampenlicht, kein Playoff-Druck - aber hohe Erwartungen. Wenn Williams diese erneut nicht erfüllen kann, reiht er sich ein in die Riege von Darko Milicic, Marvin Williams oder auch Hasheem Thabeet. Nummer-zwei-Picks, die ihre Chancen bisher nicht nutzen konnten. Für Williams ist es eine neue - aber vielleicht auch die letzte.

Derrick Williams im Steckbrief

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