Freitag, 02.04.2010

March Madness - Final Four: 4 Teams, 4 Schlüsselspieler

Wie der Vater, so der Sohn

Am Samstag stehen die USA wieder still. Dann nämlich steigt das Final Four des NCAA Tournaments im Lucas Oil Stadium in Indianapolis. Von ursprünglich 65 Teams sind noch vier Teams übrig, und die Teilnehmer könnten unterschiedlicher nicht sein.

Keine Frage: Sparty wird Michigan State auch am Samstag gegen Butler kräftig unterstützen
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Keine Frage: Sparty wird Michigan State auch am Samstag gegen Butler kräftig unterstützen

Da wäre zum einen Michigan State: Fast schon ein Dauergast im Final Four, der mit Tom Izzo den vielleicht besten Coach im College-Basketball an der Seitenlinie hat.

Dann natürlich Duke, das Traditionsteam, das aber schon lange nichts mehr gerissen hat. Auch die Blue Devils vertrauen mit Mike Krzyzewski einem Trainerfuchs - und das seit 30 Jahren.

Butler dagegen ist die Cinderella-Story des Turniers. Nur wenige hatten dem Team einen erfolgreichen Run zugetraut, dabei hätte man es besser wissen müssen. Zurückgehend in die Regular Season haben die Bulldogs inzwischen 25 Spiele in Folge gewonnen. Ein Wahnsinnslauf, der im ersten Final Four der Uni-Geschichte möglichst nicht enden soll. Zumal das auch noch direkt vor der Haustür stattfindet: Butlers Campus liegt in Indianapolis.

March Madness pur: Das Final Four live bei ESPN America

West Viriginia ist der letzte verbliebene Kandidat aus der Big East Conference. Der Conference, in der mit Syracuse oder Villanova weitere Topteams spielen und die deshalb als die beste des Landes gilt. Aber im Turnier enttäuschten alle angetretenen Teams - bis auf die Mountaineers. Die sind nicht nur amtierender Big-East-Champion, sondern schalteten auf dem Weg nach Indianapolis auch noch Kentucky aus. Die hochgelobte Truppe von John Calipari, die mit den Freshmen John Wall und DeMarcus Cousins zu den absoluten Topfavoriten auf dem Sieg zählte.

Alle vier Teams spielen ihren eigenen Stil, und alle vier Teams haben ihre eigenen Topspieler. SPOX stellt die vier Akteure vor, auf die man während des Turniers achten sollte.

Durrell Summers (Michigan State Spartans)

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Der unumstrittene Star der Spartans ist eigentlich ein anderer: Kalin Lucas, Spielmacher und Anführer des Teams. Aber Lucas verletzte sich in der zweiten Runde an der Achilllessehne und fällt monatelang aus. Coach Izzo war sofort klar, dass er keinen gleichwertigen Ersatz finden würde, weshalb er sich entschied, die Last auf viele Schultern zu verteilen.

Doch Durrell Summers kommt dabei eine besondere Rolle zu. Erst ist mit klarem Abstand der beste Scorer, der noch zur Verfügung steht. Weil er - im Gegensatz zu Delvon Roe, Raymar Morgan oder Chris Allen - in der Lage ist, sich seinen Wurf selbst zu kreieren. Weil er stark zum Korb zieht und spektakulär abschließen kann. Weil er im Fastbreak nicht zu halten ist.

Summers hat zahlreiche Möglichkeiten, zu Punkten zu kommen, und wenn er diese ausschöpft, dann ist Michigan State meist nur schwer zu schlagen. Während der Regular Season, in der der Junior eigentlich seine Coming-Out-Party hätte feiern sollen, zeigte er noch nicht die erhofften Fortschritte.

Aber im Turnier, als es drauf ankam, war er zur Stelle. In der brutalen Midwest Region hatte Michigan State sicher etwas Glück, dass Teams wie Kansas oder Ohio State schon vorher aus dem Weg geräumt wurden. Dennoch war sie die schwerste von allen - und Summers wurde am Ende zum besten Spieler gewählt. Übrigens: Am Karfreitag feierte er seinen 21. Geburtstag.

Gordon Hayward (Butler Bulldogs)

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In Straßenkleidung sieht er zwar aus wie ein Mathematikstudent. Ups, er ist ja tatsächlich einer! Befindet sich der 20-Jährige jedoch gerade nicht im Unterricht, sondern auf dem Basketballfeld, wird er zum Derwisch. Nicht von ungefähr hat sich sein Spitzname "The Babyfaced Assassin" unter den US-Journalisten inzwischen fest etabliert.

Hayward läuft mit einem Engelsgesicht über den Platz, aber wenn er an den Ball kommt, dann zerlegt er seine Gegner mit einmaligen Skills: Trotz seiner Größe von 2,06 Metern hat er das Ballhandling und die Moves eines Guards, bewegt sich geschmeidig über den Court und schießt aus der Distanz wie ein Europäer.

Zu verdanken hat er seine Fähigkeiten seinem Vater, Gordon senior. Beide Elternteile sind 1,78 Meter groß, und so war der Vater davon ausgegangen, dass auch der Sohn maximal als Point Guard für ein Basketballteam in Frage käme. Er ließ ihn also Dribbling, Distanzwürfe und Pässe trainieren. Diese Fähigkeiten machen Hayward heute zu einer seltenen Spezies: dem spielenden Power Forward. Sein Platz im NBA Draft dürfte dem Sophomore sicher sein.

Bis es soweit ist, muss Hayward allerdings noch ordentlich büffeln - selbst während des Final Four. Der Heimvorteil der Bulldogs ist da Segen und Fluch zugleich. Denn die Spieler wurden doch tatsächlich dazu verdonnert, noch am Tag vor dem Halbfinalspiel gegen die Spartans ihre Unikurse zu besuchen. "Einige unserer Spieler haben freitags fast nichts auf dem Plan, aber ich habe vier Kurse", klagte Hayward unlängst.

Da'Sean Butler (West Virginia Mountaineers)

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Von allen Stars, die in Indianapolis aufschlagen werden, ist Butler wahrscheinlich der am höchsten dekorierte. West Virginia genießt als Team der Big East Conference großes Medieninteresse, und Butler ist unbestritten der beste Spieler des Teams.

Der 2,01-Meter-Mann kann als Shooting Guard oder Small Forward auflaufen, ist für seine Größe enorm stark an den Brettern und ein Clutch-Performer allererster Güte. Nur seinen Heldentaten war es zu verdanken, dass die Mountaineers bei der Big East Championship unmittelbar vor dem NCAA Tournament ins Finale einzogen und dort hauchdünn die Georgetown Hoyas schlugen. Selbstredend wurde der 23-Jährige zum MVP gekürt.

Mit 17,3 Punkten, 6,8 Rebounds und 2,3 Steals gehört er nicht nur zum besten, was die March Madness in diesem Jahr hervorgebracht hat: "Da'Sean ist außerdem ein super Typ", verrät sein Coach Bob Huggins. Während eines West-Virginia-Spiels erlitt ein 74-jähriger weiblicher Fan daheim einen Herzanfall und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Doch die Dame weigerte sich trotz großer Schmerzen, ihren Platz vor dem Fernseher zu verlassen, ehe das Spiel vorbei war. Butler bekam Wind von dieser Geschichte und besuchte die Frau am nächsten Tag. "Sie inspiriert uns alle und zeigt dem Team, wie viel wir den Menschen in West Virginia bedeuten", so Butler anschließend.

Doch selbst wenn Butler seiner Titelsammlung auch noch die NCAA-Meisterschaft hinzufügen sollte: Die NBA-Scouts sind skeptisch. Denn wer die vollen vier Jahre an der Uni verbracht hat, gilt in deren Augen als zu alt, um noch den Sprung zum Superstar schaffen zu können. Deshalb wird Butler wohl frühestens gegen Ende der ersten Draft-Runde gezogen werden.

Nolan Smith (Duke Blue Devils)

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Smith ist von allen Spielern, die in Indianapolis am Start sind, der einzige der schon einen Meisterschaftsring besitzt. Nur leider ist es nicht sein eigener. Die Auszeichnung hat er von seinem Vater Derek geerbt, der 1980 mit den Louisville Cardinals das Turnier - ebenfalls in Indianapolis - gewann, 1996 aber völlig überraschend an einem Herzanfall starb - im Alter von 34 Jahren.

Damals war Nolan gerade einmal acht Jahre alt. Aber trotzdem ist diese Geschichte fest in seinem Gedächtnis verankert. Denn der Tod des Vaters kam während einer Bootsfahrt, die die Familie gemeinsam mit Freunden des Vaters unternahm. Diese Freunde waren allesamt Spieler der Philadelphia 76ers, bei denen Smith zu dieser Zeit spielte. "Die Jungs haben mich auch nach dem Tod meines Vaters zum Training eingeladen und ich durfte bei Heimspielen auf der Ersatzbank sitzen", erinnert sich Nolan. "Das hat mir sehr geholfen in dieser Zeit. Basketball war für mich immer ein Weg, um den Schmerz für einen Moment ausblenden zu können."

Eine besondere Beziehung baute er damals zu Johnny Dawkins auf, der Jahre später als Assistant Coach bei den Blue Devils arbeitete. Als sich Nolan Smith für eine Universität entscheiden musste, spielte er mit dem Gedanken, in die Fußstapfen seines Vaters zu folgen, wählte letztlich aber doch Duke. Dawkins hat die Uni inzwischen wieder verlassen, aber Smith blieb. "Mein Vater hat mir beigebracht, nie aufzugeben", sagt der  21-Jährige.

Das Abschneiden seines Teams in diesem Jahr gibt ihm sicher Recht, und Smith hat schon eine klare Vorstellung davon, wie das Wochenende laufen soll: "Ich werde meinem Vater alle Ehre machen, indem ich einfach alles gebe. Das war seine Spielweise: Er hat gekämpft bis zum Umfallen, seine Mitspieler mit einbezogen und immer seinen Spaß gehabt. So gewinnt man Titel", so Smith.

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Philipp Dornhegge

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