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Die Offseason der Portland Trail Blazers

Mit mehr Tiefe in die Playoffs?

Von Cliff Schmit
Freitag, 06.09.2013 | 13:02 Uhr
Damian Lillard und die Blazers könnten in der kommenden Saison wieder um die Playoffs mitmischen
© getty
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Kein Team hatte in der vergangenen Saison einen derart dünnen Kader wie die Blazers. Dank einiger kluger Schachzüge in der Free Agency und beim Draft sollen regelmäßige 40-Minuten-Schichten einzelner Spieler nun der Vergangenheit angehören. Die Playoffs könnten wieder in Reichweite geraten, wären da nicht ein unzufriedener Franchise-Player sowie die chronische Defensivschwäche.

Die bisherige Offseason gehörte medial in erster Linie Teams wie den Rockets oder den Nets. Mit ihren jeweiligen Blockbuster-Deals hatten sich Houston und Brooklyn diese kurzzeitige Aufmerksamkeit auch durchaus verdient.

Im Schatten dieser beiden neuen Schwergewichte hat aber eine andere Franchise nahezu unbemerkt ihre Hausaufgaben in diesem Sommer erledigt. Vielleicht nicht ganz so spektakulär, aber sicherlich wohl überlegt, haben die Portland Trail Blazers ihren Kader heimlich, still und leise massiv aufgewertet.

Baustelle Reservebank

Binnen weniger Wochen hat es General Manager Neil Olshey geschafft, aus einem bestenfalls durchschnittlichen Team einen ernsthaften Playoffkandidaten zu schnitzen. Und das ganze ohne überteuerte Free Agents anzuwerben oder die halbe Mannschaft auszutauschen.

Wie Olshey das geschafft hat? Der 48-Jährige hat die Schwachstelle schlechthin im Roster der Blazers in Angriff genommen: die Reservebank. Es ist nämlich ein offenes Geheimnis gewesen, dass das Team aus dem äußersten Nordwesten der USA in der vergangenen Saison mit einem der dünnsten Kader in der gesamten Liga haushalten musste.

Bei keinem anderen Team standen die Starter derart viele Spielminuten auf dem Court wie bei den Blazers. Einsätze um die 40 Minuten herum waren für Damian Lillard, LaMarcus Aldridge, Nicolas Batum oder Wesley Matthews keine Seltenheit. Wenn selbst der aktuelle Rookie of the Year öffentlich zugibt, dass er sich über etwas weniger Spielzeit freuen würde, weiß man, dass irgendetwas schief läuft.

Ersatzspieler keine Alternative

Coach Terry Stotts hatte jedoch keine andere Wahl, als Lillard und Co. derart lange Schichten schuften zu lassen. Dem zweiten Anzug um Victor Claver, Sasha Pavlovic oder Will Barton fehlte einfach die nötige Klasse, um die erste Fünf ohne größeren Qualitätsverlust zu entlasten.

Vertraut man "Hoopstats.com", haben sich die Reservespieler der Blazers in der Tat alles andere als mit Ruhm bekleckert. Auf 48 Minuten hochgerechnet erzielte die Second Unit lediglich 13,4 Punkte, Ligatiefstwert. Auch was die Feldwurf-, Dreier- oder Freiwurfquote anbelangt, tummelten sich die Bankspieler aus Portland auf dem letzten oder vorletzten Ligaplatz herum.

Olshey rüstet massiv auf

Mit den Verpflichtungen von Dorell Wright, Mo Williams, Robin Lopez und Thomas Robinson hat sich die Kadertiefe jedoch schlagartig verändert. Vor allem die beiden Free Agents Wright und Williams sollten der Mannschaft auf Anhieb helfen können und für die nötige Firepower von Außen sorgen.

Bei den per Trade (mehrheitlich für Draft Picks) geholten Lopez und Robinson sieht die Ausgangslage nicht ganz so rosig aus. Die beiden Big Men verfügen über tolle Anlagen, konnten ihr durchaus vorhandenes Potenzial auf ihren bisherigen Stationen jedoch meist nur andeuten.

Im mit guten Scorern gesegneten Blazers-Roster könnten die beiden Hustle-Player allerdings ihre Nische finden und mit Drecksarbeit und Defense überzeugen.

Die Blazers haben sich jedoch nicht nur in der Free Agency verstärkt, sondern erhoffen sich nach dem Glücksgriff mit Damian Lillard auch beim diesjährigen Draft das große Los gezogen zu haben. Ob Nummer-10-Pick C.J. McCollum Rookie-of-the-Year-Potenzial besitzt, ist natürlich schwer vorauszusagen, ein guter Griff sollte der Guard aber auf jeden Fall sein.

Neues Traumduo Lillard-McCollum?

Es lässt sich nämlich nicht bestreiten, dass es zwischen C.J. McCollum und dem letztjährigen Nummer-6-Pick jede Menge Parallelen gibt. Beide spielten am College in unterklassigen Divisionen, beide sind unnachahmliche und instinktive Scorer und beide könnten vor allem im Angriff für ordentlich Alarm sorgen.

Man muss jedoch abwarten, wie Stotts mit dem ehemaligen Lehigh-Star plant. Als Shooting Guard ist McCollum eigentlich etwas zu klein und ein gemeinsames Backcourt-Duo mit Lillard würde wohl vor allem in der ohnehin schwachen Defensive zu große Lücken auftun.

Es ist aber auch unbestritten, dass eine gemeinsame Aufstellung der beiden durchaus seinen Reiz hätte. Beide können den Ball nach vornbringen oder auf dem Flügel spielen, der Backcourt wäre enorm schwer für den Gegner auszurechnen.

McCollum ist beim Draft jedoch nicht die einzige Errungenschaft der Blazers geblieben. Für mehrere Zweitrundenpicks an die Cavaliers sicherte sich Portland zudem die Rechte an Allen Crabbe. Der 21-jährige Shooting Guard könnte sich durchaus als Steal erweisen, da er mit knapp zwei Metern Körperlänge ausgesprochen groß für seine Position ist und über einen hervorragenden Shooting-Touch verfügt.

Brandherde Aldridge und Defensive

Bei aller Aufbruchsstimmung darf man aber nicht vergessen, dass die Blazers weiterhin einige Brandherde zu bewältigen haben. Vor allem die Trade-Gerüchte rund um den scheinbar unzufriedenen Franchise-Player LaMarcus Aldridge halten sich in Rose City weiterhin hartnäckig.

In diesem Zusammenhang werden immer wieder Chicago oder Cleveland als mögliche Trade-Partner ins Spiel gebracht. Die Führungsetage um Olshey wird zwar nicht müde, diese Spekulationen zu dementieren, Steve Kyler von "Hoopsworld.com" schätzt die Lage jedoch völlig anders ein: "Die Blazers sind in diesem Sommer 'All In' gegangen und hoffen, dass ein tieferes Roster mehr Siege mit sich bringt und Aldridge somit besänftigen könnte. Legt Portland allerdings einen mäßigen Start hin, können die Dinge sehr schnell sehr hässlich werden."

Neben der Unruhe um Aldridge bereiten Stotts vor allem das Defensiv- und das Reboundverhalten seiner Mannschaft großes Kopfzerbrechen. Die Blazers waren bereits in der vergangenen Spielzeit alles andere als eine Defensivmacht und auch in diesem Jahr deutet wenig darauf hin, dass sich dies dramatisch ändern könnte. Mit Ausnahme von Robinson und mit Abstrichen Lopez ist nämlich kein Neuzugang unbedingt für eine Defense-First-Mentalität bekannt.

Rosige Zukunft

Damit eine Playoffteilnahme bereits im kommenden Frühjahr realistisch wird und Aldridge von einem Verbleib überzeugt werden kann, muss Portland also in erster Linie in der Verteidigung deutlich konzentrierter und aggressiver agieren. Wobei der All-Star-Big-Man in der Hinsicht auch sich selbst in die Pflicht nehmen muss.

In den vergangenen zehn Jahren konnten nur 32 Teams die Playoffs erreichen, die bei der Defensive Efficiency in der unteren Hälfe lagen (Portland zuletzt Rang 26).

Alles in allem kann man Neil Olshey und den Blazers nur zu ihrem Kadermanagement gratulieren. Der Blazers-GM hat es geschafft, ein Small-Market-Team wie Portland gezielt in der Breite zu verstärken, ohne dabei jedoch ins Risiko zu gehen oder überteuerte Verträge abzuschließen.

Die Blazers sind mit Lillard, Leonard, McCollum und Crabbe für die Zukunft nicht nur relativ jung und talentiert aufgestellt, sondern verfügen nun auch auf nahezu jeder Position über mindestens eine ernstzunehmende Alternative. Die Playoffs könnten in dieser Saison noch eine Nummer zu groß sein, aber spätestens in zwei, drei Jahren ist Platz acht ein realistisches Ziel. Selbst wenn bis dahin LaMarcus Aldridge nicht mehr das Trikot der Blazers tragen würde.

Der Kader der TrailBlazers

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