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MLB: DJ LeMahieu - Die Allround-Maschine der New York Yankees

DJ LeMahieu wird von seinen Teamkollegen "LeMachine" genannt.

Trotz zahlreicher Verletzungen und einem Verzicht auf teure Neuzugänge im Winter stehen die New York Yankees an der Spitze der American League. Einer der Hauptgründe für den Höhenflug ist Infielder DJ LeMahieu, den viele eher als Notnagel, denn als Leistungsträger angesehen hatten.

Die New York Yankees sind aktuell das Team mit der besten Bilanz in der American League. Sie erreichten diesen Status, obwohl sie die Saison weitestgehend ohne zahlreiche namhafte Leistungsträger auskommen mussten. Ihre Kadertiefe suchte dabei ihresgleichen und man darf durchaus mit Recht sagen, dass sie den besten "35-Mann-Kader" der Liga haben - 25 dürfen dabei nur aktiv sein.

Das wiederum gelang ihnen, ohne im Winter namhafte Verstärkungen aufzufahren. Die größte Planstelle, die linke Seite des Infields, wurde dabei komplett ignoriert. Hier schenkte man dem letztjährigen Rookie Miguel Andujar das Vertrauen an der dritten Base und entschied sich gegen Manny Machado, der für 300 Millionen Dollar nach San Diego ging. Den lange verletzten Shortstop Didi Gregorius sollten letztlich Oldie Troy Tulowitzki und Youngster Gleyber Torres ersetzen.

Im Outfield hatten die Yankees mit Aaron Judge und Giancarlo Stanton ohnehin schon zwei veritable Superstars, sodass Bryce Harper (für 330 Millionen Dollar nach Philadelphia) nie wirklich ein Thema wurde. Selbst als beide Hünen ausfielen, verfiel niemand in Panik.

Selbiges galt auch, nachdem sich Andujar schon nach wenigen Spielen mit einer hartnäckigen Schulterverletzung zunächst wochenlang und schließlich für den Rest des Jahres verabschiedete und Tulowitzki auch nur ein paar Wochen durchhielt. Mittlerweile hat Letzterer im Übrigen seine Karriere gänzlich beendet.

Der Grund für diese Gelassenheit? DJ LeMahieu, der vielleicht beste Transfer der gesamten MLB-Saison.

DJ LeMahieu: ein herausragender Verteidiger

LeMahieu spielte zuletzt lange Jahre für die Colorado Rockies, wo er sich einen Ruf als herausragender Verteidiger an der zweiten Base erarbeitet hatte. Und als jemand, der "den Ball ins Spiel" bringt.

Eine Qualität, die Gold wert war für die Yankees, die im Vorjahr mit Läufern in Scoring Position (Läufer, die auf der zweiten oder dritten Base stehen) kaum Schaden anrichteten. Die Herangehensweise des Teams war zu oft verkrampft. Scheinbar versuchte es der jeweilige Hitter immer, Dinge zu erzwingen, den Ball mit Gewalt in eine Richtung zu schlagen, aus der er nicht kam. Das kann gut gehen, kann aber auch zu vermehrten Strikeouts führen, die in erster Linie einen Effekt haben: Nichts bewegt sich auf den Bases, die Läufer bleiben auf der Stelle stehen.

LeMahieu dagegen ist da gänzlich anders gepolt. Er erzwingt eigentlich nichts, er schlägt den Ball in die Richtung, aus der er kommt. Und das tut er bereits seit vielen Jahren so. Die Tatsache, dass er jetzt bereits sein Career-High (15 Homeruns) aus dem Vorjahr um vier Homeruns übertroffen hat, lässt sich indes recht einfach damit erklären, dass er jetzt eben hauptsächlich im Yankee Stadium spielt.

Fast 33 Prozent seiner geschlagenen Bälle fliegen bei ihm ins Right Field. Dort wiederum befindet sich die berühmte "Short Porch" des Stadions, die Entfernung zur Tribüne von der Home Plate ist verhältnismäßig äußerst gering und Bälle, die in diese Richtung fliegen, fliegen eben gern auf die Tribüne.

DJ LeMahieu: Killer mit geladenen Bases

Mehr noch: LeMahieu kassiert kaum Strikeouts. Seine K-Rate liegt bei 13,5 Prozent und über seine Karriere hinweg bei knapp 15 Prozent. Die der Yankees als Team insgesamt liegt bei 23 Prozent. Und: wirklich zu "LeMachine" - der Spitzname, den ihm Catcher Gary Sanchez gab - wird LeMahieu mit Läufern in Scoring Position. Er hat dann einen Schlagdurchschnitt von .418 (1.078 OPS). Mit geladenen Bases (Läufer auf allen drei Bases) schlägt er sogar .692 (1.471 OPS). Trivial formuliert: Er ist unmenschlich gut, ergo: "LeMachine".

"Er ist dort draußen, um dir das Herz herauszureißen", umschrieb Manager Aaron Boone LeMahieus Herangehensweise an der Platte. Boone fuhr fort: "Er schwingt nicht auf schlechte Pitches. Er kontrolliert die Strikezone wirklich gut."

Lange wurde diskutiert, ob es genug war, LeMahieu für das Infield zu holen, anstatt etwa Machado zu verpflichten, der dem Vernehmen nach liebend gern in den Big Apple gewechselt wäre. Die kurze Antwort? Ja, es hat gereicht! Mehr als das: LeMahieu ist zumindest 2019 der klar wertvollere und produktivere Spieler. LeMahieus bisher gezeigte Leistung ist 2,1 Siege (4,8 Wins above Replacement) mehr Wert als Machados (2,7 WAR).

Ein weiterer großer Grund dafür, dass die Yankees mit LeMahieu einen absoluten Glücksgriff getätigt haben, ist seine Vielseitigkeit. LeMahieu, der bereits drei Gold Gloves (Award für den besten Verteidiger einer jeden Position) als Second Baseman gewonnen hat, spielt scheinbar nahtlos auf gleich drei Positionen - und das jeweils auf Gold-Glove-Niveau.

LeMahieu: Keine feste Position bei den Yankees

"Ich denke, defensiv haben sie einfach darauf vertraut, dass ich verschiedene Positionen spielen und ihnen helfen kann. Und offensiv, dass ich eben einfach ein schwieriges Out bin", bewertete LeMahieu seine Rolle bei den Yankees gegenüber The Athletic.

Eine Rolle, die er sich ausdrücklich ausgesucht hat. Trotz Angeboten anderer Teams, die ihm einen klaren Stammplatz boten, entschied sich LeMahieu für die Yankees und die ungewisse Anzahl an Einsatzmöglichkeiten. "Es war eine ziemlich einfache Wahl." Denn: "Ich sah das Talent in diesem Team und wie sehr es sich mit den Jungs hier dem Erfolg verschrieben hat."

Der etatmäßige Second Baseman wird regelmäßig auch an der dritten Base eingesetzt und kann genauso gut First Base spielen. Alle drei Positionen waren über den Winter zwar besetzt, aber nicht unbedingt in Stein gemeißelt.

Die zahlreichen Verletzungen unterstrichen dann schon früh die Wichtigkeit von LeMahieu, der nun in erster Linie zwischen zweiter und dritter Base pendelt. Er gibt Manager Aaron Boone an jedem Tag die Option, einen der anderen Starter zu entlasten.

Spielt LeMahieu Second Baseman, dann bekommt entweder Torres einen Tag Pause oder selbiger rotiert rüber auf Shortstop, sodass Gregorius pausiert. Zugleich gibt es dem sehr gut aufspielenden vermeintlichen Backup Gio Urshela die Chance auf Starts an der dritten Base.

DJ LeMahieu: Glücksgriff und Schnäppchen

Als zuletzt Luke Voit durch einen Pitch ans Kinn - mit 146 Kilometern pro Stunde - ausgewechselt werden musste, wechselte LeMahieu nahtlos von der dritten auf die erste Base und präsentierte sich auch dort spektakulär mit dem Handschuh. Jener Voit fehlt seit ein paar Wochen aufgrund einer Leistenverletzung ohnehin, sodass LeMahieus Vielseitigkeit noch mehr zum Tragen kommt.

Unterm Strich ist LeMahieu für die Yankees nicht nur ein Glücksgriff, er ist ein großes Schnäppchen. FanGraphs berechnet basierend auf der Gesamtleistung eines Spielers bestehend aus Offense und Defense den Wert eines Spielers und das auch in Dollar. Gemäß LeMahieus aktueller Leistungen ist sein Spiel 35,3 Millionen Dollar wert - zwei Monate vor Saisonende.

In Wahrheit verdient der Infielder in diesem Jahr 12 Millionen Dollar und 24 Millionen insgesamt über die zweijährige Laufzeit seines Vertrags. Er hat also schon innerhalb seines ersten halben Jahres in New York den Wert seines Vertrags gänzlich übertroffen - Tendenz steigend. Ein Fakt, der seiner All-Star-Saison noch ein klein wenig mehr Legitimität verleiht.

Die Yankees haben in den letzten Wochen einige rekonvaleszente Leistungsträger zurückbekommen. Doch der Grund, warum sie nicht in deren Abwesenheit abgestürzt sind - was ihnen sicher keiner vorgeworfen hätte -, ist in erster Linie die enorme Kadertiefe. Ein Faktor, den LeMahieu, als Alternative für gleich drei Positionen, besser verkörpert als jeder andere.

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