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Nowitzki denkt an Abschied

Von Aufgezeichnet von Haruka Gruber
Mittwoch, 24.06.2009 | 08:46 Uhr
Kann trotz privater Probleme wieder lachen: Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks
© Getty
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Von wegen Lebenskrise: Ein überraschend gutgelaunter Dirk Nowitzki trat am Dienstag erstmals seit der Verhaftung seiner damaligen Verlobten vor die deutsche Öffentlichkeit.

In der Firmenzentrale der ING-DiBa, Sponsor von Nowitzki und des Deutschen Basketball Bundes, in Frankfurt am Main sprach der 31-Jährige über Crystal Taylor, die EM, einen möglichen Shaq-Trade - und seine ungewisse Zukunft in Dallas.

Frage: Wegen der Verhaftung Ihrer Verlobten ist in den letzten Tagen ein erstaunliches Zitat von Mavericks-Besitzer Mark Cuban beinahe unter den Tisch gefallen. Er verriet, dass Dallas vor zwei Jahren mit den Lakers verhandelt hat und kurz davor stand, Sie für Kobe Bryant einzutauschen. Ihre Reaktion?

Dirk Nowitzki: Vom Klub hieß es immer, dass ein Trade von mir nie in Frage kommen würde, aber in der NBA kann es sehr schnell gehen. Steve Nash oder Michael Finley waren von einem auf den nächsten Tag ja auch plötzlich weg. In unserem Job gehört es zum Risiko. Man darf es nicht persönlich sehen - zumal ich den Trade durchgezogen hätte, wenn ich Mark gewesen wäre (lacht). Kobe Bryant ist einer der besten Spieler der Welt und hat es in dieser Saison mit seiner vierten Meisterschaft eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Frage: Sie hingegen waren noch kein einziges Mal Champion. Ist jetzt der Zeitpunkt zum Wechsel gekommen?

Nowitzki: Es ist nicht so leicht zu sagen, dass man weg will. Ich habe mich in Dallas sehr gut eingelebt und werde von den Leuten unterstützt. Ich will mit dem Gewinn der Meisterschaft etwas zurückgeben. Mit Dallas den Titel zu holen, wäre für mich deswegen bedeutender als mit einem anderen Team. Daher schaue ich mir erst einmal an, wie die nächste Saison läuft, und entscheide dann, ob ich aus meinem Vertrag mit den Mavs aussteige oder nicht.

Frage: Sie machen Ihren Verbleib vom Erfolg in der nächsten Saison abhängig?

Nowitzki: Ja. Es wird ein wichtiges Jahr, nicht nur für das Team, sondern auch für mich. Wir haben seit Jahren die Meisterschaft als Ziel ausgegeben. Wenn man dann aber nur einmal im Finale steht und sonst auf dem achten Platz im Westen herumdümpelt, ist das zu wenig. Im Moment konzentriere ich mich auf meinen Vertrag, aber im nächsten Sommer ist alles offen.

Frage: Erwarten Sie wirklich, mit Dallas um den Titel mitspielen zu können?

Nowitzki: Ich glaube nach wie vor, dass wir es schaffen können - wenn wir neue Spieler bekommen. Es ist kein Geheimnis, dass wir uns verstärken müssen. Am Ende der Regular Season, als wir unseren besten Basketball gespielt haben, war zu sehen, was möglich ist, wenn alle einigermaßen fit sind. Aber wir müssen breiter aufgestellt sein, um Verletzungen wie die von Josh Howard zu kompensieren.

Frage: Wo müssen sich die Mavs verstärken?

Nowitzki: Als allererstes ist es wichtig, dass Jason Kidd bleibt. Er war der Kopf der Schlange und hat eine sehr gute Saison gespielt. Wenn wir ihn verlieren, stehen wir nur mit J.J. Barea als erstem Aufbau da. Ansonsten können wir überall Verstärkungen gebrauchen. Auf dem Flügeln wäre mehr Athletik nicht schlecht, damit Kidd ins Laufen kommt und einen Abnehmer für seine Alley-oop-Pässe hat. Wir hätten auch Verwendung für einen guten Schützen von außen und einen Center. Ich hoffe, dass wir mit unserem 22. Pick beim Draft jemanden finden, der uns sofort weiterhilft und nicht zwei Jahre zur Eingewöhnung braucht.

Frage: Als Neuzugang wird immer wieder Cubans Twitter-Freund Shaquille O'Neal gehandelt.

Nowitzki: Shaq ist einer der dominantesten Center, den die NBA je gesehen hat. Es war ein Traum von mir, irgendwann mit ihm zu spielen. Gleichzeitig muss man aber auch sehen, dass er mittlerweile 37 Jahre alt ist. Er hat in Phoenix zwar noch eine super Saison gespielt, aber man sollte sich genau überlegen, ob es der richtige Move ist, um den Klub in die richtige Richtung zu lenken.

Frage: Sie selbst wurden am Freitag immerhin 31 Jahre alt. Ein Grund, um in der Nationalmannschaft kürzer zu treten?

Nowitzki: Mein Ziel ist es immer gewesen, mit Deutschland einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Ich dachte, wenn ich das erreiche, wäre meine internationale Karriere vorbei. Peking war aber eine solch tolle Erfahrung, dass es noch immer in mir kribbelt. Bei den nächsten Olympischen Spielen 2012 würde ich 34 Jahre alt sein. Ein sehr gutes Basketball-Alter.

Frage: Bei der EM im September kann man sich für die EM 2011 qualifizieren, wo die Olympia-Tickets vergeben werden...

Nowitzki: Ich könnte mir schon vorstellen, dass es bis September wieder kribbelt. Die Frage ist nur, wie wir das Mark erklären. Bisher haben wir immer damit argumentiert, dass ich einmal in meiner Karriere bei den Olympischen Spielen dabei sein will. Jetzt fällt dieses Argument natürlich weg. Dennoch glaube ich, dass man mit ihm reden kann und dass ein Nein nicht endgültig ist.

Frage: Was Clippers-Center und Nationalmannschaftskollege Chris Kaman erfreuen würde. Immerhin macht er seine EM-Teilnahme von Ihrer Zusage abhängig.

Nowitzki: Chris ist heiß auf die EM. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass es bei den Clippers so zugeht, wie man sich im negativen Sinne die NBA vorstellt. In der Kabine sitzen nur Profis, und jeder geht seinen eigenen Weg. Die Nationalmannschaft hingegen erinnert ihn an das College, weil wir alles zusammen unternehmen. Das Essen, das Training, die Freizeit. Letzten Sommer hat es ihm bei uns super gefallen. Deswegen fragte er mich in jeder SMS, die wir uns während der NBA-Saison geschickt haben: "Und, spielst du im Sommer?" Wenn alles gut läuft, werden wir Chris dauerhaft für uns gewinnen können.

Frage: Aus Ihren Ausführungen kann man heraushören, dass die Bereitschaft steigt, bei der EM dabei zu sein. Stimmt das?

(Nowitzki nickt mehrmals, ohne etwas zu sagen)

Frage: Heißt das Nicken ja?

Nowitzki: Ich sage es mal so: Eigentlich hatte ich im Sommer andere Pläne, aber das kam über Nacht ja anders. Deswegen bin ich eh in Deutschland und werde bald das Training mit Holger Geschwindner wiederaufnehmen.

Frage: Mit "andere Pläne" sprechen Sie die angedachte Hochzeit mit der mittlerweile inhaftierten Crystal Taylor an, die für den Juli angedacht war?

Nowitzki: Einen Termin hatten wir noch nicht, weil ich die Saison zu Ende bringen wollte und ich mich erst danach auf die Hochzeit konzentrieren wollte. Aber dann kam es ja alles anders.

Frage: Das FBI verhaftete Taylor unter anderem wegen Betrugsverdachts in Ihrem Haus in Dallas. Wie konnte es soweit kommen?

Nowitzki: Ich war naiv. Das ist das einzige, was ich mir vorwerfen lassen kann. Wir haben uns vor einigen Jahren durch einen zufälligen Anruf kennengelernt und hielten Kontakt. Sie hat sich damals mit dem Namen Christian Trevino vorstellt und ich habe gleich einen Hintergrundcheck für diesen Namen veranlasst. Nachdem der Sicherheitsexperte grünes Licht gab, habe ich mich nicht mehr darum gekümmert. Ich wusste damals nicht, dass sie eigentlich ganz anders heißt und mehrere Namen benutzt hat.

Frage: Was passierte dann?

Nowitzki: Es hat sich zunächst eine Freundschaft entwickelt. Drei Jahre haben wir nur Mails und SMS geschrieben, mal häufiger, mal seltener. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, als wir uns dazu entschlossen haben, es miteinander zu versuchen. Ob da mehr ist als Freundschaft. Es lief auch sehr gut und am 31. Dezember 2008 haben wir uns verlobt.

Frage: Wie ist Crystal Taylor aufgeflogen?

Nowitzki: Jeder in meiner Position weiß, dass man einen Ehevertrag machen sollte. Die Rechtsanwälte, die ich damit beauftragt habe, durchleuchteten daraufhin - ohne mein Wissen - das Leben von Christian Trevino und Stück für Stück kam die Wahrheit ans Licht.

Frage: Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie davon erfahren haben?

Nowitzki: Man lebt zusammen mit einer Person, die man lieb gewonnen hat, und glaubt sie zu kennen - und dann kommt so etwas heraus. Ich kann im Nachhinein gar nicht mehr beschreiben, was mir alles durch den Kopf geschossen ist. Außer ein Gedanke: Sie soll sofort aus meinem Haus raus.

Frage: Das Kapitel "Crystal Taylor" ist jedoch nicht beendet, wenn sich herausstellen sollte, dass sie wirklich von Ihnen ein Kind erwartet.

Nowitzki: Ich muss Verantwortung übernehmen, deswegen habe ich vorzeitig das alleinige Sorgerecht beantragt. Erstmal müssen wir aber abwarten, was in den nächsten Wochen alles passiert. Ob sie überhaupt schwanger ist. Und wenn ja, ob es mein Kind ist. Mehr will ich aber nicht dazu sagen, weil es ein laufendes Verfahren ist.

Frage: Trotz des privaten Tiefschlags wirken Sie überraschend gelöst und gut gelaunt. Ist das der Hollywood-Schauspieler in Ihnen oder geht es Ihnen wirklich wieder besser?

Nowitzki: Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Schauspieler bin. Es stimmt: Mir geht wieder sehr, sehr gut.

Frage: Wie haben Sie die Geschehnisse verarbeitet?

Nowitzki: Es war ein Riesen-Schock, und das auch noch mitten in den Playoffs. Andererseits hat mir der Basketball geholfen, mich abzulenken. Ich konnte mich verstecken und mich in Basketball verlieren. Nichtsdestotrotz war die Zeit nicht einfach. Ich habe die ganze Gefühlsleiter durchgemacht. Einmal war ich frustriert, dann traurig, später wieder wütend.

Frage: Was haben Sie nach dem Playoff-Aus gemacht?

Nowitzki: Ich bin relativ schnell nach Europa gereist und habe einen Familienurlaub gemacht. Am Strand liegen, Sonne tanken und den Rückhalt der Familie genießen. Das war super, um ein bisschen Abstand zu gewinnen. Natürlich wird mich das Thema noch eine Weile beschäftigen, aber ich würde sagen, dass ich wieder wohlauf bin. Wenn man mich vor einem Monat gesehen hätte, wäre es wohl etwas anders gewesen. Aber ich kann wieder lachen und Spaß haben. Das Leben geht weiter.

Nowitzki bricht sein Schweigen

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