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MLB: Detroit Tigers und die Kunst des Loslassens

Bei den Detroit Tigers läuft dieser Tage wahrlich nicht alles rund.
© getty

Die Detroit Tigers gehören zu den zahlreichen Teams der MLB, die sich gerade im Wiederaufbau befinden. Anders als bei vergleichbaren Projekten scheint hier jedoch die Talsohle noch nicht erreicht. SPOX blickt in die Motor City und beleuchtet den Stand des Rebuilds.

Das Spiel der Detroit Tigers bei den New York Yankees am Sonntag zeigt SPOX im LIVESTREAM FOR FREE (ab 19.05 Uhr).

Die Detroit Tigers befinden sich im Niemandsland der Tabelle. Und der einzige Wettbewerb, der für sie in dieser Saison noch von Relevanz ist, ist der um die bestmögliche Draftposition. Wäre die Saison jetzt vorbei, würden sie an sechster Stelle picken - direkt hinter den Marlins. Schlimmstenfalls - oder bestenfalls? - wäre noch Platz drei drin, sollten die Padres, White Sox und Marlins noch gewisse Siegesserien starten.

Derart trist ist dieser Tage die Situation in Detroit, wo von 2006 bis 2016 die sechstbeste Bilanz im Baseball zuhause war. Seither ist jedoch einiges passiert in der Motor City. Und nicht vieles davon war positiv.

New York Yankees - Detroit Tigers im LIVESTREAM FOR FREE auf SPOX

DatumUhrzeitSpielÜbertragung
Sonntag, 2. September19.05 UhrNew York Yankees - Detroit TigersSPOX / DAZN

Mitte der Saison 2015, also ein Jahr nach ihrem damals vierten Division-Sieg in Serie, tradeten sie Big-Name-Pitcher David Price und Star-Outfielder Yoenis Cespedes für zahlreiche Talente - darunter Michael Fulmer, Matthew Boyd und Daniel Norris - weg. Von Rebuild war jedoch ausdrücklich keine Rede. Der damalige General Manager Dave Dombrowski umschrieb es vielmehr euphemistisch als "Reboot".

Besagter Boot-Prozess blieb jedoch irgendwo hängen, sodass Detroit die Saison auf Platz 5 der AL Central beendete. Dombrowski wurde noch in der Saison entlassen und durch Al Avila ersetzt, der auch heute noch das Zepter schwingt.

Detroit Tigers: Das trügerische Jahr 2016

2016 schien dann wieder alles mehr oder minder im Lot zu sein, Justin Verlander erholte sich von einer verletzungsbedingt schwachen Saison und Fulmer wurde zum Rookie des Jahres gewählt. Am Ende stand Platz zwei der Division, die Playoffs wurden aber verpasst.

Das Gesamtbild sorgte jedoch für Euphorie, dass die Tigers dazu veranlasste, kräftig aufzurüsten. So kamen mit Justin Upton und Jordan Zimmermann gleich zwei Free Agents, die jeweils im neunstelligen Bereich verdienen, nebst weiterer Zukäufe.

Auf der Payroll standen 2017 wie schon 2016 mehr als 200 Millionen Dollar. Sportlich jedoch kam das Team nicht in Tritt. Vielmehr zogen die Verantwortlichen dieses Mal wirklich die Notbremse und trennten sich abermals von Big Names. Upton ging nach Anaheim und Verlander, neben Miguel Cabrera das Gesicht der Franchise, ging nach Houston - und gewann die World Series.

Platz fünf war abermals das Endergebnis. Die große Frage für 2018 war somit, wohin die Reise gehen würde. Noch tiefer in den Rebuild oder doch alles auf erneuten Angriff?

Die Vernunft siegte und man konzentrierte sich darauf, mit jungen Leuten in eine zunächst mal harte Zukunft aufzubrechen. Überblicken sollte all dies Ron Gardenhire, ein erfahrener Mann, der große Erfolge mit den Minnesota Twins gefeiert hatte und nun eine neue Chance bekam.

Detroit Tigers: "So lange wie möglich festgehalten"

Ende Mai sagte Avila gegenüberThe Athletic: "Wir haben so lange wie möglich an unseren Jungs festgehalten. Und dann musst du an einem gewissen Punkt eine Entscheidung treffen und dies taten wir im letzten Jahr."

Die Frage muss jedoch erlaubt sein, ob diese Entscheidung nicht zu spät getroffen wurde. Hätte es die Uptons und Zimmermanns wirklich gebraucht? Wurde zur rechten Zeit die Reißleine gezogen?

Unzweifelhaft ist, dass es nie leicht ist, sich selbst einzugestehen, dass ein Neuaufbau die beste Option ist, weil der Status Quo einfach keinen Erfolg mehr zulässt. Gerade für ein Team, dass es gewohnt ist, viel Geld ins Personal zu stecken, gleicht ein solcher Schritt fast schon einer Bankrotterklärung und will schon deshalb wohl überlegt sein.

Auf dem Transfermarkt hielt sich Detroit 2018 merklich zurück. Der größte Name war somit Pitcher Francisco Liriano, der aus dem Bullpen der Astros zum Starter der Tigers wurde und nun wieder mit seinem ersten Manager in der MLB - Gardenhire - zusammenkam. Ansonsten beschränkte man sich auf eher unbekannte punktuelle Ergänzungen.

MLB: Großer Leistungseinbruch der Tigers im Sommer

Der eingeschlagene Weg trug jedoch bis Sommer durchaus Früchte. Die Tigers spielten solide und blieben dran an den Cleveland Indians - in einer zugegeben schwachen Division. Doch seither ging dem Team allmählich die Puste aus. Ein schwerer Schlag war freilich die Verletzung samt vorzeitigem Saison-Aus von Miguel Cabrera (Bizeps-Riss) Mitte Juni. Später folgten Trades, die Outfielder Leonys Martin und schließlich Pitcher Mike Fiers verschifften.

Und so bleibt von einem eher schwachen Team nur noch ein brachliegendes Gerüst übrig, jedenfalls was die Offensive angeht.

Das Stamm-Lineup der Detroit Tigers 2018

Batting OrderSpielerSchlagarmPositionAlterOPS+ 2018
1Jeimer CandelarioSwitch-HitterThird Baseman2495
2Jose IglesiasRechtsShortstop2890
3Nicholas CastellanosRRight Fielder26126
4Victor MartinezSDesignated Hitter3973
5Jim AdduciLinksFirst Baseman3395
6Niko GoodrumSSecond Baseman2693
7Mikie MahtookRLeft Fielder2869
8James McCannRCatcher2859
9JaCoby JonesRCenter Fielder2666

Lediglich Right Fielder Nicholas Castellanos schlägt im gesamten Team über Ligadurchschnitt. Alle anderen enttäuschten teils auf ganzer Linie. Ausnehmen muss man hier freilich Cabrera, der sich nach dem schwachen Vorjahr wieder deutlich produktiver gezeigt hatte - bis zu seiner schweren Verletzung, versteht sich.

Die Pitching Rotation der Tigers 2018

SpielerWurfarmAlterERA+ 2018
Michael FulmerRechts25103
Francisco LirianoLinks3492
Jordan ZimmermannR32102
Matthew BoydL27109

(Anmerkung: Ein fünfter Starter steht verletzungsbedingt aktuell nicht fest.)

Besser sieht es dagegen im Pitching aus. Hier bewegt sich die Rotation tendenziell knapp über Ligaschnitt, während im Bullpen durchaus ein paar Perlen anzutreffen sind, allen voran All-Star Joe Jimenez (106 ERA+) oder Closer Chane Greene (110 ERA+).

Dabei ist zu beachten, dass gerade Fulmer noch Raum für Verbesserung haben sollte. Er kehrte erst kürzlich von einer Verletzung zurück und zeigte zumindest gute Ansätze. Sein Fastball hatte wieder mehr Biss und die Kontrolle über seine Breaking Balls schien verbessert. Zu spät allerdings, um wirkliches Trade-Interesse am Rechtshänder bis Ende August zu erwecken.

Doch mit einer guten Schlussphase könnte Fulmer seinen Wert wieder aufbauen. Er steht noch bis Ende 2022 unter Teamkontrolle und dürfte dann im Winter sehr attraktiv für zahlreiche Interessenten sein, wenn er denn seine Form wiederfindet. Auf der anderen Seite wird Fulmer aber auch sehr schnell teuer werden, denn als Super-Two-Spieler könnte er viermal durch den Arbitration-Prozess gehen.

Ein Fulmer-Trade könnte den Tigers einen exorbitant hohen Preis einbringen, ein Paket aus zahlreichen Prospects, die das Farmsystem bitter nötig hätte. Stand jetzt verfügt Detroit nämlich nur über fünf Top-100-Prospects - alles Pitcher - und da gehört der 2018er Erstrundenpick Casey Mize sogar schon dazu.

Ein weiterer Trade-Chip ist natürlich Castellanos, der 2019 in sein letztes Jahr unter Teamkontrolle geht. Im Winter dürfte für ihn noch ein guter Preis erzielt werden können. Während der Saison dann schon weniger, denn dann würde er essenziell zum Leihspieler werden und für einen solchen gibt man heutzutage nicht mehr allzu viel in Form von Talenten aus.

MLB Pipeline: Die Top-100-Prospects der Detroit Tigers

RangSpielerAlterPositionSpiellevel
20Casy Mize21PitcherSingle-A Advanced
50Franklin Perez20PitcherDouble-A (7-Day Disabled List)
56Matt Manning20PitcherDouble-A
66Alex Faedo22PitcherDouble-A
91Beau Burrows21PitcherDouble-A

Damit der Rebuild auch nachhaltig Erfolg haben kann, wird es also deutlich mehr Prospects geben müssen. Andernfalls wird es schwierig, die Truppe langfristig auf Top-Niveau zurückzuführen.

Sollte jedoch dieser Umbau auf der Basis guter Nachwuchskräfte funktionieren, dann sind die Kriegskassen prall gefüllt. Abgesehen von Miguel Caberera, der noch bis 2023 unter Vertrag steht und dem noch 184 Millionen Dollar zustehen, und Jordan Zimmermann (74 Mio. bis Ende 2020) steht kein Großverdiener über 2018 hinaus unter Vertrag.

Detroit Tigers 2018 in der Wartestellung

Die Tigers 2018 befinden sich somit in Wartestellung. Sie wissen, dass nach oben nichts mehr geht. Gleichzeitig wissen sie aber auch, dass nach unten noch was möglich ist. In ihrer Situation wären Niederlagen besser als Siege, schließlich bedeutet eine bessere Draftposition auch mehr Pool-Money für internationale Amateurspieler, was eine ebenso wichtige Quelle für Talente wie eben der Draft selbst ist.

Insofern befindet sich Detroit auch in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite will man natürlich die Spiele gewinnen, so gut es eben geht. Auf der anderen jedoch bringen Niederlagen jetzt langfristig mehr.

Rebuilds sind nie einfach, doch gerade die Phase, in der sich Detroit aktuell befindet, ist besonders zäh für alle Beteiligten. Man weiß sicherlich, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist - gleichzeitig lässt sich noch das Licht am Ende des langen Tunnels nicht sehen.

Noch ist das Ende des Prozesses nicht greifbar. Die nächsten Wochen und Monate könnten aber schon entscheidend sein, wie gut und wie schnell der Neuaufbau der Detroit Tigers abgeschlossen wird. Bis dahin brauchen alle Beteiligten vor allem eines: Geduld.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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