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MLB: Roberto Clementes beispiellose Karriere bei den Pittsburgh Pirates

Ein Leben für mehr als nur Baseball

Freitag, 18.08.2017 | 13:48 Uhr
Roberto Clemente wurde kurz nach seinem Tod in die Baseball Hall of Fame gewählt
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Astros @ Dodgers (Spiel 1)
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Astros @ Dodgers (Spiel 2)
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Dodgers @ Astros (Spiel 3)
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Dodgers @ Astros (Spiel 4)

Roberto Clemente war ein Outfielder der Pittsburgh Pirates, der nicht nur durch seine sportlichen Leistungen sondern auch seine humanitären Dienste zur Legende wurde. Bis zu seinem tragischen Tod im Jahr 1972 ließ er Taten sprechen und hinterließ damit auf vielen Ebenen bleibenden Eindruck. Heute wäre er 83 Jahre alt geworden. SPOX würdigt eine beeindruckende Karriere. Und einen beeindruckenden Menschen.

"Wann immer du die Gelegenheit hast, einen Unterschied in der Welt zu machen, und sie verstreichen lässt, dann verschwendest du deine Zeit auf dieser Erde." (Roberto Clemente)

Sportstars sind seit jeher für ihre Leistungen auf dem Feld oder ihr extravagantes Auftreten außerhalb dessen bekannt. Nur selten tut sich mal einer hervor, der über das Spiel hinaus bleibenden Eindruck hinterlässt und versucht, aus der Welt einen besseren Ort zu machen. Einer davon war Roberto Clemente Walker, der vielleicht größte lateinamerikanische Spieler in der Geschichte des Baseball.

Clemente war bekannt für seine großartigen Defensivqualitäten und seine Schlagstärke. Er gewann zwölf Gold Glove Awards für den besten Defensivspieler auf seiner Position in Folge. Zudem führte er die National League vier Mal mit dem besten Schlagdurchschnitt an und die Pittsburgh Pirates zu zwei World-Series-Titeln. 1966 wählte man ihn zum MVP der Liga, fünf Jahre später zum World-Series-MVP.

Trotz aller Heldentaten mit Schläger und Handschuh: Clementes Wirken abseits des Diamonds war noch viel beeindruckender. In nahezu jeder Offseason setzte sich der gebürtige Puerto Ricaner für Minderheiten und Menschen in Not ein. Er arbeitete stets an diversen Wohltätigkeitsprojekten und half in Krisengebieten aus.

Seine letzte Hilfeaktion sollte ihm jedoch zum Verhängnis werden.

Roberto Clemente wurde durch Zufall von den Brooklyn Dodgers entdeckt

Clemente wuchs als Sohn eines Vorarbeiters auf einer Zuckerplantage auf und half seinem Vater beim Be- und Entladen von Lastwagen. Doch schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für Baseball, spielte in der High School und später Softball. Dies ebnete ihm den Weg in die puerto-ricanische Amateurliga und später sogar in die Profiliga des Inselstaats.

Auch wenn er dort erst in seiner zweiten Saison zum Starter avancierte, entdeckten ihn zu Beginn der 50er Jahre Scouts der berühmten Brooklyn Dodgers, die ihn dann auch zu einem Minor-League-Vertrag verpflichteten. Im Alter von 20 Jahren ging es zum Nachwuchsteam nach Montreal, wo er allerdings gerade zu Beginn mit dem Klima und der Sprache zu kämpfen hatte. Immerhin ein paar Mitspieler sprachen Spanisch, und so nahmen sie Clemente unter ihre Fittiche. Darunter Chico Fernandez, die spätere Dodgers-Legende Tommy Lasorda und Pitcher Joe Black.

Black war dann auch der Grund, warum Scouts der Pittsburgh Pirates vorstellig wurden. Sie wollten ursprünglich den Pitcher genauer unter die Lupe nehmen, doch stattdessen stach ihnen ein Backup-Outfielder aus Puerto Rico ins Auge: Er spielte zwar nicht, überzeugte aber beim Aufwärmen sowie in der Batting Practice. Clemente hinterließ bleibenden Eindruck und wurde letztlich im folgenden Winter im damals üblichen Rookie-Draft nach Pittsburgh geholt.

Roberto Clemente: World-Series-Erfolge nach holprigem Start

Auf dem Platz wuchsen die Bäume für Clemente nicht gleich in den Himmel. Verletzungen und Anpassungsprobleme hemmten seine Leistung in den ersten Jahren in den Big Leagues. 1960 dann kam er jedoch richtig an. Er wurde erstmals zum All-Star gewählt - eine Ehre, die ihm insgesamt 15 Mal zuteil wurde - und spielte seine bis dahin beste Saison. Die Krönung war der Gewinn der World Series in sieben Spielen gegen die New York Yankees. Clemente gelang in jedem der Spiele mindestens ein Hit.

Damit wurde Clemente zum ersten Spieler aus Lateinamerika und der Karibik, der als Starter die World Series gewann. Die Saison war zugleich der "Startschuss" einer Bilderbuchkarriere mit zahlreichen Bestmarken und Franchise-Rekorden der Pirates.

Das passte auch perfekt zu seiner Vorliebe, lieber Taten statt Worte sprechen zu lassen. Über seine Persönlichkeit sagte er einmal: "Ich bin ein wenig schüchtern, wenn die Fans verrückt werden. Ich bin eine sehr ruhige, schüchterne Person, obwohl ihr Schreiber mir das nicht glauben werdet, da ich manchmal schreie."

Clemente wurde zum absolute Pirates-Superstar und gewann mit dem Team elf Jahre später ein weiteres Mal die World Series. In seinem letzten At-Bat der Regular Season gelang ihm 1972 im Three Rivers Stadium der 3000. Hit seiner Karriere. Er war erst der elfte Spieler in der Geschichte der MLB, der diese Marke erreichte. Anschließend verlor er mit den Pirates in der National League Championship Series gegen die Cincinnati Reds in fünf Spielen.

Pittsburgh Pirates veranstalteten 1970 die "Roberto Clemente Night"

Clemente, der auch im Winter nicht genug vom Baseball kriegen konnte, spielte in seiner Heimat in der Winter League und fungierte dort auch teilweise als Manager seines Teams. Hinzu kam Wohltätigkeitsarbeit. So organisierte er direkt nach einem schweren Erdbeben in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, sofort Notfallflüge, um die Opfer der Katastrophe zu unterstützen.

Bei den Pirates wurde er zur Institution. Als sie das legendäre Forbes Field 1970 verließen und ins Three Rivers Stadium übersiedelten, war es für Clemente ein emotionaler Moment, denn "ich habe mein halbes Leben hier verbracht". Der 27. Juli 1970 wurde zur "Roberto Clemente Night" erklärt, zahlreiche Puerto Ricaner reisten nach Pittsburgh, um ihren Helden zu feiern. Es gab eine Zeremonie zu Ehren des Spielers und eine Schriftrolle mit 300.000 Unterschriften aus Puerto Rico - zudem mehrere tausend Dollar, die auf Wunsch von Clemente an wohltätige Einrichtungen gespendet wurden.

Roberto Clemente: Tragischer Tod an Silvester

Als Berichte aus Nicaragua im Winter 1972 die Runde machten, wonach Hilfsgüter dreier Flüge in ein Erdbebengebiet nicht bei den Opfern angekommen und stattdessen von korrupten Funktionären der Somoza-Regierung abgefangen worden waren, sah Clemente nur einen Ausweg: Er selbst müsse mit nach Nicaragua reisen, da seine Präsenz die Chancen auf eine sichere Lieferung erhöhen würde.

Zusammen mit dem damaligen Montreal-Expos-Pitcher Tom Walker, der zu dieser Zeit in der Winterliga in Puerto Rico spielte, belud er an Silvester das gecharterte Frachtflugzeug vom Typ Douglas DC-7, das für seine Macken bekannt war. Walker wollte Clemente begleiten - doch Walker war zu dieser Zeit Single. Also sagte Clemente ihm, dass er nicht mitfliegen und stattdessen lieber den Neujahrstag genießen solle.

Er selbst brach mit seiner vierköpfigen Crew noch am 31. Dezember auf, doch das mit 4.200 Pfund überladene Flugzeug stürzte kurz nach dem Start aufgrund eines Motorschadens vor der Küste von Isla Verde/Puerto Rico in den Atlantik.

Teile des Rumpfs sowie die Leiche des Piloten wurden Tage später geborgen. Die Leichen von Clemente und den übrigen drei Insassen wurden dagegen nie gefunden.

Pittsburgh Pirates vergeben Roberto Clementes Nummer 21 nicht mehr

An der Beerdigung Clementes, der eine Frau und drei Söhne hinterließ, nahm fast das komplette Team der Pirates teil. Nur einer nicht: Clementes enger Freund, Manny Sanguillen. Der nämlich entschied sich dazu, nach Puerto Rico zu reisen und an der Absturzstelle zu tauchen, um seinen Freund zu finden.

Die Pirates reagierten auf den schrecklichen Verlust und vergaben seine Nummer 21, die Clemente für die 21 Buchstaben in seinem Namen - Roberto Clemente Walker - gewählt hatte, nie mehr.

Auch die restliche Baseballwelt ehrte Clemente mit einer großen Geste und wählte ihn nur wenige Monate nach seinem Tod in die Hall of Fame - die geforderte fünfjährige Warteperiode wurde außer Kraft gesetzt. Er bekam 393 der 420 Stimmen und wurde mit 92,7 Prozent aufgenommen.

Zugleich wurde der seit 1971 vergebene Commissioner's Award für herausragende Spieler, die sich neben dem Sport zusätzlich in der Gesellschaft engagierten in Roberto Clemente Award umbenannt. Er wird auch heute noch vergeben.

Neil Walker kam dank Roberto Clemente auf die Welt

Bleibenden Eindruck hat Roberto Clemente auf vielen Ebenen und in unzähligen Leben hinterlassen. Tom Walker verdankt ihm seines: Hätte sein Freund ihn am Silvesterabend 1972 nicht davon abgehalten, den Flieger nach Nicaragua zu besteigen, wäre auch er zum Opfer des Flugzeugabsturzes geworden.

Clementes Vermächtnis lebt weiter. In den Herzen der Fans, in dem nach ihm benannten Award - und nicht zuletzt in Neil Walker, Toms Sohn: "Ich kann mich glücklich schätzen, dass mein Vater dieses Flugzeug nicht bestiegen hat. Die Erinnerung an Clemente war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens." Neil Walker ist übrigens ebenfalls Baseball-Profi, heute noch aktiv - und spielte selbst einige Jahre für die Pittsburgh Pirates.

"Ich will als Baseballspieler in Erinnerung bleiben, der alles gegeben hat, was er zu geben hatte." (Roberto Clemente)

Dieser Artikel wurde ohne vorherige Ansicht durch die Major League Baseball veröffentlicht.

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