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Überragende Bulls-Defense ringt Nets nieder

Von Martin Gödderz
Dienstag, 23.04.2013 | 05:45 Uhr
Mein Schatz! Bulls-Center Joakim Noah (r.) griff sich 10 Rebounds und führte die Bulls zum Sieg
© getty
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So sieht Wiedergutmachung aus! Die Chicago Bulls treten wie ausgewechselt auf und fügen den Brooklyn Nets eine 82:90-Niederlage zu (BOXSCORE). Die Nets verzweifeln dabei an der nicht zu überwindenden Verteidigung der Bulls. Derrick Rose feuerte sein Team unentwegt von der Bank aus an, während Joakim Noah seine Verletzung einfach vergaß.

Unter den Augen von Derrick Rose, der das Spiel von der Bank aus im Anzug verfolgte und fast als Spielercoach agierte, machten die Chicago Bulls ihr schlechtes erstes Spiel Vergessen und sorgten für den ersten Auswärtserfolg der diesjährigen Playoffs. Joakim Noah kam mit 11 Punkten (4/8 FG) und 10 Rebounds auf ein Double-Double und war insbesondere am Ende der entscheidende Faktor.

Analyse Keine Lust auf Overtime: CP3 mit dem Game-Winner

Top-Scorer der Bulls, bei denen fünf Spieler im zweistelligen Bereich punkteten, war Luol Deng, der neben 15 Punkten (7/17 FG) auch 10 Rebounds und 2 Blocks sammelte. Auch Carlos Boozer kam auf ein Double-Double (13 Punkte, 12 Rebounds). Point Guard Kirk Hinrich (13 Punkte, 5 Assists) legte Gegenüber Deron Williams Ketten an. Oldie Nazr Mohammed (8 Punkte, 4/5 FG) machte ebenfalls ein starkes Spiel.

Deron Williams dagegen traf lediglich einen seiner 9 Wurfversuche und kam am Ende auf 8 Punkte und 10 Assists. Brooklyns Center Brook Lopez war mit 21 Punkten bester Punktesammler des Spiels. Nebenbei griff er sich 5 Rebounds und schickte 3 Würfe an den Absender zurück.

Joe Johnson (17 Punkte, 6/18 FG) drehte in der Crunchtime noch einmal auf, konnte die Niederlage seines Teams aber auch nicht verhindern. C.J. Watson sorgte mit 10 Punkten und 5 Assists für Energie von der Bank.

Die Reaktionen:

Tom Thibodeau (Trainer Chicago Bulls): "Ich dachte daran, dass Jo (Anm. d. Red.: Joakim Noah) im ersten Spiel sehr eingerostet war, aber er war sehr willensstark und ich denke, heute war er wieder gewillt und wir brauchten jedes Bisschen davon. Für mich ist es ganz offensichtlich, dass wir mit ihm auf dem Feld ein wesentlich besseres Team sind."

Joakim Noah (Chicago Bulls): "Ich meine, dass unser Team heute insgesamt sehr leidenschaftlichen Basketball gespielt hat und das war gut so, denn das erste Spiel war hässlich."

Deron Williams (Brooklyn Nets): "Wir müssen im nächsten Spiel defensiv einen besseren Job machen. Wir haben die Stops nicht hinbekommen, was der Schlüssel war, weil wir so nicht spielen konnten, wie wir das wollten. Ich muss insgesamt auch wirklich einen deutlich besseren Job machen. Das war ein schlechtes Spiel für mich."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tipoff: Im ersten Spiel der Serie deklassierten die Nets das Team aus der Windy City. Bulls-Coach Thibodeau sprach von einer "von A bis Z ärmlichen Leistung" seines Teams. Zeigt sich Chicago jetzt verbessert?

Der angeschlagene Joakim Noah soll heute jedenfalls mehr Minuten sehen. Die Startformationen haben sich bei beiden Teams im Vergleich zum ersten Playoff-Aufeinandertreffen allerdings nicht geändert. Thibodeau vertraut Hinrich, Butler, Deng, Boozer, und dem eben erwähnten Noah. P.J. Carlesimo schickt die siegreiche erste Fünf bestehend aus Williams, Johnson, Wallace, Evans und Lopez aufs Feld.

4.: Nervöser Beginn beider Teams. Chicago schon mit vier Fouls und einem verwandelten Feldwurf bei fünf Versuchen. Die Nets bereits mit drei Ballverlusten und ohne Treffer aus dem Feld. Dann entscheiden die Referees nach dreiminütigem Videostudium auf ein Clear-Path-Foul gegen Williams, doch Hinrich vergibt beide Freiwürfe. 2:2.

11.: Das sieht alles schon viel mehr nach Bulls-Basketball aus. Die Nets müssen für jeden einzelnen Wurf enormen Aufwand betreiben und treffen kaum etwas aus dem Feld (5/14 FG). Dann kämpfen Evans und Boozer aber am Boden liegend um den Ball. Evans bekommt ihn, spielt weiter zu Williams, der Johnson in der Ecke findet. Dreier. Drin. 18:17 Bulls.

17.: Die Nets beißen sich weiterhin die Zähne an der Bulls-Defense aus. Williams noch ohne erfolgreichen Wurf aus dem Feld. Die Bulls haben dagegen Probleme an der Freiwurflinie und erst 2 ihrer 7 Versuche verwandeln können. Jetzt dreht aber Belinelli auf und bringt die Bulls mit zwei astreinen Korblegern weiter in Front. 34:27 Bulls.

24.: C.J. WATSON!! Lopez bringt die Nets wieder heran und kurzzeitig sogar in Führung, weil die Bulls keine Antwort auf seinen Mitteldistanzwurf finden. Chicago hält offensiv dagegen. Noah spielt Deng schön frei, der freie Bahn beim Zug zum Korb hat. Doch dann findet Williams auf der Gegenseite C.J. Watson in der Ecke. Der verwandelt den Dreier mit dem Buzzer! 47:46 Bulls.

29.: Die Bulls kommen stark aus der Kabine. Kirk Hinrich zockt groß auf und steht nach einem weiteren verwandelten Dreier bei 4 von 4 aus dem Feld. Die Nets dagegen haben ihre ersten sechs Wurfversuche in diesem Viertel vergeben. Dann kassiert Joakim Noah aber bereits sein viertes Foul gegen Deron Williams. Bitter! 56:48 Bulls.

33.: Die Nets ballern nahezu alles daneben. Lopez versucht nach einem weiteren Fehlwurf den Ball zu sichern, wirft das Leder aber in die Arme von Hinrich. Der initiiert den Fastbreak. No-Look-Pass zu Butler. Der hebt ab zum Slam Dunk und knallt den Spalding in die Maschen! Carlesimo nimmt die Auszeit, weil die Bulls richtig heiß laufen. 67:55 Bulls.

39.: Chicago lässt einfach nicht locker! Obwohl Thibodeau nahezu alle Starter zu Beginn des letzten Viertels auf der Bank lässt, bleibt Chicago unglaublich aggressiv. Den Nets wird kein Korb geschenkt. Nachdem Robinson C.J. Watson in der Transition mit aller Kraft am Korbleger gehindert hat, verwandelt der seine beiden Freiwürfe. 73:62 Bulls.

43.: Die Nets starten angeführt von Blatche einen 9:0-Lauf und sind plötzlich wieder dran. Doch Joakim Noah, dieser Teufelskerl, hustlet sich nur so übers Feld. Erst knallt er den Nets einen hässlichen, aber dennoch beeindruckenden Slam Dunk um die Ohren. Dann rettet er einen eigentlich schon verlorenen Ball, den Nate Robinson per Dreier verwertet. 78:68 Bulls.

45.: Clutchtime-Joe ist zur Arbeit angetreten. Joe Johnson verwandelt zwei Dreier in Folge und bringt die Nets auf vier Punkte heran. 80:76 Bulls.

48.: Noah schreit, Noah blockt, Noah punktet. Der angeschlagene Franzose ist endgültig im Kampf-Modus und trägt ein am Ende wankendes Chicago mit etlichen Hustle-Plays zum Sieg. Die Nets foulen noch, es bringt ihnen nichts mehr. 92:80 Bulls.

Brooklyn Nets vs. Chicago Bulls: Hier geht's zum BOXSCORE

Der Star des Spiels: Joakim Noah. Im ersten Durchgang merkte man Noah seine Verletzung noch an. Auch wenn er wie gewohnt die Zone dicht machte, hatte er Probleme, dem mobilen Lopez in die Mitteldistanz zu folgen, woraus einige leichte Punkte für den Nets-Center resultierten. Doch mit zunehmender Spieldauer schaltete Noah seinen Kopf einfach aus. Wer gegen Ende in das Gesicht des Franzosen geblickt hat, der sah, dass Noah nur noch ans Gewinnen dachte, nicht an seine Fußverletzung.

Nach seinem vierten Foul wollte ihn Thibodeau vom Feld nehmen, doch Noah spielte weiter. 20 Minuten lang sollte er höchstens spielen, am Ende waren es 25. Das alles lag daran, dass Noah unverzichtbar für die Bulls ist. Als die Nets das Spiel am Ende fast drehten, war der Bulls-Center mit etlichen Hustle-Plays zur Stelle. Mit 11 Punkten und 10 Rebounds holte er ein Double-Double, doch Noahs wahrer Wert ist nicht in Zahlen zu messen.

Der Flop des Spiels: Deron Williams. Wenn der Point Guard offensiv nicht zu seinem Wurf findet, dann wird es schwer für die Nets, das hat bereits die Regular Season gezeigt. Williams erzwang zwar wenig und spielte mannschaftsdienlich, was seine 10 Assists zeigen. Dennoch gelang es dem in den letzten Monaten so starken Williams dieses Mal überhaupt nicht, sein Team in der Offensive zu tragen.

Gegenspieler Kirk Hinrich klebte förmlich an Williams und ließ gerade einmal 9 Wurfversuche des Spielmachers zu. Davon traf dieser lediglich einen. Der Dreier fiel überhaupt nicht (0/5 3er), selbst aus offenen Positionen. Der Spieler, der die Nets überhaupt im Spiel hielt, war lange Zeit sein Ersatzmann C.J. Watson. Wenn die Nets diese Serie gewinnen wollen, muss mehr von Williams kommen.

Die Analyse: Die Bulls wirkten von Beginn an viel wacher, spielten härteren Basketball und schienen sich auf einer Mission zu befinden. Das sah wieder mehr nach der Defensiv-Maschine der regulären Saison aus, die Thibodeau sehen will. Die Nets kamen erst nach fünf Minuten zu ihrem ersten erfolgreichen Feldwurf, hatten zu dieser Zeit aber schon fünf Ballverluste auf dem Konto. 3-Sekunden-Regelverstöße in der Offensive, Schrittfehler und leichtfertig vergebene Alley-Oops - der Nets-Motor in der Offensive war zu Beginn ordentlich am Stocken.

Erst als Lopez sein Glück aus der Mitteldistanz suchte und innerhalb von zwei Minuten drei Jumper in Folge verwandelte, kämpften sich die Nets wieder heran. Die Chicago-Defense unter dem eigenen Korb war fantastisch, als Lopez sein Heil aber aus der Ferne suchte, stimmte die Rotation nicht mehr. Gleich mehrere Male bekam der Center völlig offene Würfe, die er sicher verwandelte.

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Insgesamt gelang es den Nets aber viel zu selten, die Bulls-Defensive auseinanderzuziehen. Wallace und Evans machten bedingt durch ihre Wurfschwäche aus der Distanz das Feld nicht breit, Williams erlebte einen schwarzen Abend und traf nahezu gar nichts. Lediglich Watson strahlte phasenweise Gefahr von der Dreierlinie aus. Die Zone dagegen war dicht, was neben Noah auch am stark aufspielenden Oldie Nazr Mohammed lag.

So hatten die Nets zur Halbzeit nur eine Feldwurfquote von 46 Prozent (zum Vergleich, Spiel 1: 60 Prozent zur Halbzeit), hielten allerdings noch halbwegs mit, weil die eigene Defensivleistung auch ordentlich war.

Den Sieg kostete dann das miserable dritte Viertel, als die Bulls noch einmal eine Schippe Intensität in der Defensive draufpackten und die Nets so nur zu 2 verwandelten Würfen bei 19 Versuchen kamen, somit das dritte Viertel mit gerade einmal 11 Punkten abschlossen. Am Ende des Spiels stand eine grauenvolle Wurfquote von 35,4 Prozent sowie lediglich 4 verwandelte Dreier bei 21 Versuchen.

Der Matchplan der Bulls ging somit optimal auf, Chicago besann sich wieder auf seine Stärken. Anders als noch im ersten Spiel, gaben die Nets völlig ihre Kontrolle in der Zone auf. Während Brooklyn in Spiel 1 noch 20 Punkte mehr in der Zone erzielten als die Bulls, mussten sie sich hier dieses Mal mit 30:42 geschlagen geben.

Während andere Mannschaften die Slam Dunks und Alley Oops ihrer Mitspieler frenetisch von der Bank bejubeln, springen die Ersatzspieler der Bulls auf, wenn der Gegner zu einem Turnover gezwungen wird. Nur so kann aufgefangen werden, dass der Franchise-Player noch immer aus mentalen Gründen auf der Bank verharrt und etliche andere Spieler angeschlagen auflaufen. Was passiert, wenn Chicago sich eben nicht auf seine Defensive konzentriert, hat das erste Spiel eindrucksvoll gezeigt. Jetzt stehen aber erst einmal die Nets, die ihren Heimvorteil verloren haben, unter Zugzwang.

Der Playoff-Spielplan im Überblick

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