Moritz Wagner im Finale der March Madness: Mach’s besser als Kareem und Larry, Moe!

Von SPOX
Montag, 02.04.2018 | 16:06 Uhr
Moritz Wagner führte die Michigan Wolverines ins Finale.

Moritz Wagner hat es mit den Michigan Wolverines ins Finale der March Madness geschafft (3.20 Uhr live auf DAZN). Wenn er an seine Gala aus dem Halbfinale anknüpft, könnte er gar als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet werden - doch die Villanova Wildcats sind eine Übermacht. Die Außenseiterrolle gefällt den Wolverines aber.

Da waren es also nur noch zwei.

Die alljährliche March Madness hat ihrem Namen mal wieder alle Ehre gemacht: Brackets wurden schon am ersten Spieltag zerstört, Top Seeds mussten früh die Sachen packen, diverse Rekorde purzelten.

Ein paar wenige Konstanten bot der März-Wahnsinn natürlich auch. Eine davon ist Moritz Wagner, der mit seinen Michigan Wolverines Runde um Runde überstand und der vor allem nach seinem Auftritt im Halbfinale gegen Chicago-Loyola realistische Chancen hat, als "MOP" des Turniers ausgezeichnet zu werden, als "Most Outstanding Player."

24 Punkte und 15 Rebounds hatte Wagner dem Cinderella-Team Chicago-Loyola eingeschenkt, wobei er in den Phasen, in denen sein Team das Comeback nach zweistelligem Rückstand einleitete, besonders on fire war. Er zeigte sein ganzes Offensiv-Repertoire: Er punktete von jenseits der Dreierlinie, aus dem Lowpost oder spektakulär per Putback-Dunk.

Michigan Wolverines: Der Weg ins Finale

Am Ende gewann sein Team mit 69:57 gegen den No.11-Seed, was deutlicher aussieht, als es letztlich war. Vor allem in der ersten Halbzeit hatten Wagner und Co. Probleme, auch, weil der Big Man nicht so oft ins Spiel gebracht worden war, wie es sinnvoll gewesen wäre. Nach dem Comeback-Sieg präsentierte sich der 20-Jährige indes wie ein Medien-Profi: "Ehrlich gesagt, habe ich nur eine Possession nach der anderen gespielt und versucht, meinen Job zu machen."

Zählt man die Regular Season und die Conference-Endspiele mit, so stehen die Wolverines bei 14 Siegen in Folge, ein besseres Momentum gibt es nicht. Allerdings hatten sie bei der Madness einen recht einfachen Turnierbaum: Das auf Position 6 gerankte Houston war der härteste Gegner, gegen den es dann auch einen wilden Gamewinner mit dem Buzzer brauchte, um weiter zu kommen.

Wirklich interessieren tut das niemanden mehr, schließlich kann das Team von Head Coach John Beilein auch nichts dafür, dass sich die Favoriten in der West Region allesamt zu dämlich angestellt haben. Da sie den großen Namen wie North Carolina aus dem Weg gehen konnten, bekamen ihre Spiele bis zum Final Four auch nicht die größte Aufmerksamkeit. "Niemand hat dieses Team beachtet", erklärte Beilein. "Bis wir Michigan State [im Finale des Pac-12 Conference Tournaments] besiegt haben, waren wir nicht einmal national gerankt. Und jetzt? Jetzt spielen wir das Finale!"

Villanova Wildcats im Finale der große Favorit

In diesem ist sein Team allerdings der große Außenseiter. Das in der East Region an Nummer eins gesetzte Villanova fegte bis dato durch das Turnier. Selbst die Kansas Jayhawks - traditionell auch ein Turnier-Favorit - sahen im Halbfinale überhaupt kein Land und ließen sich überrennen. Nach 7 Minuten stand es 4:22.

Die große Stärke der Villanova Wildcats ist der Dreier. Nicht wenige fühlen sich an den Spielstil der Houston Rockets erinnert: Pace-and-Space, frühe Abschlüsse, jeder hat die Lizenz zum Abdrücken. Gegen die Jayhawks pulverisierten sie den vorherigen Rekord von getroffenen Dreiern (13 Stück) in einem Final-Four-Spiel schon nach 21 Minuten, am Ende hatten sie 18 Triples auf dem Konto.

Das "Problem" aus Gegner-Sicht an der Sache: Die Defense ist ebenfalls stark. "Dass wir offensiv talentiert sind, ist offensichtlich", erklärte Guard Jalen Brunson nach dem Coup gegen Kansas. "Wir haben sehr viele Waffen. Wenn wir dann auch noch defensiv zusammenhalten und unseren Mann stehen, macht uns das zu seinem sehr besonderen Team."

Michigan Wolverines: Starke Defense das Mittel zum Erfolg?

Eine starke Defense ist aber auch genau das, worauf sich Michigan traditionell verlassen kann. Das hat viel mit Wagner zu tun, der als mobiler Big nicht nur überdurchschnittliche Ringbeschützer-Fähigkeiten mitbringt, sondern auch die so wichtige Eigenschaft, Pick-and-Rolls switchen und kleinere Guards übernehmen zu können.

Auch Wagners so hochgepriesene Energie und Mentalität werden im Finale gefordert sein. Die Wolverines sind ein sehr aggressives Team, das von Momentum-Changern á la Wagner profitiert und daraus seine defensive Energie generiert. Allerdings: Auch Kansas hat die Guards Villanovas sehr intensiv attackiert, gebracht hat es wenig. Und über eine später eingestreute Zonen-Verteidigung konnten die heiß gelaufenen Wildcats nur gelangweilt lächeln.

Moritz Wagners Leistungen in der March Madness

RundeGegnerMinutenPunkteRebounds
Final Four#11 Loyola-Chicago362415
Elite 8#9 Florida State 58:5425126
Sweet 16#7 Texas A&M 99:7230213
2nd Round#6 Houston 64:6323127
1st Round#14 Montana 61:473256

Das Motto für Michigan könnte nun lauten: "Je mehr Druck der Gegner hat, desto weniger kann er das Tempo kontrollieren." Eine Ganzfeldpresse, die am College nicht so ungewöhnlich wäre wie bei den Profis, wird Beilein sicherlich mal ausprobieren - nur um mal zu gucken, wie der Gegner darauf reagiert. Auch in diesem Fall käme Wagner defensiv eine wichtige Rolle als eine Art Safety zu.

Moritz Wagner auf den Spuren von Larry Bird und Hakeem Olajuwon

Egal wie der Coach sein Team auch einstellt: Laut ESPN waren die Wettquoten in einem NCAA Finale zuletzt 2010 so deutlich wie nun, damals pro Duke gegen Butler. Am Ende wurde es trotzdem eng und die Blue Devils siegten mit bloß zwei Punkten Differenz.

Dem deutschen Wagner, der von Legende Dirk Nowitzki bereits intensiv beäugt wird, wird dieser Fakt aber egal sein. Den Wolverines gefällt die Rolle als Underdog ganz gut: Von neun Spielen, in denen sie als Außenseiter eingestuft wurden, haben sie fünf gewonnen.

Und da wir schon bei Statistiken sind: Eine Statline wie Wagner im Halbfinale war im Final Four zuletzt zwei Menschen gelungen: Larry Bird 1979 für Indiana State und Hakeem Olajuwon 1983 für Houston. "Wow, das ist natürlich cool, mit solchen Leuten genannt zu werden", lautete Wagners Analyse dazu.

Nun hat er sogar die Chance, es besser zu machen als die Hall of Famer: Beide verloren nämlich das anschließende Finale.

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