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MLB Playoffs 2018: ALCS - Boston Red Sox vs. Houston Astros: Das Duell der Giganten

Gerrit Cole und die Houston Astros stellen das beste Pitching in der MLB im Jahr 2018.
© getty

Die American League Championship Series zwischen den Boston Red Sox und Houston Astros verspricht hochklassig zu werden. Die Astros gelten als Favorit - mit gutem Grund. Doch Boston könnte das richtige Gegenmittel dafür haben.

American League Championship Series 2018

Boston Red Sox - Houston Astros

Kann es einen Underdog geben in einer Serie zweier Supermächte? Die Red Sox gewannen 108 Spiele in dieser Saison, die Astros immerhin 103. Und es kommt nicht eben häufig vor, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt zwei Teams mit über 200 Siegen insgesamt gegenüberstehen!

Und dennoch scheinen Experten dieser Tage dazu zu tendieren, die Red Sox - das Team mit der mit Abstand höchsten Payroll (ca. 230 Millionen Dollar) - zum Underdog zu machen. Die Astros (Payroll bei rund 164 Millionen Dollar) sind als Titelverteidiger der große Favorit.

Und auf dem Papier mag das sicher auch stimmen. Die Fakten sprechen klar für Houston! Wie schon Red-Sox-Manager Alex Cora erklärte, haben sich die Astros etwa defensiv enorm verbessert. Er muss es wissen, war er doch im Vorjahr noch Bench Coach des World Champions.

Die Zahlen geben ihm zudem Recht, denn die Astros haben sich in nahezu allen relevanten Defensiv-Statistiken deutlich gesteigert. Im letzten Jahr standen sie noch bei -11 Defensive Runs Saved (DRS), 2018 sind es +20. Ihr UZR/150 (Ultimate Zone Rating hochgerechnet auf die durchschnittliche Saison eines Feldspielers) steigerte sich von -3,6 auf -1,3 und ihr Defensiv-Rating insgesamt ging hoch von -41,6 auf -9,5. Letztere Werte sind immer noch nicht berühmt, aber klar besser als im Vorjahr.

Boston Red Sox stellen spektakuläres Outfield

Dass die Red Sox (UZR/150: 6,7, Defensiv-Rating: 26,3) hier deutlich besser abschneiden, liegt derweil in erster an der Tatsache, dass sie eines der besten und spektakulärsten Outfields stellen mit Mookie Betts, Jackie Bradley Jr. und Andrew Benintendi. Ihre Infield-Defense - allen voran Third Baseman Rafael Devers, Shortstop Xander Bogaerts und Allzweckwaffe Eduardo Nunez - machen das allerdings gerade in Sachen DRS (-46) wieder wett.

Viel gravierender aber ist, was die Astros insgesamt als Team gemacht haben. Ihre Run-Differenz von +263 (+229 Red Sox) ist die drittbeste seit Beginn der Wildcard-Ära - nur die 1998er Yankees (+309) und die Mariners von 2001 (+300) waren besser. Das führt zu einer pythagoräischen Siegquote - die theoretisch zu erreichende Anzahl von Siegen basierend auf erzielten und kassierten Runs - von .690, die zweithöchste seit dem Zweiten Weltkrieg (Orioles 1969: .694). In der Realität sind es nur .636 (103-59) geworden, was aber immer noch überragend ist.

ALCS 2018: Red Sox vs. Astros live auf DAZN

DatumUhrzeitSpiel
Sonntag, 14. Oktober2.09 UhrBoston Red Sox - Houston Astros (Spiel 1)
Montag, 15. Oktober1.09 UhrBoston Red Sox - Houston Astros (Spiel 2)
Dienstag, 16. Oktober23.09 UhrHouston Astros - Boston Red Sox (Spiel 3)
Donnerstag, 18. Oktober2.39 UhrHouston Astros - Boston Red Sox (Spiel 4)
Freitag, 19. Oktober2.09 UhrHouston Astros - Boston Red Sox (Spiel 5, falls nötig)
Samstag, 20. Oktober23.09 UhrBoston Red Sox - Houston Astros (Spiel 6, falls nötig)
Montag, 22. Oktober1.39 UhrBoston Red Sox - Houston Astros (Spiel 7, falls nötig)

Wer genau hinschaut, wird jedoch feststellen, dass das Geheimnis des Erfolges für die Astros im Pitching liegt. Nicht nur verfügen sie über eine absolut dominante Pitching Rotation, sie haben spätestens seit der Trade Deadline im Juli auch einen der besten Bullpens.

Die Astros besitzen die seltene Fähigkeit, Pitcher besser zu machen als sie anderswo erscheinen mögen. Nehmen wir den vor der Saison aus Pittsburgh geholten Gerrit Cole. Der hatte eine durchwachsene Saison 2017 (4.06 ERA), steigerte sich in Texas aber gewaltig (2.88 ERA). Doch wie kam es dazu?

Wie bei den Pirates warf Cole auch bei den Astros überwiegend Fastballs. Doch im Gegensatz zum Vorjahr (45,8 Prozent) warf Cole dieses Jahr 68,2 Prozent seiner Fastballs in die obere Hälfte der Strikezone. Das Resultat: Gegnerische Schlagleute schwingen nun in 28,3 Prozent der Fälle an seinem Fastball vorbei - 2017 waren es noch 17,7 Prozent.

Houston Astros: Das Geheimnis des Erfolgs - Spin Rate

Warum das so ist? Cole hat eine sehr hohe Spin Rate mit seinem Fastball. Im Schnitt hat sein Fastball 2378 Umdrehungen pro Minute, was bei mindestens 1500 Pitches der drittbeste Wert im Baseball ist. Wirft man einen Fastball mit so hoher Spin Rate hoch in oder oberhalb die Strikezone, wirkt das auf einen Schlagmann, als würde der Ball ansteigen, was ein Fastball aber normalerweise nicht tut. Das geschulte Auge eines Major-League-Hitters schwingt daher meist drunter durch.

Noch besser in diesem Bereich ist Coles Teamkollege Justin Verlander, dessen Fastball 2618 RPM (Rounds per Minute) machen. Nicht zufällig führt er die American League mit 290 Strikeouts an.

Das sind aber "nur" die Starting Pitcher. Auch im Bullpen leisten die Astros scheinbar Wunderdinge. Ende Juli akquirierten sie Relief Pitcher Ryan Pressly vom Kepler-Klub Minnesota Twins. Ein Trade, der relativ wenig Aufmerksamkeit bekam und als reine Kader-Aufstockung angesehen wurde. Warum auch nicht? Der Rechtshänder war bestenfalls Durchschnitt.

ALCS 2018: Red Sox vs. Astros - Starting Pitcher

SpielStarter Red SoxStarter Astros
1Chris Sale (Linkshänder)Justin Verlander (Rechtshänder)
2David Price (L)Gerrit Cole (R)
3TBATBA
4TBATBA

Doch die Analytik-Abteilung der Astros sah vor allem eines: Einen Curveball, der die höchste Spin Rate (3225 RPM) in den Majors (bei mindestens 300 geworfenen Pitches dieser Art) hatte. Studien belegen, dass eine hohe Spin Rate auf Breaking Balls zu mehr Effektivität führt. Und Pressly ist der lebende Beweis dafür.

Die Astros ließen Pressly mehr Curveballs werfen und plötzlich wurde er zu einem der heißesten Pitcher in der Liga. "Sie haben mir verdeutlicht, dass mein Curveball wahrscheinlich einer der besten in der Liga ist, also sollte ich in der Lage sein, ihn auch häufiger zu werfen", sagte Pressly im September gegenüber The Athletic.

Für Houston hat er einen 0.72 ERA mit 34 Strikeouts (3 BB) in 25 Innings. Gegner schlagen gegen ihn .129, was überragend ist aus Pitcher-Sicht.

Houston Astros: Historisch starker Pitching Staff

Generell verfügen die Astros über einen historisch herausragenden Pitching Staff. Ihr 130 ERA+ - sie pitchen demnach 30 Prozent besser als der Ligaschnitt - ist laut Baseball-Reference der sechsthöchste Wert seit 1969. Zudem sind ihre 30,7 Wins above Replacement laut FanGraphs der zweitbeste Wert überhaupt seit 1969.

Die Astros sind also wahrlich der Favorit. Aber so ganz klein machen sollten sich die eigentlich mächtigen Red Sox dann doch nicht! Sie stellen immerhin mit 876 die beste Offense der MLB (Astros: 797 Runs). Sie führen die MLB zudem mit einem .340 weighted On-Base Average (wOBA) an und stellen damit eine große Herausforderung fürs Astros-Pitching dar.

Mehr noch: Die Red Sox sind das zweitbeste Team in der Liga gegen Fastballs und das beste gegen Fastballs, die 95 Meilen pro Stunde schnell fliegen. Die Astros werfen Fastballs im Schnitt mit 94,8 Meilen pro Stunde. Und von den vier voraussichtlichen Startern vertrauen drei hauptsächlich auf "Number 1".

Die ALCS 2018 verspricht ein Giganten-Duell zu werden. Power gegen Power. Die ewig junge Frage, was denn nun Meisterschaften gewinnt, muss einmal mehr beantwortet werden: Pitching oder Hitting?

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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