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Der Abstieg vom König zum Ritter

Von Jan Dafeld
Donnerstag, 05.09.2013 | 17:35 Uhr
Danny Granger war bei Indianas Playoff-Run im letzten Jahr nur Zuschauer
© getty
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Fünf Jahre lang war Danny Granger der Star der Indiana Pacers. Die letzte Saison verpasste er verletzungsbedingt und musste tatenlos zusehen, wie sein Team die erfolgreichste Saison seit Jahren spielte. Nun kehrt der Forward zurück, seine Rolle in der Mannschaft wird allerdings nicht dieselbe sein.

Es geschah am 1. Juni 2013. Als die Schlusssirene im Bankers Life Field House zu Indianapolis ertönte, scharten sich Kameramänner, Journalisten und Gratulanten um die Helden der Indiana Pacers. Um David West, Roy Hibbert, George Hill, aber ganz besonders um Paul George. Der Small Forward hatte mit 28 Punkten, acht Rebounds und fünf Assists soeben einen weiteren großen Teil dazu beigetragen, den Traum der Stadt am Leben zu halten. Durch den Ausgleich in der Playoff-Serie gegen die Heat hatten die Pacers plötzlich wieder die Chance auf die erste Finals-Teilnahme seit 13 Jahren.

Inmitten all der jubelnden Anhänger und exaltierten Journalisten stand auch Danny Granger - und wirkte dennoch irgendwie abseits. Der 30-jährige trug statt des weißen Pacers-Jerseys einen grauen Anzug und hatte seinem Team während des Spiels nicht als Leader und Go-to-Guy, sondern allenfalls als Motivator am Spielfeldrand zur Seite stehen können. In dieser Funktion sah Granger selbst, wie das Zepter als Anführer der Franchise weiter gereicht wurde. Von ihm an Paul George. Und das, ohne, dass er selbst überhaupt auf dem Platz stehen konnte.

Nur fünf Spiele in der letzten Saison

Im Oktober 2012 wurde bei Granger eine Entzündung der Patellasehne festgestellt. Der Forward unterzog sich einer Operation und fehlte den Pacers fast ein halbes Jahr. Am 23. Februar wagte Granger sich dann zurück aufs NBA-Parkett, sollte vorsichtig und mit gedrosselter Spielzeit wieder an das Spiel herangeführt werden. Nach fünf Partien dann allerdings das Eingeständnis: Die Schmerzen sind zu groß, eine weitere Operation war unvermeidlich.

Von da an musste Granger zusehen, wie seine Pacers den dritten Platz in der Eastern Conference erreichten, die Atlanta Hawks und New York Knicks in den Playoffs jeweils in sechs Spielen ausschalteten und das Star-Ensemble aus Miami an den Rand einer Playoff-Niederlage brachten. Meilensteine, die das Team mit seinem vermeintlichen Franchiseplayer und Leader nie hatte erreichen können.

Hohe Erwartungshaltung in Indiana

Nicht zuletzt deshalb werden die Erwartungen an das Team von Trainer Frank Vogel in diesem Jahr auch andere sein. Stillstand wird in der NBA nicht gerne gesehen und nachdem man im letzten Jahr nur einen Sieg von der ersten Finals-Teilnahme dieses Jahrtausends entfernt war, werden die Pacers als wohl aussichtsreichster Finals-Kandidat im Osten hinter den Heat gehandelt.

Der Kern der Mannschaft ist beisammen geblieben, der Vertrag von Power Forward David West wurde erwartungsgemäß verlängert und die Abgänge der Rollenspieler D.J. Augustin, Gerald Green und Tyler Hansbrough durch C.J. Watson, Chris Copeland und Luis Scola mehr als nur kompensiert. Der X-Factor für Indiana könnte nun in diesem Jahr Danny Granger sein. Die Frage ist nur: In welcher Rolle?

Ausbleibender Teamerfolg mit Granger

Einst war Danny Granger Jr. der Star in Indianapolis. Fünf Jahre in Folge war er Topscorer der Indiana Pacers. Fünf Jahre in Folge spielte er die meisten Minuten pro Spiel. Granger wurde All-Star, er gewann den Most Improved Player Award und konnte sich unter den fünf besten Scorern der Liga platzieren. Was allerdings ausblieb war der Teamerfolg. In fünf Jahren erreichte der Small Forward nur zweimal die Playoffs und konnte nur eine Serie für sich und sein Team entscheiden.

Die Frage, die sich Beobachtern stellt, ist: "Braucht Indiana Danny Granger, um erfolgreich zu sein?" Es mag kontrovers klingen, doch in Anbetracht der Ergebnisse der letzten Jahre kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen: Je besser Danny Granger spielt, desto schlechter schneiden die Pacers am Ende der Saison ab. Sowohl in seiner MIP und All-Star-Saison 2009, als auch 2010 verpasste Indiana die Playoffs und das, obwohl Granger mit über 24 Punkten und fast drei Assists pro Partie offensiv seine mit Abstand besten Leistungen erzielen konnte.

Ein neuer Leader in Indiana

2011 sank Grangers Punkteschnitt um fast vier pro Partie, die Pacers zogen mit 37 Siegen aber zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder in die Playoffs ein. Ein Jahr später erzielte Granger die wenigsten Punkte pro Partie der letzten vier Jahre - und Indiana sicherte sich den Heimvorteil in den Playoffs. Dass die erste Conference Finals-Teilnahme nun komplett ohne ihn gelang, erscheint anhand dieser Ergebnisse fast logisch.

Inzwischen hat das Team einen neuen Anführer. Paul George selbst erklärte während des Training Camps mit dem Team USA im Sommer: "Ich habe mich wirklich darauf vorbereitet, der Go-to-Guy und Leader dieses Teams zu sein. Im letzten Jahr hatten wir noch Danny und wussten nicht, wie es um ihn und seine Verletzung bestellt ist. Ich hatte meine Rolle, auf die ich mich eingestellt habe. Dieses Jahr habe ich mehr dafür trainiert, die Nummer eins des Teams zu sein."

Vom Go-to-Guy zum Rollenspieler?

Die Krux an Grangers Spiel ist seine Effektivität. Der Small Forward kann den schweren Wurf für sein Team treffen, nimmt allerdings auch zu selten den einfachen. In seinen beiden statistisch besten Spielzeiten rangierte Granger unter den Small Forwards der Liga auf Rang 2 und 4 in Scoring, aber nur auf Rang 21 und 25 bei der Trefferquote (2er).

Dazu kommt, dass Granger neben seinen Scoring-Fähigkeiten in puncto Rebounding, Passing und Defense allenfalls ein durchnittlicher NBA-Small Forward ist. Punkte, die ihn von Paul George unterscheiden, der in den ersten beiden Kategorien in der vergangenen Saison Rang vier und sechs belegte. Angesprochen auf seine neue Situation gab sich Granger gelassen: "Ich bin jetzt 30 Jahre alt und acht Jahre in dieser Liga, ich habe kein Problem, den Mantel abzugeben und das Team Roy und George zu überlassen."

Neue Shooting-Option der Pacers

Die Rolle, die Granger also höchstwahrscheinlich in Zukunft zukommen soll, ist die des unterstützenden Scorers und Distanzschützen. Die Offensive Indianas ist unter Frank Vogel abgekehrt von Isolations (nur 8 Prozent der Abschlüsse) und läuft mittlerweile variabler und vor allem mehr über die beiden Big Men David West und Roy Hibbert.

In den letzten Playoffs doppelte Miami im Low-Post konstant gegen Hibbert und ließ dabei Lance Stephenson immer wieder komplett ungedeckt in der Ecke. Der Shoooting Guard (30 Prozent Dreier) konnte diese Freiheiten nicht effektiv genug bestrafen. Es steht außer Frage, dass Danny Granger (38 Prozent Dreier über seine Karriere) den Pacers in dieser Hinsicht zusätzliche Optionen eröffnet. Vor allem den längeren Dreier vom Flügel oder der Mitte trifft Granger mit über 40 Prozent Trefferquote herausragend.

Wen lässt Vogel starten?

Die Frage, die sich für die Pacers allerdings sehr wohl stellt, ist, ob Granger im nächsten Jahr für Indiana starten soll oder nicht. Bezogen auf das Plus-Minus-Rating seiner ersten Fünf war in der vergangenen Saison nur die Startformation der Oklahoma City Thunder besser als die der Pacers. Inwieweit Vogel bereit ist, diese nun wieder zu sprengen, kann mit Spannung erwartet werden. Noch koppelt der 40-jährige diese Entscheidung an den Gesundheitszustand seines Forwards und will sich nicht frühzeitig auf eine Entscheidung festlegen.

Lance Stephenson, der durch Grangers Rückkehr wieder auf die Bank rutschen könnte, sprach seinem Coach bereits das Vertrauen aus: "Wie auch immer sich der Trainer entscheidet, ich denke es wird eine großartige Entscheidung sein. Wir sind ein sehr tiefes Team, unabhängig davon, ob ich oder Danny jetzt von der Bank kommen. Was besser für das Team ist, das will auch ich."

Für einen Spieler wie Granger, der sich seinen eigenen Wurf erarbeiten kann und keinen Elite-Mitspieler braucht, um selbst zu Punkten zu kommen, der darüber hinaus eventuell sowieso nicht mehr als 20-25 Minuten pro Spiel spielen soll, scheint die Rolle des sechsten Mannes, der die zweite Garde des Teams anführt und für Punkte sorgt, wie maßgeschneidert zu sein. Nachdem die Pacers mit klugen Moves ihre im letzten Jahr eher schwache Bank weiter aufgerüstet haben, verfügen sie dort mit Luis Scola, Chris Copeland und mit Abstrichen auch C.J. Watson nun allerdings über Spieler, die genug Klasse besitzen, um auch ohne Granger regelmäßig zu punkten.

Hoffnung und Risiko zugleich

Selbst ein Trade des 30-jährigen wird daher immer wieder diskutiert. Der Markt für Veteranen mit Verletztenakte ist allerdings nicht allzu groß - auslaufender Vertrag hin oder her. Dies hat der Deal von Caron Butler eindeutig gezeigt.

Für Frank Vogel dürfte die richtige Eingliederung von Granger in sein (eigentlich) bereits sehr gut funktionierendes Team eine Herausforderung werden. Sollte der Forward trotz seiner bisherigen Bekenntnisse, sich des Umbruchs im Team durchaus bewusst zu sein, weiterhin sehr viele Touches und auch Minuten fordern, könnte das bei den Pacers zu großen Problemen führen. Auf dem Platz, aber auch abseits davon.

Wenn der 30-jährige allerdings seine neue Rolle als Scharfschütze Indianas, für den nur noch wenige direkte Spielzüge angesagt werden, und der in erster Linie für Floor Spacing sorgen soll, akzeptiert. Wenn er seine Erfahrung aus acht Jahren NBA an seine Mitspieler weitergeben kann, dann könnten die Pacers in den nächsten Playoffs womöglich einen weiteren Meilenstein feiern. Und Danny Granger wäre endlich wieder mittendrin.

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