Suche...

Spurs-Coach Gregg Popovich

"I want some nasty!"

Von Philipp Dornhegge
Montag, 17.12.2012 | 09:08 Uhr
Nur wenige NBA-Trainer werden von den Spielern so respektiert wie San Antonios Gregg Popovich
© Getty
Advertisement
NBA
Live
Wizards @ Bucks
NBA
Bulls @ Lakers
NBA
Warriors @ Thunder
NBA
Bulls @ Warriors
NBA
Pelicans @ Warriors
NBA
Suns @ Timberwolves
NBA
Cavaliers @ 76ers
NBA
Wizards @ Timberwolves
NBA
Grizzlies @ Spurs
NBA
76ers @ Celtics
NBA
Timberwolves @ Thunder
NBA
Magic @ Knicks

Nicht erst seit Restgate ist der grantige Spurs-Coach Kult, bei Fans und Medien gleichermaßen beliebt. Popovichs Start in die NBA war holprig, seine Bilanz ist nahezu beispiellos.

"Ich kann diesen Popovich nicht leiden. Er dachte, er könnte einfach nach San Antonio kommen und den Spurs neues Leben einhauchen. Er glaubt, er wäre Gott."

Nein, dieses Zitat stammt nicht von David Stern, der zugegebenermaßen auch nicht viel übrig haben soll für Gregg Popovich. Der NBA-Commissioner würde sich wohl etwas diplomatischer ausdrücken. Das Zitat stammt von Hall of Famer Dennis Rodman.

mySPOX-User milan07 über Spurs-Coach Gregg Popovich

Dennis The Menace hatte eine durchaus erfolgreiche, wenn auch von Querelen geprägte Zeit bei den Spurs, die vor der Saison 1995/1996 mit einem Trade nach Chicago endete. Und er hatte offenbar nie viel übrig für Popovich.

"Restgate" spaltet Fans, Medien und Funktionäre

Jenen Popovich, der heute als einer der besten und beliebtesten Trainer aller Zeiten gilt und der mit seiner schrulligen Art zu einer echten Kultfigur der NBA avancierte.

Sein inzwischen über Jahre dauernder Kleinkrieg mit Stern und dem NBA-Establishment ist legendär, die "Restgate"-Episode spaltete unlängst Fans, Medien und Funktionäre.

Mit der eingangs erwähnten und der folgenden Aussage sprach Rodman 1995 dem damaligen Spurs-Manager aber noch all das ab, für das er und die Spurs 17 Jahre später stehen: "Jetzt wollen sie aus dem Nichts eine Teamchemie herstellen. Sie schmeißen ständig Spieler raus und holen neue, anstatt mit den Leuten etwas aufzubauen, die schon da sind. Kein Wunder, dass jeder sein Ding machen will, dass keiner für den anderen kämpft. Ich habe immer gesagt, dass dieser Truppe ohne mich das Herzstück fehlt."

Spurs-Franchise: Blaupause für die Kleinen

Von wegen. Längst ist San Antonio ein Musterbeispiel dafür, wie man sich als Franchise mit einem relativ kleinen Markt und entsprechend weniger Geld über Jahre an der Spitze der NBA hält. Wie man auch ohne hohe Draft Picks immer wieder frische Talente findet.

Wie man internationale Spieler in ein NBA-Team integriert. Wie man vermeintliche Bad Boys (außer Rodman) in geordnete Bahnen lenkt. Und dass die Spurs so sind, wie sind, ist unweigerlich mit einem Namen verbunden: Gregg Popovich.

Mentor Larry Brown

Sein Handwerk gelernt hatte Popovich vor allem von einem Mann: Larry Brown.

Brown, der inzwischen an einer kleinen Uni in Texas als Trainer arbeitet, ist den meisten NBA-Fans als Meistertrainer der Detroit Pistons 2004 bekannt, eingefleischte (und vor allem ältere) College-Anhänger erinnern sich vielleicht noch an den Titel, den er 1988 zusammen mit seinem Starspieler Danny Manning nach Kansas holte.

Popovich ist er in seiner langen Karriere mehrfach über den Weg gelaufen: Als einer der Trainer der US-amerikanischen Olympiamannschaft 1972 hatte Brown damals den Spieler Popovich bei den Tryouts für nicht gut genug befunden.

Obwohl er im Nachhinein sagt: "Pops war ein toller Spieler. Wäre er auf ein großes College gegangen, wäre er wohl in der NBA gelandet. Er war überraschend athletisch und unglaublich tough."

Brown holt Pop zu Spurs

Weil Popovich aber "nur" für die United States Air Force Academy spielte, wurde er auch nicht genommen, als er später bei den Denver Nuggets vorspielte. Der damalige Trainer wollte ihn nicht. Sein Name: Larry Brown.

"Trotzdem bin ich mit Gregg in Kontakt geblieben", sagt der heute 72-Jährige.

Nachdem Popovich die Chance, für die CIA zu arbeiten, ungenutzt ließ und stattdessen als Assistant Coach zur Air Force Academy zurückgekehrt war und sechs Jahre später als Head Coach an den Claremont Colleges arbeitete, nahm er sich ein Jahr frei, um eine Hospitanz bei Brown in Kansas zu absolvieren.

Es entwickelte sich eine bis heute währende Freundschaft, und als Brown wiederum 1988 zum dritten Mal nach Denver und den New Jersey Nets ein NBA-Team übernahm und bei den Spurs anheuerte, fiel seine Wahl für den Posten des Assistant Coaches auf Popovich. Der Sprung in das Haifischbecken NBA war relativ problemlos gelungen.

Kritik an Popovich nach Rauswurf Hills

Popovichs Start in seine Cheftrainertätigkeit war dagegen ungleich rauer. Nach einigen Jahren als Assistenztrainer in San Antonio und anschließend bei den Warriors kehrte Popovich 1994 nach San Antonio zurück, diesmal allerdings als General Manager und Vice President of Basketball Operations.

Zwei Jahre lang schaute er sich an, was der damalige Coach Bob Hill mit den Spurs veranstaltete, ehe er 1996 die Reißleine zog: Topspieler David Robinson hatte sich in der Preseason am Rücken verletzt und konnte einen 3-15-Start nicht verhindern, Popovich hatte genug gesehen und brachte sich selbst ins Amt.

Dabei hatte Hill das Team in der Saison 1994/1995 noch zu 62 Siegen geführt und war erst in den Conference Finals am späteren Meister aus Houston gescheitert, eine längere Galgenfrist hatte er sich also eigentlich verdient. Bis heute ist dies das einzige Ereignis, das selbst den glühendsten Popovich-Jüngern sauer aufstößt.

Hier hatte ein Manager, der sich selbst eher als Coach sah, offenbar seine Macht - und die erstbeste Gelegenheit - genutzt, um zum Head Coach aufzusteigen.

Draft-Geschenk Tim Duncan

Die angebrochene Spielzeit 96/97 war allerdings auch für Popovich nicht mehr zu retten. Wenige Spiele nach seiner Rückkehr brach sich Robinson den Fuß und war endgültig raus, Sean Elliott machte nur die Hälfte aller Spiele und weitere Schlüsselspieler waren immer wieder verletzt.

Als klar war, dass seine Spurs nichts erreichen würden, schenkte Popovich die restliche Spielzeit mehr oder weniger her. Nach nur 20 Siegen war der "Trostpreis" der Nummer-Eins-Pick im Draft 1997 - und damit die Rechte an einem gewissen Tim Duncan von der Wake Forest University.

Der Rest ist freilich Geschichte: Mit den Twin Towers Duncan und Robinson gewann San Antonio die Meisterschaft 1999, nach den Verpflichtungen von Tony Parker 2001 und Manu Ginobili 2002 folgten in den Jahren 2003, 2005 und 2007 drei weitere Titel.

Respektvoller Umgang mit Spielern

Trotz der zweifelhaften Art und Weise, wie Popovich zum Head Coach der Spurs wurde: An seinem Können bestand nie auch nur der geringste Zweifel.

Seine Spieler lieben ihn bis heute aufgrund der Tatsache, dass er sie immer an erster Stelle nennt, wenn es um die Gründe für seinen Erfolg geht. Andererseits schreckt er auch nicht davor zurück, selbst seine Stars im Training hart ran zu nehmen, wenn ihm etwas nicht passt.

In der Öffentlichkeit allerdings wird man ihn nie ein böse gemeintes Wort über einzelne Akteure sagen hören, und diese respektvolle Art kommt an.

Mit über 1200 Siegen in der Regular Season, über 100 in den Playoffs und zwei Coach-of-the-Year-Auszeichnungen (2003, 2012) gehört der 63-Jährige längst zu den erfolgreichsten NBA-Trainern aller Zeiten.

In dieser Saison hatte er mit seinem Team zum sechsten Mal eine Bilanz von 16-4 nach 20 Spielen. In dieser Häufigkeit solche Starts hinzulegen, das gelang zuvor nur Phil Jackson (sieben Mal) und Red Auerbach (sechs Mal).

Pops Lieblingsopfer: "TNT"-Reporter Sager

Von den bloßen Statistiken abgesehen sind es aber eher die kleinen, die zwischenmenschlichen Dinge, die der gemeine NBA-Fan an Popovich liebt. Seine Interviews sind berüchtigt, er lässt die Journalisten spüren, wenn er eine Frage für dumm hält oder er schlicht keine Lust hat.

Das ist besonders häufig der Fall bei den kurzen On-Court-Interviews nach dem ersten und dritten Viertel von landesweit ausgestrahlten Spielen.

"TNT"-Reporter Craig Sager, selbst eine Kultfigur aufgrund seiner schrägen Outfits, ist dabei ein extrem beliebtes - und williges - Opfer Popovichs.

"Ich weiß, dass ich ein Idiot bin"

Der 63-Jährige bewegt sich dabei stets auf einem schmalen Grat: Popovich gibt sich wortkarg und lustlos, wird dabei aber fast nie unfair oder unverschämt. Und wenn er sich mal doch nicht im Griff hatte, bekommt er das anschließend deutlich zu hören - von seiner Frau.

In einem Radiointerview bekannte Popovich, dass ihm seine geliebte Erin durchaus die Leviten lese: "Ich weiß, dass ich ein Idiot bin. Aber was soll ich machen? Das Viertel ist zu Ende, wir liegen 12 Punkte hinten und verlieren den Kampf um die Rebounds. Und dann werde ich gefragt, was ich unternehmen will. Und ich habe keine Ahnung. Soll ich in der Pause einen Trade machen? Oder Trainingsdrills? Nein, ich mache nichts. Ich gehe zurück zur Bank und hoffe, dass es besser wird. Ich kann solche Fragen nicht vernünftig beantworten, und das finden offenbar alle außer meiner Frau lustig."

Mit Wein zu mehr Ruhe

Mit den Jahren hat Popovich zumindest gelernt, seine Emotionen halbwegs zu kontrollieren. Es gibt immer noch hier und da einen Wutausbruch, wie bei seiner "I want some nasty"-Standpauke in der zweiten Halbzeit von Spiel eins der Western Conference Finals 2012 gegen die Oklahoma City Thunder; der Ausspruch wurde unmittelbar nach der Partie zum geflügelten Wort unter den Spurs-Fans, dabei konnte sich Popovich anschließend gar nicht erinnern, es gesagt zu haben.

Zumeist hat der Coach seine Nerven heute aber im Griff. Für Parker liegt der Grund dafür auf der Hand: "Jetzt, wo er immer mehr Wein trinkt und älter wird, wird er auch zunehmend geduldig."

Das heißt freilich nicht, dass Popovich nicht mehr das Feuer hat, das man als Trainer einer Basketball-Mannschaft braucht. Im Gegenteil: Seine San Antonio Spurs werden auch dieses Jahr - im Übrigen zum 16. Mal in Folge - die Playoffs erreichen.

Popovichs großer Traum: Team USA betreuen

Zudem verfolgt Popovich noch einen großen Traum: Er möchte das Team USA zur WM 2014 in Spanien führen. Mike Krzyzewski denkt derzeit über einen Rücktritt als Coach der Nationalmannschaft nach, Popovich wäre als Kenner des internationalen Basketballs ein idealer Nachfolger.

Stern könnte ihm einen Strich durch die Rechnung machen, der zwar keinen direkten Einfluss auf den Verband hat, dessen Meinung aber durchaus gehört wird und der ein gutes Verhältnis zum USAB-Vorsitzenden Jerry Colangelo pflegt. Der wiederum kann angeblich nur wenig mit Popovich anfangen.

Die relevanten Spieler allerdings würden sich mit großer Sicherheit geschlossen für Coach Pop aussprechen, allen voran ein gewisser LeBron James: "Pop weiß, was er tut und wovon er spricht. Er ist nicht von ungefähr einer der besten Coaches aller Zeiten." Und falls Popovich den Job bekommt: Wer glaubt denn nicht, dass er mit den USA den Titel in die Heimat holen und seiner illustren Laufbahn endgültig die Krone aufsetzen würde?

Es wäre interessant zu hören, was Dennis Rodman heute über Gregg Popovich zu sagen hat.

Alle Ergebnisse der NBA im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung