NBA

"Lakers jagen die größten Superstars"

Von Haruka Gruber, Florian Regelmann und Philipp Dornhegge
Machen die Lakers im Sommer Jagd auf LeBron James oder Carmelo Anthony?
© getty
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These: Die Lakers werden auf Jahre nur Mittelmaß sein.

Philipp Dornhegge: Mit der Vertragsverlängerung von Kobe Bryant haben sie dieses Signal gegeben, ganz klar. Aus emotionaler und romantischer Sicht war das genau der richtige Schritt. Jim Buss ist so der Schulterschluss mit seinem Star gelungen - was ich vor einiger Zeit mehr kaum für möglich gehalten hätte. Wirtschaftlich war es wohl auch kein Fehler: Die Lakers will sowieso jeder sehen, Bryant ist eins der Gesichter der Liga. Das kann ich alles nachvollziehen. Aber sportlich werden die Lakers große Probleme bekommen. Bryant kuriert gerade einen Achillessehnenriss aus! Noch nie ist im Basketball ein Spieler von so einer Verletzung zurückgekehrt und war auf dem gleichen Niveau wie vorher. Und schon gar kein 35-Jähriger! Bryant hat bestimmt noch einiges zu bieten, aber ist er noch einer der Topspieler der Liga, der dir einen Playoff-Platz quasi garantiert? Ich glaube nicht, und damit ist er beileibe keine 24 Mio. Dollar im Jahr wert. Buss gibt also mehr als ein Drittel des Salary Cap für einen Spieler aus, der die Mannschaft unter Umständen nicht mehr Abend für Abend tragen kann.

Tony DiLeo: Da möchte ich einhaken. Vorweg: Die Lakers spielen viel besser als gedacht. Was dafür spricht, dass trotz aller Verletzungen die Locker-Room-Chemistry viel besser ist als im letzten Jahr. Damals hatten sie eine viel besser besetzte Mannschaft, aber es war regelrecht spürbar, dass die Chemie nicht stimmt. Diese Saison hält sich L.A. überraschend gut und wird mit Kobes Rückkehr deutlich stärker. Im Sommer erwarte ich dennoch sehr viel Bewegung. Die Lakers haben noch nie über die Drafts eine neue Mannschaft aufgebaut. Ihr Plan ist es immer, über die Free Agency sich zu verstärken - und das nicht mit Rollenspielern, sondern mit den Besten der Besten. Die Lakers werden die größten Superstars jagen - und spätestens nächste Saison wieder zu den absoluten Topteams gehören.

Haruka Gruber: Du sagst: "Die Lakers werden die größten Superstars jagen." Du meinst LeBron James und Carmelo Anthony?

DiLeo: Sorry, aber ich bin als Scout bei den Washington Wizards angestellt und darf nicht über konkrete Free Agents sprechen. Allgemein gesprochen: Was viele in Deutschland nicht nachvollziehen können, ist die Faszination, die die Franchise ausübt. Im Grunde will jeder Superstar mindestens einmal das Lakers-Trikot tragen. Mit diesem Argument haben sie schon sehr viele Spieler überzeugt.

Dornhegge: Aber hätte jemand wie James Lust, sein gemachtes Nest in Miami zu verlassen und sich einer Mannschaft anzuschließen, in der ein 35-Jähriger nicht wahrhaben will, dass er dann nicht mehr das Alphatier ist? Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie die beiden von ihrer Spielweise auch nur irgendwie zusammenpassen würde. Noch weniger Bryant und Anthony. Und der erlebt bei den Knicks ja gerade hautnah, wie viele gute Chemie wert ist. Ich sehe nicht, dass die Lakers im kommenden Sommer für großartig Furore sorgen können.

Gruber: Auf jeden Fall wird es extrem spannend zu beobachten, welche Schritte die Lakers unternehmen. Eines ist aus meiner Sicht klar: Die These ist Quatsch, auf Jahre werden sie nicht zum Mittelmaß gehören. Das gebietet schon der Selbstanspruch. Dafür war die Phase Anfang und Mitte der 90er Jahre zu schmerzhaft, als Nick Van Exel oder Elden Campbell die vermeintlich größten Namen einer fast schon belanglosen Franchise waren. So tief werden die Lakers aber nicht mehr fallen. Man kann Jim Buss einiges vorwerfen, aber im Sommer 2014 kann er zeigen, ob er vielleicht doch etwas drauf hat. Die Lakers-Faszination ist immer ein Argument, aber auch finanziell ist einiges möglich, weil alle größeren Verträge von Kobe und Steve Nash abgesehen auslaufen. Daher: Warum nicht über einen Melo nachdenken? Und selbst LeBron ist nicht ganz ausgeschlossen. Sollte er Miami zum dritten Titel in Folge führen - was soll er sonst noch mit den Heat anpeilen? Die Lakers zurück zur Glory zu führen, wäre die ultimative Challenge.

Florian Regelmann: Ich bin jetzt mal Kobe. Ich, der unglaublich generöse Kobe, verzichte auf Geld. Bin aber weiterhin der bestbezahlte Spieler der NBA, was mir ganz ganz ganz wichtig ist. Und die Lakers haben genug Flexibilität, um mir in der nächsten Saison einen Superstar mit einem Max-Deal zur Seite zu stellen. Das reicht dann schon, so hole ich mir Ring Nr. 6. So ungefähr stelle ich mir die Gedanken in Kobes Kopf vor. Er hat auf 6 Millionen verzichtet, das ist viel Geld, keine Frage, aber in dem Fall trotzdem der albernste Pay Cut aller Zeiten. Damit sich den Lakers genügend Spielraum eröffnet, hätte er auf die Hälfte oder noch mehr verzichten müssen und sollen. LeBron zu kriegen, erscheint brutal unrealistisch. Und selbst wenn die Lakers Anthony holen sollten, reicht das Duo Kobe/Melo nicht, um im Titelrennen eine Rolle zu spielen. Die Frage, die ich mir stelle: Angenommen die Lakers würden Melo bekommen können, sollten sie das überhaupt machen? Oder nicht viel lieber auf Kevin Love 2015 warten? Das erscheint zumindest mir deutlich sinnvoller im Hinblick auf die Zukunft, sonst stehen sie in einigen Jahren schon wieder da, wo sie jetzt stehen. Mit einem alternden Superstar, der dann Anthony heißt, und der Frage, wie der Kader umgebaut werden soll. Was Philipp zu Recht angesprochen hat: Wir wissen alle nicht wirklich, wie groß überhaupt die Lust ist bei anderen Stars, mit Bryant zusammenzuspielen, das könnte durchaus auch zu einem Faktor werden. Der neue Kobe-Deal ist in jedem Fall furchtbar für die Lakers, so wahnsinnig wichtig kann ihm ein weiterer Titel wirklich nicht sein. Beziehungsweise er denkt wahrscheinlich echt, dass er das trotzdem schafft.

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