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Lucca Staiger im Interview

"Ich schaffe es in die NBA"

Von Interview: Haruka Gruber
Samstag, 25.07.2009 | 17:41 Uhr
Staiger wurde von Bundestrainer Bauermann in die Nationalmannschaft berufen
© Getty
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Er spielt am College, er hat massig Talent - und er steht für die Zukunft des deutschen Basketballs. Bereits als 15-Jähriger debütierte Lucca Staiger in der Zweiten Liga, ein Jahr darauf sorgte er mit 11,7 Punkten im Schnitt für Aufsehen. Legendär auch ein C-Jugendspiel, in dem Staiger 102 Zähler gelangen.

Nachdem er mit 16 jedoch einen Knorpelschaden erlitten hatte, wurde es ruhiger um ihn - bis zur vergangenen Saison. Am College von Iowa State etablierte sich Dreierspezialist Staiger in der Starting Five und war mit 8,2 Punkten immerhin drittbester Scorer - dabei musste Staiger als Small Forward auflaufen, obwohl er die Shooting- und Point-Guard-Position bevorzugt.

"Neben seinem sowieso guten Wurf hat sich seine Athletik und Verteidigung deutlich verbessert", sagt Bundestrainer Dirk Bauermann, der Staiger Schritt für Schritt zum neuen Führungsspieler der DBB-Auswahl aufbauen will.

Im Interview spricht der 21-jährige Staiger über die EM, Dirk Nowitzki und ein abschreckendes Beispiel.

SPOX: Sie sind erst 21 Jahre alt und haben noch nie für die A-Nationalmannschaft gespielt - dennoch sieht Bundestrainer Dirk Bauermann in Ihnen einen Leistungsträger für die EM. Kommt es nicht zu früh?

Lucca Staiger: Ich würde es gar nicht so negativ sehen, immerhin hat sich mit der Nominierung mein Traum erfüllt. Dementsprechend entspannt gehe ich in die Vorbereitung und schaue einfach, wie ich mich zurechtfinde. Auf meiner Position haben ja einige aufgehört. Wenn alles gut läuft, kann ich eine wichtige Rolle spielen.

SPOX: Den Rücktritt von Robert Garrett und Pascal Roller haben Sie demnach mit Wohlwollen registriert?

Staiger: Nicht mit Wohlwollen, aber mir ist bewusst, dass ich dieses Jahr vermutlich noch nicht die Chance bekommen hätte, wenn sie noch dabei wären. Was aber nichts daran ändert, dass es für den deutschen Basketball ein herber Rückschlag ist, solch verdiente Spieler zu verlieren. Jetzt heißt es, die Lücke irgendwie zu schließen.

SPOX: Sie bringen als Guard die stattliche Größe von 1,96 Meter mit, können auf drei Positionen spielen und haben einen exzellenten Wurf. Sind Sie nicht der designierte Nachfolger?

Staiger: Ich weiß genau, woran ich noch arbeiten muss und dass ich einen weiten Weg vor mir habe. Aber es mag sein, dass ich ein Paket mitbringe, das nicht so häufig ist in Deutschland.

SPOX: Das sieht Dirk Bauermann offensichtlich ähnlich und hat Sie bereits letztes Jahr eigens an der Iowa State besucht.

Staiger: Eine Riesenehre. Der deutsche Basketball-Bundestrainer setzt sich in den Flieger, kommt nach Ames/Iowa, beobachtet einige Trainingseinheiten und lädt mich zum Essen ein. Wir haben aber weniger über Basketball gesprochen, vielmehr wollten wir ein Gefühl bekommen, wie wir ticken. Wir haben uns vorher noch nie kennengelernt, daher ging es darum, einen Draht aufzubauen.

SPOX: Womöglich muss Bauermann zukünftig nicht mehr so weit reisen, immerhin sollen Sie Angebote von einigen europäischen Spitzenklubs haben.

Staiger: Es gab wohl Anfragen, aber genaueres weiß ich nicht. Nicht mal, wie die Klubs heißen. Das Prozedere ist ja so, dass zunächst Kontakt zum Coachingteam von Iowa State aufgenommen wird und ich erst im Nachhinein höre, dass sich jemand nach mir erkundigt hat. Im Grunde ist das jedoch egal, weil es nicht in Frage kommt, das College abzubrechen.

SPOX: Weil Sie direkt von der Uni in die NBA wollen?

Staiger: Als erstes geht es darum, dass ich meine schulische Ausbildung beende, ich habe noch zwei Jahr College vor mir. Aber danach denke ich schon an den Sprung in die NBA. Ich muss alle Facetten meines Spiels auf ein höheres Niveau heben, dennoch glaube ich daran, dass ich es schaffen kann.

SPOX: Dafür müssen Sie sich mit guten Leistungen für Iowa State anbieten. Wie bewerten Sie die abgelaufene Saison?

Staiger: Es war seltsam. Zu Beginn habe ich wie das gesamte Team richtig gut gespielt, zum Ende hin gingen die Leistungen jedoch in den Keller - leider auch bei mir. Irgendwie habe ich mit weniger Selbstvertrauen gespielt, ohne zu wissen, warum. Vielleicht habe ich meinen Rhythmus verloren und bin in eine Art Rookie-Wand gelaufen, weil ich mein erstes College-Jahr aussetzen musste.

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SPOX: Sie sprechen das Urteil der NCAA an, wonach Sie für die komplette Saison 2007/08 gesperrt wurden.

Staiger: Die NCAA hat mir vorgeworfen, dass ich in Deutschland bereits mit Basketball Geld verdient und damit die College-Statuten verletzt hätte, weil ich für Ehingen schon in der Zweiten Liga aufgelaufen bin und einige meiner Mitspieler Profis waren. Dabei war ich ein unbezahlter Nachwuchsspieler.

SPOX: Wie kam die Sperre dennoch zustande?

Staiger: Ich weiß es noch heute nicht. Bevor ich nach Iowa State gegangen bin, haben wir sehr sorgfältig recherchiert und uns vergewissert, dass meine Einsätze für Ehingen kein Problem sind - zumal vor mir schon etliche Spieler in der Zweiten Liga aktiv waren und problemlos von der NCAA zugelassen wurden. Wahrscheinlich wollten sie nur ein Exempel statuieren.

SPOX: Wie war Ihre Reaktion?

Staiger: Perplex. Schockiert. Ratlos. Zwei Wochen vor meinem ersten College-Spiel wurde ich von der Sperre unterrichtet, und ich wusste nicht, was ich machen soll. Ich, mitten in den USA, ohne die Eltern oder Freunde von zuhause. Aber die Studenten an der Iowa State standen hinter mir und haben für mich eine große Unterschriftenaktion gestartet, wodurch sogar "ESPN" auf meinen Fall aufmerksam wurde. Spätestens da wusste ich, dass ich mich für das richtige College entschieden habe.

SPOX: Die Solidarität Ihrer Kommilitonen ist das eine, dennoch verwundert es, dass ein Jugendlicher freiwillig nach Iowa zieht.

Staiger: Ich habe mir verschiedene Colleges angesehen und am besten hat mir eben Iowa State gefallen. Der Campus liegt in Ames, das vielleicht nur 50.000 Einwohner hat. Aber weil an der Uni über 25.000 Stunden eingetragen sind, ist jeder Zweite in der Stadt zwischen 18 und 24. Dementsprechend entspannt und familiär geht es zu. Und was hätte es mir gebracht, in eine große Stadt zu ziehen? Da gibt es nur gefährliche Versuchungen, wofür ich sowieso keine Zeit habe (lacht).

SPOX: Es scheint, als ob Ihnen die Anonymität des Studentenlebens gefällt.

Staiger: Manchmal werde ich auch in Ames nach einem Autogramm gebeten - aber es stimmt: Es war eine bewusste Entscheidung, in die USA zu gehen, wo ich mich in Ruhe entwickeln kann.

SPOX: Wohingegen Sie in Deutschland womöglich zum nächsten Nowitzki gehypt worden wären, so wie Tim Ohlbrecht oder viele Talente zuvor.

Staiger: Das ist ja der Blödsinn. Schon als Teenager wurde ich mit Nowitzki verglichen, obwohl wir komplett andere Positionen spielen und unser Spielstil nicht im Entferntesten ähnlich ist. Aber so läuft es in Deutschland - und das hat mich etwas abgeschreckt. An Tim sieht man, wie schwer es in der BBL ist, trotz Talents den übertrieben hohen Erwartungen gerecht zu werden und Einsatzzeit zu bekommen.

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