Samstag, 28.04.2012

NBA-Playoff-Check - 1. Runde

Alt und langsam vs. jung und schnell

Endlich ist wieder Playoff-Time in der NBA! Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks bekommen es in der ersten Runde mit Kevin Durant und den Oklahoma City Thunder zu tun (Spiel 1, So., 3.15 Uhr im LIVE-TICKER). SPOX hat alle Erstrunden-Matchups unter die Lupe genommen und sagt, wer ins Conference-Halbfinale einzieht.

Kevin Durant und die Thunder haben drei der vier Saisonduelle gegen die Mavs gewonnen
© Getty
Kevin Durant und die Thunder haben drei der vier Saisonduelle gegen die Mavs gewonnen

Western Conference

San Antonio Spurs (1) vs. Utah Jazz (8)

Saisonbilanz: 3-1 (104:89, 106:102, 114:104, 84:91)

Ausgangslage: Im vergangenen Jahr starteten die Spurs als Nummer eins im Westen in die Playoffs und wurden sofort von den Grizzlies eliminiert. Ein Schocker. Jetzt starten die Spurs wieder als Nummer eins. Man stelle sich vor, sie würden erneut gegen die Nummer acht rausfliegen. Es ist im Prinzip nicht vorstellbar.

Triangle Offense: "Kobe hat es bis heute nicht verstanden"

Praktisch alles spricht dafür, dass es dem Team von Gregg Popovich nicht noch mal passieren wird. Drei Beispiele: San Antonio ist bärenstark zuhause (28-5), Utah ist grottenschlecht auswärts (11-22). San Antonios Offense lebt vom Pick-and-Roll, Utahs Pick-and-Roll-Defense ist miserabel. San Antonios Tiefe im Kader ist der helle Wahnsinn, Utahs Rotation ist deutlich kleiner.

Für die Jazz ist allein der Playoff-Einzug ein Jahr nach dem Trade von Deron Williams nach New Jersey ein großer Erfolg.

Players to watch: Danny Green vs. Gordon Hayward. Jeder weiß um die Qualitäten von Tim Duncan, Tony Parker und Manu Ginobili, aber die Spurs haben auch einige Jungs, sogar Starter, im Kader, bei denen man abwarten muss, wie sie mit dem Playoff-Druck umgehen. Man denke an Rookie Kawhi Leonard oder eben an Green.

Der Guard ist vor allem einer von vielen überragenden Dreierschützen der Spurs. Hayward hat in seinem zweiten Jahr in der NBA einen gewaltigen Sprung gemacht und entwickelt sich Richtung Star. Seine April-Zahlen: 17,2 Punkte, 4,0 Rebounds, 3,8 Assists, dazu starke Quoten (51 Prozent aus dem Feld, 50 Prozent Dreier, 87,5 Prozent Freiwürfe).

Prognose: Es sollte eine Serie mit vielen Punkten geben, beide Teams gehören zu den Top 5 im Scoring, die Jazz können die Spurs mit ihrer Frontcourt-Power aus Al Jefferson und Paul Millsap ein bisschen ärgern. Aber Utah braucht noch ein paar Jahre, bis man vielleicht ganz oben angreifen kann. Spurs in 5.

Oklahoma City Thunder (2) vs. Dallas Mavericks (7)

Saisonbilanz: 3-1 (104:102, 87:100, 95:86, 95:91)

Ausgangslage: Es kommt also zum Rematch des letzten Western Conference Finals, aber es ist fast nichts mehr so, wie es vor einem Jahr war. Niemand setzt einen Pfifferling auf einen Repeat der Mavs. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Dallas eine genauso miesen Titelverteidigungs-Versuch hinlegt, wie es Miami zuletzt 2006-07 gemacht hat: Sofort in der ersten Runde rausfliegen. Die Heat gingen damals ein Jahr nach ihrer Championship 0-4 gegen die Bulls unter.

Es gibt natürlich haufenweise Gründe, warum man Dallas - eigentlich - nichts zutrauen kann. Die Mavs sind durch die Entscheidung, Tyson Chandler und Co. gehen zu lassen, nun mal dramatisch schlechter geworden. Das Lamar-Odom-Experiment war ein kompletter Reinfall. Dirk Nowitzki hatte die schlechteste Field-Goal-Quote (45,7) seit seiner Rookie-Saison, sein Punkteschnitt (21,6) war seit 2000-01 nicht mehr so schlecht.

Bemerkenswert: Insgesamt hatten die Mavs in der Offense, jahrelang ein großer Trumpf, so große Probleme wie ewig nicht mehr. 95,8 Punkte pro Spiel, nur Rang 19 in der Liga. OKC macht zum Vergleich 103,1 Punkte im Schnitt. Ein gewaltiger Unterschied.

Ein bisschen Hoffnung macht aus Dallas-Sicht der Fakt, dass nur ein Buzzer-Beater von Kevin Durant verhinderte, dass die Regular-Season-Series 2-2 ausgegangen wäre. Und der Glaube, dass man in den Playoffs ganz andere Mavs sehen wird. Nowitzki ist außerdem - logisch - jederzeit in der Lage, Partien alleine zu entscheiden. Und dann gibt es ja auch bei den Thunder ein paar Fragezeichen.

Kein Team produziert mehr Turnover (16,3), kein Team lässt den Ball so wenig laufen (18,5 Assists). Die Thunder haben außerdem immer wieder gezeigt, dass sie in der Crunchtime ihre Plays teilweise nicht gut laufen. Gegen die Zone der Mavs könnten sie auch Probleme bekommen. Kurzum: Es ist nicht das ideale Matchup für die Thunder. Dennoch: OKC hat mit Durant (28,0) und Russell Westbrook (23,6) das überragende Scoring-Duo der NBA und ist auf dem Papier vor allem offensiv klar besser.

Players to watch: James Harden vs. Delonte West. Harden ist der designierte Sixth-Man-of-the-Year, er bildet mit Durant und Westbrook den besten One-Two-Three-Punch der Liga und ist vor allem deshalb kaum zu stoppen, weil er immer wieder penetriert und wie kaum ein anderer die Fähigkeit besitzt, Fouls zu ziehen. Spannend wird sein, wie er sich von seiner Gehirnerschütterung nach dem Ellenbogen-Shot von Metta World Peace erholt hat.

West ist der X-Faktor bei den Mavs. Der Guard hat sich in dieser Saison als echte Verstärkung entpuppt. West gibt den Mavs Toughness, er wird mit seiner Defense versuchen müssen, an Westbrook zu kleben. Und er kann dem Team auch offensiv mit seinem Mid-Range-Game helfen. Außerdem ein kritisches Matchup: Shawn Marion vs. Durant. Egal, welche Position er auch spielt, Marions Job ist es, den gegnerischen Topstar zu verteidigen. Er wird wieder Durants Schatten sein.

Prognose: Es gibt praktisch niemanden, der auf die Mavs setzt. Auch SPOX nicht. Dallas' Scoring-Probleme sind zu groß. Oder wie es Mavs-Coach Rick Carlisle ausdrückte: "Wir sind alt und langsam und OKC ist jung und schnell." Thunder in 5.

Los Angeles Lakers (3) vs. Denver Nuggets (6)

Saisonbilanz: 3-1 (92:89, 90:99, 93:89, 103:97)

Ausgangslage: Das Motto für die Serie ist klar: Superstar vs. Team-Basketball. Niemand wird daran zweifeln, dass Kobe Bryant eine Monster-Serie für die Lakers spielen wird. Bei den Nuggets gibt es dagegen keinen klaren Go-to-Guy. Das kann in der Crunchtime ein Nachteil sein, es macht Denver aber auch extrem unberechenbar.

Die Nuggets sind das Highest-Scoring-Team der NBA (104,1 Punkte) und ihre größte Stärke heißt: Ball-Movement. Kein Team verteilt als Mannschaft so viele Assists. Und es gibt auch kaum ein Team, das mit so viel Speed spielt. Die Lakers müssen alles daran setzen, die Nuggets nicht ins Laufen kommen zu lassen. Nur dann kann L.A. seine Größenvorteile optimal ausnützen.

Während die Nuggets brutal tief besetzt sind und von der Bank Jungs wie Andre Miller oder Al Harrington bringen können, ist die Rotation der Lakers durch die Sperre gegen Metta World Peace (könnte erst in Spiel 7 dabei sein) erheblich geschwächt.

Players to watch: Andrew Bynum vs. Kenneth Faried. Die Nuggets haben mit Arron Afflalo einen der besten Verteidiger, die man gegen Kobe nur stellen kann, das Problem heißt aus Denver-Sicht ganz klar Bynum. Wie um alles in der Welt wollen die Nuggets den Lakers-Center stoppen?

JaVale McGee wird kaum die Lösung sein. Die Lakers müssen auf der anderen Seite höllisch auf Faried aufpassen. Der Rookie ist nicht so groß wie Bynum und Gasol, aber er ist ein Rebounder vor dem Herrn und hat auch gezeigt, dass er offensiv durchaus was drauf hat.

Prognose: Die Lakers können keine schnellen Point Guards verteidigen. Ty Lawson und Andre Miller werden L.A. vor riesige Probleme stellen. Die Nuggets haben zudem den Vorteil auf der Trainerbank (George Karl over Mike Brown). Nuggets in 7.

Memphis Grizzlies (4) vs. Los Angeles Clippers (5)

Saisonbilanz: 1-2 (91:98, 85:101, 94:85)

Ausgangslage: Die eine Franchise (Memphis) gewann in der letzten Saison ihre erste Playoff-Serie in der Geschichte. Die andere Franchise (Clippers) hat seit dem Umzug nach L.A. 1984 genauso viele Serien gewonnen und sich über die Jahre den Ruf als totale Loser-Organisation redlich verdient. Jetzt treffen diese beiden Teams aufeinander - und es ist auf den zweiten Blick ein aufregendes Matchup.

Warum? Weil es viele Duelle gibt, auf die man sich freuen kann. Chris Paul gegen Tony Allen, einen der besten Defender der Liga. Oder die Steals-Maschinerie der Grizzlies (kein Team forciert so viele Turnover) gegen die kontrollierte Offense der Clippers, die kaum Ballverluste fabriziert.

Eine Gemeinsamkeit gibt es außerdem auch noch: Beide Teams hängen extrem von ihren Starting Fives ab, dahinter wird es dünn.

Players to watch: Zach Randolph vs. Blake Griffin. Im Gegensatz zu den letzten Playoffs ist Star-Forward Rudy Gay fit, das ist schon mal ein großes Plus für Memphis. Jetzt müsste nur noch Randolph wieder zu alter Form finden. Z-Bo verpasste einen Großteil der Saison verletzt und ist noch nicht wieder auf dem Level, um in jedem Spiel 20/10 abzuliefern.

Randolphs Power-Forward-Matchup mit Griffin wird in jedem Fall ganz entscheidend für den Ausgang der Serie sein. Für Griffin sind es seine ersten Playoffs und die große Frage lautet: Trifft er Freiwürfe? Trifft er so schlecht wie in der Regular Season (55 Prozent), können das die Clippers in einer engen Serie kaum kompensieren.

Prognose: Memphis ist nicht flashy, aber Memphis ist tough. Zu tough für die Clippers, die ohne den langzeitverletzten Chauncey Billups einfach nicht gut genug sind. Grizzlies in 6.

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Florian Regelmann

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