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Die Suche nach dem versöhnlichen Ende

Von Marc-Oliver Robbers
Freitag, 15.03.2013 | 18:24 Uhr
Small Forward Grant Hill wurde 1995 zum Rookie des Jahres gewählt
© getty
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Er galt einst als legitimer Nachfolger von Michael Jordan, aber unzählige Verletzungen standen einer großen Karriere im Weg. Mit 40 ist Grant Hill bei den Los Angeles Clippers (So., ab 20.30 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE gegen die New York Knicks kommentiert von Frank Buschmann) angekommen und soll als Veteran von der Bank die Mannschaft unterstützen. Aber brauchen die Clippers Hill überhaupt noch?

Als Grant Hill im Oktober in Las Vegas seinen 40. Geburtstag feierte, hätte er sich vor Jahren wohl selbst nicht träumen lassen, dass er dies als aktiver Spieler der Los Angeles Clippers machen würde. Die Clippers, die jahrelang vor sich hin dümpelten und sich einen Fehlgriff nach dem anderen leisteten. Dazu der Hill, der am College schlichtweg eine Sensation war und mit Duke zwei NCAA-Titel abräumte. Eben jener Hill, der in den ersten Jahren einer der vielseitigsten Spieler der Liga war und als legitimer Nachfolger von Michael Jordan galt.

Seitdem sind allerdings 18 Jahre und unzählige Verletzungen vergangen. Der Small Forward ist längst nicht mehr der Franchise Player aus Pistons-Zeiten und Jordan-Nachfolger schon einmal gar nicht. Verschiedenste Knöchelverletzungen kosteten ihm fast vier Jahre seiner Karriere. Nachdem er in seiner Rookie-Saison für Detroit bärenstarke Zahlen (19,9 Punkte, 6,4 Rebounds, 5 Assists, 1,77 Steals) auflegte und zusammen mit Jason Kidd Rookie of the Year wurde, galt er schnell als der Spieler, der die Liga ins neue Jahrtausend führen sollte. Seine individuellen Leistungen waren einfach überragend.

Auf den Spuren von Bird

In seiner dritten Saison schaffte er es als erster Spieler nach Larry Bird, eine 20/9/7-Saison abzuschließen. Hill erzielte 21,4 Punkte, 9 Rebounds und 7,3 Assists. Dreimal in Serie führte er sein Team in den drei Kategorien an. Das gelang zuvor nur dem großen Wilt Chamberlain. Nur drei Spieler (Oscar Robertson, Larry Bird, LeBron James) in der Geschichte hatten nach ihren ersten sechs Profi-Jahren mehr Punkte, Rebounds und Assists auf ihrem Konto. Trotz der beeindruckenden individuellen Zahlen, fehlte der Erfolg als Team. Die Pistons überstanden nicht einmal die erste Playoff-Runde.

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Darum entschloss sich Hill zu einem Wechsel nach Orlando. Die Magic hofften mit Hill und Tracy McGrady, wieder an erfolgreiche Zeiten anknüpfen zu können. Doch für Hill begann dort die Zeit des Leidens. Zwischen 2000 und 2004 stand der siebenmalige All-Star ganze 47 Spiele auf dem Feld. Er kämpfte sich zwar wieder zurück, erreichte aber nie wieder die Dominanz vergangener Tage. Rückblickend sagt er heute: "Wenn ich in dieser Zeit gespielt hätte, wäre ich vielleicht heute nicht mehr da. Ich wäre vielleicht physisch gar nicht mehr in der Lage auf dem Platz zu stehen."

In Phoenix arrangierte er sich letztlich mit seiner Rolle als Co-Scorer neben Steve Nash. An der Seite des Kanadiers gelang es Hill 2010, auch endlich mal eine Playoff-Serie zu überstehen. Nach 15 Jahren! Das ist bis heute einmalig in der NBA.

Nash zog es vor der Saison zu den Lakers, um im Spätherbst seiner Karriere doch noch einen Titel zu ergattern. Ein Traum, den Hill zwar immer noch hegt, dem er aber nicht mehr verbissen hinterherjagt. "Hättest du mich vor 14 Jahren gefragt, wäre meine Antwort wahrscheinlich anders ausgefallen. Aber die Tatsache, dass ich all den Schaden überstanden habe und eine zweite Karriere habe, immerhin habe ich die Knöchel-Geschichte seit fast zehn Jahren überwunden, ist für mich eine größere Errungenschaft als irgendwelche Titel."

Dementsprechend bittersüß war sein Kommentar zum Wechsel seines Teamkollegen: "Das wäre, als würde man von Duke nach North Carolina wechseln. Es war schon hart. Wir sind zwar jetzt nicht bis ins Western Conference Final vorgedrungen, aber für jeden im Team war die Mannschaft etwas Besonderes. Es war ein spezieller Zusammenhalt, uns verband etwas."

Nach Telefonat mit CP3 zu den Clippers

Die Suns fielen auseinander und starteten einen kompletten Rebuild - auch ohne Hill. Der "Mr. Nice Guy" hatte trotz fortgeschrittenem Alter kein Problem, ein neues Team zu finden. Auch die Lakers waren interessiert, aber nach einem Gespräch mit Clippers-Coach Vinny del Negro, einem Dinner mit Jamal Crawford und einem Telefonat mit Chris Paul entschied sich der Veteran für den Lokalrivalen.

Die einstmalige "Lachnummer der Liga" (O-Ton Crawford) hat sich unter Paul und mit dem aufstrebenden Blake Griffin zu einem Contender im Westen entwickelt. Darüber hinaus verfügen die Clippers über eine Schar von Veteranen, die in dieser Qualität einmalig in der Liga ist. "Wir haben eine gute Mischung hier. Es gibt ein paar Jungs, die in ihrer Blüte stehen, dazu ein paar Veteranen und einige Super-Veteranen", sagte Hill mit einem Schmunzeln.

Neben Hill sind das vor allem Chauncey Billups, Lamar Odom, Caron Butler und Crawford. Für Letzteren sind gerade diese Erfahrungen ein Faustpfand in den Playoffs. "Man spielt nicht mit vielen jungen Spielern, die sich erst noch beweisen müssen. Sie haben sich alle schon in der NBA bewährt und waren alle erfolgreich. Das macht es viel leichter, sich zu opfern. Man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann, egal wie stark der Gegenwind ist", erklärte der Sixth Man.

Langwierige Knieverletzung

Doch der Start in Los Angeles verlief wieder einmal holprig. Eine Knieverletzung stoppte ihn in der Preseason. Sein Debüt im Clippers-Trikot gab der Forward erst am 12. Januar. Seitdem geht es für del Negro darum, genug Minuten für den ehemaligen Superstar zu finden.

"Ich versuche einfach, die Rotation so gleichbleibend wie möglich zu halten, aber ich habe jedes Vertrauen der Welt in Grant. Er gibt alles was er kann, wenn er auf dem Feld ist. Ich habe keine Vorbehalte ihn zu bringen, egal an welchem Punkt im Spiel", ließ der Head Coach der Clippers im Februar verlauten.

Rund 16 Minuten pro Spiel erhält Hill bislang, muss dabei auch eine Erfahrung machen, die ihm bislang in seiner Karriere erspart blieb. Bereits sechs Mal seit seinem Comeback prangten hinter seinem Namen die drei bösen Buchstaben "DNP". "Did not play". Dabei war er fit. Doch die Bank der Clippers ist tief. Matt Barnes hat sich in Abwesenheit von Hill zu einem starken Vertreter gemausert und spielt die beste Saison seiner Karriere.

Karriereende nach der Saison?

Aber del Negro scheint eine Rolle für Hill gefunden zu haben. Der Coach spielte zuletzt häufiger mit einer kleinen Second Unit. Odom ersetzte DeAndre Jordan auf der 5 und Hill spielte Power Forward für Griffin. Ryan Hollins und Ronny Turiaf guckten in die Röhre. "Es ist einfach schwierig. Wir haben Caron und Matt, und dazu noch so viele andere Jungs. Ab und zu können wir mit Grant auf der 4 spielen, aber es hängt auch immer vom Matchup des Gegners ab. Das ist ein Luxusproblem", erklärt del Negro.

Hill fügt sich ohne Murren. Der 40-Jährige gilt gemeinhin als Musterprofi und wird daher auch nicht aufbegehren. Vielmehr genießt er die Zeit, die er noch als Profi hat. "Die 19 Jahre sind wie ein Wimpernzug vorbeigegangen. Man genießt die kleinen Dinge einfach viel mehr. Wenn alles vorbei ist, bleibt nichts als Erinnerungen."

Vorbei sein könnte es schon nach dieser Saison. Die Gerüchte um ein Karriereende halten sich hartnäckig, auch wenn Hill noch ein Jahr Vertrag hat in Los Angeles. Die Knieverletzung am Saisonanfang ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. "Ich bin 40, also bitte", erklärte er im Februar beim Spiel in Orlando. Auch den Einwand, dass er viele Spiele in seiner Karriere verpasst hat, ließ er dann auch nicht mehr gelten: "40 bleibt 40." Aber immer noch genug Zeit seine zweite Playoff-Serie zu gewinnen und vielleicht auch mehr.

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