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Hintergrund

Roboter im Gefängnis

Von Bernd Schmidt
Mittwoch, 26.09.2007 | 12:18 Uhr
Varejao, Anderson, Cleveland
© Getty
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München - Andrei Kirilenko mag Russland. Er mag die Leute dort, er mag das Essen dort, er mag die Kultur dort. Nicht weiter verwunderlich, mag der eine oder andere denken, immerhin ist Kirilenko ja auch Russe.

Ein Russe, der zu seinem Leidwesen aber in den USA lebt. Als Star der Utah Jazz verdient er Millionen, dennoch konnte er sich nie mit dem amerikanischen Lifestyle anfreunden. Die USA sind nun mal nicht Russland, zumal sich die Vorgesetzten verlogen und unfair ihm gegenüber verhalten hätten, lamentiert er seit Monaten.

Aber dass Kirilenkos Heimatverbundenheit sogar soweit geht, dass er einen Wechsel in das - verglichen zur NBA - basketballerisch zweitklassige Russland in Betracht zieht, verwundert doch.

"Es gibt viele Gründe, zurückzukehren", sagt der 26-Jährige. "Zum Beispiel wegen den Fans. Da kommen ganz andere Emotionen rüber als in den USA." Er habe sich in den letzten zwei Jahren bei den Jazz "wie ein Roboter gefühlt.  Als ich meinen Vertrag in Utah verlängert hatte, dachte ich, dass ich spielen, gewinnen und Spaß haben würde. Leider ist es aber unmöglich, bei den Jazz glücklich zu sein."

Rückkehr zu ZSKA möglich

Daher auch die Überlegung, seinen noch mit 63 Millionen Dollar dotierten Vertrag aufzulösen, um in seine russische Heimat zurückzukehren.

"Ich wäre gerne dort, wo man mich braucht und derzeit glaube ich, dass mich mein Land am meisten braucht", sagt Kirilenko. Am liebsten, so deutete er an, wäre ihm die Variante mit ZSKA Moskau.

Der Euroleague-Sieger von 2006 ist der russische Vorzeigeklub, Kirilenkos Ex-Verein - und was nicht unerheblich ist: ZSKA hat finanzstarke Mäzene im Hintergrund, die in der Lage sein sollten, Kirilenko ein zumindest respektables Gehalt zu offerieren. Für den EM-MVP kämen aber auch andere europäische Teams in Betracht. "Ich bin bereit, nach Europa zu wechseln. Nur festlegen möchte ich mich noch nicht, zu welchem Klub. Ich bin wirklich bereit, die NBA zu verlassen."

Pavlovic unzufrieden

Noch vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein Wechsel zum alten Kontinent eine Option für einen gestandenen NBA-Star im besten Basketball-Alter sein könnte. Aber Zeiten ändern sich, und Kirilenko ist nur einer von vielen, die sich nicht  mit den Gepflogenheiten der NBA anfreunden möchten.

Wie etwa Sasha Pavlovic: Der Shooting Guard der Cleveland Cavaliers schaffte letzte Saison seinen Durchbruch und war einer der Faktoren für den überraschenden Finaleinzug der Cavs. Im Sommer sollen unter anderem die Mavericks Interesse an ihm gehabt haben.

"Europa ist mit Sicherheit eine Option", sagt sein Agent Marc Cornstein. "Ich sage nicht, dass wir auf Teufel komm raus mit europäischen Teams verhandeln, aber es ist absolut eine Möglichkeit."

Publikumsliebling vor dem Absprung?

Oder Anderson Varejao: Pavlovics Teamkollege ist in Cleveland zusammen mit LeBron James der absolute Fan-Favorit. Dennoch will der Brasilianer angeblich weg, wie die spanische Tageszeitung "Sport" berichtet.

So sei dem 24-jährigen Power Forward übel aufgestoßen, dass er aus der NBA keine attraktiven Angebote erhielt, daher könne er es sich absolut vorstellen, wieder für seinen Ex-Klub FC Barcelona auf Reboundjagd zu gehen. Weitere Interessenten wären unter anderem Real Madrid, Unicaja Malaga und Ademola Okulajas früherer Verein Khimki Moskau.

"Wir sind nicht unverschämt"

Während Kirilenkos Wunsch nach Rückkehr offenbar aus seinem tiefen Bedürfnis nach Geborgenheit entspringt, sind die Intentionen Pavlovics wie auch Varejaos eher finanzieller Natur.

"Sasha hat eine gute Saison gespielt. Er war einer der Schlüsselspieler. Den Betrag, den wir von den Cavs wollen, ist nicht unverschämt", sagt etwa Cornstein.

Keine Liebe 

Über den Status des verbalen Flirts mit dem europäischen Basketball hinaus sind bereits Sarunas Jasikevicius und Vasilis Spanoulis. Litauens Volksheld Jasikevicius gab seinen Rotationsplatz bei den Warriors auf, löste den Kontrakt und wechselte nach Griechenland zu Panathinaikos Athen - ebenso wie Spanoulis, der in der NBA nur Bankdrücker gewesen wäre, nichtsdestotrotz immerhin auf ein Jahressalär über 1,9 Millionen Euro verzichtet.

"Die Verantwortlichen bei meinem Ex-Klub Houston versicherten mir, dass sie auf mich bauen und mich lieben. Aber dennoch wurde ich letztes Jahr nur selten eingesetzt", sagt Spanoulis. "Das hat mich zutiefst irritiert. Ich kam mir vor wie in einem Gefängnis."

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