Bobby Brown, Sacramento
© Getty

Bobby Brown exklusiv

Montag, 13.10.2008

Lieber Sonne als Kebab

Es war der 28. Juni 2007, als Bobby Browns Leben eine entscheidende Wendung nahm. Im New Yorker Madison Square Graden traf sich die NBA zum alljährlichen Draft.

60 Spieler wurden in zwei Runden ausgewählt. 60 Mal wurde ein Kindheits-Traum war. 60 Mal wurde ein Name verkündet. Der von Robert Douglas "Bobby" Brown aber nicht.

Es brach eine kleine Welt zusammen. "Es war sehr hart für mich, meinen Namen nicht zu hören", erzählt Brown im Gespräch mit SPOX.

Warum ihn kein Team wollte, liegt zunächst nicht klar auf der Hand: Brown war mit 1961 Punkten der erfolgreichste Scorer in der Geschichte seines Colleges und er war außerdem ein Finalist für den Bob Cousy Award. Mit diesem Preis wird immerhin das größte Point-Guard-Talent des Landes gekürt.

Browns Weg führt ihn zu ALBA

Browns Problem: Er spielte für die Uni von Cal State Fullerton. Ein College völlig ohne Renommee. Browns gute Statistiken schienen für die Scouts wohl eher an seinen schlechten Mitspielern zu liegen als an seiner Klasse.

So musste Brown einen anderen Weg einschlagen. Nachdem er sich eigentlich im Trainigs-Camp bei den Charlotte Bobcats für einen Vertrag empfehlen wollte, änderte eine Unterhaltung mit Dijon Thompson seine Pläne. Thompson, ein guter Freund von Brown aus Kalifornien, wechselte zu ALBA Berlin und so kam die Sache ins Rollen.

"Es gibt viele Wege, um es in die NBA zu schaffen. Meiner hat mich nach Deutschland geführt. Im Nachhinein war es eine super Erfahrung für mich. Ich habe viel Spaß gehabt, viel gelernt und durfte mit 23 Jahren die Welt sehen. Und ich habe eine Championship gewonnen", so Brown.

Anfangsprobleme bis die Freundin kommt

Bis er mit ALBA die deutsche Meisterschaft feiern konnte, vergingen allerdings lange Monate der Eingewöhnung in einem fremden Land weit weg von der Heimat.

"Das war wirklich nicht leicht. Es fing schon mit dem Geld an. Vom Euro hatte ich ja keine Ahnung. Einen Monat war ich ganz alleine in Berlin, dann ist zum Glück meine Freundin gekommen und hat mir sehr geholfen. Kurze Zeit später ist dann auch noch mein Cousin angekommen. Ich bin in dieser Zeit auf jeden Fall schnell erwachsen geworden", erklärt Brown.

Nachdem er mit starken Leistungen ALBA zum Titel geführt hatte, erwachte in Brown sein alter NBA-Traum wieder. Er entschied sich, ein Angebot der New Orleans Hornets anzunehmen und spielte ohne große Pause nach Bundesliga-Ende die Summer League.

Die besten Berlin-Bilder von Bobby Brown
 

Nach der Summer League: Angebote en masse

Und wie er sie spielte. Brown erzielte in sechs Partien durchschnittlich 15,2 Punkte und 6,3 Assists und war mit Abstand der beste Spielmacher der Summer League. Hoch gepriesene Erstrundenpicks wie Mike Conley (Memphis), D.J. Augustin (Charlotte) und George Hill (San Antonio) wurden von Brown, dem nicht gedrafteten BBL-Spieler, dominiert.

Für die Scouts war klar: Bobby Brown - den muss man holen. Und so standen die Klubs schnell Schlange. Maccabi Tel Aviv oder der FC Barcelona versuchten, Brown mit viel Geld zu ködern, und dann erhielt der 24-Jährige auch noch einen besonderen Anruf.

"CP3 hat sich gemeldet und wollte mich unbedingt in seinem Team haben", berichtet Brown. CP3 - das ist natürlich Chris Paul. Der Star-Point-Guard der Hornets wollte also Brown als seinen Backup. Eine Offerte, die man normalerweise nicht ausschlägt.

Klar definierte Rolle

Außer man hat die Gelegenheit, nach Hause zurückzukehren. "Als Sacramento mir einen sehr guten Zweijahresvertrag angeboten hat, war meine Entscheidung klar. Es war perfektes Timing. Ich hatte wirklich einen tollen Sommer", sagt Brown.

Bei den Kings soll er als Ersatz für den Slowenen Beno Udrih von der Bank kommen und neben seiner außergewöhnlichen Schnelligkeit und Athletik vor allem viel Energie ins Spiel bringen.

Im ultra-starken Westen die Playoffs zu schaffen scheint für Sacramento nahezu unmöglich. Aber um Shooting Guard Kevin Martin haben die Kings eine junge und talentierte Mannschaft zusammen.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass wir viele Spiele gewinnen. Die Saison wird ein großer Spaß", ist Brown optimistisch.

ALBA immer im Blick 

Dass er jetzt wieder in Kalifornien lebt, heißt aber nicht, dass er ALBA und Berlin vergessen hat.

"Ich checke jeden Tag die ALBA-Homepage und schaue, was so passiert. Am Wochenende haben sie Köln geschlagen. Ich weiß also Bescheid. Ich vermisse vor allem die tollen Fans und Döner Kebab, das war mein Lieblingsessen."

Was wäre eigentlich, wenn Dirk Nowitzki in einigen Jahren seine Karriere bei ALBA ausklingen lassen will und er a la Paul einen Anruf an Brown tätigt? Würde er dann zurück kommen?

"Oh, Mann, das ist vielleicht eine schwierige Entscheidung. Aber wenn ich dann noch bei den Kings bin, würde ich zu Hause in Kalifornien bleiben." Ganz nach dem Motto: Lieber Sonne als Kebab.

Florian Regelmann

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