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NBA

"Das tut dem deutschen Basketball gut"

Von Aufgezeichnet von Sebastian Dumitru
Tim Ohlbrecht (2.v.l.) trifft am Sonntag zum ersten Mal auf Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks
© getty

Mit dem Wechsel in die NBA ging für Tim Ohlbrecht ein lebenslanger Traum in Erfüllung. Am Sonntag wartet mit dem Duell seiner Rockets gegen die Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki das nächste Highlight auf den Big Man. Davor sprach der 24-Jährige mit ausgewählten Medienvertretern über seine momentane Gefühlslage, sein neues Leben in Houston und erklärte, warum zehn Minuten als Rockets-Rollenspieler mehr Wert sind als alles andere.

Tim Ohlbrecht über...

...die Details zu seinem Wechsel : "Es war am vorletzten Donnerstag, als ich vom Interesse der Rockets erfuhr. Ich habe gesagt: Ja, ich will das unbedingt machen. Es ist mein Traum, ich will es endlich schaffen. Ich bin dann am Sonntagmorgen nach Houston geflogen und konnte noch einen Tag verschnaufen. Am Montag ging es zum Ärzte-Check, und am Abend kam es zur Unterschrift. Davor ging es aber noch zum Essen, da hatte ich ab und zu Mal einen Schweißausbruch, weil ich schon gedacht habe: Bitte, lasst mich einfach unterschreiben, ansonsten geht ja noch irgendetwas schief. Ich konnte mich gar nicht auf's Essen konzentrieren. Mir ging alles durch den Kopf. Ich wusste ja eigentlich, dass alles okay ist, ich wurde getestet, ich bin gesund, meinen Knochen geht's gut. Aber trotzdem macht man sich noch seine Gedanken, solange nicht der Name unter dem Vertrag steht. Ich war ein bisschen zittrig, als ich den Vertrag vor mir hatte, aber ich habe unterschrieben und war einfach glücklich. Es war ein Wahnsinnstag."

Hintergrund: Vier Fragen zum Ohlbrecht-Wechsel

...seine Gefühlswelt nach der Unterschrift: "Das war wie im Traum. Mich musste jemand zwicken, damit ich das überhaupt realisiere. Es war ein kompletter Lebenswandel. Ich wache jeden Morgen auf und denke: Ich spiele jetzt wirklich in der NBA. Ich bin jetzt wirklich bei den Houston Rockets. Ich fahre ins Toyota Center, um dort zu trainieren. Das ist der Wahnsinn. Das Lustigste ist, dass ich nicht mal im Hotel frühstücken muss, weil sie in der Halle einen Koch haben, der dir alles macht, egal ob ein Omelett oder etwas anderes. Das Gefühl, hier endlich dabei zu sein und mein Ziel erreicht zu haben, ist unbeschreiblich. Ich glaube manchmal, dass ich nur träume. Aber es ist wahr. Ich bin stolz und glaube, dass das auch dem deutschen Basketball guttut."

Hintergrund: Deutsche Spieler in der NBA

...die Unterschiede zu Europa: "Nach der Saison in Frankfurt war im Gespräch, ob ich nach Berlin gehe. Ich hatte auch noch ein paar andere Angebote aus Deutschland, aber ich wollte den Schritt raus aus Deutschland machen. Wir haben uns schon im Sommer überlegt, in die D-League zu gehen. Es war dann relativ schnell klar, dass ich mich für diesen Tapetenwechsel entscheiden werde, egal, was für ein Angebot aus Deutschland kommt. Man muss sich durch den Dreck durchwühlen, um es in die NBA zu schaffen. Mein dortiger Coach Nick Nurse hat mir zum Glück das Vertrauen geschenkt und immer wieder gesagt: 'Du kannst es in die NBA schaffen, wenn du jeden Tag hart trainierst.' Im Nachhinein bin ich froh, diese Entscheidung im Sommer getroffen zu haben. Der Basketball in den USA ähnelt mehr meinem Konzept als in Europa. Ich passe besser hierher."

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...seine Teamkollegen bei den Rockets: "Für jeden Basketballer ist es ein Traum, in die NBA zu gehen. Man schaut die Spiele im Fernsehen, man spielt auf der Playstation NBA-Spiele und hat seine Lieblinge. Dass ich jetzt selbst in der Liga spiele und gegen diese Leute auch irgendwann auf dem Feld stehen werde, ist unglaublich. Als ich beim ersten Training dabei war und James Harden und Jeremy Lin kennenlernen durfte, war das sehr aufregend für mich. Aber sie haben sich ganz normal verhalten. Sie sagten: 'Das ist alles neu für dich, das ist normal, da kommst du gut rein. Wir helfen dir dabei.' Mit Donatas Motiejunas, dem Litauer, verstehe ich mich auch super. Der war auch in der D-League mit mir und nimmt mich ein bisschen unter seine Fittiche."

...seinen Head Coach Kevin McHale: "Er hat mich schon zur Seite genommen und erklärt, was auf mich zukommen und wie es im Training ablaufen wird. Aber der Alltag und die Spiele sind im Moment ein bisschen wichtiger. Wir wollen unbedingt die Playoffs erreichen."

...seine Rolle in Houston: "Meine Rolle ist ganz anders als in der D-League. Wenn ich reinkomme, soll ich einfach nur rebounden, die Verteidigung verstärken und die Räume eng machen. Punkte sind nur ein Bonus. Ich komme als Energizer, ich soll rennen, ich soll rebounden, ich soll ab und zu einen Wurf blocken und eben die kleinen Sachen machen. Ich muss einfach brennen, wenn ich eine Chance bekomme."

...seine persönlichen Ziele: "Ich versuche mich jeden Tag, ins Team einzufügen. Die Systeme sind ähnlich wie in der D-League. Aber das Level ist ein ganz anderes. Man muss ein Gefühl für die Aufbauspieler wie Jeremy Lin bekommen, wie er passt, wo er hinguckt. Die Chemie muss einfach stimmen. Aber ich bin ein Spieler, der sich sehr gut anpassen kann. Ob ich bald auf dem Parkett stehen werde, weiß ich nicht. Aber ich bin davon überzeugt, dass zehn Minuten in der NBA auf jeden Fall mehr wert sind als alles andere. Vielleicht sind es im ersten Jahr zehn Minuten und erst im zweiten Jahr mehr. Wenn man sich etabliert, wenn man dem Trainer zeigt, dass man vielleicht für eine größere Rolle geschaffen ist, sieht der Trainer das. Langfristig will ich mich etablieren und ein Rollenspieler werden. Der Sommer wird sehr wichtig, um spätestens in der nächsten Saison zu zeigen, dass man ein Spieler ist, auf den der Trainer bauen kann."

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