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NFL

"Ich war noch voller Adrenalin"

Von Philipp Dornhegge
Sebastian Vollmer setzt seine 145 kg ein, um Aaron Maybin den Weg zu Tom Brady zu versperren
© New England Patriots

Sebastian Vollmers Debüt am Montagabend gegen die Buffalo Bills war ein voller Erfolg. New England gewann, der Left Tackle selbst konnte sich immer wieder auszeichnen. Nach vier Jahren an der University of Houston wagte er den Sprung in die NFL, wo er sich nach einem Kurzengagement von Constantin Ritzmann 2005 und der Karriere des deutschstämmigen Tom Nütten als erster "echter" deutscher Vollzeitprofi in der NFL etabliert hat.

Nach seinem Debüt in der NFL reichten Sebastian Vollmer zwei Worte seiner Coaches, um zu wissen, dass der Auftritt gegen die Buffalo Bills ein gelungener war: "Gut gemacht", mehr bekam er nicht zu hören.

Musste der 25-Jährige auch nicht, denn dass er geschätzt wird, war ihm schon klar, nachdem er in der zweiten Runde gedraftet wurde.

Dass er es vielleicht nicht ins Team schaffen könnte, war für Vollmer während der gesamten Vorbereitung nie ein Thema. "Eine Nachricht erhalten ja immer nur die Spieler, die es nicht gepackt haben", erklärt er. "Ich wusste, dass ich alles getan hatte und konnte mir nichts vorwerfen."

Ein gefangener Punt verschafft Vollmer Respekt

Den Respekt seiner Teamkollegen hatte Vollmer spätestens sicher, als er einen freien Abend für das Team herausholte. Wie es in New England Brauch ist, wurde der Rookie nach einer Trainingseinheit auf die Probe gestellt: Er sollte einen Punt fangen. Gelingt ihm dies, gibt es den Abend frei, gelingt es ihm nicht, muss das gesamte Team noch mal richtig ranklotzen.

"Eine schöne Sache, dass ich da gleich mal im Mittelpunkt stand", gibt Vollmer gegenüber SPOX zu und lacht: "Zum Glück habe ich das Ding gefangen."

Vollmer war fortan fester Bestandteil des Teams: "Hier sind alle gleich. Da gibt es kein schwarz oder weiß, deutsch oder amerikanisch, Rookie oder Veteran."

Im ersten Saisonspiel durfte der 2,03-Meter-Mann zwar nicht von Beginn an ran, aber dennoch bekam er reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen: "Ich habe nicht mitgezählt, wie viele Spielzüge es im Endeffekt waren, aber auf jeden Fall eine ganze Menge."

Vollmer muss 500 Spielzüge beherrschen

Und wie war er, der erste Auftritt in der besten Liga der Welt, an der Seite von Quarterback Tom Brady, einem absoluten Superstar? "Am Anfang war ich sehr aufgeregt und total begeistert. Wenn man so ein Spiel noch dreht, dann ist das natürlich ein optimaler Einstand. Ein tolles Gefühl!"

Bradys zwei späte Touchdown-Pässe zum 25:24-Endstand bekam Vollmer zwar nur von der Seitenlinie mit, aber: "Das ist schon okay, kein Problem. Ich weiß, dass ich noch viel lernen muss."

Täglich mehrere Stunden paukt er das Playbook der Patriots, "so 500 bis 600 Spielzüge stehen da bestimmt drin." Hinzu kommen das tägliche Training und regelmäßige Besprechungen. "Ich gehe meist um 5.30 Uhr aus dem Haus, und vor 18 Uhr bin ich nicht zurück. Und dann wird gelernt."

"Tom Brady ist ein super Typ!"

Keine Freizeit also, und nur wenig Schlaf. An den war nach dem ersten Spiel aber ohnehin kaum zu denken. Für mehr als fünf, sechs Stunden habe es nicht gereicht: "Ich war noch so voller Adrenalin, da kann man unmöglich einschlafen."

Viel zu spüren war von dieser Aufregung während des Spiels am Montagabend allerdings nicht: Cool und abgeklärt verrichtete Vollmer seinen Job. Der sieht für ihn als Left Tackle so aus, dass er dem Quarterback den Rücken frei halten und gegen die Angriffe der Defense schützen muss.

Eine Aufgabe, die ein gutes Verhältnis zum Spielmacher voraussetzt. "Tom Brady ist ein super Typ, der ganz offen auf dich zugeht und viel mit dir spricht", zeigt sich Vollmer allerdings begeistert vom Superstar.

Super Bowl derzeit kein Thema bei den Patriots

Brady präsentierte sich nach seiner schweren Verletzung aus dem Vorjahr in beeindruckender Frühform. Mit dem Ehemann von Gisele Bündchen scheint der Super Bowl möglich.

"So weit kann man hier gar nicht denken", wehrt Vollmer allerdings jede Spekulation ab. "In der NFL muss man sich jede Woche so intensiv auf das nächste Spiel vorbereiten. Der Super Bowl ist im Team noch überhaupt kein Thema."

Früher oder später wird es aber sicher dazu kommen. Denn eins ist klar: In einer sportverrückten Stadt wie Boston zählt nur der Erfolg.

Eine Meisterschaft für einen deutschen Footballer in den USA könnte dem in Deutschland oftmals stiefmütterlich behandelten Sport einen neuen Schub verleihen. "Ich würde mich schon freuen, wenn American Football mehr Beachtung finden würde. Die NFL-Profis sind so gute Athleten, die hätten die Aufmerksamkeit absolut verdient."

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