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SPOX in action: Baseball

"Ein Homerun muss so geil sein!"

Von Jan-Hendrik Böhmer
Mittwoch, 17.08.2011 | 16:42 Uhr
Ich hab ihn, ich hab ihn... ich hab ihn nicht! Gone! Homerun!
© Getty
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Mit Kai Gronauer, Max Kepler-Rozycki, Markus Solbach, Jennell Hudson und Donald Lutz sind so viele deutsche Baseball-Talente wie nie in Amerika unter Vertrag. Woher kommt der Trend, wie läuft die Ausbildung in Deutschland? Und was macht den Sport überhaupt aus? Die Antworten bei SPOX in action: beim Baseball.

Baseball? Das ist doch total langweilig! Die stehen da nur drei Stunden lang rum und nie passiert was. Und wenn doch, dann rennt ein dicker Mann einmal im Kreis. Was soll das bringen? Wo bleibt die Action? Und was sind das überhaupt für Regeln? Die versteht doch eh niemand.

Das bekommt man als Baseball-Fan häufiger zu hören. Meine Lieblings-Gegenfragen: Warst Du schon mal im Stadion? Können eine Milliarde Fans lügen? Und: Hast Du es selbst einmal gespielt?

"Äähm", "eigentlich nicht" und "nein" sind dann meist die Antworten, die SPOX-Kollege Florian Regelmann und ich bekommen. Wir lieben US-Sport, wir lieben Baseball. Und: Wir wollen aufklären.

Höchste Zeit also für ein SPOX in action im Ballpark. Bei den Haar Diciples im Münchener Osten. Bundesliga spielt man hier, das Team ist auf Playoff-Kurs. Genau das Richtige für uns, finden wir.

Die volle Ladung Kautabak

Und gleich zu Beginn sind wir von den Socken. Denn wer bei Baseball in Deutschland an vergammelte Hinterhof-Sandplätze denkt, reibt sich verdutzt die Augen. Flutlicht, Tribüne, mehrere Spielfelder und ein Trainingsgelände mit Batting Cage und Pitching Area. Und verdammt viele Spieler.

Einer davon ist Dirk Fries, unser Trainer. Als er uns begrüßt, schiebt er sich erstmal eine ordentliche Ladung Kautabak in die Unterlippe. "Ein paar Klischees stimmen dann halt doch", sagt er - und lacht.

So funktioniert Baseball

Das Video ist zwar von 2009 - aber es ist vermutlich die beste deutschsprachige Einführung.

"Baseball? Das kann ich!"

Wie der Sport denn nach Haar gekommen sei, wollen Regelmann und ich bei unserem Rundgang über das Gelände wissen. "Da gibt es gleich mehrere Legenden", antwortet Fries. Am Ende laufe aber alles darauf hinaus, dass ein paar Jungs 1990 einfach Bock auf Baseball gehabt hätten und deshalb den Verein gründeten. Generell hätten natürlich amerikanische Soldaten das Spiel nach dem Krieg hergebracht. Und so. Doch damit erstmal genug zur Geschichte, schließlich beginnt jetzt das Training.

Und Kollege Regelmann erwischt dabei einen ganz miesen Start. Er stürzt. Gleich bei einem der ersten Aufwärm-Drills. Mitten auf den Hintern. "Blödes Fitness-Zeugs", sagt er, als wir uns durch kurze Sprints und Stretching-Übungen quälen. "Ich bin hier, um Baseball zu spielen." Denn da ist er sich seiner Sache ziemlich sicher. Er sagt: "Baseball? Das kann ich! Meine Tennis- und Golf-Skills werden sich sofort bemerkbar machen. Schläger ist Schläger, verdammt!"

Und dann: vom Ball verhöhnt

Und soll Recht behalten. Allerdings anders, als es ihm lieb ist. Denn als er nach dem Warm-Up den ersten Ball vom Tee prügeln soll, langt er genüsslich daneben. Strike one. Und das, obwohl dieses mit Kork gefüllte Etwas regungslos da liegt. Nächster Versuch. Strike two. Und als wolle er den Kollegen Regelmann verhöhnen, kullert das Sportgerät, immerhin etwas größer als ein gewöhnlicher Tennisball, nach dem dritten Swing-and-Miss auch noch wie in Zeitlupe von der Halterung auf den Boden. Strike out. "Absolut zum Kotzen", entfährt es Regelmann. Ist eben doch kein Golf.

Ganz im Gegenteil. "Du musst deinen Golfschwung dringend loswerden. Sonst wird das nix", sagt Fries. Der 32-Jährige hat zwischen 1993 und 2008 als Pitcher in der Bundesliga und in der deutschen Nationalmannschaft gespielt. Jetzt ist er einer der Diciples-Coaches - unser Coach.

Und er gönnt Regelmann erstmal eine Pause, denn der ist mittlerweile sichtlich frustriert.

Die kurze lange Geschichte des Baseball

Zeit genug, um über die Anfänge des Sports zu sinnieren. Eins zu werden mit dem Ball. Doch woher Baseball stammt, das lässt sich heute leider nicht mehr genau sagen. Einige Experten behaupten, der Ursprung des Spiels läge vermutlich im La Soule - einem traditionellen Ballsport, der bereits im zwölften Jahrhundert in den Dörfern Nordfrankreichs gespielt wurde.

Doch damals war es vor allem eins: nämlich wild. Tote und Verletzte waren keine Seltenheit und feste Regeln nur schwer nachzuvollziehen. Und deshalb gelten mittlerweile britische Volkssportarten wie Stoolball, das im 15. Jahrhundert in Sussex entstand, als erste echte Vorläufer des heutigen Sports.

Einmal nach Amerika importiert, löste das mittlerweile Town Ball genannte Spiel in New York dann einen wahren Hype aus und entwickelte sich dank der Mithilfe von Alexander Cartwright. Der Buchhändler und Feuerwehrmann aus Manhattan brachte die ersten festen Baseball-Regeln samt Spielfeld zu Papier und bestritt mit seinem New York Knickerbocker Base Ball Club am 19. Juni 1846 das erste offizielle Baseball-Spiel der USA (was er mit 1:23 gegen die New York Nine verlor). Der US-Kongress ernannte ihn 1953 sogar offiziell zum Erfinder des modernen Baseballs.

Die Legende, US-General Abner Doubleday hätte das Spiel 1839 in Cooperstown erfunden, gilt hingegen mittlerweile als wiederlegt. Dennoch ist sie ein Symbol. Denn Baseball-Legenden gibt es viele. Zu viele, um wahr sein zu können. Und zu viele, um sie an dieser Stelle erzählen zu können.

Wir sind schließlich hier, um zu spielen.

"So schwer kann das doch nicht sein!"

Und gerne würde ich an dieser Stelle berichten, wie sensationell mein Debüt verlief. Kann ich aber nicht. Denn zwar bin ich nicht durch Tennis und Golf verkorkst - verkörpere bei meinem ersten At-Bat allerdings dennoch eher die Marke Bewegungslegastheniker. Dabei liegt der Ball einfach nur da. Regungslos. "So schwer kann das doch nicht sein!", fluche ich. Selbst die beiden Kinder-Teams, die wenige Meter von uns entfernt trainieren, stellen sich nicht so dämlich an. Kinder! Geschätztes Alter zwischen neun und zwölf! Wir haben uns gerade total blamiert. So kann das nicht weitergehen.

Um uns Mut zu machen, reden wir uns ein, dass der ruhende Ball der Grund für unser Versagen ist. "Völlig unnatürlich", sage ich vermeintlich halblaut. "Gut", antwortet Coach Fries umgehend. "Dann geht es jetzt in den Batting Cage und ich werfe Euch ein paar Bälle zu." Zwei SPOX-Redakteure müssen schlucken - und schleichen in den mit einem grünen Netz verhängten Käfig.

Der Speed einer mittleren Scheißhausfliege

Regelmann trifft wieder nix. Seinem Gesichtsausdruck ist zu entnehmen, dass er den Schläger am liebsten in die Ecke pfeffern würde. Er gibt auf. Vorerst. Verdammter Golf-Schwung.

Deshalb bin ich wieder dran. Der Coach erklärt noch einmal wie es geht. Schläger fest greifen, Beine etwa schulterbreit auseinander und schräg zum Ball ausrichten. Anvisieren und mit einem sauberen Schwung durchziehen. Und tatsächlich: ich treffe. Bääääm! Der Ball knallt gegen die Decke des Käfigs. Der Bann ist gebrochen. Mein Schwung sieht zwar noch immer unfassbar lächerlich aus und meine Hits haben den Speed einer mittleren Scheißhausfliege - aber ich treffe. Immer wieder. Geil.

Das kann Regelmann natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Nach einigen Trockenübungen und etwas, das für mich aussah wie die Beschwörung seines Schlägers, kommt er wieder ans Schlagmal. Und: Auch er trifft. "Ich war zwischendurch richtig enttäuscht von mir", sagt er später erleichtert. "Zum Glück wurde es dann noch besser. Ich konnte mich kaum noch zurückhalten."

Einen Ball fangen? Kinderspiel!

Euphorie macht sich breit. Diese Bundesligamannschaft soll sich schon mal in Acht nehmen. Jetzt, da wir das mit dem Schläger draufhaben, werden wir mal so richtig das Training aufmischen.

Denn: Wie schwer kann es bitte sein, ein paar Bälle aus der Luft zu fangen? Outfield? Das kann doch jeder! Denken wir jedenfalls. Bis der erste potenzielle Flyout mit gefühlten eintausend Stundenkilometern auf mich zu rast. Wie ein Asteroid. Ich renne, ich schaue hoch - mitten in die Sonne. Ich sehe nix mehr und verfehle den Ball um mehrere Meter. In meinem Kopf: der Zonk.

Ein Experiment im Outfield

Kollege Regelmann ergeht es nicht viel besser. Auch er greift mehrfach satt daneben. Seine Erkenntnis: "Ab sofort mache ich nicht mehr gleich jeden Spieler zur Sau, wenn er einen vermeintlich dummen Error begeht." Und auch wir werden von unserem Trainer in Schutz genommen. Das wäre gegen die Sonne ohne die richtige Ausrüstung (heißt in diesem Fall: coole Sonnenbrille) auch nicht ganz so einfach gewesen. Dennoch ist das Experiment Outfield hiermit beendet.

Macht nix. Vielleicht sind wir ja ohnehin die geborenen Basemen? Sieht Coach Fries offenbar genauso und lässt und jetzt mit dem restlichen Team trainieren. Die Aufgabe klingt eigentlich ganz simpel. An der zweiten Base hinstellen, den ankommenden Groundball aufnehmen und so schnell wie möglich zurück zur ersten Base feuern. Wie gesagt: klingt einfach. Ist es aber nicht.

"Das deutsche Baseball ist im Kommen"

So ein Groundball kann nämlich ganz schön hüpfen. Und über den Rasen eiern. Dieses Geschoss dann so in den Handschuh zu schaufeln, dass man ihn in einer flüssigen Bewegung aus dem Glove ziehen, zielen und mit Karacho gezielt in den wartenden Handschuh des Kollegen werfen kann, ist definitiv nichts für schlaksige Goofys wie mich.

Jedenfalls nicht im ersten Anlauf. "Das braucht Übung", sagt Coach Fries. "Jahrelange Übung." Deshalb seien die meisten MLB-Stars auch seit frühester Kindheit dabei.

"So wie unsere Kids hier", sagt Fries und zeigt auf die erstaunlich große Gruppe Kinder, die noch immer nebenan trainiert. Gleich acht Kinder- und Jugend-Teams gibt es hier in Haar. Baseball lebt, auch in Deutschland.

23.000 Spieler sind hierzulande derzeit aktiv - und mit Donald Lutz, Kai Gronauer, Max Kepler-Rozycki, Jennell Hudson und Markus Solbach sind so viele Deutsche in den amerikanischen Minor Leagues aktiv wie nie zuvor.

"Die Ausbildung hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht", erklärt mir Michel Gomez-Krämer, Sportdirektor des Deutschen Baseball und Softballverbandes. "Und das spiegelt sich im gesteigerten Interesse der MLB-Organisationen und Scouts an deutschen Nachwuchsathleten wider." Heißt: Das deutsche Baseball ist im Kommen.

"Swoosh" und "Bumms"

Auch Kollege Regelmann und ich wollen jetzt nochmal ran. Wollen sehen, wo unsere Hits auf dem echten Feld landen. Also stellt sich Coach Fries auf den Pitcher's Mound und feuert los. Das ist schließlich das, was er am besten kann. Vorher sagt er noch: "Das sind nur knapp 60 Prozent meiner normalen Pitch-Power". Trotzdem ziemlich schnell, finde ich. Regelmann auch. Der ist nämlich wieder als erster dran und kassiert gleich mal zwei Strikes in Folge. Swoooosh.

"Es ist echt schwer, guten Kontakt herzustellen und den Ball nicht nur zu treffen, sondern auch einen Hit zu landen", sagt er. " Besonders wenn man sich nicht zurückhalten kann und einfach nach allem schwingt." Das kann ich bestätigen. Das Gefühl, den Ball zu treffen, macht einfach süchtig. Deshalb will man einfach nach allem schlagen, was einem in die Quere kommt. Man will mehr.

"Ich muss das unbedingt wieder machen", sagt Regelmann. "Einen Homerun zu schlagen muss so geil sein!" Einen Homerun schlagen. Das gelingt uns leider nicht mehr, denn das Training ist jetzt nämlich vorbei. Immerhin hauen wir am Ende einige Dinger raus, die vielleicht für einen Run zur ersten Base gereicht hätten. Reden wir uns wenigstens ein - und träumen weiter von der MLB.

Deutsche Spieler mit Chance auf die MLB

Jedenfalls bis zum Verlassen des Trainingsplatzes. Denn zum Abschluss dürfen wir uns noch einmal an die Wurfbahn eines der jungen Pitcher stellen. Und der beschränkt sich nicht auf 60 Prozent. Ganz im Gegenteil. "Der ist noch etwas roh", warnt Fries. "Hat dafür aber ordentlich Bumms." Das merken Regelmann und ich schnell. Ans empfangende Ende seines Wurfs stellen wir uns sicher nicht.

Sehen wir so jemanden bald in der MLB? "Das ist schwer zu sagen", meint Gomez-Krämer. Aber für einige der deutschen Talente sehe es nicht schlecht aus. "Kai Gronauer ist aktuell nur zwei Spielklassen von den Majors entfernt - und die Chancen stehen gut, dass er eines Tages ganz oben spielt."

Auch die anderen Spieler haben diese Chance, wenn sie die Systeme der MLB-Klubs erfolgreich durchlaufen. Nur der Zug für Regelmann und mich ist wohl abgefahren.

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