Michael Carter-Williams im Porträt

Phillys rappendes Phänomen

Von Max Marbeiter
Montag, 04.11.2013 | 16:52 Uhr
Michael Carter-Williams (M.) dominierte Philadelphias Auftaktspiel gegen Meister Miami
© getty
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Michael Carter-Williams hat die NBA-Welt verblüfft. Weder LeBron James' Heat noch Derrick Rose' Bulls waren dem Rookie gewachsen. Dass er bei den Sixers bereits jetzt einen derart tragende Rolle einnimmt, hat er auch einer Idee aus der Preseason zu verdanken.

Mit noch einer Minute zu spielen und einem Punkt Rückstand zieht LeBron James gegen Spencer Hawes zum Korb. Mismatch-Alarm. Wie aus dem Nichts schnellt aus dem Rücken des MVP jedoch eine Hand hervor, klaut den Ball und leitet den Fast Break ein. Wenig später führen die Sixers mit zwei Zählern. Diesmal steht der Balldieb an der Freiwurflinie und macht schließlich Phillys ersten Sieg gegen die Heat seit 2009 perfekt.

Knapp drei Stunden zuvor hatten wohl nur die allergrößten Optimisten Michael Carter-Williams einen solchen Auftritt zugetraut. Wer könnte schließlich erahnen, dass ausgerechnet ein Rookie seinen ersten NBA-Auftritt überhaupt mit 22 Punkten (60 Prozent FG, 67 Prozent 3-FG), 7 Rebounds, 12 Assists und 9 (!) Steals gegen den zweifachen Champion zelebrieren würde?

Seine 9 Ballgewinne heben ihn von jedem anderen Frischling der Geschichte ab. Einzig Allen Iverson, der letzte große Sixers-Liebling, feierte ein punktereicheres Debüt für Philly. Und nun scheint Philadelphia just an jenem Abend, als "The Answer" offiziell verabschiedet wurde, seinen neuen Liebling gefunden zu haben.

Fragezeichen vor dem Draft

Dabei waren dem Nummer-11-Pick vor Saisonstart einige Probleme vorausgesagt worden. Mit nur 0,746 Punkten pro Ballbesitz war er als ineffizientester Scorer der gesamten Point-Guard-Klasse von 2013 zum Draft angetreten. Seine Turnover-Rate von 22,1 Prozent zählt ebenfalls zu den schwächsten des Aufbau-Jahrgangs.

Carter-Williams größtes Problem war oder ist jedoch sein schwaches Shooting. Am College traf er nur 39 Prozent seiner Würfe, während der Summer League sogar nur 27,1 Prozent. Auch deshalb rutschte er am Ende auf Position 11 ab und war für Philly überhaupt noch verfügbar.

Denn eigentlich lieferte Carter-Williams den Sixers genügend Gründe, noch in der Draft-Nacht All Star Jrue Holiday für Nerlens Noel nach New Orleans zu schicken und das junge Team in die Hände des Rookies zu legen. Für "ESPN"-Draft-Experte Chad Ford ist er auch aufgrund seiner überdurchschnittlichen Courtvision sogar der beste reine Point Guard seines Jahrgangs. Stand er auf dem Court, war er während seines letzten Collegejahres an 40 Prozent der Punkte seiner Syracuse Orangemen beteiligt.

Kaum störend sind dabei sicherlich seine 198 Zentimeter Körperlänge, die Carter-Williams das Gros seiner Gegenspieler überragen lassen. Dank seiner Größenvorteile zählt er neben Victor Oladipo zudem zu den besten On-Ball Defendern des Drafts.

Strickter Trainingsplan

Natürlich konnte dennoch niemand vorhersehen, dass MCW gleich zu Beginn seiner NBA-Karriere das beste Team der gesamten Liga derart würde beeindrucken können. Dass er sich überhaupt einmal mit den Besten messen kann, dafür wurde jedoch bereits früh Sorge getragen.

Bereits während seiner Highschool-Zeit folgte er einem strikten Zeitplan. "Aufstehen um 7 Uhr, Schule bis 3", beschrieb sein damaliger Coach Mike Hart einst den Tagesablauf. "Von drei bis vier wurden Hausaufgaben gemacht. Dann 45 Minuten Gewichte stemmen, gefolgt von 1,5 Stunden Training. Dann wieder Hausaufaufgaben bis halb 8. Ab zehn musste er auf dem Zimmer sein, um elf ging das Licht aus."

Auf diese Weise konnte sich Carter-Williams ganz auf den Basketball konzentrieren. Die Tatsache, dass sein leiblicher Vater selbst einst am College spielte, seine Mutter ein Highschool-Coach ist und sein Stiefvater Zach Zegarowski mit Charlestown eines der renommiertesten Highschool-Teams des Landes als Co-Trainer betreut, rundet die Geschichte ab.

Turner: "Er hat kaum etwas gesagt"

Irgendwie war Carter-Williams' Weg also vorgezeichnet. Ein Weg, der ihn nach zwei Jahren Syracuse schließlich zu den Sixers führte. Dort angekommen, fand er sich zunächst allerdings nur schwer in seiner neuen Rolle als Playmaker einer NBA-Franchise zurecht. "Anfangs war er fast ein bisschen schüchtern, hat kaum etwas gesagt", erzählte Teamkollege Evan Turner im SPOX-Interview.

Allerdings habe er sich "rasend" schnell entwickelt. "Er kam ohne Ego hierher. Aber inzwischen wächst er immer mehr in seine Rolle als Anführer hinein, der man als Starting-Point-Guard einfach sein muss. Dadurch, dass er sich jetzt zunehmend wohl fühlt, läuft es auch auf dem Court immer besser."

Dass er gemeinsam mit Tony Wroten, Khalif Wyatt und Vander Blue (Blue und Wyatt gehören inzwischen nicht mehr zum Team) eine teaminterne Hip-Hop-Band gründete, hat diesen Prozess offenbar stark beschleunigt. Seither melde sich MCW im Locker Room immer häufiger zu Wort und zähle inzwischen zu den gesprächigsten Sixers.

Rose verzweifelt an MCW

Mit dem Selbstvertrauen stieg auch die Sicherheit auf dem Court. Der Gala gegen die Heat ließ Carter-Williams ein durchschnittliches Spiel gegen Washington folgen (6/15, 14 Punkte, 5 Assists), nur um in der Folgenacht gegen das nächste Topteam wieder ordentlich aufzudrehen.

Einen 18-Punkte-Vorsprung hatte sich Chicago im Wells Fargo Center im dritten Viertel herausgespielt, ehe die Sixers auch und vor allem dank ihrem Rookie das Spiel noch umbogen. Dabei musste sich dieser ausgerechnet mit Derrick Rose auseinandersetzen. Jenem Derrick Rose, dem es in den letzten fünf Jahren als einzigem gelungen war, LeBron James' MVP-Dominanz wenigstens kurzfristig zu durchbrechen.

Sicherlich ist Rose nach seiner langen Verletzungspause noch lange nicht der Alte, dennoch wäre ohne jegliches Vorwissen nicht ersichtlich gewesen, wer denn nun der Veteran und wer der Frischling ist. Carter-Williams hetzte Rose allein im Schlussviertel in 5 fünf Ballverluste und glänzte in der Offense ganz nebenbei als kluger Taktgeber.

Spencer Hawes' Gamewinner assistierte er mustergültig, und er bereitete der normalerweise so starken Bulls-Defense auch sonst arge Probleme. "Der Coach hat mir eine Menge Selbstvertrauen gegeben", erklärte MCW nach dem Spiel bescheiden. "Ich kann frei aufspielen und die Dinge einfach probieren. Ich versuche, meinen Job zu machen und dabei meine Teamkollegen einzusetzen. Sie haben einen großartigen Job gemacht und dann sehe ich natürlich auch gut aus."

Johnson: ROY-Kandidat

Tatsächlich sieht Michael Carter-Williams derzeit richtig gut aus. So gut, dass ihn Magic Johnson höchstpersönlich zum Kandidaten für den Rookie of the Year machte. Allerdings auch so gut, dass die mehr oder minder offen zur Schau gestellten Tanking-Pläne der Sixers ernsthaft in Gefahr geraten könnten, sollte ihr Rookie seine Form halten.

Auf der anderen Seite sind erst drei Spiele gespielt. Wie aussagekräftig die Leistungen wirklich sind, müssen die nächsten Monate zeigen. Schließlich erwischte Carter-Williams die Bulls und Heat zum denkbar günstigsten Zeitpunkt.

Am Ende werden Spiele wie das gegen die Wizards wohl eher zur Regel gehören als Galaauftritte a la Miami und Chicago. Dennoch ist MCW an Oladipo als erster ROY-Kandidat vorerst vorbeigezogen, hat sein Potential früh unter Beweis gestellt - und noch wichtiger: Er weiß es in wichtigen Momenten offenbar abzurufen. Das weiß spätestens seit letzten Mittwoch auch LeBron James.

Michael Carter-Williams im Steckbrief

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