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NBA-Legende Kareem Abdul-Jabbar im Interview

"Ich glaube, LeBron bleibt in Cleveland"

Von Interview: Hansjürgen Mai
Dienstag, 07.07.2009 | 19:16 Uhr
Kareem Abdul-Jabbar konnte in seiner 20-jährigen NBA-Karriere 38.387 Punkte erzielen
© Getty
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Kareem Abdul-Jabbar wurde drei Mal College-Meister und sechs Mal NBA-Champion. Er erzielte mehr Punkte als jeder andere Spieler in der Geschichte der NBA. Er perfektionierte den Hookshot zu einer Waffe mit tödlicher Präzision. SPOX hat den vielleicht besten Center in 63 Jahren NBA zum Interview gebeten.

SPOX: Sie haben unglaubliche 20 Jahre in der NBA gespielt und dabei sechs Meisterschaften gewonnen. Was ist Ihre schönste Erinnerung an diese Zeit?

Kareem Abdul-Jabbar: Der Finalsieg gegen die Boston Celtics 1985. Die Celtics haben uns bis zu diesem Zeitpunkt immer den Arsch versohlt. 1985 war das erste Mal, dass die Lakers im Finale gegen die Celtics gewinnen konnten.

SPOX: Zu jener Zeit waren Sie zusammen mit James Worthy und Magic Johnson als die "Showtime"-Lakers bekannt. Wie war ihre Beziehung zu Magic?

Abdul-Jabbar: Wir haben uns super verstanden. Wenn man mit einem der besten Point Guards zusammenspielt, sieht man dadurch sofort besser aus, und zudem waren wir beide in der Lage, große Erfolge zu feiern. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihm zu spielen.

SPOX: Haben Sie immer noch Kontakt?

Abdul-Jabbar: Keinen engen Kontakt. Nach dem Ende unserer Karrieren haben sich unsere Wege mehr oder weniger getrennt.

SPOX: Ihr Markenzeichen war der Hookshot. Gab es eine Situation oder einen bestimmten Grund dafür, dass Sie diesen Wurf bis zur Perfektion trainiert haben?

Abdul-Jabbar: Ich lernte den Hookshot, als ich in der fünften Klasse war. Ich glaube, die Tatsachte, dass ich mir den Wurf so früh aneignete, war ein entscheidender Grund für meinen späteren Erfolg.

SPOX: Sie haben unter den legendären Trainern John Wooden und Pat Riley gespielt. Wie war es?

Abdul-Jabbar: Man kann die beiden nicht vergleichen. Die vier Jahre am College unter John Wooden waren natürlich deutlich einfacher aber nicht minder erfolgreich. In der NBA, unter Coach Riley, wurde dann viel mehr von einem erwartet. Es werden viel mehr Spiele auf einem viel höheren Niveau gespielt. Es sind einfach härtere Bedingungen.

SPOX: Haben Sie Interesse, später einmal selbst die Position des Head Coaches zu übernehmen? Warum haben Sie bisher noch nicht die Möglichkeit dazu erhalten?

Abdul-Jabbar: Ich weiß nicht, warum ich bisher noch nicht die Chance erhalten habe (lacht). Es ist nicht einfach, Tag für Tag seine normalen Tätigkeiten zu erledigen und gleichzeitig einer Beschäftigung als Trainer nachzugehen. Ich glaube, ein Hauptgrund ist auch, dass ich erst mit Mitte vierzig angefangen habe, als Trainer zu arbeiten. Ich habe meine aktive Karriere erst im Alter von 42 Jahren beendet und weitere fünf Jahre später das erste Mal trainiert. Dies alles hatte natürlich großen Einfluss auf die Entscheidungen der Teams, mir bis jetzt keine Stelle als Head Coach anzubieten.

SPOX: Sie sind im Trainerstab der Los Angeles Lakers und kümmern sich hauptsächlich um "Big Man" Andrew Bynum. Kann er sich zu einem der besten Center der NBA entwickeln?

Abdul-Jabbar: Andrew ist erst 21 Jahre alt. Er steht am Anfang seiner Karriere. Ich bin davon überzeugt, dass noch viel Potential in ihm steckt. Er ist auf einem guten Weg, in der Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Lakers zu sein.

SPOX: Wer ist der derzeit beste "Big Man" in der NBA?

Abdul-Jabbar: Ich würde sagen Tim Duncan. Obwohl er langsam älter wird, ist er immer noch der konstanteste Spieler der Liga. Er liefert Tag für Tag seine Leistung ab.

SPOX: Die L.A. Lakers haben in der vergangenen Saison den 15. Titel in ihrer Geschichte eingefahren. Für Kobe ist es der erste ohne Shaq. Was bedeutet dieser Titel für Kobe Bryant? Ist er jetzt endgültig einer der besten Spieler aller Zeiten?

Abdul-Jabbar: Daran gibt es gar keinen Zweifel. Kobe gehört zu den besten Spielern, die jemals gespielt haben. Er hat diese Saison als Anführer der Lakers einen hervorragenden Job abgeliefert. Die Führungsqualitäten, die er dieses Jahr an den Tag gelegt hat, waren sicherlich neu. Er hat sich auf ein Ziel konzentriert und war in der Lage, die Meisterschaft wieder nach Kalifornien zu holen.

SPOX: Wenn Sie entscheiden müssten, wen würden Sie wählen? Kobe oder LeBron?

Abdul-Jabbar: Kobe und LeBron spielen zwei unterschiedliche Positionen. Es ist schwer, Spieler zu vergleichen, die nicht auf derselben Position spielen. Sie sind beide dominante Spieler, die fast nicht zu verteidigen sind.

SPOX: Was würden Sie an der Stelle von LeBron James machen? Würden Sie in Cleveland bleiben oder auf eine größere Bühne wie New York wechseln?

Abdul-Jabbar: LeBron hat noch ein Jahr Vertrag in Cleveland. Sein Ziel ist es, die Meisterschaft zu gewinnen. Er wird zusammen mit seinem Management versuchen, dieses Ziel so schnell wie möglich zu erreichen. Und deshalb glaube ich, bleibt er in Cleveland.

SPOX: Dirk Nowitzki ist das Aushängeschild des deutschen Basketballs. Was halten Sie von Dirkules? Glauben Sie, dass er in der Lage ist, die Mavericks wieder in ein NBA-Finale zu führen?

Abdul-Jabbar: Nicht ein Spieler allein kann das schaffen, dazu braucht es ein gutes Team. Als Einzelner hat er es geschafft, sich als ein Superstar in der Liga zu etablieren.

SPOX: Kürzlich fand in New York der Draft statt. Was halten Sie vom Nummer-1-Pick Blake Griffin?

Abdul-Jabbar: Ich bin ziemlich sicher, dass Griffin seinen Weg gehen wird. Er hat für zwei Jahre am College von Oklahoma gespielt und ist dadurch gereift, sowohl spielerisch als auch persönlich. Ich glaube, er wird seine Sache gut machen.

SPOX: Wie wird die Zukunft der NBA ausschauen? Sie waren vier Jahre am College und sind erst dann Profi geworden. Heutzutage kommen die Spieler immer öfter direkt von der High School bzw. nach einem Jahr am College.

Abdul-Jabbar: Die NBA hat großes Interesse, die besten Spieler so früh wie möglich in die Liga zu holen. Das ist die Natur des Profisports. In Amerika passierte dies auch früher schon im Baseball und Eishockey. Also sollten wir nicht überrascht sein, dass das jetzt auch in der NBA passiert.

SPOX: Denken Sie nicht, dass das College eine wichtige Phase in der Entwicklung eines Spielers ist?

Abdul-Jabbar: Das College ist eine Erfahrung, die jedem für sein späteres Leben zugute kommt. Wenn wir aber davon sprechen, dass ein Spieler schon in jungen Jahren die Chance bekommt, in der NBA zu spielen und Millionen von Dollar verdienen kann, ist dass ein Angebot, das nur schwer abzulehnen ist.

SPOX: Das letzte Buch, das Sie veröffentlicht haben, trägt den Titel "On the Shoulder of Giants". Sie beschreiben darin die Geschichte der Harlem Renaissance und der Jazz Musik. Wie wichtig ist Jazz-Musik für Sie? Und können Sie mir ein bisschen was über die Zeit der Harlem Renaissance erzählen?

Abdul-Jabbar: Jazz ist extrem wichtig für mich. Es ist meine Lieblingsmusik und ich höre sie leidenschaftlich gerne. Ich glaube, die Harlem Renaissance ist ein entscheidender Zeitabschnitt in der Geschichte des schwarzen Amerikas. Während dieser Zeit hatten schwarze Amerikaner die Gelegenheit zu zeigen, dass sie nicht nur Farmarbeiter waren. Sondern gebildete Menschen, die am täglichen Leben teilhaben möchten.

SPOX: Im vergangenen Jahr haben Sie Präsident Obama bei seinem Wahlkampf unterstützt. Kennen Sie den Präsidenten persönlich? Wie wichtig war die Wahl für die USA und den Rest der Welt?

Abdul-Jabbar: Ja, ich habe Präsident Obama schon mehrmals getroffen. Er ist derselbe, der er auch in der Öffentlichkeit ist. Er ist ein sehr direkter und ehrlicher Mensch. Dass er in der Lage war, die Wahl zu gewinnen, war von großer Bedeutung. Die Menschen haben immer gedacht, es wäre unmöglich, dass ein Schwarzer die Präsidentschaftswahlen für sich entscheidet. Doch Obama hat allen das Gegenteil bewiesen.

SPOX: Sie haben sich des Öfteren schon als Schauspieler versucht. Meine Lieblingsszene ist aus dem "Prinz von Bel-Air", in der Sie mit einem Golfball eine Scheibe zerstören. Erinnern Sie sich daran?

Abdul-Jabbar: Natürlich erinnere ich mich daran, das war ein riesen Spaß. Doch erst wenn man die Schauspielerei einmal selber ausprobiert hat, weiß man, wie viel Arbeit das ist. Von außen betrachtet sieht das immer so einfach aus.

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