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MLB - Colorado Rockies: Schnell noch Erfolg - bevor sich das Fenster schließt

Mittwoch, 07.03.2018 | 11:30 Uhr
Charlie Blackmon könnte die Rockies im Winter 2018 verlassen.

Die Colorado Rockies wollen 2018 ihren Vorjahreserfolg mit dem Erreichen der Playoffs bestätigen. Dazu wurde speziell in einem Mannschaftsteil besonders viel Geld in die Hand genommen - aus gutem Grund. Über dem Team hängt zudem ein Damoklesschwert, das die Franchise zur Eile bewegt.

Elf Jahre ist der berühmte "Rocktober" von 2007 nun her. Seinerzeit erreichten die Colorado Rockies, angeführt von Teamlegende Todd Helton sowie den Star-Spielern Matt Holliday in seiner Blütezeit und Troy Tulowitzki am Beginn seiner Karriere, sensationell die World Series. Seither reichte es lediglich noch zweimal für die Playoffs - 2009 (NLDS) und letztes Jahr bis in die Wildcard, die man gegen die Arizona Diamondbacks verlor.

2018 stehen die Rockies nun gewissermaßen vor einer Saison der Wahrheit. Auf der einen Seite haben sie einen jungen Kern an talentierten Spielern, die teils schon im Vorjahr ihr Können unter Beweis stellten und maßgeblichen Anteil am Playoff-Einzug hatten. Auf der anderen Seite jedoch nahen die Abgänge zahlreicher Leistungsträger.

Während All-Star-Third-Baseman Nolan Arenado erst 2020 Free Agent wird, dürfen Center Fielder und NL Batting Champion Charlie Blackmon, Second Baseman DJ LeMahieu sowie Pitcher Adam Ottavino schon nach dieser Saison auf den freien Markt gehen.

Einen LeMahieu könnte man womöglich intern mit Top-Prospect Brendan Rodgers ersetzen, dessen Ankunft schon für dieses Jahr anvisiert wird. Doch an der dritten Base sowie im Outfield oder Bullpen drängen sich keine schnellen internen Lösungen auf. Eile ist also geboten, soll die aktuelle Besetzung noch helfen, vielleicht den ganz großen Wurf zu schaffen. Das berühmte "Window of Opportunity" droht sich langsam zu schließen.

Colorado Rockies: 106 Millionen Dollar für den Bullpen

Entsprechend wurde in diesem Winter gehandelt. Die Rockies erkannten, dass die Positionsspieler eine gewisse Qualität mitbringen, um erfolgreich zu sein. Im Pitching-Bereich jedoch wurden Defizite ausgemacht. Und so nahm man richtig Geld in die Hand und verstärkte den Bullpen nachhaltig - für die garantierte Summe von 106 Millionen Dollar. Für drei Spieler, versteht sich.

Die Gründe für den hohen Preis und die Entscheidung, eben diesen Teil des Kaders aufzustocken, sind vielschichtig. Hauptsächlich hat es damit zu tun, dass die Rotation des Teams im Vorjahr bereits ein sehr gutes Niveau an den Tag gelegt hat und es aufgrund der durchweg jungen Starter keinen Grund gab, hier großartig zu investieren.

Colorado Rockies 2018: Voraussichtliches Starting Lineup

Batting OrderSpielerPositionAlter
1.Charlie BlackmonCenter Fielder31 Jahre
2.DJ LeMahieuSecond Baseman29
3.Nolan ArenadoThird Baseman26
4.Trevor StoryShortstop25
5.Gerardo ParraRight Fielder30
6.Ian DesmondLeft Fielder32
7.Ryan McMahonFirst Baseman23
8.Chris IannettaCatcher34

In Sachen Positionsspielern war ebenfalls schon eine gute Basis gelegt worden. Einzig auf der Catcher-Position wurde nachgebessert: Mit Chris Iannetta kam ein Bekannter aus den guten alten Tagen zurück. Er war bereits von 2006 bis 2011 in Denver zugegen. Seine Aufgabe wird es nun sein, gewissermaßen als Mentor aufzutreten für die jungen Pitcher.

Also richtete sich der Fokus auf den Bullpen, wo letztlich zwar auch schon gute Arbeit geleistet wurde; doch die zu erwartende Leistungssteigerung durch Neuzugänge war hier wohl am größten. Sowohl Wade Davis (Cubs) als auch Bryan Shaw (Indians) kommen von Playoff-Teams und bringen jede Menge Erfahrung mit. Zudem wurde der Vertrag von Linkshänder Jake McGee verlängert, sodass die finalen zwei bis drei Innings wohl an diese drei Herren gehen werden.

MLB: Preise für Relief Pitcher auf konstant hohem Niveau

Davis bekam garantierte drei Jahre für 52 Millionen Dollar. Shaw erhielt drei Jahre und 27 Millionen, McGee ebenso. Und alle drei Verträge haben Optionen für ein jeweiliges weiteres Jahr. Die hohen Preise lassen sich zuvorderst mit einem aktuellen Markttrend erklären, denn wie Jerry Crasnick von ESPN kürzlich bemerkte, haben die MLB-Klubs in diesem Winter für 36 Relief Pitcher 340 Millionen Dollar an garantiertem Gesamtgehalt ausgeschüttet.

Im Vorjahr waren es gar 421 Millionen für 33 Spieler - darunter allerdings Aroldis Chapman, Kenley Jansen und Mark Melancon, die Monsterverträge im Gesamtwert von 228 Millionen Dollar unterschrieben hatten.

Außerdem muss man bedenken, dass gerade bei Pitchern aufseiten der Rockies immer wieder zusätzliche Überzeugungsarbeit erforderlich ist, um diese dazu zu bewegen, ins berüchtigte Coors Field zu wechseln. Die dünne Höhenluft in Denver macht den Heim-Ballpark der Rockies zu einer sehr schwierigen und für Pitcher unfreundlichen Umgebung. Wer hier erfolgreich sein will, muss sich anpassen. Oder besser noch: Groundballs in hoher Frequenz erzwingen.

Das wiederum setzt in der Regel voraus, dass man entsprechende Pitches wirft - Fastballs der Varianten Sinker, Splitter oder 2-Seam-Fastballs, die mit ihrem natürlichen Movement dazu führen, dass Schlagleute den Ball eher auf den Boden schlagen als in die Luft - die dünne Luft, die wenig hilft, um etwaige Homeruns zu verhindern. Folgerichtig warfen die Rockies mit 60,8 Prozent anteilig die drittmeisten Fastballs in der gesamten MLB.

MLB: Topteams werfen weniger Fastballs

Fastballs allerdings sind in letzter Zeit eher aus der Mode gekommen. Zahlreiche Teams setzen vermehrt darauf, Off-Speed-Pitches zu werfen, da diese ganz einfach schwieriger zu schlagen sind. Fastballs sind für Major-League-Hitter in erster Linie eine Frage des richtigen Timings. Kommt Movement wie bei Breaking Balls oder unerwartet langsamere Geschwindigkeit a la Changeup dazu, wird es kompliziert.

Teams wie die Astros, Yankees oder Dodgers warfen im Vorjahr anteilig mit die wenigsten Fastballs in der Liga - zwei dieser Teams erreichten die World Series, eines immerhin die ALCS. Denkwürdig war, wie die Astros Spiel 7 der ALCS gewannen, indem sie ganz am Ende 25 Breaking Balls in Serie warfen und damit die Yankees-Offense aushebelten.

Eine Herangehensweise, die zwar Erfolg verspricht, aber gerade für die Rockies wohl zu viel Risiko bietet. Das Problem mit Breaking Balls ist nämlich, dass Fehler bei solchen meist zu Fly Balls führen. Und im Coors Field werden daraus noch leichter Homeruns als in anderen Ballparks unter normalen Luftdruckverhältnissen.

RangTeamFastball-Quote 2017 (in Prozent)
1.New York Yankees44,9
2.Cleveland Indians48,3
3.Tampa Bay Rays49,2
4.Houston Astros49,6
5.Los Angeles Angels49,9
28.Colorado Rockies60,8
29.San Diego Padres61,3
30.Pittsburgh Pirates62,8

Das wissen auch die Pitcher, die potenziell dazu bereit wären, sich den Rockies anzuschließen. Entsprechend ungern gehen sie dort hin. Schließlich gilt es, den eigenen Marktwert über die Zeit in Colorado hinaus hochzuhalten. Mit aufgeblähten Statistiken ist dies natürlich schwer. Entsprechend hilft dann eben nur mehr Geld als anderswo von den Teams verlangt werden würde.

Wie gravierend sich Coors Field auf Statistiken von Pitchern auswirken kann, zeigt etwa McGee, der bereits seit 2016 in Colorado spielt. Zuhause hatte er 2017 einen 4.73 ERA, auswärts aber einen 2.64 ERA. Heißt: Im Schnitt gab er zuhause fast doppelt so viele Runs ab wie in der Fremde.

Colorado Rockies: Höhenluft in Denver macht Spielern zu schaffen

Dabei wirkt sich die dünne Luft Denvers nicht nur auf die Bälle aus. Auch Spielern, und in diesem Fall Pitchern, macht sie merklich zu schaffen: "Ich habe den Neuen schon gesagt, dass wenn man mehrere Serien am Stück zuhause gespielt hat und ein paar Mal im Einsatz war, man dann gegen Ende etwas müde wird", erklärte etwa McGee, der fortfuhr: "Gegen Juni oder Juli werden deine Beine müde. Es wird einfach passieren und du kannst nichts dagegen tun. Du passt dich einfach daran an. Verschiedene Pitches bewegen sich zuhause anders als auswärts. Wenn du dafür ein Gespür entwickelt hast, macht es die Sache einfacher."

Trotz dieser Unwägbarkeiten entschied sich McGee letztlich zur Vertragsverlängerung in Denver, was ihm großes Lob von General Manager Jeff Bridich einbrachte: "Jake McGee ist ein Beleg dafür, was hier passiert. Er kam per Trade hier her und hatte keine andere Wahl als zu pitchen und herauszufinden, wie das hier geht. Und als er dann eine Wahl hatte, wollte er zurückkommen. Nicht nur das, er wollte auch dabei helfen, seinen Kumpel Wade Davis zu rekrutieren. Ich denke, das sagt sehr viel darüber aus, was hier passiert und über den Glauben, den die Jungs ineinander haben."

Den Glauben in die eigene Stärke wird es speziell im Bullpen auch brauchen, denn - und darüber sind sich die Rockies im Klaren - Relief Pitcher an sich haben die Tendenz, nicht unbedingt ein Musterbeispiel an jahrelanger Konstanz zu sein. "Teams denken, dass manche Bullpens basierend auf der Ungleichmäßigkeit der Karrieren mancher Spieler zur vollen Leistungsfähigkeit kommen können", sagte etwa Rockies-Manager Bud Black. "Es gab Mariano Rivera, Trevor Hoffman und eine Menge anderer Leute, die großartige Karrieren hatten. Aber für viele Reliever wechseln sich großartige und schlechte Jahre ab."

Entsprechend groß ist das Risiko, dass die Rockies eingehen. Das Ziel ist klar: Erfolg. Und zwar möglichst zeitnah, bevor zu viel des aktuellen Kerns droht wegzubrechen.

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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