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MLB: Martin Brunner im Interview: "... dann würden nicht alle beim Fußball landen"

Mittwoch, 21.03.2018 | 08:23 Uhr
Max Kepler und Donald Lutz (v.l.) sind nur zwei der zahlreichen Talente, die durch die von Martin Brunner gegründete Akademie gegangen sind.
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Martin Brunner, der Coordinator Development Europe der MLB, spricht im Interview mit SPOX über seine Aufgaben in Diensten der Major League Baseball und gibt ein Einblicke in die Talentförderung sowie die Entwicklung von Spielern und dem Sport insgesamt.

Ferner erinnert sich Brunner an die Anfänge der deutschen Major-League-Spieler Max Kepler und Donald Lutz. Zudem erklärt er die Faszination Baseball und bewertet den japanischen Superstar Shohei Ohtani und aktuelle deutsche Talente in den Minor Leagues.

SPOX: Herr Brunner, Ihr Titel bei der MLB ist "Coordinator Development Europe". Was muss man sich darunter vorstellen?

Martin Brunner: Die Major League Baseball will Europa dabei helfen, sich weiterzuentwickeln. Speziell "Development" bezieht sich immer auf die Spielerentwicklung. Wir haben Programme, um Europa mit Know-how zur Seite zu stehen, damit hier eben noch effektivere Programme aufgebaut werden können, um das Umfeld um den Athleten herum zu verbessern. Meine Aufgabe ist es, eben das zu koordinieren.

SPOX: Beschreiben Sie uns mal Ihre generellen Aufgaben.

Brunner: Wir veranstalten zum Beispiel Camps für 15-Jährige unter dem MLB-Logo. Ziel ist es, gerade in der Phase, in der gute Athleten so langsam aus dem Sport wegbrechen, ihnen eine Perspektive zu geben. Ihnen zu zeigen, wie Baseball als Karriere eine Chance bieten kann und dass es sich lohnt und greifbar ist.

SPOX: Das ist aber noch nicht alles, was Sie machen ...

Brunner: Nein. Gleichzeitig arbeiten wir mit den Nationaltrainern und Volunteers aus diversen Ländern zusammen, um auch jene ein wenig unter unsere Fittiche zu nehmen und ihnen neue Inhalte mitzugeben. Wir versuchen, den Fokus auf die Spielerbetrachtung in der richtigen Altersgruppe zu lenken. Das lässt sich in Europa über die größeren Events gut regeln. Im Umfeld der Events bieten wir dann auch Lehrgänge an und versuchen über Gespräche mit den Verbänden, inhaltlich deren Strukturen zu professionalisieren.

Martin Brunner: "Habe die erste Baseball Academy in Europa gegründet"

SPOX: Wie lange machen Sie denn diesen Job schon und wie ist die MLB auf Sie persönlich aufmerksam geworden?

Brunner: Ich mache das jetzt seit fünf Jahren. Ich habe die erste Academy in Europa gegründet und diese hat spielerisch dermaßen für Furore gesorgt, dass sie ein Vorbild für ganz Europa wurde. Durch die gezeigten Leistungen hat man förmlich gemerkt, dass da etwas Positives passiert. Zudem sind Namen wie Donald Lutz und Max Kepler daraus hervorgegangen. Das sorgte für gewisse Aufmerksamkeit. Aber letztendlich ist es so - das ist auch auf gewissem Niveau in jeder Sportart gleich - die Elite kennt sich untereinander. Also ist es auch nicht überraschend gekommen, sondern war eine Entwicklung, dass die MLB auf mich aufmerksam geworden ist und mich angesprochen hat.

SPOX: Sie haben die Akademie in Regensburg angesprochen. Was macht die Legionäre zu solch einer Talentschmiede? Mit Niklas Rimmel werden es nun zwölf Spieler sein, die aus Regensburg den Sprung in die USA geschafft haben.

Brunner: Es gibt mittlerweile sicher auch viele andere gute Akademien in Europa. Die Holländer haben zum Beispiel jetzt fast ihre komplette Junioren-Nationalmannschaft in einer Akademie zusammen. Was Regensburg auszeichnet, ist ein gewisser Know-how-Vorsprung. Hier ist eine ganz tolle Kultur entstanden, in der sich Spieler untereinander gepusht und nicht ablenken lassen haben. Es herrscht eine tolle Teamkultur. Zudem besteht immer ein Austausch nach oben. Die neuen Entwicklungen im Sport kommen sehr schnell in diesem Zentrum an.

Regensburger Talente, die den Sprung in die USA geschafft haben

JahrSpielerPositionMLB-Organisation
2007Rodney GessmannPitcherMinnesota Twins
2008Ludwig GlaserThird BasemanLos Angeles Angels
2008Donald LutzFirst Baseman/OutfielderCincinnati Reds
2008Mike BolsenbroekPitcherPhiladelphia Phillies
2009Jakub SladekFirst BasemanPhiladelphia Phillies
2009Max KeplerOutfielderMinnesota Twins
2012Daniel ThiebenPitcherSeattle Mariners
2014Julsan KamaraOutfielder/CatcherPhiladelphia Phillies
2014Sven SchüllerPitcherLos Angeles Dodgers
2014Maik EhmkeOutfielderArizona Diamondbacks
2016Pascal AmonOutfielderLos Angeles Dodgers
2018Niklas RimmelPitcherMinnesota Twins

SPOX: Wie funktioniert dieser Austausch?

Brunner: Es geht hier vor allem ums Sportfachliche. Mit den neuen Technologien - die Klubs haben stark in Research and Development investiert, vor allem in den USA - hat sich Baseball in den letzten zehn Jahren gigantisch weiterentwickelt. Wenn man dann mit den Klubs eng zusammen- und teilweise auch für sie arbeitet, kriegt man wahnsinnig viel mit. In einem großen Baseball-Land wie den USA dauert es zwar ewig, bis neue Erkenntnisse dann bis ganz unten in der Little League ankommen, aber in Deutschland sieht das anders aus.

SPOX: Inwiefern?

Brunner: Der Talentpool ist kleiner - deutlich kleiner. Das wiederum ist aber auch unsere Stärke, denn so können wertvolle Informationen schneller unten an der Basis ankommen. Durch diese Akademien hat man dann schneller guten Durchlauf. Das ist mit Sicherheit der größte Faktor für den Standort in Regensburg.

SPOX: Inwiefern spielt da das Spieler-Scouting mit rein?

Brunner: Natürlich muss man auch schauen, dass man die Richtigen fördert. Das haben die Regensburger sicherlich gut gemacht. Sie haben Athleten gefunden, für die es sich lohnt, solch einen Aufwand zu betreiben. Aber der Talentpool ist natürlich so dünn, dass jeder, der im Baseball in Deutschland unterwegs ist, schon weiß, wer förderungswürdig ist.

SPOX: Woran merkt man, wer förderungswürdig ist? Schaut man hauptsächlich auf spezielle Daten oder ist dann doch das "Auge" entscheidend?

Brunner: Es ist immer eine Gesamtbetrachtung. Es geht nicht darum, wie gut jemand mit 13 oder 14 ist. Die Frage ist immer: Wie gut ist jemand in zehn Jahren? Wenn jemand schon groß und kräftig ist, hat er biologisch bedingt automatisch einen Vorteil gegenüber den anderen in der Altersklasse. Aber mit 17 haben ihn die anderen dann auch wieder eingeholt. Somit reichen Zahlen wie der Schlagdurchschnitt nicht. Man muss mehr darauf schauen - und das ist sehr subjektiv - welche athletischen Fähigkeiten jemand hat. Wie schätzt man seine körperliche Entwicklung ein? Da braucht es dann schon eine gewisse Erfahrung und ein gutes Auge, um etwa zu erkennen, was jemand schon an sogenannten "Tools" hat. Man schaut zum Beispiel, wie schnell jemand ist. All das schränkt dann den Aufwand letztlich ein.

SPOX: Welche Rolle spielt in dem Zusammenhang die Persönlichkeit eines Spielers?

Brunner: Das ist immer ein Zwiespalt. Wenn wir ein Überangebot an Athleten hätten, wäre es völlig klar, dass nur das mentale, das charakterliche, das "Makeup" eines Spielers entscheidend wäre. Die Frage ist nämlich schon, wie jemand Talent definiert und ob sich der Spieler durchbeißen kann. Hat er das nötige Durchhaltevermögen? Ein großes Maß an Eigenmotivation kann viele körperliche Dinge ausstechen und ist vermutlich sogar das Wichtigste. Aber es ist natürlich auch so, dass, wenn ich es körperlich einfach nicht draufhabe, ich noch so ein korrekter Spieler sein kann, der alles richtigmacht und komme dann trotzdem nicht weit. Es ist also eine Kombination aus beidem ... Aber man unterschätzt gerade bei 13- oder 14-Jährigen in der Akademie, wie viel man sich tatsächlich erarbeiten kann in den Jahren.

SPOX: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Brunner: Donald Lutz ist ein gutes Beispiel. Im Nachhinein kannte ihn jeder, aber am Anfang in der Academy war er nicht besonders interessant. Es hat sich eigentlich keiner gemeldet, der mit ihm sprechen wollte. Aber nach nur einem Jahr hat er gelernt, sich besser zu bewegen. Und da er sich ein paar athletische Dinge erarbeitet hat, die vorher bei ihm noch nicht ersichtlich waren, wurde er auf einmal interessant. Es ist auch einfach das Wichtigste, sich auf dem nächsten Level korrigieren zu können, um erfolgreich zu spielen und sich weiterzuentwickeln. Das hat letztlich den Ausschlag gegeben, dass Klubs auf ihn aufmerksam geworden sind. Donald Lutz hat es sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst erarbeitet, letzten Endes in die Major League zu kommen.

Donald Lutz in der MLB

JahrTeamSpieleHRRBIOPS
2013Cincinnati Reds3418.565
2014Cincinnati Reds2801.477
Gesamt 6219.523

SPOX: Worin liegt letztlich die Schwierigkeit, Talent im Baseball schon in frühem Alter einzuschätzen? Im Fußball oder Football kann man das ja meist schon eher sagen.

Brunner: Ich bin mir nicht sicher, ob das in anderen Sportarten nicht auch schwer ist. Aber speziell im Baseball muss man so viele verschiedene Sachen können. Den Ball treffen, ihn fangen ... Zudem läuft man nicht nur geradeaus, sondern muss sich auch seitlich gut bewegen können. Vielleicht ist auch einer dabei, der wahnsinnig schnell Technik lernt. Und dann ist man auch ein tolles Talent, denn Technik ist schon eine große Komponente im Baseball. Im Gegensatz dazu kann ich den schönsten Schwung haben, treffe aber keinen Ball. Das hilft auch nicht. Es gibt wahnsinnig viele Faktoren, die einen wirklich guten Baseballspieler ausmachen. Da sich aber die kognitiven Eigenschaften in dem Alter nur schwer bewerten lassen, bin ich mir nicht sicher, ob wirklich jemand sagen kann, wie gut ein Spieler ist, wenn er zehn oder elf ist - oder 13 und 14. Ich bin mir nicht sicher, ob unser Auswahlverfahren tatsächlich zuverlässig ist.

SPOX: Wie könnte man es denn verbessern?

Brunner: Grundsätzlich wäre es mir viel lieber, wenn alle Athleten in Deutschland fast alle Sportarten ausüben würden bis sie zehn Jahre alt sind. Dann sollten sie ein, zwei Sportarten rauspicken, die sie richtig ausüben. Und mit 14 entscheiden sie sich dann für die eine Sportart, die sie am allerliebsten betreiben wollen. Dann nämlich würden wir noch viel mehr Weltstars herausbringen als momentan. Und nicht alle würden nur beim Fußball landen.

Seite 1: Martiner Brunners Aufgaben, Förderung von Talenten und das Beispiel Donald Lutz

Seite 2: Deutsche Talente, die Entwicklung von Max Kepler und die Faszination Baseball

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