Elias Harris im Interview

"Die NBA hat mich verrückt gemacht"

Von Interview: Haruka Gruber
Mittwoch, 26.10.2011 | 17:52 Uhr
Elias Harris' Team Gonzaga gehört zum erweiterten Kreis der NCAA-Titelfavoriten
© Getty
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Im ersten Jahr wurde Elias Harris als College-Sensation gefeiert, im zweiten Jahr hingegen lernte er die Schattenseiten kennen. Der deutsche Nationalspieler erlebte die Extreme - und meldet sich zurück als Draft-Kandidat. Sein guter Ruf in den USA ist fast wieder hergestellt. Als Führungsspieler soll der 21-jährige Forward die Gonzaga University in der Mitte November beginnenden Saison ins Final Four führen.

SPOX: Seit Gonzagas Ausscheiden vor sieben Monaten gegen die Brigham Young University in der zweiten Runde der March Madness war von Ihnen nichts mehr zu hören. Die einzige Ausnahme machte nur die Pressemitteilung zu Ihrer EM-Absage. Wie geht es Ihnen?

Elias Harris: Sehr gut. Die ersten sechs Wochen nach dem Aus habe ich zuhause in Deutschland verbracht und den Heimaturlaub genossen. Kurz nach der EM-Absage flog ich in die Staaten und fing wieder langsam an. Erst standen Regeneration und die Arbeit mit dem Physiotherapeuten im Vordergrund, später trainierte ich täglich mit Profis wie Ronny Turiaf, die früher in Gonzaga studiert haben und jeden Sommer für Workouts zurückkehren. Seit Mitte Oktober läuft das reguläre Trainingsprogramm des Teams auf die neue College-Saison - und es fühlt sich super an.

SPOX: In der enttäuschenden Vorsaison litten Sie unter gesundheitlichen Problemen. Was hatten Sie genau?

Harris: Es fing schon vor dem ersten Spiel an. Bei einem Trainingsunfall flog ich über einen Mitspieler und landete auf der Schulter. Ich dachte, die Schmerzen würden schnell verschwinden, aber sie gingen nie weg. Im dritten Spiel gegen San Diego State passierte zusätzlich etwas an der Achillessehne. Genauer: An einer Sehne neben der Achillessehne, deren Namen ich nicht mal kenne und die es laut des Doktors bei einigen Menschen gar nicht gibt. Diese Sehne war gerissen und verheilte nicht richtig.

SPOX: Warum standen Sie trotzdem in 34 der 35 Partien auf dem Court?

Harris: Im Nachhinein wäre eine Pause besser gewesen. Ich war zwischendurch körperlich nur bei 70, 80 Prozent - und das ist für einen Spieler wie mich, der vor allem von der Energie lebt, folgenschwer. Aber ich wollte das Team nicht im Stich lassen. Und zum Ende der Saison näherte ich mich auch wieder den 100 Prozent an.

SPOX: Beim Aus gegen BYU waren Sie mit 18 Punkten und 8 Rebounds bester Mann Ihres Teams. Dennoch bleibt die Kritik, dass nach der sensationellen Premieren-Saison 2009/10 das zweite College-Jahr ein verschenktes war.

Harris: Deswegen habe ich im Sommer die Spiele der letzten zwei Jahre auf DVD angeschaut und gezielt an den Defiziten gearbeitet. Es sprach sich beispielsweise herum, dass ich immer nur links am Gegenspieler vorbeidribble, um zum Korb zu ziehen. Jetzt kann ich es ebenfalls über rechts. Außerdem kommt mein Wurf konstanter und das Ballhandling ist sicherer.

SPOX: Sie verbrachten in der Trainingshalle viel Zeit mit NBA-erfahrenen Alumnis wie Turiaf und Adam Morrison. Was sagen diese Jungs?

Harris: Es waren nicht nur diese beiden. Dazu gehören auch Pistons-Profi Austin Daye oder Jeremy Pargo von Maccabi Tel Aviv. Sie haben meine Entwicklung natürlich verfolgt und mir Mut zugesprochen: Es wäre nicht ungewöhnlich, dass das zweite Jahr häufig schlechter verläuft und dass es im dritten Jahr wieder aufwärts geht. Es tat gut, das zu hören.

SPOX: Im letzten Sommer gaben Sie sich im SPOX-Interview für Ihr erstes Jahr die Note 2. Welche Note bekommt das zweite Jahr?

Harris: Es war definitiv nicht das Jahr, das jeder von mir erwartet hat. Aber zu negativ sollte man es nicht sehen: Meine Statistiken sind nicht so viel schlechter geworden, bei den Freiwürfen habe ich mich sogar deutlich verbessert. Daher gebe ich mir eine 3 bis 4. Ich habe im zweiten Jahr viel mehr über mich selbst gelernt. Wie ich mit Enttäuschungen umgehe. Wie es ist, wenn die Medien wie die Kletten an einem hängen und man sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt.

SPOX: Welche Lehren haben Sie für die Zukunft gezogen?

Harris: Dass ich nicht so schnell an mir zweifeln darf und zur Not die Devise verfolgen muss: Augen zu und durch.

SPOX: Wie sehr lenkten die Diskussionen über einen möglichen Sprung in die NBA vom Wesentlichen ab?

Harris: Es war sehr aufschlussreich. Mein großer Traum ist die NBA, ganz klar. Aber die NBA und das Gerede über den Draft haben mich irgendwann verrückt gemacht. In meinem Kopf lief regelrecht ein Kinofilm ab, wie es denn laufen könnte. Für mich war alles neu und ich habe zu sehr darauf geachtet, wie über mich berichtet wird. Der Fehler wird mir kein zweites Mal mehr passieren. Zukünftig denke ich wieder von Schritt zu Schritt.

Harris über einen Bayern-Wechsel und den Draft: Hier geht's zu Teil II!

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