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"Dirk Nowitzki wird zu wenig gewürdigt"

Von Interview: Philipp Dornhegge
Mittwoch, 21.10.2009 | 10:38 Uhr
Geht es nach J.A. Adande, wird Dirk Nowitzki eine weitere All-Star-Saison spielen
© Getty
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Es dauert keine Woche mehr, dann startet die NBA endlich in die neue Saison. SPOX hat im Vorfeld einen Mann zum Interview gebeten, der sich in der besten Basketball-Liga der Welt bestens auskennt: J.A. Adande. Der ESPN-Experte spricht bei SPOX über die Chancen der Dallas Mavericks, seine Bewunderung für Dirk Nowitzki und Kobe Bryants Form. Außerdem verrät er seinen Finals-Tipp und sagt, wer sein absoluter Lieblingsspieler ist.

SPOX: Herr Adande, zunächst einmal die wichtigste Frage für alle deutschen NBA-Fans: Wo landen die Dallas Mavericks am Ende der Saison?

J.A. Adande: Ich würde sagen im Mittelfeld der Western Conference - hinter den Lakers, Spurs, Blazers und Nuggets.

SPOX: Was fehlt denn, um weiter vorne zu landen?

Adande: Dallas hat so viele Forwards, meiner Meinung nach müsste man den Kader ausgeglichener aufbauen. Und Jason Kidd ist zwar immer noch ein guter Point Guard, der sein Team in die Playoffs führen kann. Aber in der Vergangenheit hat er dort im Westen meist keine guten Leistungen gebracht.

SPOX: Wie gut wird Dirk Nowitzki in diesem Jahr sein, nachdem er zum ersten Mal nach langer Zeit wieder einen kompletten Sommer frei hatte?

Adande: Ich erwarte eine weitere All-Star-Saison von Dirk. Aber wichtiger als die Pause ist vielleicht die Tatsache, dass die Geschichte mit Crystal Taylor endgültig vorbei ist. Zu erfahren, dass die Ex-Verlobte, die im Knast sitzt, jetzt doch nicht schwanger ist, stelle ich mir genauso erleichternd vor, wie zehn Kilo zu verlieren.

SPOX: Wie haben Sie seine Leistung in den letztjährigen Playoffs gesehen?

Adande: Im Nachhinein muss man sagen, dass seine Leistung viel zu wenig gewürdigt wird. Wie er seine privaten Probleme einfach ausgeblendet hat, war beeindruckend. Viele haben ja an seiner mentalen Stärke gezweifelt. Aber er hat bewiesen, dass er mit schweren Situationen umgehen kann.

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SPOX: Ich glaube ja, dass die Spurs das Finale erreichen und dort gegen die Boston Celtics spielen werden. Wollen Sie gegen mich wetten?

Adande: Zur Hälfte stimme ich zu: Ich denke auch, dass Boston es schaffen wird. Aber im Westen setzen sich die Lakers durch. Klar, die Spurs haben kräftig aufgerüstet, aber die Lakers mit Ron Artest auch. Und Andrew Bynum scheint immer mehr eine echte Waffe zu werden. Das konnte er nach seiner Knieverletzung in der zweiten Hälfte der letzten Saison noch nicht zeigen, aber jetzt macht er wieder einen sehr guten Eindruck.

SPOX: In Bezug auf den Champion gehen die Meinungen aber auseinander: Die einen sagen, dass Artest die Lakers unschlagbar macht, die anderen glauben, dass er nur für Ärger sorgen wird.

Adande: Für Kobe Bryant ist das sicher eine echte Prüfung. Wenn er es schafft, Artest und dem Rest des Teams seine Willensstärke einzuimpfen, dann können die Lakers es erneut schaffen. Keine Frage, das wird nicht einfach, weil Artests Hirn einfach ganz anders arbeitet als andere. Aber für gewöhnlich färbt die Mentalität von Championship-Teams auf schwierige Charaktere ab - und nicht umgekehrt.

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SPOX: Wie stark ist denn Kobe Bryant noch, nachdem er im Prinzip die letzten zwei Jahre trotz Verletzungen komplett durchgespielt hat?

Adande: Sicher werden seine Zahlen runtergehen, aber das stört ihn überhaupt nicht. Er hat alles bewiesen, ihm geht es nur noch darum, Meisterschaften zu gewinnen. Deshalb hat er kein Problem damit, Bynum oder Artest mehr Verantwortung zu übertragen.

SPOX: Was wissen Sie über seine Form?

Adande: Er hat in diesem Jahr einen Monat Pause gemacht, das ist sehr ungewöhnlich für ihn. Allerdings hat er mir gesagt, er sei so stark wie immer. Aber jetzt, wo er über 30 ist, ist ihm klar, dass er sich seine Kräfte einteilen muss. High-Flying Dunks kann man von ihm nicht mehr erwarten.

SPOX: Welches Team, das im letzten Jahr in den Playoffs stand, fällt in dieser Saison raus?

Adande: Houston ist raus, definitiv. Artest ist weg, Yao Ming ist verletzt, und Tracy McGrady ist noch nicht wieder der Alte. Selbst der Verlust von Von Wafer tut ihnen weh, weil er für Punkte von der Bank gesorgt hat.

SPOX: Und welche Mannschaft rutscht dafür rein?

Adande: Ob Sie es glauben oder nicht, ich tippe auf die Clippers. Der Kader ist tief genug besetzt, und Blake Griffin ist zwar ein Rookie, spielt aber mit so viel Energie - das wird sich auf die gesamte Mannschaft übertragen.

SPOX: Ich hoffe, dass Sie mir als waschechter Kalifornier verraten können, warum die Clippers Mike Dunleavy immer noch nicht gefeuert haben...

Adande: Vielleicht sollten Sie da jemanden aus New York fragen. Die wissen am besten, dass sich alles immer nur um Geld dreht (lacht). Mike Dunleavy verdient fünf Millionen Dollar im Jahr, für einen Sparfuchs wie Clippers-Besitzer Donald Sterling ist das viel zu viel, als dass er es ihm bezahlt, obwohl er gar nicht mehr für das Team arbeitet. Allerdings schüren die diesjährigen Clippers natürlich Erwartungen. Wenn es wieder nichts wird, könnte ich mir vorstellen, dass sogar Sterling irgendwann der Kragen platzt.

SPOX: Apropos Geld: Die Manager sind in letzter Zeit - auch aufgrund der Wirtschaftskrise - immer mehr in den Fokus gerückt. Wer sind die besten Manager der Liga, die Ihre Klubs so aufgestellt haben, dass die Zukunft rosig aussieht?

Adande: Ich bin absolut begeistert, wie Kevin Pritchard seine Blazers zusammengestellt hat. Vor allem im Draft hat er ein gutes Händchen bewiesen. Otis Smith ist ein spezieller Fall. Mit seiner Taktik, in Orlando einen Haufen Dreierschützen um einen dominanten Center zu versammeln, könnte man wohl nicht überall erfolgreich sein. Aber bei den Magic funktioniert es. Außerdem ist es ihm gelungen, neue Spieler zu verpflichten, die den Verlust von Hedo Turkoglu mehr als kompensieren. Großen Respekt habe ich zudem vor Sam Presti, der sehr klug gewirtschaftet hat und jetzt eine talentierte Mannschaft um Kevin Durant zusammen hat. Und trotzdem verfügt er noch über den finanziellen Spielraum, um den Kader weiter zu verstärken.

SPOX: Man braucht natürlich auch immer etwas Glück, zum Beispiel bei der Auswahl der Rookies. Auf wen werden Sie in diesem Jahr besonders schauen?

Adande: Ich erwähnte bereits Blake Griffin.

SPOX: Stopp, der zählt natürlich nicht! Jeder weiß, dass er sehr gut sein wird.

Adande: (lacht) Okay, ansonsten haben mir in der Summer League Jonny Flynn und Tyreke Evans sehr gut gefallen. Wenn man bedenkt, wie klein Flynn ist - dafür spielt er mit umso mehr Herz, und er ist ein besserer Springer, als man denkt. Evans ist dagegen sowohl physisch als auch vom Basketball-IQ für einen Rookie schon sehr weit. Schade, dass er bei den Kings spielt und ihn kaum jemand beachten wird.

SPOX: Mit Gilbert Arenas, Amare Stoudemire, Kevin Garnett und Tracy McGrady feiern außerdem vier gestandene Topspieler ihre Comebacks. Was erwarten Sie von ihnen?

Adande: Arenas scheint seinen Shooting-Touch wieder gefunden zu haben, und er hat sein Passspiel sogar noch verbessert. Von Garnett erwarte ich, dass er wieder ganz der Alte sein wird. Wenn er auf dem Platz ist, kennt er sowieso nur eine Spielweise - und die bedeutet Intensität pur! Stoudemire hat schon bewiesen, dass er von Verletzungen zurückkommen kann. Bei McGrady bin ich da nicht so sicher. Er sagt zwar, dass er hart für sein Comeback arbeitet, aber ob er jemals seine alte Form erreichen wird? Ich weiß es nicht.

SPOX: Ebenfalls unter Beobachtung steht Allen Iverson, der jetzt für Memphis spielt. Fluch oder Segen für die Grizzlies?

Adande: Für Memphis geht es wieder auf direktem Weg in den Tabellenkeller. Aber mit Iverson im Team wird es wenigstens interessant. Kann gut sein, dass ich mir sogar ein paar Spiele der Grizzlies anschauen werde.

SPOX: Aber so schlecht, dass sie Letzter werden, sind die Grizzlies sicher nicht. Wen haben Sie da auf dem Zettel?

Adande: Sacramento, ganz klar. Die armen Kings haben kaum gute Spieler im Team, aber auch keine Chance auf gute Free Agents, weil die Stadt so uninteressant ist. Schade eigentlich, denn wenn die Kings gewinnen, gibt es kaum bessere Fans in der NBA. Für uns Kalifornier hat das aber auch positive Seiten.

SPOX: Ach ja? Welche denn?

Adande: Sacramento ist schließlich unsere Hauptstadt, und solange die Kings schlecht sind, kann sich unsere Regierung wenigstens vernünftig auf ihren Job konzentrieren (lacht).

SPOX: Das klingt fast, als hätten Sie Mitleid. Gibt es Klubs, für die Sie als Sportjournalist besondere Sympathien haben? Sie haben ja schon in Chicago, Washington und Miami gearbeitet...

Adande: Ja, aber nur weil ich über die Bulls, Wizards und Heat berichtet habe, finde ich die Teams noch lange nicht sympathischer als vorher. Klar, man lernt Spieler und Trainer auch als Menschen kennen, und wenn das Team gewinnt, wird es einfacher, mit ihnen zu arbeiten. Aber ich habe nie geweint, wenn Chicago verloren hat. Abgesehen davon sind die meisten Leute, mit denen ich damals zu tun hatte, längst weg. Insofern habe ich nicht das Gefühl, dass mich noch irgendetwas mit diesen Teams verbindet.

SPOX: Aber man kann sich doch trotzdem nicht dagegen wehren, bestimmte Spieler lieber zu mögen als andere. Wer ist derzeit Ihr absoluter Favorit?

Adande: Brandon Roy. Ich ärgere ihn gerne und sage ihm, dass er wie ein alter Mann spielt. Aber wenn ich ehrlich bin, mag ich es sehr, wie er schon in jungen Jahren mit seinen Kräften haushält. Das spricht für große Reife. Außerdem ist er ein echter Crunch-Time-Player, der in den Playoffs noch große Momente haben wird.

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