Matthias "Matze" Bielek im Interview

"Alles vogelwild, das darf ich keinem erzählen"

Von Interview: Haruka Gruber
Mittwoch, 30.01.2013 | 16:00 Uhr
Matthias Bielek ist seit 2008 Hallensprecher der s.Oliver Baskets Würzburg
© Getty
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Als Kultfigur in Würzburg war Matze Bielek hautnah dabei beim Basketball-Boom und der legendären Rückkehr von Dirk Nowitzki. Der neue NBA-Kommentator spricht vor seiner Premiere am SPOX-Mikrofon beim Spiel der Clippers in Boston (ab 19 Uhr im LIVE-STREAM FOR FREE) über Druck, kuriose Verletzungsdramen und "Albtraum" Björn Schlicke.

SPOX: Matthias, Du wirst neben Frank Buschmann und Markus Krawinkel die NBA bei SPOX live kommentieren und gibst am Sonntag beim Spiel der Celtics gegen die Clippers Dein Debüt. Anders als die beiden bist Du allerdings überregional ein unbeschriebenes Blatt. Spürst du den Druck?

Matthias Bielek: Die Messlatte liegt natürlich unfassbar hoch nach Buschis SPOX-Debüt am letzten Sonntag mit der Rondo-Verletzung, der Double-Overtime und dem emotionalen Sieg der Celtics gegen die verhassten Heat. Ein besseres Drehbuch für den ersten SPOX LIVE-STREAM mit deutschem Kommentar hätte man dramatischer nicht schreiben können. Dennoch überwiegt die Vorfreude. Es ist eine Riesenherausforderung - und zugleich eine riesige Ehre. Erstens, weil ich seit Jahren ein großer Fan von NBA und SPOX bin. Zweitens, weil ich mit Buschi und Markus, den beiden besten Basketball-Kommentatoren überhaupt, arbeiten darf.

SPOX: Immerhin hast Du trotz deiner 31 Jahre sehr viel Erfahrung mit Basketball-Berichterstattung - zumindest im Radio.

Bielek: Ich glaube, an sich ist es fast schwieriger, im Radio zu kommentieren, weil der Zuhörer kein Bild vor den Augen hat. Du musst dem Hörer nicht nur erzählen, was passiert, sondern auch, wie es passiert. Die Bilder müssen beim Hörer im Kopf entstehen. Daher hat der Kommentator fast nie eine Sprechpause. Beim Stream kannst Du auch mal die Emotionen und das Spiel wirken lassen. Da gibt es Zeit zum Durchschnaufen. Ich glaube, dass es nichts komplett Neues für mich ist, aber eben etwas anderes, woran ich mich gewöhnen muss.

SPOX: Der erste LIVE-STREAM mit deutschem Kommentar war ein großer Erfolg mit über 250.000 Aufrufen, aber die Schar an NBA-Hardcore-Fans in Deutschland gilt als sehr schwierig. Welchen Kommentatorenstil hast Du dir vorgenommen?

Bielek: Ganz klar: Anders als Buschi und Markus werde ich erst einmal einen eigenen Stil finden müssen. Ich bin schon jemand, der emotional werden kann, wenn es das Spiel hergibt. Aber vielleicht nicht ganz so krass wie Buschi, den selbst Jeff Green bis nach Boston gehört haben dürfte, als er in den vierten Stock abhob. Ich kann gleichzeitig aber auch mal ruhig sein. Ich werde etwas Erfahrung benötigen, um die richtige Mischung zu finden. Buschi sagte zu mir, dass er vor 20 Jahren auch anders kommentiert habe als heute. Erst mit der Routine kommt der eigene Stil.

Die NBA bei SPOX - FOR FREE im LIVE-STREAM: Der Zeitplan

SPOX: Drucksituationen solltest Du gewohnt sein: Du bist seit Jahren Hallensprecher in der "Würzburger Turnhölle" der s.Oliver Baskets. Bist Du abgehärtet?

Bielek: In Würzburg ist es einfach, Hallensprecher zu sein. Da sind jedes Mal 3140 völlig Basketball-Verrückte in der Halle. Der Zuspruch ist der Wahnsinn. Eigentlich heißt sie ja s.Oliver Arena, aber es ist alles andere als eine Arena, vielmehr ist es eine Schul-Turnhalle. Da springt der Funke sehr schnell von der Mannschaft auf das Publikum über und umgekehrt. Da brauchst Du als Hallensprecher gar nicht so viel machen. (lacht) Wobei es natürlich auch Extremsituationen gab. Wie beim Aufstiegsspiel 2011, ein legendärer Tag. Da hieß es am letzten Spieltag "Do or Die" gegen Chemnitz und wir haben zuhause gewonnen und den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Da stand die Stadt Kopf. Es hatte damals keiner geglaubt, dass wir so schnell aus der Versenkung des deutschen Basketballs wieder zurückkommen.

SPOX: Wie waren die Reaktionen der Würzburger Spieler auf die Bekanntgabe, dass Du zukünftig NBA kommentieren wirst?

Bielek: Die waren durchweg positiv. Viele hatten Angst, dass ich als Hallensprecher aufhöre, aber das habe ich ja nicht vor. Von einigen Spielern wie Urgestein Christoph Henneberger, mein "Brother from another mother", oder Alex King und unserem Top Talent Maxi Kleber habe ich SMS bekommen.

SPOX: Wann hast Du gemerkt, dass Du eine Begabung mitbringst, die Massen zu erreichen?

Bielek: Ziemlich spät. In der Schule war ich schon der Klassen-Clown, aber sobald ich ein Referat halten sollte, ging mir der Allerwerteste auf Grundeis. Das war überhaupt nicht mein Ding. Deswegen habe ich nicht für möglich gehalten, dass es mal klappt, auch wenn es schon mein Wunsch war, Kommentator zu werden. Aber dann half der Zufall: Aufgrund eines Kreuzbandrisses durfte ich in der Oberstufe keinen Sport-LK belegen, woraufhin ich so gefrustet war, dass ich mich eigenhändig von der Schule abmeldete. Das flog natürlich auf und es gab richtig Ärger mit meinen Eltern. Ich musste dann wieder zur Schule und habe zur Überbrückung für ein Praktikum beim Radio angefangen. Und dann nahm es seinen Lauf.

SPOX: Du sollst auch ein talentierter Fußballer gewesen sein?

Bielek: Die Chancen, ein zweiter Muggsy Bogues zu werden, waren relativ gering. Ich war schon ein besserer Fußballer als Basketballer. Ich habe als Verteidiger bei den Würzburger Kickers in der Jugend-Bayernliga gespielt und war da eher so der Wadenbeißer. Björn Schlicke (aktuell FSV Frankfurt, d. Red) könnte sich vielleicht noch an mich erinnern. Gegen ihn habe ich gespielt und weil er drei Köpfe größer ist als ich war, musste ich schon mal die unfairen Mittel anwenden. Er meinte nach einem Spiel zu mir: ‚Du kleiner Dreckssack! Na ja, aber jetzt ist das Spiel ja vorbei. Lass uns ein Bier trinken!' Er konnte gut reden, er hatte auch vier Tore gegen mich gemacht. (lacht).

SPOX: Wie fand der Bayernliga-Fußballer zum Basketball?

Bielek: Als Fan. Bei der Dirk-Zeit mit Marvin Willoughby, Demond Greene, Robse Garrett stand ich als Fan in der Kurve. Deswegen habe ich mich 2008 riesig gefreut, als der damalige Geschäftsführer Klaus Heuberger auf mich zukam und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, als Hallensprecher einzusteigen. So fing es an und ich kombinierte den Hallensprecher-Job mit dem bei "Radio Gong". Ich war sogar bei jedem Auswärtsspiel dabei, was vor allem am Anfang in der Regionalliga teilweise abenteuerlich wurde. Da gab es Hallen, in denen es keinen Handy- und Internet-Empfang gab. Ich musste deswegen aus der Halle raus, habe halb durch die Fenster auf den Court geschaut und dabei eine Live-Schalte gemacht.

Würzburgs Geschäftsführer Klaus Heuberger im Interview

SPOX: Dein Verletzungspech stand einer weiteren Fußballer-Karriere im Weg - und sorgte dafür, dass Du einen der vermutlich kuriosesten Kommentatoren-Trips aller Zeiten hinlegen musstest. Was geschah im Herbst 2010?

Bielek: Ich hatte mich trotz zweier Kreuzbandrisse bei meinem Heimatverein bereitschlagen lassen, noch einmal mitzukicken. Ich hätte es lassen sollen. Fünf Minuten vor der Halbzeit fällt mir ein Mitspieler ins Knie und ich reiße mir zum dritten Mal das Kreuzband. Das große Problem: Wenige Stunden später sollte ich in Kaiserslautern sein, um Würzburgs Auftaktspiel der 2. Liga, der Pro A, zu kommentieren. Ich wollte es unbedingt machen und ich hatte ohnehin keinen Ersatz. Daher setzte ich mich mit einem dicken Knie ins Auto und fuhr die knapp drei Stunden nach Kaiserslautern. Zum Glück hatte ich einen Tempomat, mit dem ich Gas geben konnte. Mit dem nichtverletzten Bein konnte ich bremsen. Alles vogelwild, das darf ich eigentlich keinem erzählen. Ich kam heil dort an und als ich in die Halle humpelte, kamen die Spieler sofort an und trugen mich in die Kabine. Ich habe dann mit Eisbeuteln auf dem Knie das Spiel übertragen.

SPOX: Du bist nicht nur wegen derlei Aktionen eine Kultfigur in Würzburg. Du hast im Sommer 2011 den Empfang von Dirk Nowitzki in Würzburg mitorganisiert und das Event moderiert. Wie kam das damals zustande?

Bielek: Eine unfassbare Geschichte. Wir von "Radio Gong" waren uns eigentlich einig, dass wir irgendwas Großes auf die Beine stellen wollen, wenn Dirk nach seiner Championship heimkehrt. Am Mittwoch vor dem legendären Dienstag ruft mich Silke, seine Schwester und Managerin, während meiner Radio-Sendung an und erzählt, dass sie gerade mit dem Bürgermeister und Dirks Sponsor "ING-DiBa" zusammensitzt und den Empfang plant. Es hieß dann, dass Dirk nächste Woche kommt, aber die Stadt nur etwas Gemütliches im Vorhof des Rathauses aufziehen will. Silke hatte dann schon die richtige Vermutung, dass das alles ein bisschen zu klein geplant sein könnte und fragte, ob wir andere Ideen hätten. Wir sagten dann, dass wir für alles bereit wären. Wir haben uns dann direkt nach der Sendung mit Silke und Dirks Sponsor im Funkhaus getroffen. Unser "Mädchen für alles" im Funkhaus Ulli Assel stand sofort parat und auch unser Programm-Chef Frank Beyhl war Feuer und Flamme von der Idee. Das ganze Gong-Team hat zusammen mit der ING-DiBa unmenschliches geleistet und was herauskam war eben dieses Riesending vor der Residenz in Würzburg und die ganze Welt schaute zu. Unter anderem übertrug "CNN" live.

SPOX: Danach hast Du den großen Schritt gewagt und bist aus der Würzburger Heimat nach München als Redakteur zu "Sky Sport News HD" gewechselt. Hat sich das rentiert?

Bielek: Ja, total. Ich war schon immer ein Sport-Verrückter und das Projekt war sehr interessant, weil es so etwas noch nie gab und ich alle Entwicklungsphasen hautnah mitbekam. Ich möchte mich an der Stelle auch bei "Sky Sport News HD" bedanken, dass ich parallel zu meiner Redakteurstätigkeit bei SPOX als Kommentator arbeiten darf. Das ist nicht selbstverständlich.

Der NBA-Spielplan im Überblick

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