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Tom Nütten über Steve McNair

"Wir haben zu oft solche Fälle"

Von Jan-Hendrik Böhmer / Alexander Marx
Donnerstag, 09.07.2009 | 12:05 Uhr
Vor McNairs Restaurant "Gridiron 9" trauern die Fans um den ehemaligen NFL-Quarterback
© Imago
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Was bereits seit Tagen vermutet wurde, ist nun Gewissheit: Steve McNair ist im Schlaf von seiner Geliebten erschossen worden. Anschließend beging Sahel Kazemi Selbstmord. Das gab die Polizei am Mittwoch bekannt. Bei SPOX zeigt sich der ehemalige deutsche NFL-Profi Tom Nütten von den neuen Entwicklungen geschockt und sucht nach Erklärungen für solche Gewalttaten, die immer wieder Sportler treffen.

"Für mich ist es ersichtlich, dass da etwas nicht stimmt. Wir haben zu oft solche Fälle", sagt Nütten im Interview mit SPOX. Der Deutsche spielte zwischen 1998 und 2005 für die St. Louis Rams und stand McNair im Super Bowl persönlich gegenüber.

Er selbst fühlte sich während seiner Zeit als Spieler zwar gut beschützt, habe aber nach seiner aktiven Zeit immer "mehr von diesen Dingen mitbekommen". "Die NFL versucht zwar, solche Fälle zu verhindern", erklärt er, "aber sie kann eben keine Personen ändern."

Ironie des Schicksals: Wie die Zeitung "The City Paper" aus Nashville erfuhr, hatte McNair nur wenige Wochen vor seinem Tod einen Werbespot für das Tennessee Department of Mental Health gedreht, in dem es um Selbstmord-Prävention ging.

Kazemi: Eifersucht und finanzielle Probleme

Die Untersuchungen im Fall McNair hatten ergeben, dass dessen 20-jährige Geliebte "außer Kontrolle geriet", weil sie vermutete, dass der frühere Quarterback der Tennessee Titans und Baltimore Ravens neben ihr noch eine weitere Affäre hatte. Außerdem hätten sie finanzielle Probleme geplagt, heißt es im Polizeibericht aus Nashville.

"Mein Leben ist ein Haufen Sch..., ich sollte es beenden!", hatte Kazemi offenbar einen Tag vor der Tat zu einem Freund gesagt. "Sie hat in den letzten fünf bis sieben Tagen deutlich zu verstehen gegeben, dass es mit ihrem Leben steil bergab geht", erklärte Polizeichef Ronal Serpas. Dennoch hätte es keine Anzeichen gegeben, dass sie McNair, den sie vor sechs Monaten in einem Restaurant kennengelernt hatte, etwas antun würde.

Erst nachdem sie eine andere Frau aus McNairs Wohnung hatte gehen sehen, soll Kazemi die Waffe für 100 Dollar gekauft haben.

"Ich glaube nicht an das Waffengesetz", sagt Nütten. Im Interview spricht er außerdem über seine Begegnung mit McNair und darüber, warum NFL-Spieler besonders gefährdet sind.

SPOX: Sie haben im Super Bowl selbst gegen Steve McNair gespielt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit ihm und was genau hat McNair ausgemacht?

Tom Nütten: Ich kannte ihn nicht persönlich, fand aber, dass er immer einen guten Eindruck als Gegner machte. Ruhig, stark, schlau, und er traf gute Entscheidungen auf dem Platz. Immer wenn ein ehemaliger Sportler stirbt, ist das etwas komisch, weil man sich als Sportler unsterblich vorkommt.

SPOX: Immer wieder sterben NFL-Stars bei Gewaltverbrechen. Mehr als in anderen US-Sportarten. Warum sind gerade Football-Spieler so gefährdet? Oder täuscht das?

Nütten: Gute Frage, ich habe leider nicht die eine passende Antwort. Vielleicht liegt es an der Menge an Spielern. Wir haben ja über 60 Spieler pro Mannschaft. Vielleicht auch, weil Football in einer gewissen Art und Weise schon ein gewalttätiger Sport ist. Ich persönlich kann mich jedenfalls nicht mit den Gewaltverbrechen identifizieren.

SPOX: Haben Sie während Ihrer aktiven Zeit in den USA selbst gefährliche Situationen erlebt, oder mitbekommen, dass Teamkollegen etwas passiert ist?

Nütten: Nein, es gibt nichts, was ich vor oder nach meiner aktiven Zeit direkt erlebt habe. Ich habe danach allerdings generell mehr von diesen Dingen mitbekommen. Während ich spielte, hatte ich immer das Gefühl, beschützt zu sein.

SPOX: Auch im Fall McNair ist mit dessen Freundin und Mörderin wieder eine Person leicht an eine Waffe gekommen. Wie ist Ihre Meinung zum Waffengesetz in den USA?

Nütten: Ganz klar: Ich habe für Waffen nichts übrig und glaube nicht an das Waffengesetz. Für mich ist es ersichtlich, dass da etwas nicht stimmt, denn zu oft haben wir solche Fälle.

SPOX: Kann die NFL etwas tun, um solche Zwischenfälle wie im Fall McNair zu verhindern? Oder müssen die Spieler selbst noch besser aufpassen? Schließlich ist es für prominente Personen schwierig einzuschätzen, mit wem sie sich einlassen. Siehe auch Dirk Nowitzki.

Nütten: Die NFL versucht sehr, solche Fälle zu verhindern. Aber die NFL kann keine Personen ändern. Die Untersuchung im Fall McNair ist ja noch nicht endgültig beendet, aber es war ja in diesem Fall nicht der Spieler, der gewalttätig war.

Polizei: McNair von Freundin erschossen

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