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MLB - Seattle Mariners: Der steile Aufstieg von Closer Edwin Diaz

Edwin Diaz könnte 2018 den Saves-Saison-Rekord der MLB brechen.
© getty

Die Seattle Mariners haben nur noch geringe Chancen auf den Einzug in die MLB-Playoffs. Doch einen großen Lichtblick gibt es dennoch im Nordwesten: Closer Edwin Diaz, der nach einem schwachen Jahr 2017 nun zur Elite seiner Zunft zählt. Dabei hätte er ursprünglich fast einen anderen Weg eingeschlagen.

Wie entwickelt man einen guten Closer? Weiß ein Pitcher schon von klein auf, dass er eines Tages ganz am Ende des Spiels die Tür für sein Team zuschlagen wird? Ist das überhaupt ein Traum im Kindesalter?

In nicht wenigen Fällen ist es zumindest nicht der Plan einer Organisation, einen bestimmten Pitcher gezielt als Closer zu entwickeln. Der ultimativ Größte überhaupt - der zukünftige Hall-of-Famer Mariano Rivera - jedenfalls hatte eigentlich einen anderen Karriereplan. Er gab sein Debüt einst als Starter, war jedoch mit nur limitiertem Pitch-Arsenal nicht unbedingt erfolgreich. Erst eine Versetzung in den Bullpen machte ihn letztlich zum Superstar.

Im Fall von Edwin Diaz ging man gar nicht so weit. Stattdessen ist überliefert, dass der heutige Closer der Mariners einst einfach als hoch veranlagter Pitcher angesehen wurde, der schon irgendwie seine Rolle finden würde. Zu seinem Repertoire gehörtne schon damals ein richtig harter Fastball und ein "vernichtender" Slider.

Im Winter 2015 schon kam man in der Organisation auf den damals 20-Jährigen zu sprechen. "Das Winter Meeting in diesem Jahr war in Nashville. Und wir hatten eine ungefähr drei Stunden dauernde Diskussion mit Leuten aus Scouting und Spielerentwicklung und sprachen nur über Edwin Diaz", erinnerte sich Mariners-General-Manager Jerry Dipoto in einem Gespräch mit The Athletic. "Was ist er? Ist er ein Starter, ist er ein Reliever? Und wie weit kann er es bringen?"

Eine klare Antwort fanden die Mariners damals jedoch nicht: "Wir dachten dann, da er noch sehr jung war und auf jedem Level überzeugt hatte, dass wir ihn als Starter weitermachen lassen und eine endgültige Entscheidung erst später treffen", fuhr Dipoto fort.

Edwin Diaz: Major-League-Debüt im Juni 2016

Allzu lange dauerte es dann aber doch nicht mehr. Vielmehr beorderten ihn die Mariners bereits im folgenden Juni in die Big Leagues. Dort öffnete der damals noch recht unbekannte Rechtshänder Augen - und Münder - mit einem Fastball, der locker 100 Meilen pro Stunde und mehr erreichte. Der Slider wusste ebenfalls zu beeindrucken. Spätestens dann war eigentlich allen klar: Dieser Junge wird ein Closer.

2018 nun steht er Mitte September bei 54 Saves - selbstredend ein neuer Franchise-Rekord. Der Rekord für Saves in der American League - und MLB - liegt bei 62. Bei noch knapp drei Wochen zu spielen könnte die Bestmarke von Francisco Rodriguez aus dem Jahr 2008 also durchaus noch fallen!

In jedem Fall gewann Diaz mit dieser Zahl aber schon eine Wette mit seinem Manager, der daraufhin einen exklusiven Friseur-Termin hatte.

Edwin Diaz deutlich aggressiver im Bullpen

Der ersten Impuls, Diaz auf den Closer-Pfad zu steuern, kam erst im Spring Training 2016. Bis dahin hatte das Front Office um Dipoto den Pitcher lediglich auf Video gesehen, nie persönlich.

"Als ich ihn zum ersten Mal sah - wie sein Körper sich bewegte, all die 'moving Parts', der Peitschenschlag seines Arms und seine Persönlichkeit - er hatte einfach eine gewisse Elektrizität in sich", schwärmte Dipoto. Zu der Zeit startete auch die Diskussion, ihn in den Bullpen zu versetzen und ihn über das Jahr hinweg zu testen. "Wenn das nicht funktioniert hätte, wäre er 2017 zurück in die Rotation gegangen."

Diaz begann 2016 bei Double-A Jackson als Starter und wurde dann Anfang Mai in den Bullpen geschickt. Dort kam er auf 16 Strikeouts über 11 2/3 Innings. Begründet war dieser Erfolg sicherlich in der mit dem Move einhergehenden Änderung der Einstellung. Als Reliever ist man von Natur aus aggressiver als als Starter, schließlich muss man mit seinen Kräften nicht haushalten und kann den "Tank leeren".

Edwin Diaz: Bester Reliever in der MLB?

Oder wie es Dipoto erklärte: "Sein Topspeed lag in seinem letzten Start bei 91 bis 95 MPH. Als wir ihn das erste Mal in den Bullpen gesteckt hatten, lag sein erster Pitch bei 101 MPH. Und wir dachten: 'Ja, das wollten wir sehen.'"

Laut Statcast liegt Diaz' Durchschnittsgeschwindigkeit in diesem Jahr mit seinem Fastball bei 97,3 MPH, der Slider fliegt mit 89 MPH im Schnitt. Freilich gehört er damit nicht mal zu den absoluten Topleuten der Liga, die noch deutlich härter werfen. Ein Jordan Hicks (Cardinals) etwa wirft alle seine drei Fastball-Varianten (4-Seam, 2-Seam, Sinker) im Schnitt mit über 100 Sachen.

Doch Diaz' Resultate sprechen für sich. Sein 1,39 Fielding Independent Pitching ist der Topwert aller Reliever der MLB, ebenso seine 3,6 Wins above Replacement. Und seine 15,54 Strikeouts pro neun Innings sind immerhin Platz drei in den Big Leagues. In einem schwachen Starter-Jahr sprächen wir bei Diaz sogar über den Cy Young Award - nicht, dass wir ein schwaches Starter-Jahr hätten ...

MLB: Die wichtigsten Zahlen der Karriere von Edwin Diaz

JahrERAFIPSO/9BB/9HR/9
20162.792.0415,332,610,87
20173.274.0212,144,361,36
20181.951.3915,452,080,52

Für Diaz ist es die dritte Saison in den Majors, die zweite volle und mit Abstand die beste. Nachdem er 2016 sein Debüt gab und im Laufe des Jahres zum Closer aufgestiegen war, machte er 2017 einen Schritt zurück. Sein FIP schwoll auf 4.02 an, seine Walks hatten sich verdoppelt. Und: Er gab doppelt so viele Homeruns wie im Vorjahr ab. Gerade daheim lief es mit einem 5.76 ERA katastrophal.

Glaubt man Diaz selbst, lag dies daran, dass er vor heimischer Kulisse zu nervös war und darunter die Kontrolle über seine Pitches litt. Er verlor seine Premium-Rolle kurzzeitig sogar, um in Ruhe an seiner Mechanik zu arbeiten.

Dass Diaz dann jedoch diesen kometenhaften Aufstieg zum derzeit wohl besten Closer in den Big Leagues geschafft hat, ist wohl auch seinem Pitching Coach Mel Stottlemyre Jr. zu verdanken. Dieser vertritt die These, dass Diaz zu Beginn gute Resultate lieferte, aber "nicht immer wusste, wie er das gemacht hatte. Jetzt weiß er es."

Konkret sagt Stottlemyre, dass Diaz anfangs sehr viele Schwünge auf Pitches außerhalb der Strikezone bekam, die vorbei gingen. Doch je mehr die MLB von ihm sah, desto mehr musste Diaz sich anpassen und mehr Pitches in die Strikezone werfen, da Hitter seltener aus der Zone gingen. Diaz versuchte dann krampfhaft früh im Count einen Strike zu werfen - worauf Hitter nur warteten.

MLB: Strikeout-Maschine Edwin Diaz

Mittlerweile jedoch variiert Diaz seine Pitches besser und wirft auch mal bei ausgeglichenen Counts absichtlich Balls, um Hitter aus dem Rhythmus zu bringen. Und er mixt häufiger seinen Slider in solche Counts. Generell aber hat Diaz keine Angst, beide Pitches auch bei zwei Strikes in die Zone zu werfen und attackiert seine Gegner damit unnachgiebig. Bislang 119 Strikeouts in nur 69 1/3 Innings sind das Resultat.

Für Manager Scott Servais liegt der Erfolg Diaz' vor allem in zwei Dingen begründet: "Es ging los im Mai. Dann begann er zu verstehen, dass er manchmal einen Schritt zurück machen und den Moment verlangsamen muss. Und er hat seine zwei, drei Dinge, die er mechanisch beachten muss. Damit kommt er dann in die Strikezone zurück und ist wieder in der Spur, wenn es mal nicht läuft."

Diese Spur hat er seit längerem nicht mehr verlassen.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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