Bauermanns Playbook: Die Knicks in der Taktik-Analyse

Das spannendste Projekt der NBA

Von Aufgezeichnet von Haruka Gruber
Donnerstag, 31.01.2013 | 16:19 Uhr
Dirk Bauermann analysiert für SPOX die Taktiken der Knicks
© spox
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Die New York Knicks sind ein taktisches Faszinosum: Wie wurde Carmelo Anthony zum MVP-Kandidaten? Was macht Amare Stoudemire und ist er der überflüssigste Superstar der Liga? Und wieso kommt es zur Guard-Inflation? Zum Start der neuen monatlichen Serie "Bauermanns Playbook" analysiert der Ex-Bundestrainer und neue polnische Nationalcoach Dirk Bauermann die Knicks.

 

Teil I: Wie Anthony zum MVP-Kandidaten wurde

Die Wandlung vom Superstar - zum Superstar? Carmelo Anthony gehörte in letzten Jahren beständig zu den fünf besten Basketballern des Planeten, nur es ging ihm etwas ab, das Weltklassespieler zu MVP-Kandidaten macht: Gemeinsinn.

"Melo ist diese Saison definitiv ein anderer Basketballer, weil er mit einer viel größerer Bereitschaft den Ball passt und für sich selbst viel weniger forciert. Er wurde zu einem kompletten Mannschaftsspieler und hilft so den Teamkollegen: Diese bekommen leichtere Würfe und so findet die Mannschaft als Ganzes schneller ihren Rhythmus", sagt Dirk Bauermann.

Diese Uneigennützigkeit von Melo erlaubte es Coach Mike Woodson, seinem talentiertesten Spieler eine neue Position zuzuweisen. Bis zuletzt war Anthony das Exempel des klassischen Small Forwards, doch seit dieser Saison steht er als Power Forward in der Starting Five und spielt so gut wie noch nie (Career-High mit 29,1 Punkten).

Dabei auffällig: Weiterhin definiert sich Melo primär über das Scoring, aber wenn er näher in Korbnähe agiert und daher vom Gegner eher gedoppelt wird, gibt er den Ball raus, um den Mitspielern freie Würfe zu verschaffen. Dass er dabei in der Regel nur den einleitenden Pass gibt und nur selten den direkten Assist zugeschrieben bekommt (siehe Diashow), scheint ihn weniger zu stören. Mit 2,7 Assists gibt er so wenige Vorlagen wie seit der Saison 2005/06 nicht mehr. "Woodson hat es ganz offensichtlich geschafft, einen besonderen Zugang zu Melo zu finden", sagt Bauermann.

Wenn der Gegner wiederum aus Furcht vor Melos Passfähigkeiten auf das Doppeln verzichtet, bestraft es dieser auf vielfältigste Weise. Per Post-Move, Drive, Mitteldistanzwurf, Dreier. Nicht verwunderlich, dass Boston-Coach Doc Rivers in Melo den hinter Kevin Durant komplettesten Scorer der NBA sieht. Beim Sieg über Orlando stellte er mit dem 30. Spiel in Folge mit mindestens 20 Zählern einen neuen Franchise-Rekord auf.

Bauermann: "Melo besitzt eine Variabilität, die auf der Power-Forward-Position noch besser zur Geltung kommt: Schnelle, aber dafür weniger physische Gegenspieler nimmt er nach innen in Korbnähe und postet auf. Physische, aber dafür weniger schnelle Gegenspieler nimmt er nach außen." Daher ist die Isolation für Anthony (siehe Diashow) auch einer der am meisten genutzten Spielzüge der Knicks.

Unabdingbar für New Yorks erfolgreiche Saison (Platz zwei im Osten) ist die zugleich nicht herausragende, trotzdem ordentliche Verteidigung von Melo. Obwohl die Gegner gelegentlich Angriffe über einen besonders bulligen Power Forward laufen lassen, um Anthony zu entblößen, hält sich dieser wacker. "Er ist sehr kompakt und physisch stark, das wird unterschätzt", sagt Bauermann. Außerdem seien die Verteidigungs-Taktiken der Knicks so ausgefeilt, dass Melo von verschiedenen Positionen unterstützt werde. "Vor allem Tyson Chandler ist als defensiver Anker unverzichtbar, um Melo abzusichern."

Nur: Wenn Chandler auf der Bank verschnauft, geht den Knicks allzu oft die Ordnung verloren. So zu sehen in der Diashow: Atlanta sucht gezielt das Duell Josh Smith gegen Anthony. Smith postet auf im sicheren Wissen, dass ein Mitspieler Melo zur Hilfe eilt. Diese Konfusion nutzt Smith, nimmt kurz den Kopf hoch, sieht den freien Dreierschützen - Treffer.

Teil II: Die Wiedergeburt des Jason Kidd

Teil III: New Yorks Guard-Rotation

Teil IV: Stoudemire - Der übeflüssigste Superstar der NBA?

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