SPOX-Kommentator Stefan Koch im Interview

"Will nicht als Fachidiot auftreten"

Donnerstag, 07.11.2013 | 15:02 Uhr
Stefan Koch feiert beim Spiel der Knicks gegen die Spurs seine Premiere als SPOX-Kommentator
© getty
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Herzlich Willkommen, Stefan Koch! Der Star-Trainer feiert beim LIVE-STREAM-Spiel zwischen den New York Knicks und den San Antonio Spurs (So., ab 18 Uhr) seine Premiere als SPOX-Kommentator. Im Interview spricht der Coach über sein Doppelleben als Journalist und BBL-Trainer, seine Zeit als Grizzlies-Scout und Flugzeuge kapern in der Ukraine.

SPOX: Herr Koch, Sie sind einer der bekanntesten und besten Basketball-Trainer Deutschlands und wurden zweimal zum Coach des Jahres gewählt. Bei den Artland Dragons hätten Sie ohne weiteres Ihren Vertrag als Headcoach verlängern können. Stattdessen geben Sie am Sonntag Ihr Debüt als NBA-Hauptkommentator bei SPOX. Warum lassen Sie sich darauf ein?

Stefan Koch: Ich glaube, SPOX ist auf einem sehr, sehr guten Weg. Und alle Kollegen, die in der Vergangenheit mit SPOX zu tun hatten, gaben mir positives Feedback. Daher habe ich keinerlei Berührungsängste. (lacht) Für mich ist der NBA-Live-Stream eine schöne Möglichkeit, um zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Ich habe Journalismus studiert und in der Vergangenheit bereits Basketball kommentiert. Entsprechend ist das eine schöne Alternative, nachdem ich im vergangenen Sommer die Chance hatte, bei den Dragons den Vertrag zu verlängern - aber nur für ein Jahr. Ich lehnte ab, weil es angesichts der Einschulung meines Sohnes nicht die richtige Option gewesen wäre. Ich hatte immer Ein-Jahres-Verträge erhalten, die von Saison zu Saison verlängert wurden. Jetzt war es erneut so - aber vielleicht wäre es irgendwann eben nicht mehr der Fall gewesen. Daher blieb mir aus familiärer Sicht nichts Anderes übrig, als den Dragons abzusagen. Dadurch öffnen sich allerdings neue Türen - wie auch die zu SPOX.

SPOX: Wollten Sie eher Basketball-Trainer oder Sportjournalist werden?

Koch: Als ich die Schule verlassen hatte und mit dem Studium anfing, tat ich es mit dem konkreten Ziel: Sportjournalist. Ich arbeitete für alle Medien: Ich schrieb für Tageszeitungen und Magazine, machte ein bisschen Hörfunk und Fernsehen. Und jetzt kommt das Internet. In die Trainerschiene rutschte ich damals eher zufällig rein, weil es von Beginn an erfolgreicher lief als gedacht.

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SPOX: Was einige verwundern wird: Sie werden bei SPOX als Hauptkommentator tätig sein, so wie früher bei den Euroleague-Übertragungen von "Sportdigital". Bei Sport1 sind Sie hingegen als begleitender Experte im Einsatz. Welche Rolle liegt Ihnen mehr?

Koch: Ich mache beides sehr gerne, allerdings ist mir die Rolle des Hauptkommentators ein Stück weit lieber. Der Vorteil dabei ist: Man kann seine Gedanken sprießen lassen und man ist nicht darauf angewiesen, dass man als Co-Kommentator eingebunden wird. Es kommt hin und wieder vor, dass der Hauptkommentator inmitten einer szenischen Beschreibung ist und der Experte erst 40 Sekunden nach der betreffenden Aktion zu Wort kommt, was das Einordnen manchmal schwierig macht.

SPOX: Mit welcher Art des Kommentierens gehen Sie in den Live-Stream (So., ab 18 Uhr) zwischen San Antonio und New York?

Koch: Es ist ein schmaler Grat: Einerseits möchte ich so viele User wie möglich abholen und niemanden überfordern, indem ich als Fachidiot auftrete und jeden Spielzug analysiere. Das wäre gnadenlos übertrieben. Andererseits möchte ich den Basketball-Interessierten auch etwas anbieten. Wenn auf dem Feld etwas taktisch besonders Interessantes passiert, muss ich es einordnen. Es wird auf die richtige Mischung ankommen.

SPOX: Wie sieht Ihre generelle Karriereplanung aus? Mike Fratello war zuletzt für das Sensationsteam der Ukraine bei der Basketball-EM verantwortlich und kehrt zur NBA-Saison zurück hinters Kommentatoren-Pult. Könnten Sie sich das ähnlich vorstellen?

Koch: Wer könnte es nicht? (lacht) So, wie es Mike Fratello möglich ist, wäre ideal: Immer im Sommer eine Nationalmannschaft trainieren und vom Herbst bis Frühling als Kommentator so eingebunden werden, dass man seine Familie ernähren kann. Ich muss zugeben: Das Trainer-Dasein vermisse ich viel früher und viel stärker, als ich es je erwartet hätte. Ich dachte, dass erst im Januar, Februar das Kribbeln losgeht. Pustekuchen! Es kribbelt nicht nur, es brennt regelrecht. Das Coaching ist offenbar eine Leidenschaft, die ich nicht beliebig ausschalten kann. Allerdings gilt das auch fürs Kommentieren. Das ist das Verrückte. Nur: Das Problem eines Basketball-Kommentators in Deutschland ist es, dass es schwierig ist, so viele Aufträge zu erhalten, dass man den Unterhalt der Familie davon bestreiten kann. Auf der anderen Seite bietet es die Möglichkeit, die Familie an einem festen Standort zu belassen. Von daher: Ich bin mit meiner Karriereplanung noch nicht ganz so weit. (lacht)

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SPOX: Sie sprechen über die Sehnsucht nach dem Coaching. Fehlt Ihnen nach 13 Playoff-Teilnahmen und das viermalige Erreichen des Playoff-Halbfinals der Adrenalin-Kick?

Koch: Nicht unbedingt. Mir fehlt vor allem der der fachliche Austausch mit Tyron McCoy und Martin Schiller, meinen ehemaligen Assistenztrainern, die immer sehr bereichernd waren. Und mir fehlt es, täglich in der Halle zu stehen und eine Mannschaft zu unterrichten und jeden Spieler individuell zu entwickeln.

SPOX: Artland wird nun von Ihrem ehemaligen Schützling McCoy trainiert - und das überaus erfolgreich. Die Dragons sind eines der Überraschungsteams der Saison. Blutet Ihnen das Herz?

Koch: Es blutet natürlich, dass ich nicht mehr dabei bin. Zugleich freue ich mich ungemein, alle Beteiligten dort haben sich das verdient. Die Zeit in Quakenbrück war deswegen so toll, weil die Atmosphäre so einzigartig ist. Unglaublich freundschaftlich, aber auch hochprofessionell. Dass mit David Holston und Brandon Thomas zwei Spieler zurückgekehrt sind, die wir geholt hatten, spricht für sich. Ich drücke die Daumen, dass es so weitergeht.

SPOX: Sie selbst sollen seit dem freiwilligen Verzicht auf die Vertragsverlängerung von anderen BBL-Klubs Angebote erhalten haben. Wie konkret?

Koch: Es gab Anfragen, aber es ging nie über das Stadium hinaus, weil ich immer sofort abgesagt hatte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich auch nicht, wie sehr mir das Coaching fehlen würde, daher fiel es mir auch nicht schwer, zumal bei einem Vereinswechsel die Familie sich an ein komplett neues Umfeld hätte gewöhnen müssen.

Seite 2: "Die Spurs besitzen eine europäische Identität"

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